„..damit er (Jahshua) uns zu Jahweh führe“ (1Petr 3,18,b)

Glaubensimpuls 65

In den letzten Glaubensimpulsen (Gim) 62, 63 u. 64 habe ich etwas im Zusammenhang vom jüdischen Chanukkafest (Einweihungs- bzw. Lichterfest) geschrieben, ein Fest, das der Überrest des auserwählten Volkes jedes Jahr mit viel Dankbarkeit feiert. Vor allem den gläubigen Juden ist ihre heilsgeschichtliche Stellung, die in der Offenbarung Jahwehs an die Propheten begründet ist, tief bewusst. Mit einer entsprechenden Hingabe feiern sie darum Chanukka. Sie haben allen Grund dazu!

Dieser Überrest an Juden, der Jahweh, unserem himmlischen Vater, äusserst teuer und wichtig ist, ist die Frucht jahwehgehorsamer und jahwehtreuer Menschen durch alle Generationen und Zeiten hindurch. Wir können im wahrsten Sinn des Wortes sagen, Jahweh und sein prophetisch-heilsgeschichtliches Wort wäre nicht mehr im Bewusstsein unseres Lebens, wenn es nicht immer ein Überrest gläubiger treuer israelitisch-jüdischer Menschen gegeben hätte und gäbe. D.h. es gäbe auf der ganzen Welt keinen einzigen Menschen mehr der noch etwas von Jahweh und seinem Heil, das alle Bereiche des menschlichen Lebens abdeckt, wüsste! Jahweh hat den Untergang seines auserwählten Volkes und damit den Untergang der Thorarollen, d.h. des heilsgeschichtlichen zusammenhängenden prophetischen Wortes, verhindert!

Die Nachkommen der „verlorenen“ Schafe Israels („verlorene“ zehn Stämme) und der abtrünnigen Juden machen heute Milliarden Menschen aus, die auf dem ganen Erdenrund zerstreut leben. Nur den Wenigsten von diesen Menschen ist ihre israelitisch-jüdische Herkunft bewusst. Dieser Masse gegenüber erscheinen die gläubigen Juden und die sich zum Judentum bekennende Menschen als eine verschwindend kleine Zahl. Sie sind aber heilsgeschichtlich ein nicht zu überbietendes und von niemand zu übersehendes  Zeichen in der Welt. Trotz aller Widerstände gegen dieses Zeichen Jahwehs und sein prophetisches Wort, vor allem von Seiten der christlichen Kirchen und Gemeinschaften, von denen wir es eigentlich am wenigsten erwarten dürften (s. Ersatztheologie, die in der Lehre von den dreieinigen Gottpersonen verankert ist), bleibt es ein unüberwindbares Zeichen, das nichts und niemand zu Fall bringen kann!

Innerhalb dieser kleinen Zahl von Juden wird unterschiedlich geglaubt. Wenn ich von gläubigen Juden schreibe oder spreche, dann meine ich nicht jene Juden, die dem Gesetz folgen, d.h. religiösen Menschensatzungen, -überlieferungen und -geboten und damit die Thora, Propheten und Schriften, also die Bundesschriften (BS) –  von den Kirchenvätern abschätzend Altes Testament (AT) genannt – ausser Kraft setzen (vgl. Mt 15). Dann meine ich auch nicht Juden, denen jede weltliche Denkweise und Lebensform passt. Spreche oder schreibe ich von gläubigen Juden, dann meine ich jene Juden, deren Glaubensgrundlage die Thora (5 Bücher Mose), die Propheten und die Schriften, also die Bundesschriften (BS) sind. Es sind Juden, die sich gewissenhaft und verantwortungsbewusst an diesen Schriften orientieren und halten. Auf die Fragen des Alltags suchen sie gewissenhaft aus dem Zusammenhang dieser Schriften Antworten zu suchen und zu finden. Alle Auslegungen basieren allein auf der Grundlage dieser Schriften.

