Moslems und Jesus-Visionen. Teil 6, Schluss

Glaubensimpuls 329

Mein Vater starb 1967 als ich 19 1/2 war, meine Mutter starb im Januar 1973. 1971/72 war ich in der Klostergemeinschaft im Tirol. Im Herbst 1972 begann ich mit dem regulären Theologiestudium im Kloster Einsiedeln, das ich im Priesterseminar in Freiburg (CH) und in Luzern fortsetzte. Zwischen dem Studium kehrte ich immer wieder nach Hause zurück, denn wir bewirtschafteten ein kleines Weingut. Mit dem Ertrag konnten meine jüngeren Geschwister und ich unsere Ausbildung finanzieren. In den Sommermonaten war ich zu Hause. Beinahe jeden Mittag, bzw. Nachmittag, wenn die Sommerhitze das Arbeiten in den Reben über Mittag schier unmöglich machte, schloss ich die Fensterläden und genoss 2-3 Stunden meine mystisch-okkulte Gemeinschaft mit meiner “Leibgarde”, speziell mit der unbefleckten und ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria.

Eine grosse Zahl an Menschen innerhalb des Christentums praktizieren in irgendeiner Art und Weise mystisch-okkulte Verbindungen. Sie vollziehen sie vor allem mit der sündenlosen, sexuell unbefleckten Gottes Mutter Maria, den vielen Heiliggesprochenen und dann auch mit der zweiten Gott-Person Christus. Sie hat nichts mit dem Juden, Rabbi und Pharisäer Jahushua von Nazareth zu tun. Sie entspricht einer Göttergestalt, die, wie in der Antike, unter allen heidnischen Völkern üblich, von einer Gottheit auf mystische Weise in den Leib eines jungfräulichen Mädchens hineingezeugt worden war. Von ihr empfing Paulus Offenbarungen in Visionen, Erscheinungen und Träumen. In allen seinen Schriften beruft er sich auf diese mystisch-okkulte Göttergestalt, die er Christus nennt. Die übrigen Gründer des Christentums übernahmen seine Lehren und vertieften sie im Laufe der Jahrhunderte.

Wer z.B. bei den biblischen Propheten gewissenhaft nachliest und forscht wird erkennen, dass die Thora und Propheten in einem völlig anderen Zusammenhang vom Kommen des Messias, bzw. vom Anbruch des messianischen Reiches sprechen als Paulus das tut, als die Bibel der Christen, das sogenannte “Neue Testament”, das tut. Die Lehren des Paulus stehen im krassen Widerspruch zu dem gesamtprophetischen biblischen Wort. Vor allem in der katholischen und in den orthodoxen Kirchen werden die Mitglieder durch den Heiligenkult in die mystisch-okkulte Richtung geführt. Wie schon gesagt, werden durch die Heiligsprechung Menschen zu weiteren Göttern gemacht, denn die Anrufung verstorbener Menschen ist identisch mit Anbetung. In den charismatisch-pfingstlichen Kreisen hat der paulinisch-mystische Christuskult oberste Priorität. Dasselbe Phänomen finden wir genau so in den verschiedensten Richtungen des Buddhismus, des Hinduismus, des Schamanismus und der Esoterik, grundsätzlich in allen Religionen. Ganz besonders aber, in einer ausgeprägt verwerflichen Boshaftigkeit, in den Voodookulten (Wudu). Darum halten wir fest: Dieses Phänomen von Erscheinungen, Visionen und Offenbarungen, vom Vermitteln von Botschaften, vom Ausführen bestimmter Aufträge finden wir in allen Religionen und Kulturen der heidnischen Welt. Wie schon gesagt, in ihrer extrem boshaften und mörderischen Weise im Voodookult (Wudu), dem rund 70 Millionen eifrige Katholiken in Südamerika angehören. Sie schrecken nicht vor Verbrechen und Morden zurück, wenn sie im Trancezustand von der Jungfrau Maria und dem hl. Antonius geritten werden und in diesem Zustand ihre Mordflüche gegen unliebsame Personen aussprechen, während sie bestimmte Rituale vollziehen.

