Der Mensch, die Krone der Schöpfung und die Schöpfung.

Glaubensimpuls 353

Nach der mitteleuropäischer Zeit hat der Sommer gerade erst am 21. Juni um 12:07 Uhr begonnen. Viele freuen sich in der Sommerzeit ganz besonders, vor allem jene die eine besondere Beziehung zur Schöpfung pflegen. Die Bibel (TaNaCH) lehrt uns zwei wunderbare Tatsachen. JaHuWaH ist überall, in allem was existiert (Ps 139,17-18) und JaHuWaH kennt mich durch und durch und zwar als sein Liebeswerk innerhalb seiner Schöpfung (Ps 139,1-4). Einfach umwerfend!

JaHuWaH als Schöpfer der Welt (1Mo 1,1ff) liebt mich konsequent – in jeder meiner Lebenssituationen. Diese Tatsache ist in Lebenskrisen nicht immer leicht nachvollziehbar, aber die lange und reiche Lebenserfahrung der biblischen Patriarchen und ihrer Frauen im Umgang mit JaHuWaH – gerade in solchen Situationen und Zeiten – lassen das auserwählte Volk und irgendwann die ganze übrige Welt aufhorchen! Wir sind heute die Gesegneten dieses Umgangs mit JaHuWaH. Wenn die Bibel von der Entstehung der Schöpfung spricht, dann fasst sie die Entstehung dieser gewaltigen Dinge, Zeiten und Dimensionen in 6 Stufen zusammen, bzw. in 6 Etappen, als Werk, das in 6 Tagen geschaffen worden ist. Diese Bildsprache, oder wie immer wir die biblische Beschreibung der Schöpfungsgeschichte bezeichnen wollen, ist dem israelitisch-jüdischen Menschen in besonderer Weise von JaHuWaH geschenkt worden. In wunderbaren Bildern vermögen die von JaHuWaH erfassten Schreiber der Bibel das grandiose Schöpfungswerk im Rhythmus von 6 Tagen darzustellen. Längst bevor uns die Wissenschaft von den verschieden Evolutionsstufen und -zeiten überzeugen wollte war der Rhythmus der Entstehung unserer Schöpfung den Bibelschreibern schon bekannt. Das ist tatsächlich umwerfend!

Als ich als junger Priester in den Sekundarschulklassen von Zermatt Religionsunterricht erteilte und mich intensiv mit dem Thema Entstehung der Schöpfung befassen musste, konnte ich diese Tatsache nicht fassen. Ich musste mich natürlich auch mit dem Schöpfungsbericht der Bibel auseinandersetzen, obwohl die Bibel, was ihren Gesamtzusammenhang und ihre Bildsprache betrifft, nicht im Fokus eines katholischen Priesters steht. Im Rhythmus von sechs Tagen wird uns Schritt für Schritt die Reihenfolge der Entstehung unserer Schöpfung mitgeteilt, so wie sie uns in den letzten Jahrzehnten die Lehrer der Evolution aufzeigen. Ich betone: die Reihenfolge!! Das was uns erst in den letzten Jahrzehnten die Lehrer der Evolution von der Wissenschaft als Novum mitteilen wollen kennt die Bibel also schon seit Urzeiten. Normalerweise lehnt ein Christ die Evolution ab. Er glaubt nicht, dass JaHuWaH seine Schöpfung in langen Zeiträumen hindurch geschaffen hat. Da ein Christ das israelitisch-jüdische Denken, das sich sehr oft in tiefgreifenden Bildern, Metaphern und Typologien ausdrückt, nicht oder nur schlecht nachvollziehen kann. Er wird darin nicht oder nur schlecht unterwiesen, darum ist er auch nicht fähig die Bildsprache des auserwählten Volkes, der Urväter und Urmütter der Bibel, zu entziffern und darüber zu staunen. Er übernimmt die Dinge wörtlich, wie etwa die Entstehung der Schöpfung als ein Werk das in exakt sechs Tagen geschaffen worden ist. Er unterweist seine Glaubensgemeinschaft entsprechend streng nach dieser Vorstellung und droht ihr im Namen seines Gottes (bzw. Gottheit) mit dem Verlust des ewigen Lebens, falls sie daran zweifeln sollte. Das wiederum verführt denkende und forschende Menschen dazu die Bibel als Märchenbuch zu verwerfen. Das ist sehr tragisch.