Für Jahshua und seine Jünger, bzw. Jüngerinnen, galt diese Haltung und Beziehung zu den BS als unabdingbare Voraussetzung um ein jahwehgefälliges und von Jahweh gesegnetes, gesundes und befreites Leben (ohne religiöse Sklaverei und Abhängigkeit einer Ideologie) führen zu können. In diesen Schriften war für Jahschua die befreiende Wahrheit zu finden, die unser Leben trägt und hält. Diese Schriften nannte er Wahrheit und für diese Wahrheit, die durch den himmlischen Vater geoffenbart war, war er bereit zu sterben. Er identifizierte sich mit dieser Wahrheit so sehr, dass er jenen Juden gegenüber, die die Thora und die Propheten aufhoben um den Menschen ihre Menschengebote und -überlieferungen aufzubürden, sagen konnte: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater als nur durch mich“ (Joh 14,5). Damit sagte er: Kein Mensch der durch religiöse Menschengesetze irregeleitet ist kann sich Jahwehs Wohlgefallen und Schutzes sicher sein, es sei denn er glaube wie ich, er habe denn eine Jahwehbeziehung wie ich. Im aramäisch-hebräischen Zusammenhang und Verständnis war diese Aussage, dieser Vergleich, korrekt und verständlich. Er identifizierte sich wie alle jahwehtreuen Propheten mit der Thora, den Propheten und den  Schriften (BS), d.h. mit dem Willen des himmlischen Vaters!

Jahshua kam nur für die „verlorenen“ Schafe des Hauses Israel und die Verirrten aus dem jüdischen Volk. Deshalb sammelte er Juden, um sie für diesen Dienst der Wiederherstellung vorzubereiten und auszusenden (vgl. Mt 10,7; 15,24). Diese Sendung unterstrich und betonte er selbst immer wieder. Sie passt in den prophetischen Kontext hinein. In den Gim 42, 44 u. 55 bin ich etwas darauf eingegangen. Immer schon war es das Anliegen Jahwehs das Verlorene zurückzuführen, das Verwundete zu heilen und das Kranke zu stärken. Die Bibel ist voll von dieser liebevollen Absicht des himmlischen Vaters Jahweh. Dabei offenbart sich Jahweh als der gute Hirte seiner Schafe. Spricht die Bibel von Schaf oder den Schafen dann ist immer das Zwölfstämmevolk mit seinen Nachkommen gemeint. „Das Verlorene will ich suchen und das Versprengte zurückbringen, und das Gebrochene will ich verbinden, und das Kranke will ich stärken.. mit meinem Recht werde ich sie weiden“ (Hes 34,16).

Jahshua nahm diesen Auftrag Jahwehs wie alle jahwehliebenden und verantwortungsbewussten Propheten zu Herzen. „Er sprach aber zu ihnen dieses Gleichnis und sagte: Welcher Mensch unter euch, der hundert Schafe (gerechte Juden) hat und eins von ihnen verloren hat (ein abgeirrter israelitisch-jüdischer Mensch), lässt nicht die neunundneunzig (gerechte Juden) in der Wüste (während des Hütens) und geht dem verlorenen nach, bis er es findet? Und wenn er es gefunden hat, so legt er es mit Freuden auf seine Schultern; und wenn er nach Hause kommt, ruft er die Freunde und die Nachbarn zusammen und spricht zu ihnen: Freut euch mit mir, denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war. Ich sage euch: So wird Freude im Himmel sein über einen (jahwehlosen) Menschen (Sünder), der umsinnt, mehr als über neunundneunzig Gerechte (Juden), die die Umsinnung nicht nötig haben (ihr nicht bedürfen)“ (Lk 15, 3-7).

