Die Macht des Wortes. Teil 1

Glaubensimpuls 281

Was wir reden löst bei jenen die uns reden hören eine Reaktion aus. Jedes Wort ruft eine Wirkung hervor, so oder so. Manchmal vergessen wir wieder, was geredet worden ist, manchmal schieben wir das Gehörte wieder weg, weil es uns als blödes Gerede vorkommt. Manchmal aber wirkt das was geredet wird, ob viel oder wenig, wie auch immer, auf uns ein und bestimmt für eine Zeit lang unser Leben. Es kann sogar Auswirkungen auf unser ganzes Leben haben, vor allem was uns als Kinder ein-geredet wird. Das beeinflusst und prägt unser Denken wesentlich. Ein Mensch entfaltet sich im Bereich dessen was zu ihm geredet wird. Wir sind uns bewusst, ohne reden, ohne sich mitteilen zu können (Gehörlose) und ohne zu hören (zu verstehen) kann sich kein Mensch entfalten.

JaHuWaH will, dass wir auf ihn hören und uns auf ihn hin entfalten, denn wir sind Wesen, die nach seinem Ebenbild geschaffen worden sind. Wir sind ihm entsprechend geschaffen. Unser Leben kann nur in dieser Entsprechung zu einer sinnvollen und durchtragenden Lebenskraft werden. Im Unterschied zu den Göttern und Gottheiten der Menschheit teilt sich JaHuWaH seinen Geschöpfen vielfältig mit. Nichts aber geht über sein Reden, sein Sprechen. Das gehört zum Wesen unseres Schöpfers JaHuWaH. Das geht schon aus den ersten Seiten der Bibel hervor. JaHuWaH redet und es wird. Was er spricht, das wird: “Und JaHuWaH (Gott) sprach: Es werde Licht! Und es wurde Licht” (1Mo 1,3). Auf das Wort, das JaHuWaH redet, ist Verlass.

Was redet JaHuWaH über seine Propheten zu uns? “Denn meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der JaHuWaH. Denn so viel der Himmel höher ist als die Erde, so sind meine Wege höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken. Denn wie der Regen fällt und vom Himmel der Schnee und nicht dahin zurückkehrt, sondern die Erde tränkt, sie befruchtet und sie spriessen lässt, dass sie dem Sämann Samen gibt und Brot dem Essenden, so wird mein Wort sein, das aus meinem Mund hervorgeht. Es wird nicht leer zu mir zurückkehren, sondern es wird bewirken, was mir gefällt, und ausführen, wozu ich es gesandt habe” (Jes 55,8-11). Darauf ist Verlass! Das aber setzt ein Leben voraus, das sich bewusst nach seinem wunderbaren Wort und nach seinen Lebensordnungen ausstreckt.

Was heisst das konkret? Auf seine Verheissungen und Prophetien, die er über seine Propheten zu seinem auserwählten Volke redete, ist Verlass. Nicht umsonst sprach er: “Denn ich habe euren Vätern eindringlich bezeugt schon an dem Tag, als ich sie aus dem Land Ägypten heraufführte, bis zu diesem Tag, früh mich aufmachend und bezeugend, indem ich sprach: Hört auf meine Stimme!” (Jer 11,7). “Und ich habe zu euch geredet, früh mich aufmachend und redend.. Und JaHuWaH hat all seine Knechte, die Propheten, zu euch gesandt, früh sich aufmachend und sendend” (Jer 25,3-4).

Auf eine weitere wichtige Tatsache, die für ein Leben nach dem Geist JaHuWaHs wesentlich dazugehört, werden wir bei der Berufung des Propheten Jecheskel aufmerksam gemacht. Jecheskel wohnt mit vielen verschleppten Juden am Fluss Kebar, dem heutigen Schatt-en-Nil bei Babylon. Die Herrlichkeit JaHuWaHs, die aus dem zerstörten Tempel über den Ölberg aus Jerushalajim weggezogen war, lässt sich bei ihm nieder (vgl. Hes 1,1-3). Was erlebt Jecheskel? “..so war das Aussehen des Glanzes ringsum. Das war das Aussehen des Abbildes der Herrlichkeit des JaHuWaH (HERRN). - Und als ich es sah, fiel ich auf mein Gesicht nieder; und ich hörte die Stimme eines Redenden (Hes 1,28).

Bei der Anbetung JaHuWaHs wirft sich der Gläubige auf die Knie und auf sein Angesicht. Das tut auch Jecheskel. Das ist eine Haltung die den Anbetenden tief mit JaHuWaH vereinigt, erquickt und innerlich auferbaut. Jecheskel war von JaHuWaH so sehr erfasst und durchdrungen, dass er den Namen JaHuWaH nicht auszusprechen wagte, darum schreibt er: “und ich hörte die Stimme eines Redenden.” Es war die Zeit in der die Juden den Namen JaHuWaH nicht mehr auszusprechen wagten, wegen der furchtbaren Ereignisse, die sich zugetragen hatten. Sie erkannten sich als die Schuldigen und lebten in Babylon in einem Prozess der Umkehr zu JaHuWaH.

