Moslems und Jesus-Visionen. Teil 5

Glaubensimpuls 328

Die Reaktionen auf den letzten Glaubensimpuls bleiben nicht aus und das ist gut so. Darum möchte ich zunächst mit meinen damaligen Glaubenserfahrungen und -visionen fortfahren. Mich zog es fast jede Nacht hinauf zu der Kapelle “Mariä Sieben Schmerzen”, die auf einem Hügel in unserem Dorf, mitten im Rhonetal, erbaut ist. in der Frühzeit wurde hier auf diesem Hügel eine keltische Frauengöttin angebetet. Ich schlich mich buchstäblich aus dem Dorf hinauf zu meiner Maria, in ca. 15 Minuten war ich oben. Die aussergewöhnliche Stille, das Gemälde mit den sieben Dolchen in Marias Herz, versetzten mich gleich in Trance.

Ob nachts in der Kapelle oder tagsüber auf dem Motorrad und später in den heissen Sommertagen, hinter verschlossenen Fensterläden, Maria und die Heiligen, die ich meine “himmlische Leibgarde” zu nennen pflegte, umgaben mich, umhüllten mich. Sie drängten mich Priester zu werden und liessen mich Verschiedenes erfahren und sehen. Sie gaben mir den Auftrag ihrem Beispiel der Ehelosigkeit zu folgen und jeden sexuellen Gedanken mit drastischen Massnahmen gleich im Keime zu ersticken, und zwar durch strenges Fasten, durch die Enthaltsamkeit von Getränken bis zu drei Tagen, durch Geisselung und das Tragen eines mit Nägeln bestückten Bussgürtels. Ich würde dadurch einen hohen Grad an Heiligkeit erreichen und dem himmlischen Vater als wohlgefälliges Opfer angenehm sein, wie der hl. Franziskus, der Gründer des Franziskanerordens und der hl. Pfarrer von Ars, der Patron aller Priester. Während ich auf dem Motorrad sass und zur Arbeit fuhr realisierte ich nichts von dem was sich auf der Strasse tat, ich konnte mich an nichts erinnern. Trotz des regen Strassenverkehrs erreichte ich jeweils unfallfrei meinen Arbeitsplatz im Nachbarstädtchen.

Diese Visionen und Begegnungen mit meiner “himmlischen Leibgarde”, vertieften sich als ich 1971 mit dem Theologiestudium in Tirol (A) begann. Zusammen mit einem jungen Priester aus einer angesehenen Walliserfamilie, einem guten Freund der Familie, schloss ich mich dort einer mystisch-konservativen Klostergemeinschaft an und blieb fast ein Jahr in dieser Gemeinschaft. Abgesehen von mir und einigen wenigen anderen, schlossen sich solchen Bewegungen vorwiegend Menschen aus angesehenen Familien an. Einflussreiche Katholiken des öffentlichen Lebens unterstützen diese Bewegungen mit grossen finanziellen Mitteln. Diese und ähnliche Bewegungen und Gemeinschaften entstanden als Reaktion auf gewisse modernisierende Strömungen die nach dem 2. Vatikanischen Konzil Aufwind bekommen hatten. (Das Konzil fand von 1962-64 statt. Es wurde von Johannes XXIII. einberufen, der während des Konzils starb und auf den 1963 Paul VI. folgte, der das Konzil weiterführte).

Eine grosse Zahl von Kardinälen war gegen die Einberufung eines Konzils gewesen.So auch Kardinal Montini, der während des Konzils zum Papst Paul VI. gewählt worden war. Er hatte eng mit Papst Pius XII. zusammengearbeitet, der mit Hitler an den Verbrechen gegen die Juden gemeinsame Sache gemacht hatte (s.Konkordat von 1933). Mit vielen anderen glaubte Paul VI., dass die uralten Lehren/Dogmen der Kirchengründer (des Paulus) angetastet und in Frage gestellt werden würden, was den politischen Status des Vatikanstaates in Europa einschränken und seinen Einfluss auf die Gläubigen zurückdrängen könnte. Paul VI. sagte: “Der Rauch Satans (des Protestantismus) ist in die Kirche eingedrungen.” Darum unterstützte er alle diese Bewegungen und Orden.

