Die Macht des Wortes. Teil 2

Glaubensimpuls 282

Wir haben im letzten Gim 281 auf zwei wichtige biblische Grundprinzipien hingewiesen. Wir werden erstens aufgefordert uns in unserem Leben mit ganzer Konzentration auf JaHuWaH auszurichten. Das geschieht, wenn wir uns mit dem was er im TaNaCH redet auseinandersetzen. Zweitens: Wer sich in seinem Leben mit ganzer Konzentration auf JaHuWaH, d.h. auf sein Wort ausrichtet, der empfängt seinen Geist. Konkret heisst das, die betreffende Person wird befähigt schrittweise ihr ganzes Vertrauen auf JaHuWaH zu setzen, wie Abraham das tat, der Vater des Vertrauens (Glaubens). Seit Abraham taten das unzählige Menschen, die aber meistens den Zorn der JaHuWaHlosen auf sich zogen.

JaHuWaH redet entsprechend durch seine Propheten: “So spricht JaHuWaH (der HERR): Gesegnet ist der Mensch, der auf JaHuWaH vertraut und dessen Vertrauen JaHuWaH ist! Er wird sein wie ein Baum, der am Wasser gepflanzt ist und am Bach seine Wurzeln ausstreckt und sich nicht fürchtet, wenn die Hitze kommt. Sein Laub ist grün, im Jahr der Dürre ist er unbekümmert, und er hört nicht auf, Frucht zu tragen” (Jer 17,7-8). Das ist ein kraftvoller Zuspruch, eine Verheissung, die jeder in seinem Leben erfahren darf. Darum waren Millionen Juden, deren Leben auf diesem Vertrauen aufgebaut war und die qualvoll der äusseren Vernichtung entgegen gingen – an JaHuWaH nicht irre geworden. Bauen wir täglich an diesem Vertrauen? Bauen wir dieses Vertrauen bewusst und entschieden auf? Wir werden diese Beziehung in Tagen der Herausforderungen besonders benötigen!

Das Zeugnis des jungen David spricht uns immer wieder neu an. Die Worte JaHuWaHs sassen unerschütterlich fest in seinem Wesen. Sein Vater Jischajahu (Isai) hatte ihn nach den Weisungen JaHuWaHs erzogen (vgl. 5Mo 6,7) . Als er vom Propheten Shmuel zum Nachfolger vom verworfenen König Shaul gesalbt worden war, war er sich seines Lebens nicht mehr sicher. Gerade in diesen Zeiten lebte er zweifelsfrei aus der Gemeinschaft mit JaHuWaH, die er von Kindesbeinen an aufgebaut hatte, dies dank seiner Familie. Er gab sich nicht der Verzweiflung hin. Diese Beziehung vertiefte er in seinen schweren Tagen und Nächten. Jeder Tag auf Erden konnte für ihn der letzte sein. Die Entbehrungen gingen manchmal bis ins Unerträgliche. Das kann sehr, sehr hart sein. Doch nicht einmal dann, als er König Shaul hätte aus dem Weg schaffen können (vgl. 1Sam 24; 26), handelte David gegen den König, der ihm allezeit nach dem Leben trachtete. David anerkannte den König Shaul, als einen von JaHuWaH Gesalbten. In unserer Umgangssprache verständlicher: als einen Christus JaHuWaHs, obwohl er verworfen war. Der Psalm 23 ist ein besonders eindrückliches Zeugnis aus dem Leben Davids.

Der älter gewordene David hatte auch schwer versagt. Wir denken an den Proselyten Urijahu, den Hetiter, den er hatte umbringen lassen, eine Handlung, die aus einer Kette von nicht vorhersehbaren Verstrickungen geboren worden war. David wurde geständig, kehrte zu JaHuWaH um und demütigte sich. Die Folgen (die Gerichte) dieser Handlung waren schwer zu tragen. Sie prägten sein zukünftiges Leben. David wurde dadurch gedemütigt, doch er verliess JaHuWaH nicht. “Bevor ich gedemütigt wurde, irrte ich. Jetzt aber halte ich dein Wort. Du bist gut und tust Gutes. Lehre mich deine Ordnungen!” (Ps 119,67-68). Auf der Flucht vor seinem Sohn Abshalom glaubte Shimi den Untergang Davids als entschiedene Sache. Er bewarf David mit allem möglichen Schmutz und Dreck. David hätte Shimi auf der Stelle töten lassen können. Doch wie reagiert der Prophet David? “Da sagte Abischai, der Sohn der Zerujahu, zum König: Warum soll dieser tote Hund meinem Herrn, dem König, fluchen dürfen? Lass mich doch hinübergehen und ihm den Kopf abhauen! Aber der König sagte: Was habe ich mit euch zu tun, ihr Söhne der Zerujahu? Ja, soll er doch fluchen! Denn wenn JaHuWaH ihm gesagt hat: Fluche David! - wer darf dann sagen: Warum tust du das? ” (2Sam 16,9-10). Später konnte David bekennen: “Es war gut für mich, dass ich gedemütigt wurde, damit ich deine Ordnungen (das Vertrauen auf dich) lernte. Lieber sind mir die Weisungen deines Mundes als Tausende von Gold- und Silberstücken” (Ps 119,71-72). Solche Bekenntnisse gehen auch uns heute zu Herzen.