Was sagt JaHuWaH zu Jecheskel?: “Menschensohn, stelle dich auf deine Füsse, und ich will mit dir reden!” (Hes 2,1). “Stelle dich auf deine Füsse”, will besagen: Ich habe einen sehr wichtigen Auftrag für dich. Mach dich startbereit, denn was ich dir jetzt sage, darfst du nicht für dich allein behalten. Du sollst zu dem Überrest meines Volkes das reden was ich jetzt zu dir rede. Achten wir auf folgende Aussage: “Und als er zu mir redete, kam der Geist in mich” (Hes 2,2).

Jecheskel richtete in seiner Anbetung bewusst und entschieden alle seine Kräfte auf JaHuWaH aus. Er wird durch JaHuWaH, den Redenden, aufgefordert aufrecht vor ihm zu stehen. Der Geist des Redenden fordert ihn auf sich auf seine Füsse zu stellen. Das was jetzt geschieht ist in keiner Beziehung mit JaHuWaH wegzudenken. Während Jecheskel mit allen seinen Kräften auf JaHuWaH ausgerichtet ist – auf das was der Redende sagt – geschieht etwas Wunderbares: da kommt der Geist JaHuWaHs in ihn hinein.

Das ist der Schlüssel. JaHuWaHs Verheissungen und Prophetien, aber auch alle Weisungen für ein erfülltes Leben, finden wir im TaNaCH, in der Bibel. Das heisst für uns: die bewusste, vom Vertrauen erfüllte Ausrichtung auf sein Wort, öffnet des Menschen Herz für den Geist JaHuWaHs und der Geist JaHuWaHs kommt in den Menschen. Zwei Tatsachen lehrt uns hier die Bibel. Sie sind absolut wichtig und in keiner Weise einzuschränken.

Erstens werden wir aufgefordert uns in unserem Leben mit ganzer Konzentration auf JaHuWaH auszurichten. Das meinte auch Jahushua von Nazareth, als er mit einem anderen Lehrer, Schriftgelehrten, über das Wesentlichste im Glaubensleben eines Menschen diskutierte: “Jahushua antwortete ihm: Das erste ist: Höre, Israel: JaHuWaH, unser Fels (Retter, Erlöser, Helfer etc.), ist der einzig EINE; und du sollst JaHuWaH, deinen Erlöser, lieben aus deinem ganzen Herzen und aus deiner ganzen Seele und aus deinem ganzen Verstand und aus deiner ganzen Kraft.. denn er ist einzig EINER, und es ist kein anderer ausser ihm”, nachzulesen in Mk 12,29-33. Wie Jecheskel liessen sich alle Gerechten, d.h. alle gläubige Pharisäer, Propheten und viele von dem Volk, wie auch Jahushua von Nazareth, mit allen Kräften, also ganz, auf das Wort JaHuWaHs ein und “beschäftigten” sich damit immer und immer wieder.

Ist das nicht wunderbar, deutlich und für jeden verständlich, gesagt? Dabei zitierte Jahushua von Nazareth allein aus dem TaNaCH, der Bibel. Die Bibel war ihm heilig. Sie diente ihm allein als Ausgangspunkt zur Beurteilung aller Dinge, weil er felsenfest davon überzeugt war, dass JaHuWaH über die Thora und Propheten und die übrigen Schriften zum auserwählten Volke geredet hatte. Darum stammen seine Zitate aus der Thora und den Propheten (5Mo 6,4-5; 10,12; 3Mo 19,18; 5Mo 4,35.39; Jes 45,5-6; 1Sam 15,22; Hos 6,6; Mi 6,6-8). Lasst uns von seiner Einstellung lernen und sie im Leben umsetzen! Wir halten also fest:

Zweitens:Wer sich in seinem Leben mit ganzer Konzentration auf JaHuWaH ausrichtet, empfängt seinen Geist. Ohne seinen Geist vermögen wir nie in die Zusammenhänge der Bibel hineinzuwachsen und sie in unsere Lebensumstände – gemäss seinem Willen – hineinzutragen, hineinzuleben. Das ist seit Abraham, dem Vater des Vertrauens (Glaubens), so. Als sich JaHuWaH Abraham offenbarte und Abraham ihm vertraute (glaubte), lesen wir in der Thora: “Und Abram war 99 Jahre alt, da erschien JaHuWaH (der HERR) dem Abram und sprach zu ihm: Ich bin der (vom Götzendienst) Erlösende, der Allmächtige (El Shaddai). Lebe vor meinem Angesicht, und sei ganz” (1Mo 17,1). In unseren Übersetzungen lesen wir “Lebe vor meinem Angesicht und sei untadelig”! Das ist falsch übersetzt, denn niemand kann untadelig sein, jeder aber kann sich immer und immer wieder ganz auf das lebendige Wort ausrichten, neu auf das einlassen was JaHuWaH zu uns geredet hat, als Wort des Lebens, als Speise für den Alltag.

In dieser frohen Gewissheit grüsse ich alle ganz herzlich und wünsche allen einen gesegneten Shabbat mit den Worten aus Klagelieder 3,22-24: “Ja, die Gnadenerweise JaHuWaHs (des HERRN) sind nicht zu Ende, ja, sein Erbarmen hört nicht auf, es ist jeden Morgen neu. Gross ist deine Treue. Mein Anteil ist JaHuWaH (der HERR), sagt meine Seele, darum will ich auf ihn hoffen.” Shalom!

Gregor Dalliard