Der neue bayerische Ministerpräsident Söder, das Kreuz und die christliche Ethik. Teil 1

Glaubensimpuls 351

Der Kreuz-Erlass des neuen bayerischen Ministerpräsidenten Söder löste heftige Auseinandersetzungen innerhalb des traditionellen Christentums aus: Seit dem 1. Juni soll im Eingangsbereich jeder bayerischen Behörden ein Kreuz hängen. Während sich die beiden deutschen Kirchenführer Kardinal Marx und Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm recht schnell gegen diese Verordnung aussprachen, freuen sich viele Bischöfe über Söders Entscheidung. Dieser Überzeugung sind, abgesehen von Söderds Kreuz-Erlass, Abermillionen von Christen auf der ganzen Welt. Das Kreuz ist für sie das sichtbare Zeichen der christlichen Ethik. Sie sehen darin ein mutiges Bekenntnis zu den christlichen Werten.

Damit setzen Vatikan und Milliarden von Christen, ob katholisch, lutherisch, orthodox, oder was auch immer, mit aller Selbstverständlichkeit voraus, dass die christliche Ethik, die aus der Kreuzestheologie heraus entstanden worden ist, die einzig wahre und korrekte Glaubensethik ist, nach der sich unser Leben (die Lebensethik) zu richten hat und die dazu und damit JaHuWaH noch wohlgefällig sein soll! Die christliche Glaubens- und Lebensethik ist nach ihren Dogmen die biblische. Worin zeigt sich aber sehr schnell ein eklatanter Widerspruch? Einerseits bezeichnen sie ihre Glaubens- und Lebensethik als die biblische, andererseits soll die christliche Ethik über derjenigen des TaNaCH stehen und die Glaubens- und Lebensethik des Tanach aufheben. So lehrt es Paulus: “Denn Christus ist des Gesetzes Ende” (Röm 10,4) . D.h. Christus ist das Ende der geoffenbarten Glaubens- und Lebensethik!!

Mit anderen Worten konnten die Gründer des Christentums ihre neue Glaubens- und Lebensethik frei nach ihren philosophischen Glaubengesetzen, in Anlehnung an das traditionelle Heidentum schaffen und entwickeln – unter dem griechischen oder lateinischen Decknamen Christus oder Jesus, der rein nichts mit dem Juden Jahushua von Nazareth zu tun hat. Für ihn vermittelte der TaNaCH diskussionslos die verbindliche Glaubens- und Lebensethik (Weisungen des Lebens) – bis zu seiner Pfählung.

Dabei meinen sie felsenfest, dass diese Theologie, d.h. die Lehre von der Erlösung durch ein Kreuz, verbunden mit Menschenblut, das Erlösung bewirkt, von Jahushua von Nazareth persönlich gelehrt worden sei. Sie sind ebenso felsenfest davon überzeugt, dass JaHuWaH durch alle seine Propheten in der Bibel (TaNaCH) von dem Jesus Christus (ein lateinischer, bzw. griechischer Name) spricht und von der Erlösung durch das römische Kreuz und von der erlösenden Wirksamkeit des Blutes einer Mensch gewordenen Gottheit namens Jesu, die die Sünden der Welt hinwegnimmt. Doch von einer solchen Erlösungsethik, nach der sich unser Leben richten soll, finden wir in der Bibel (TaNaCH) wahrlich nichts!!

Was irritiert überzeugte Christen, worüber sind sie völlig überrascht und viele sogar masslos entsetzt? Wenn wir ihnen sagen, dass wir, im Gegensatz zu ihnen, unsere Glaubens- und Lebensethik auf die Bibel aufbauen, damit aber konsequenterweise die gesamte erlösende Kreuzesethik mit ihrer erlösenden Blutethik, aus der die Trinität, die Verdammnis und endgültige Verwerfung der Juden durch JaHuWaH, die Ersatztheologie: die Christen anstelle der Juden u.v.m. entschieden ablehnen. Sie halten uns für gottlos, unerlöst, nicht wiedergeboren, für das ewige Höllengericht bestimmt u.v.m. Vielleicht haben wir noch vor wenigen Jahren ebenso reagiert wie sie das tun, darum haben wir Verständnis für ihr Verhalten uns gegenüber. Wie kann sich jemand als gläubig bezeichnen, sich auf die Bibel berufen und sich dabei auch noch auf das gesamtprophetische Zeugnis der Bibel berufen und dabei die Erlösung durch das Kreuz und durch Menschenblut ablehnen und als nicht biblische, heidnisch-verworrene Glaubensethik verwerfen?

Söder, und mit ihm Milliarden von Christen sind davon überzeugt, dass die christliche Lebensethik, die den Menschen über den Weg von Folter, Tod und Blut erwirkt und erschlossen worden ist, die bessere Lebensethik ist als die von JaHuWaH im TaNaCH geoffenbarte. Als sich die Gründer des Christentums im 4. Jh. mit den römischen Herrschern einigten, durften und wollten sie auch nichts mehr mit den Juden zu tun haben, die als die grossen Feinde der traditionellen griechisch-römischen Götter galten und damit auch der römischen Herrscher. Sie waren schliesslich den römischen Herrschern über jedes vernünftige Mass hinaus ergeben und unterwürfig. Damit waren sie vollkommen dem Judenhass verfallen. Die Ermordung Jahushuas wurde nicht mehr den Römern sondern den Juden angelastet. Damit verwarfen sie die biblische Glaubens- und Lebensethik, denn sie führte die Juden offenbar zum Mord an den Mensch gewordenen Gott Himmels und der Erde.

Nach ihrer Vorstellung ist die christlich Ethik jeder anderen Ethik hoch überlegen. Diese bodenlose Selbstüberschätzung, die zu einem chronischen Problem geworden ist und unsägliches Leid über die Menschheit brachte, beherrscht das Christentum seit dem 4.Jh. Vergessen wir nicht, das offizielle Christentum hat ab den ersten Konzilien im 4. Jh. bis in die 1960er Jahre hinein jede Hinterfragung der christlichen Lehren, Traditionen und Werte unter Androhung des Heilsverlustes, früher unter Todesstrafe, verboten. Wer die Entwicklung und Entfaltung der menschlichen Ethik/Werte in der Geschichte unter die Lupe nimmt, muss sich nun eines Besseren belehren lassen. Das was dabei ans Tageslicht kommt ist erschütternd und nimmt manchem Aufrichtigen zuerst einmal den Boden unter den Füssen weg.

Einerseits sind Massen von Christen froh müssen sie sich nicht mit den Wurzeln des christlichen Glaubens und dessen was sie als gute und bewährte christliche Ethik glauben und weitergeben, ja als heilsnotwendig glauben und weitergeben, auseinandersetzen. Viele wollen das auf gar keinen Fall tun. Andererseits geben viele Christen offen zu, dass sie dabei total überfordert wären und froh sind, wenn das die geistlichen Herren, Pastoren und Prediger für sie tun und für sie entscheiden.

“Meine Rechtsbestimmungen sollt ihr tun, und meine Ordnungen sollt ihr halten, um in ihnen zu leben. Ich bin JaHuWaH, euer Erlöser (Gott). Und meine Ordnungen und meine Rechtsbestimmungen sollt ihr halten. Durch sie wird der Mensch, der sie tut, Leben haben. Ich bin JaHuWaH” (3Mo 18,4-5). Shalom und einen gesegneten Shabbat wünsche ich allen von Herzen.

Gregor Dalliard