Die Bibel kennt die Bezeichnung der Wochentage, wie sie die heidnische Welt überall kennt, nicht. Abraham wurde aus der heidnischen Welt herausgenommen, mit ihm auch seine Nachfolger der Linie Itzhak (Juden) bis zum heutigen Tag. Später auch die Nachfolger Ismaels, wenn auch in einem beschränkten Mass (Islam). Abraham war JaHuWaH begegnet und lernte von ihm. Dadurch wurde er von den Götzen und dem Götzendienst befreit. Bis heute kennen die Juden darum eine andere Bezeichnung der Wochentage. Zählen die Juden die Wochentage auf dann sagen sie: erster Tag, zweiter Tag, dritter Tag usw. Der Sonntag ist der erste Tag der Woche und heisst Jom rischon, d.h. wörtlich: erster Tag. Jom heisst Tag, rischon heisst erster. Nur der siebente Tag hat einen eigenen Namen: Shabbat. Er ist der Tag der Ruhe. Die heidnischen Völker übernahmen im Laufe der Zeit vom auserwählten Volk den Rhythmus der sieben Tage. Da sie JaHuWaH nicht kennen und von ihren Göttern erpresst werden, weihten sie die Tage ihren Göttern um ihnen den geforderten Gehorsam und die geforderte Anbetung entgegenzubringen. Die Gottheiten sind Chaoten. Sie beuten die Menschen aus, versklaven sie in jeder nur erdenklichen Weise. Sie fordern. Davor sind selbst moderne Menschen, aber über diese Dinge unwissend gehalten, nicht gefeit. Der Sonntag ist der Tag der Sonnengottheit und dem Sol Invictus geweiht (der Gottheit der unbesiegbaren Sonne), der Montag der Mondgottheit, der Dienstag der altgermanischen Thingsgottheit, der Mittwoch/mercredi dem Merkur, der Donnerstag/jeudi dem Jupiter oder dem Donar, der Freitag/vendredi der Venus oder der Freia. Je nach Land, Region und Tradition kommen unterschiedliche Gottheiten und Namen hinzu.

Die katholische und orthodoxe Kirche weiht bestimmte Zeiten, Tage und Wochentage ihren trinitarischen drei Gott-Personen und unzähligen von ihr heilig gesprochenen Menschen, denen sie bestimmte Tage weiht und die sie, wie die alten heidnischen Gottheiten, an bestimmten Tagen besonders anbetet, verehrt und von denen sie Schutz und Gelingen erwartet. Sie tat und tut für sie auch sehr viel (siehe den Bau von Kirchen, Kathedralen, etc. und Wallfahrten und Prozessionen). An einem Tag können bis zu zehn Heilige (Gottheiten) stehen. Nun, seit wir im Glauben Abrahams wiedergeboren sind, brauchen wir das alles nicht mehr. Wir haben einen wunderbaren Blick für das grandiose zusammenhängende Schöpfungswerk JaHuWaHs empfangen, das sowohl den ganzen Menschen als auch seine Werke miteinschliesst, umfasst. “Ich preise dich darüber, dass ich auf eine erstaunliche, ausgezeichnete Weise gemacht bin. Wunderbar sind deine Werke, und meine Seele erkennt es sehr wohl. Nicht verborgen war mein Gebein vor dir, als ich gemacht wurde im Verborgenen, gewoben in den Tiefen der Erde. Meine Urform sahen deine Augen. Und in dein Buch waren sie alle eingeschrieben, die Tage, die gebildet wurden, als noch keiner von ihnen da war. Für mich aber - wie umwerfend (kostbar) sind deine Gedanken, o JaHuWaH (Gott)! Wie gewaltig sind ihre Summen! Wollte ich sie zählen, so sind sie zahlreicher als der Sand. Ich erwache und bin noch bei dir” (Ps 139,14-18). Mit einem herzlichen Shalom grüsse ich alle und wünsche allen einen erholsamen Shabbat. Shalom!

Gregor Dalliard