“Glücklich sind, die im Weg untadelig sind, die in den Weisungen JaHuWaHs wandeln (in dem, was JaHuWaH geredet hat). Glücklich sind, die seine Zeugnisse bewahren, die ihn von ganzem Herzen suchen. Die auch kein Unrecht tun, die auf seinen Wegen wandeln! Du hast deine Vorschriften geboten, dass man sie eifrig beobachte. Oh, dass doch meine Wege beständig wären, um deine Ordnungen zu halten! Dann werde ich nicht beschämt werden, wenn ich beachte alle deine Gebote” (Ps 119,1-6). Das wünscht sich jeder in JaHuWaH gerechtfertigte Mensch, jeder Gerechte. Das wünschte sich auch David. Doch es gab eine Beschämung in seinem Leben.

Doch David durfte sich wieder freuen: “Ich will dich preisen mit aufrichtigem Herzen, weil (wenn) ich gelernt habe die Bestimmungen deiner Gerechtigkeit. Deine Ordnungen will ich halten. Verlass mich nicht ganz und gar!” (Ps 119,7-8). Das war auch die Absicht Davids von Jugend auf. Er fiel schwer, aber fand über die Weisungen der Bibel zu JaHuWaH zurück. Darum gibt er den Rat: “Wodurch hält ein Jüngling seinen Pfad rein? Indem er sich bewahrt nach deinem Wort. Mit meinem ganzen Herzen habe ich dich gesucht. Lass mich nicht abirren von deinen Geboten!” (Ps 119,9-10).

In den Sprüchen Shlomos(Salomons) lesen wir: “Und finde Gunst und feine Klugheit in den Augen JaHuWaHs und der Menschen! Vertraue auf JaHuWaH (den HERRN) mit deinem ganzen Herzen und stütze dich nicht auf deinen Verstand! Auf all deinen Wegen erkenne nur ihn, dann ebnet er selbst deine Pfade!” (Spr 3,4-6). Was ist mit “stütze dich nicht auf deinen Verstand!” gemeint? Ein Mensch, der sich auf seinen Verstand verlässt kann in seinem Leben abdriften und zur Geisel für die Mitmenschen werden. Was heisst das? Sein Wissen, seine Philosophie, seine Ideologie kann ihn, aber auch jene, die auf ihn hören, so sehr gefangen nehmen, dass er nicht an ein weiterleben nach dem Tod glaubt. Wer nicht an ein weiterleben nach dem Tod glaubt, glaubt auch nicht an die Autorität des Lebens, d.h. an JaHuWaH, seinen Schöpfer des Lebens. Darum lehnt er es ab, als dessen Ebenbild, jene Verantwortung zu übernehmen, die JaHuWaH jedem Menschen mit ins Leben gegeben hat. Darüber aber wird er Rechenschaft ablegen müssen. Ein solcher Mensch aber ist nur sich selbst Rechenschaft schuldig – oder dem System, das ihn trägt und hält. Das kann verheerende Auswirkungen auf das menschliche Zusammenleben haben. Das zeigt uns die Menschheitsgeschichte zur Genüge.

Der Prophet Jeshajahu sagt von denen die mit JaHuWaH leben wollen, dennoch aber abdriften können und Gerichte heraufbeschwören: “Selbst auf dem Pfad deiner Gerichte, JaHuWaH, haben wir auf dich gewartet. Nach deinem Namen und nach deinem Lobpreis ging das Verlangen der Seele. Mit meiner Seele verlangte ich nach dir in der Nacht; ja, mit meinem Geist in meinem Innern suchte ich dich. Denn wenn deine Gerichte die Erde treffen, lernen die Bewohner des Erdkreises Gerechtigkeit” (Jes 26,8-9). Das ist die Macht des Wortes, dessen was JaHuWaH geredet hat. Auch David durfte das erfahren. Anders ist es mit jenen, die JaHuWaHs Reden ablehnen: “Wird dem JaHuWaHlosen Gnade zuteil, lernt er nicht Gerechtigkeit: im Land der Geradheit handelt er unrecht und sieht nicht die Hoheit JaHuWaHs” (Jes 26,10).

Die fromme Religiosität ist ebenso an den Verstand der Gründer eines Glaubens gekettet. Sie kann einen Menschen so sehr gefangen nehmen und formen, dass er an die Menschlichkeit und Lebensordnungen, an die uns die israelitisch-jüdischen Propheten immer und immer wieder erinnern, vorbei lebt. Warum? Weil er sich mit JaHuWaH und dem Angebot des Lebens, das JaHuWaH für alle bereithält, nicht auseinandersetzen will, er will daran nicht teilnehmen. Die traditionellen Einsichten der Religionsgründer, die irgendwann als Dogmen und Satzungen in Fels gehauen worden sind, sind in seinem Leben das non plus ultra. Der einzelne Mensch wird von solchen religiösen Führern dogmatisch festgenagelt. Vielleicht ist jemand so sehr von einer frommen Tradition gefangen genommen, über-redet und blind gemacht – so sehr – dass er unfähig ist sich persönlich mit dem auseinanderzusetzen, was JaHuWaH geredet hat? Erging es vielen von uns nicht auch so, bis wir uns zuerst – verunsichert – dann aber langsam auf das einliessen was JaHuWaH an Lebenskraft im TaNaCH redet? Heute ist die Freude gross!!

“Aber jetzt, so spricht JaHuWaH, der dich geschaffen, Jakob, und der dich gebildet hat, Israel: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst! Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein. Wenn du durchs Wasser gehst, ich bin bei dir, und durch Ströme, sie werden dich nicht überfluten. Wenn du durchs Feuer gehst, wirst du nicht versengt werden, und die Flamme wird dich nicht verbrennen. Denn ich bin JaHuWaH, dein Helfer, ich, der Heilige Israels, dein Retter” (Jes 43,1-3).

Von Herzen wünsche ich allen einen besinnlichen Shabbat. Shalom!

Gregor Dalliard