Der Begriff Sünde, bzw. Sünden, beinhaltet in der Bibel durchwegs die Abkehr von Jahweh, jahwehlos leben. Jemand kehrt Jahweh den Rücken zu und geht seine eigene Wege. In allen Kulturen, Ideologien und Religionen gibt es viele aufrichtig gute und vorbildliche Menschen, die für gute und bessere Sachen sogar ihr Leben lassen, das steht ausser Frage. Aber jahwehlos leben heisst im Götzendienst leben, leben ohne Kenntnis und Anerkennung des Schöpfers meines Lebens, im eigenen Ich verstrickt sein, leben in der Sklaverei religiöser Ideologien und Philosophien, leben ohne den heilsgeschichtlichen prophetischen Zusammenhang. Letztlich heisst das in der Sinn- und Zielrichtung vorbei leben. Ein jahwehloser Mensch mag unter Umständen ein sehr braver und vorbildlicher Erdenbürger sein, der sich nichts Böses zu Schulden kommen lässt, aber die Gemeinschaft mit Jahweh will uns ein Segen der Beheimatung sein, den jedes Geschöpf zur Bewahrung seiner Menschenwürde und die der anderen braucht. Die Propheten und Jahshua waren davon überzeugt und durch nichts davon abzubringen. Die Geschichte gibt ihnen recht!

Wegen des lockeren, oberflächlichen und sogar ablehnenden Umgangs so vieler aus dem auserwählten Volk Jahweh gegenüber, haben die Propheten und Jahshua sehr gelitten – bis in den Tod. Für die Rückführung Verlorener gaben sie ihr Leben in den Tod. Das haben die Apostel wohl verstanden. Kepha schreibt darum: „Denn es hat auch der Mashiach (Gesalbte) einmal für Sünden gelitten, der Gerechte für die Ungerechten (Untreuen), damit er uns zu Jahweh führe..“ (1Petr 3,18). „..einmal für Sünden gelitten“ heisst für seine Treue zu Jahweh und den damit verbundenen Rückführungsauftrag mit dem Tod bezahlt.

Nun, wir sind durch Jahshua Zurückgeführte, Eingepfropfte (vgl.Röm 11,17ff), Mitbürger der Ausgesonderten (das ist gemeint mit Heiligen) und Jahwehs Hausgenossen (vgl. Eph 2,19), Miterben, Miteinverleibte (Mit-Leib mit dem auserwählten Volk), Mitteilhaber (vgl. Eph 3,6). Darüber dürfen wir uns herzhaft freuen und allezeit dankbar sein. Wir lernen verstehen, was uns nun zuteil geworden ist, was dazu gehört und was nicht. Wir wachsen in diesen Stand und in diese Verantwortung schrittweise hinein. Das geht nicht von heute auf morgen. Manche Bedenken, Ängste und Vorurteile können uns diesen Weg erschweren, manchmal auch unser euphorischer Übermut und unser unüberlegtes Vorpreschen. Viel gegenseitige Geduld ist von uns allen gefordert, aber auch die Bereitschaft freudig und bewusst hineinwachsen zu wollen.

Shaul schreibt dem jungen Timotheus: „Dies schreibe ich in der Hoffnung, bald zu dir zu kommen; wenn ich aber nicht gleich kommen kann, so weisst du wenigstens wie man sich verhalten muss im Hause Jahwehs (d.h. als Hausgenosse der Juden im Umgang mit Jahweh), das ist die Gemeinde (Versammlung) Jahwehs des lebendigen Erlösers, der Pfeiler und die Grundfeste der Wahrheit“ (1Tim 3,14-15). Ausserhalb des jüdischen Kontextes gibt es also keine Gemeinde, deren Haupt (der Zurückgeführten) Jahshua wäre. Nur der von der Kirche im vierten Jahrhundert gemachte ersatztheologische trinitarische kirchliche Jesus hat eine Gemeinde ohne den prophetisch- jüdischen Kontext. Davon durften wir uns aber ein für allemal verabschieden. Unsere Freude und Dankbarkeit ist gross!

Allen wünsche ich hocherfreut und von Herzen einen schönen Shabbat Chanukka. Die Psalmen 40 und 30 passen wunderbar zu diesem Fest!

Gregor Dalliard