Die Macht des Wortes. Teil 3, aus dem Buch Kohelet (Prediger).

Glaubensimpuls 283

Die Worte aus dem Buch Kohelet (aus dem Hebräischen übersetzt: Prediger) gehen zu Herzen. Reiche Erfahrungen im Zusammenhang von Torheit und Weisheit und der Vergänglichkeit des gegenwärtigen irdischen Zeitalters stehen im Zentrum dieser Sammlung. In jeder Generation schöpften Menschen aus dieser Sammlung. Sie schöpften aus dem was ihre Vorväter in vielen Jahrhunderten vor ihnen im Umgang mit dem Schöpfer JaHuWaH und untereinander erfahren hatten. Sie schrieben diese Erfahrungen als einen reichen Schatz fürs Leben nieder. Es ist ein Schatz der nie vergänglich ist. Es ist ein zeitloser Schatz. Er soll vor allem den jungen Menschen jeder Generation als Lebenshilfe weitervermittelt werden. Jede Generation darf und soll sich mit diesem Schatz auseinandersetzen und daraus schöpfen, damit ihr Leben – trotz aller Querelen und Enttäuschungen – gelingen kann. Alles dreht sich um die Beziehung zu JaHuWaH und die damit verbundenen ethisch-moralischen Anweisungen, ohne die kein gesundes Zusammenleben funktionieren kann.

Ergreifend ist die einführende Aussage in Koh 1,1-11. Sie mündet am Ende der Sammlung in die uns sehr trostreiche und bekannte Aussage: “Und der Staub kehrt zur Erde zurück, so wie er gewesen, und der Geist (untrennbar mit der Seele verwachsen) kehrt zu JaHuWaH zurück, der ihn gegeben hat” (Pred 12,7). Alles Irdische, selbst das gegenwärtig Irdische am Menschen, ist in diesem Zeitalter der Vergänglichkeit unterworfen. Es ist eine Tatsache, mit der viele Menschen ihre liebe Mühe haben. Ihnen ist unbekannt, dass nur das Irdische in diesem Zeitalter vergänglich ist, nicht aber in der neuen Schöpfung. Erst im Wissen um unser Weiterleben nach dem Tod und um die vollkommene Wiedervereinigung aller Dinge – in einer neuen Welt und in einem neuen Himmel – gibt allem irdischen Leben den wahren Sinn und erschliesst uns die Zusammenhänge des Lebens. Wie schön alles Irdische sein mag, es geht hier auf Erden, in dieser Ewigkeit (Zeitalter), der Nichtigkeit entgegen. Jeder schöne Augenblick, jede schöne Zeit, geht der Vollendung (Nichtigkeit) entgegen, hört hier auf Erden einmal auf. Das kann sich äusserst bitter anfühlen. “Nichtigkeit der Nichtigkeiten! spricht Kohelet. Alles ist Nichtigkeit!” (Koh 12,8).

Jeder schöne Augenblick im Leben bekommt erst im Wissen um meine Rückkehr zum Geist JaHuWaHs Sinn. 13 Mal wird im Buch Kohelet die “Furcht JaHuWaHs” erwähnt. Die Furcht JaHuWaHs ist nicht zu verwechseln mit Angst haben vor JaHuWaH. Viel mehr ist unsere Verantwortung in der kurzen Zeit unseres irdischen Lebens in diesem Zeitalter (in dieser Ewigkeit) als Mitgestalter (als Ebenbild) des Lebens gemeint: Die Förderung und der Einsatz unserer Talente am Aufbau der Beziehungen zu JaHuWaH und zu seinem Wort, am Aufbau der friedlichen Beziehungen der Menschen untereinander, ohne dabei die zentrale Beziehung zu JaHuWaH und zu seinem Wort aufs Spiel zu setzen. Unser Beitrag am Aufbau und an der Wiederherstellung der Schöpfung über die es einmal hiess: “Und JaHuWaH sah alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut” (1Mo 1,31). Aber heute gilt die Botschaft: “Denn siehe, ich schaffe einen neuen Himmel und eine neue Erde. Und an das Frühere wird man nicht mehr denken, und es wird nicht mehr in den Sinn kommen. Vielmehr freut euch und frohlockt allezeit über das, was ich schaffe!” (Jes 65,17-18). Doch JaHuWaH schafft den neuen Himmel und die neue Erde nicht ohne unseren persönlichen Beitrag. Jedem ist eine Zeitspanne in diesem Zeitalter (in dieser Ewigkeit) zugemessen.

Also setzen wir unsere Talente für diesen Aufbau ein. Nicht umsonst lehrt Jahushua von Nazareth: “Wenn du aber betest, so geh in deine Kammer, und nachdem du deine Tür geschlossen hast, bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist, und dein Vater, der im Verborgenen sieht, wird dir vergelten. Seid ihnen (den frommen Leuten die Sakramente als Heilsrituale herunterphaseln = Heiden) nun nicht gleich; denn euer Vater weiss, was ihr benötigt, ehe ihr ihn bittet. Betet ihr nun so: Unser Vater, der du bist in den Himmeln, geheiligt werde dein Name; dein Reich komme; dein Wille geschehe, wie im Himmel so auch auf Erden” (Mt 6,6-10). Einfacher geht es nicht mehr – einfach wunderbar! Lasst uns die Lehre Jahushuas von Nazareth zu Herzen nehmen, denn sie liegt auf der klaren Linie aller Gerechten, d.h. von JaHuWaH im Glauben Abrahams gerechtfertigten und wiedergeborenen Menschen und Propheten.

Darum lassen wir die Weisen sprechen: “Und denke an deinen Schöpfer in den Tagen deiner Jugendzeit, bevor die Tage des Übels kommen und die Jahre herannahen, von denen du sagen wirst: Ich habe kein Gefallen an ihnen! - bevor sich verfinstern die Sonne und das Licht, der Mond und die Sterne, und die Wolken nach dem Regen wiederkehren; an dem Tag, wenn die Wächter des Hauses zittern und die starken Männer sich krümmen und die Müllerinnen müssig gehen, weil sie wenig geworden, wenn sich verfinstern, die durch die Fenster sehen, und die Türen zur Strasse hin geschlossen werden, während das Geräusch der Mühle dünner wird und ansteigt zur Vogelstimme, und alle Töchter des Gesangs werden gedämpft. Auch vor der Anhöhe fürchtet man sich, und Schrecknisse sind auf dem Weg. Und der Mandelbaum steht in Blüte, und die Heuschrecke schleppt sich mühsam dahin, und die Kaper platzt auf. Denn der Mensch geht hin zu seinem ewigen Haus, und die Klagenden ziehen umher auf der Strasse; - bevor die silberne Schnur zerreisst und die goldene Schale zerspringt und der Krug am Quell zerbricht und das Schöpfrad zersprungen in den Brunnen fällt. Und der Staub kehrt zur Erde zurück, so wie er gewesen, und der Geist kehrt zu Gott zurück, der ihn gegeben hat. Nichtigkeit der Nichtigkeiten! spricht der Prediger. Alles ist Nichtigkeit!” (Pred 12,1-8) – in diesem Zeitalter!

Von Herzen wünsche ich allen einen gesegneten Shabbat. Mit einem lieben Shalom

Gregor Dalliard