Bei seinem Besuch in Benin 1993 bezeichnete Papst Johannes-Paul II. den Voodookult als eine besondere Art der Frömmigkeit die dem katholischen Glauben, dem wahren Glauben, entspricht. Als junger Vikar in Zermatt bin ich durch eine Begebenheit in diesen finsteren zerstörerischen afroamerikanischen katholischen Voodookult hineingezogen worden, was mich beinahe mein Leben kostete. Nochmals zurück zu den Jesus-Visionen und -träumen von Moslems. Warum berichten in den letzten Jahrzehnten so viele Moslems davon? Der Islam ist in den letzten Jahrzehnten in eine innere Auseinandersetzung gestürzt worden, die einerseits viele radikale Kräfte entfachte, wie etwa den IS oder den politisch-religiösen Fanatismus Erdogans in der Türkei. Andererseits streben Massen von jungen Moslems nach Unabhängigkeit und Befreiung von ihren geistlichen Machthabern, die sie niederhalten und ihnen jede Zukunftsperspektive vermasseln, wie z.B. im Iran und in der Türkei. Existenzängste treiben junge Moslems auf die Strasse. Sie suchen Arbeit und Sicherheit.

Der freikirchliche Missionsaktivismus schafft durch die moderne internationale Vernetzung und Kommunikation Zugang zu den Menschen in den islamischen Ländern. Den Jesus, bzw. den Christus, den sie verkündigen, wird von vielen Moslems mit dem wirtschaftlichen Standard und Wohlergehen im Westen verknüpft. Christus, der Glücksbringer. Schon allein deswegen sind viele Moslems für den Jesus-Gott sensibilisiert. Oft sind es Menschen, die irgendwann, vielleicht in ihrer Kindheit, mit dem Jesus schon mal konfrontiert worden sind. Vielleicht waren sie an einer Auseinandersetzung beteiligt, vielleicht hörten sie nebenbei etwas von Jesus, vielleicht über die modernen Massenmedien, doch viele haben die Sache wieder vergessen, aber im Unterbewusstsein blieb sie haften. Irgendwann, und dies meistens in Zeiten von schweren Krisen, knüpft das Unterbewusstsein hier wieder an. Es gibt wohl kaum ein muslimischer Mensch, der heute nicht schon über den wundervollen Jesus etwas gehört hat.

Wie gesagt, über die modernen Kommunikationsmöglichkeiten erreicht der Glaube der Christen die letzten Winkel der islamischen Welt. Darüber machen sich islamische Eltern und Verantwortliche und die Wächter des islamischen Glaubens sehr grosse Sorgen. Darum warnen die Mullahs die Kinder sehr früh vor den Christen und ihrem Glauben an Jesus. Das macht manche erst recht neugierig. Den Kindern wird sehr früh der Unterschied von Jesus als Prophet, wie ihn der Islam verehrt oder Jesus als Gott, wie ihn die Christen anbeten, aufgezeigt. Gerade diese Warnungen in den Kinderjahren hinterlassen Spuren und machen neugierig.

Der Iraner Daniel Shayesteh, ein Mitgestalter der radikalen Religionspolitik des Ayatollah Khomeini, er fiel in Ungnade, kam ins Gefängnis, konnte in die Türkei fliehen und machte schliesslich an der Universität Istanbul sein Doktorat. Schwerpunkt seines Doktorates waren Kulturen und Religionen. In diesem Zusammenhang beschäftigte ihn das wirtschaftliche Erfolgsprinzip der westlichen Welt. Er kam mit Christen in Kontakt und besuchte regelmässig eine christliche Gemeinde. Er erkannte, dass der wahre Grund der wirtschaftlichen Entwicklung im Westen in der Bibel liegt. Später sah er Jesus in einem Traum. Er offenbarte ihm dasselbe was er in der Gemeinde hörte. Er war überrascht und schockiert zugleich und übergab sein Leben der Mensch gewordenen Gottheit der Christen, Jesus Christus.