Der Orden bestand sowohl aus Männern als auch aus Frauen und war vom Vatikan sanktioniert und damit geschützt. Ich erlebte noch die Zeit der Gründungsphase. Was mich innerlich zutiefst bewegte war ein aussergewöhnliches Ereignis bei meiner Ankunft im Tirol. Ich wurde von zwei Priestern gleich zur Gründerin des Ordens geführt. Sie überreichte mir einen grösseren Briefumschlag. Sie bat mich, mich in meiner Zelle in den Inhalt des Briefes zu vertiefen. Der Brief enthielt den Namen meines Schutzengels und seine Charaktereigenschaften, aber auch ganz private Schwächen und positive Seiten meines Lebens, die nur meine Beichtväter wissen konnten, die sie ja nicht kennen konnte. Der leidenschaftliche Charakter des Engels für die Kirche, für die Jungfrau und Gottesmutter Maria, für den Heiligen Vater, d.h. den Papst in Rom, usw., die Gesinnung und das Engagement des Engels entsprachen genau meinen Eigenschaften und meinen leidenschaftlichen religiösen Absichten.

Was sie mir sonst noch in diesem Brief vermittelte durchdrang mein Innerstes, denn es war unmöglich, dass sie, ausser mir, all das wissen konnte. Über ihre mystischen Engelbeziehungen und -visionen brachte sie alles über mich in Erfahrung. Ich verehrte sie als grosse Heilige, als ein Mensch der ganz im Glauben Gottes stand. Damit allerdings, hatte sie mich und alle anderen im Griff. Wir vertrauten ihr ohne Wenn und Aber. Der christlich-katholische Glaube ist dogmatisch so aufgebaut und wird in den ständig sich wiederholenden Sakramenten, Ritualen, Zeremonien und Liturgien so praktiziert, dass der einzelne Mensch systematisch entmündigt und in seiner Persönlichkeitsentfaltung verstümmelt bleibt. Wir sind nie gelehrt worden wie sich der Mensch auf der Basis des biblisch-prophetischen Wortes – glaubensmässig – ein gesundes Urteil im Umgang mit den Herausforderungen des Lebens aneignen kann.

Darum waren wir in jenen Tagen auch nicht fähig, das was sich uns als Licht offenbarte, als Finsternis zu entlarven und uns von alledem zu befreien. Wir vollzogen bis ins unerträgliche Fasten- und Busszeiten. Sexuelle Empfindungen versuchten wir mit rigorosen Methoden der Kasteiung im Keime zu ersticken, so wie das alle Heiligen der Kirche taten, vor allem der hl. Franz von Assisi und der hl. Jean Marie Vianney, Pfarrer von Ars. Kadavergehorsam gehörte zu den Selbstverständlichkeiten. Erst als ich später – in den letzten Jahrzehnten – tiefer und tiefer in das biblisch-prophetische Wort hineinwachsen durfte, taten sich mir schrittweise die Tore zum Herzen des Lebens auf. Sie können nicht wieder geschlossen werden, denn wer aus der religiösen Finsternis entfliehen kann, der kann unmöglich zu ihr zurückkehren! “Und sie gedachten daran, dass JaHuWaH ihr Fels sei und JaHuWaH, der Höchste, ihr Erlöser” (Ps 78,35). Davon wussten wir nichts!

“Glücklich der Mensch, der auf mich hört, indem er wacht an meinen Türen Tag für Tag, die Pfosten meiner Tore hütet! Denn wer mich findet, hat Leben gefunden, Gefallen erlangt von JaHuWaH. Wer mich aber verfehlt, tut sich selbst Gewalt an” (Spr 8,34-36). So führt uns die Weisheit JaHuWaHs durch die kommenden Jahre. In dieser Freude grüsse ich alle herzlich und wünsche allen einen erbaulichen Shabbat. Shalom!

Gregor Dalliard