“Seht, das ist mein Knecht, den ich halte” (Jes 42,1).

Glaubensimpuls 330

Mit der Erwählung Abrahams legte JaHuWaH gleichzeitig seinen Geist auf ihn. Wie uns das Verhalten Abrahams zeigt geschah dies nicht zwangsweise. Abraham war ergriffen von JaHuWaH. Die Begegnung mit JaHuWaH führte ihn schrittweise aus der Unwissenheit über JaHuWaH ans Licht, in das Licht des Lebens. Die Unwissenheit über JaHuWaH ist identisch mit Dunkelheit, Finsternis (Götzenkult) und kann im Leben eines Menschen viel unnötiges Leid nach sich ziehen. Es war gerade so als ob JaHuWaH eine neue Schöpfung ins Dasein rief. Als er die Schöpfung aus dem Nichts ins Dasein rief, sprach JaHuWaH: “Es werde Licht! Und es wurde Licht” (1Mo 1,3). Das bezeugen uns die Propheten Israels. Weiter bezeugen sie: “Und JaHuWaH sah das Licht, dass es gut war; und JaHuWaH schied das Licht von der Finsternis” (1Mo 1,4).

Darum konnte Abraham nicht länger in seinem angestammten Land, in der bisherigen Stadt und im Hause seines Vaters bleiben (vgl. 1Mo 12,1). Die Begegnung mit JaHuWaH, das Wissen um JaHuWaH, trieb ihn aus dem Götzendienst, aus der religiösen Kultur seiner Leute. Und er bekam von JaHuWaH unvorstellbare Verheissungen für die ganze Menschheit, für alle Zukunft (vgl. 1Mo 12,2-3). Die Begegnung und Gemeinschaft mit JaHuWaH ist Licht, hat ein klares Ziel, ist darum dynamisches, manchmal auch turbulentes, Leben, das aber den auf JaHuWaH Vertrauenden täglich aufrichtet. Das ist ein Wunder seiner Liebe! Darum geht er mit offenen Augen durch diese Zeit. Das Licht, das JaHuWaH ist und schenkt öffnet die Augen der Blinden, die im Dunkel sitzen, d.h. solcher die in der Dunkelheit der finsteren Religionsführer und Ideologen sitzen. Was Abraham, und natürlich auch seine Frau Sara, persönlich erlebte greifen die Propheten immer wieder auf, und zwar mit ihrer ganzen Lebensenergie. Das tut z.B. Jeshajahu, wenn er uns die eindrucksvollen Worte JaHuWaHs übermittelt: “Ich, JaHuWaH, ich habe dich in Gerechtigkeit gerufen und ergreife dich bei der Hand. Und ich behüte dich und mache dich zum Bund des Volkes, zum Licht der Nationen, blinde Augen aufzutun, um Gefangene aus dem Kerker herauszuführen und aus dem Gefängnis, die in der Finsternis sitzen. -Ich bin JaHuWaH, das ist mein Name. Und meine Ehre gebe ich keinem anderen noch meinen Ruhm den Götterbildern” (Jes 42,6-9).

Gemeint sind zuerst die geistig Blinden, die geistig Blindgemachten, die Gefangenen, die in ihrer geistigen Blindheit – ohne es zu wissen – wie Gefangene leben, die wie in einem Kerker sitzen. Wie Abraham aus alledem herausgeführt worden war, so soll die ganze Menschheit befreit werden, indem sie zum Licht, das JaHuWaH ist, geführt wird. JaHuWaH machte Abraham zum Bundesgenossen (vgl. 1Mo 12,3). Dieser Bund ging durch Abraham auf seine Nachkommen über, die JaHuWaH von Anfang an in den Bund miteinbezogen hatte. JaHuWaH nennt Juda und Israel seinen Knecht (vgl. Jes 44,21). Der Prophet Jeshajahu spricht im Geiste JaHuWaHs. Sein Jubel reisst uns mit: “Denke daran, Jakob und Israel, denn du bist mein Knecht. Ich habe dich gebildet, du bist mein Knecht. Israel, du wirst nicht von mir vergessen. Ich habe deine Verbrechen ausgelöscht wie einen Nebel und wie eine Wolke deine Sünden. Kehre um zu mir, denn ich habe dich erlöst! Jubelt, ihr Himmel, denn JaHuWaH hat es getan! Jauchzt, ihr Tiefen der Erde! Brecht in Jubel aus, ihr Berge, du Wald und all ihr Bäume darin! Denn JaHuWaH hat Jakob erlöst, und an Israel verherrlicht er sich” (Jes 44,21-23).

Dieser Jubel ist verständlich. Er geht durch Mark und Bein. ER sieht die Erfüllung der Verheissungen an Abraham: “Siehe, mein Knecht, den ich halte, mein Auserwählter, an dem meine Seele Wohlgefallen hat: Ich habe meinen Geist auf ihn gelegt, er wird das Recht zu den Nationen hinausbringen. Er wird nicht schreien und die Stimme nicht erheben und seine Stimme nicht hören lassen auf der Strasse” (Jes 42,1-2). Ja, die Geschichte gibt diesem Wort recht. Unzählige Male wurden die Juden in den letzten 1600 Jahren von den Kirchen und christlichen Gemeinschaften im Namen Jesu, des Christus, eingesperrt, gemartert, gefoltert, gedemütigt, beraubt, vertrieben, verfolgt. Eine unüberschaubare Masse von ihnen wurde im Laufe dieser Geschichte ermordet. Doch niemand hörte in den letzten 1600 Jahren von einem Krieg der Juden gegen die Christen, von Kriegsgeschrei. Sie schrien nicht und liessen ihre Stimme nicht hören. Selbst dann, als vor nicht zu langer Zeit Hunderttausende von ihnen, darunter zehntausende Säuglinge und zehntausende Kinder, alte und kranke Menschen, in die Folterkammern der Gashäuser getrieben worden waren, sie liessen ihre Stimme nicht hören. Dann trieben sie wieder Hunderttausende von ihnen und wieder Hunderttausende in die Gaskammern – und so ging das weiter – bis es, und es ist noch nicht solange her, um die 6 Millionen waren. Doch: “Er wird nicht schreien und die Stimme nicht erheben und seine Stimme nicht hören lassen auf der Strasse”. In allen diesen Schrecken verblasst der Aufstand der verzweifelten Juden im Warschauer Ghetto von 1943 total.

Und siehe da, der geliebte Knecht JaHuWaHs, ein Überrest, existiert immer noch. Dieser Knecht, die Juden, stehen immer noch in einer tiefen Bundesbeziehung mit JaHuWaH. Im Glauben Abrahams sind sie Erlöste. Und dieser Knecht ist immer noch gefordert: “Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen. In Treue bringt er das Recht hinaus. Er wird nicht verzagen noch zusammenbrechen, bis er das Recht auf Erden aufgerichtet hat. Und die Inseln warten auf seine Weisung” (Jes 42,3-4). Das ist gewaltig und erschütternd zugleich! Unwillkürlich denken wir an die Worte des Propheten Sacharjahu (vgl. Sach 8,20-23) und die anderer Propheten. In dieser zuversichtlichen Freude grüsse ich – wie immer – alle ganz herzlich und wünsche allen einen erholsamen Shabbat. Shalom!

Gregor Dalliard