Nun hoffen wir, dass er aus der Bibel und der geschichtlich-politischen Entwicklung erkennen darf, dass der wirtschaftliche Aufschwung im Westen, der offenbar den christlichen Werten zu verdanken ist, nicht den Christen, sondern den Juden zu verdanken ist. Denn Juden waren und sind es, die in aller Welt zerstreut, immer an der Verheissung JaHuWaHs an Abraham festhielten und den geistigen und wirtschaftlichen Reichtum weitertrugen. Die Juden waren immer konkret tätig in dieser Welt, sie bauten auf, entwickelten, setzten den Verstand als Gabe JaHuWaHs in dieser Welt ein – trotz zahlloser gräulicher und unvorstellbarer Schikanen, Vertreibungen, Verbrechen und Verfolgungen durch die Christen. Die Christen hingegen waren (und sind) dem Geiste des hellenistisch geprägten Paulus unterworfen, der diese Welt als vom Teufel beherrscht predigte, eine Welt die zu verachten ist (typisch stoisch-hellenistisches Denken). Seit ihrer Entstehung, und durch das finstere Mittelalter hindurch, und darüber hinaus, folgten sie der Lehre des Paulus, verhinderten dadurch jede Entwicklung, bekämpften sie, denn sie waren nur auf ihre ausbeuterischen Kirchen und das Jenseits fixiert. Durch die Reformation, vor allem durch Calvins Nachfolger, öffneten sich Menschen in aller Welt ganz langsam dem biblischen Prinzip der sozialen Gerechtigkeit, dem israelitisch-jüdischen Arbeits- und Lebenskonzept, d.h. dem Prinzip JaHuWaHs, das er Abraham erschlossen hatte. Die katholische Kirche öffnete sich diesem Prinzip erst im 20.Jahrhundert, auf Druck von aussen und nur zögerlich.

Es kann von sehr grossem Nutzen für uns und unsere Mitmenschen sein, wenn wir uns einmal im Leben mit diesen Phänomenen von Visionen, Erscheinungen, Träumen und Offenbarungen auseinandersetzen, aber dann sollten wir unsere Hände davon lassen. Denn diese religiösen Praktiken ereignen sich vielfältig. Sie sind nie dem biblisch-prophetischen Glaubensprinzip zuzuordnen, weil sie nicht lebensfördernd sind. JaHuWaH warnt uns vor solchen Praktiken, mit Recht. Der Glaube und die Weisungen JaHuWaHs stehen weit über allen diesen Erlebnissen, die Menschen über solche Erscheinungen, Visionen, Begegnungen, Hinweise und Wunder einer dritten Gott-Person, der Jesus-Gottheit, oder sonst irgendwelcher Gottheiten erleben, die tatsächlich in den Herzen und Köpfen der suchenden Menschen erscheinen und Wunder wirken.

Zudem wissen wir aus dem biblisch-prophetischen Wort, dass der Jesus-Gott eindeutig ein heidnisches Gebilde der Kirchenväter ist und nichts zu tun hat mit dem biblisch bezeugten Jahushua von Nazareth. Und noch etwas, das meistens unter den Teppich gekehrt wird: später, wenn der Alltag solche Menschen wieder einholt, wenn der Rummel um sie herum verblasst, dann bleiben solche Menschen oft erschöpft, depressiv und religiös gelangweilt, zurückgeworfen stehen, es sei denn sie konnten sich innerhalb einer christlichen Gemeinschaft etablieren und sich damit innerhalb ihrer neuen religiösen Umwelt eine besondere Position sichern. Damit können manche ihr Gesicht wahren. Doch das kann und sollte so nicht sein.

Herzlich grüsse ich alle Lesenden und wünsche allen einen Shabbat voller Dankbarkeit: “Du, JaHuWaH, bist unser Vater, unser Erlöser von alters her, das ist dein Name.. Aber nun, JaHuWaH, du bist unser Vater. Wir sind der Ton, und du bist unser Bildner, und wir alle sind das Werk deiner Hände” (Jes 63,16b; 64,7). Shalom!

Gregor Dalliard