„Lehre uns den Glauben (die Gottesbeziehung)“ (Lukas 17,5)

Glaubensimpuls 9

Gemäss Lukas 5,6 könnten die Apostel über ihren Glauben frustriert gewesen ein: „Und die Apostel sprachen zu Jahshua: Mehre uns den Glauben! Jahshua aber sprach: wenn ihr glauben habt wie ein Senfkorn, so würdet ihr zu diesem Maulbeerfeigenbaum sagen: Entwurzele dich und pflanze dich ins Meer! Er würde euch gehorchen“ (Lk 17,5-6). Lesen wir den Paralleltext in Matthäus 17,14-21 dazu, der von einer misslungenen Heilung der Jünger spricht, dann war es tatsächlich so: „Wegen eures Kleinglaubens (Unglaubens)“. In beiden Texten wird ihnen klar gemacht, dass sie zu wenig Glauben haben: „wenn ihr glauben habt wie ein Senfkorn…“ (Lk 17,6; Mt 17,20b). Dabei rastet Jahshua aus und schimpft ärgerlich: „O ungläubiges und verkehrtes Geschlecht! Bis wann soll ich bei euch sein? Bis wann soll ich euch ertragen?“ (Mt 17,17).

Statt sie zu ermutigen, macht Jahshua ihnen Vorwürfe über ihren Un- bzw. Kleinglauben. Ihr Glaube hat nicht einmal die Grösse eines Senfkorns, des kleinsten aller Samen. Wäre ihr Glaube nur so klein wie ein Senfkorn, könnten sie einen Baum ins Meer verpflanzen und einen Berg wegheben.

Was soll denn diese scheinbar völlig unrealistische Antwort von Jahshua auf die Bitte der Jünger „mehre unseren Glauben“? Hat jemand von uns schon einmal von Menschen gehört, die in ihrer Glaubensstärke bzw. -fülle Berge oder Bäume versetzen konnten? Wenn dem so wäre, stünde das Matterhorn schon längst nicht mehr in Zermatt und gar mancher wäre am Morgen erstaunt, weil der Nachbar seine Bäume über Nacht verpflanzte. Jahshua selbst hat solches auch nie getan. Warum geht Jahshua auf die Frage seiner Jünger gar nicht ein? Im Gegenteil, mit diesem Vergleich verschärft er ihr Problem. Um die Aussage Jahshuas verstehen zu können, sollten wir das was vom Senfkorn in Markus 4,30-32 gesagt ist, beherzigen: „Und er sprach: Wie sollen wir das Reich Jahwehs vergleichen? Oder in welchem Gleichnis sollen wir es darstellen? Wie ein Senfkorn, dass, wenn es auf die Erde gesät wird, kleiner ist als alle Arten von Samen, die auf der Erde sind; und wenn es gesät ist, geht es auf und wird grösser als alle Kräuter und es treibt grosse Zweige, so dass unter seinem Schatten die Vögel des Himmels nisten können… aber seinen Jünger erklärt er alles besonders“ (Mk 4,30-32.34). Dieses Gleichnis wiederum hat seinen Grund im Gleichnis vom Sämann (Mk 4,1-20).

Jahshua will die Jünger nicht frustrieren. Im Gegenteil, er will durch das Gleichnis, wie das damals bei allen Rabbinern üblich war, etwas Wichtiges klar machen, ja auf das Wichtigste hinweisen, das für ihr Glaubensleben und -wachstum von unerlässlicher Wichtigkeit ist. Er nutzt dabei die Frage der Jünger „lehre uns glauben (Gottesbeziehung)“. Mit dem Glauben haben wie ein Senfkorn, weist er auf das Reich der Himmel hin, auf den Willen des Vaters, der hier auf Erden geschehen soll, genau so wie er es im Himmel beschlossen hat: „Dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel (wie du es im Himmel beschlossen und durch die Propheten geoffenbart hast), so geschehe es auch auf Erden“ (Mt 6,10).

Das Reich Jahwehs breitet sich unaufhaltsam aus, ohne dass die Jünger oder auch wir uns auf unseren Einsatz etwas einbilden oder uns damit brüsten könnten. Dennoch sind wir mit einbezogen. Darum soll sich der Auserwählte nie in Szene setzen. Vor allem anderen sollen wir, die wir vor Grundlegung der Welt erwählt sind (Eph 1,4; Röm 8,28-30 u.a.m.), in allem die Ehre des himmlischen Vaters vor Augen halten. Wir sollen in dieser Haltung Jahshua gleichförmiger werden. Wir sollen den souveränen und uneingeschränkten Willen seines und unseres Gottes Jahweh und Vaters verstehen lernen. Er allein wirkt das Wollen und das Gelingen (vgl. 5. Mo 7,6-8; Röm 9,16 u.a.m.). Er allein besitzt den umfassenden Blick über alle Dinge, Geschehnisse, Zustände, Krankheiten, Dämonen… (Ps 33,13-15; 90,8; Hebr 4,13) über alle Zukunft und die vollkommene Wiederherstellung (Jes 45,23; Röm 14,11; Phil 2,10.11).

Darum sollen wir, die wir durch Jahshua zum Vater zurückgebracht worden sind, mit unserer kleinsten Portion an Glauben (Gottesbeziehung), gleich einem Senfkorn, die er in uns hineingelegt hat, zu ihm gehen und aus seinem Wort und Geist wandeln und wachsen. Denn im Senfkornglauben ist das ganze Potential des Reiches Jahwehs gleichsam genetisch, aber wie versteckt, enthalten. Ich muss den Senfkornglauben in mir aufgehen und wachsen lassen. Sein Wort ist unser Nährboden – genau der passende, damit wir entsprechend wachsen können. Wir werden der Glaubenshaltung und -beziehung Jahshuas zum Vater immer ähnlicher (vgl. Röm 8,29).

So war es auch mit unserem Haupt Jahshua. Von ihm heisst es: „Und Jahshua nahm zu an Weisheit und Alter und Gunst bei Gott Jahweh…“ (Lk 2,52). Das äussere und innere Leben Jahshuas wuchs zur Freude Jahwehs. Als Jahshua bei der Taufe aus dem Wasser stieg und gemäss dem prophetischen Wort vom Geist des Vaters durchflutet (erfüllt) wurde, lesen wir: „und eine Stimme kam aus den Himmeln: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden“ (Mk 1,11). Jahshua wurde sowohl bei der Taufe als auch „aufgrund der Totenauferstehung“ (Röm 1,4) von Gott „sowohl zum Herrn als auch zum Gesalbten (Christus) gemacht“ (Apg 2,36).

Jahshua wurde “von dem Geist in die Wüste hinaufgeführt, um von dem Teufel versucht zu werden“ (Mt 4,1). Doch Jahshua suchte in allem die Ehre des himmlischen Vaters. Wie konnte er das? Er hielt bedingungslos an den Schriften (Thora und Propheten) fest. So konnte er dem Versucher anhand der Worte aus der Thora widerstehen (vgl. Mt 4,1-10; 5. Mo 8,3; 6,16; 6,13; 10,20; Sam 7,3). Sein Bekenntnis lautete darum: „Meine Speise ist, dass ich den Willen dessen tue, der mich gesandt hat, und sein Werk vollbringe“ (Jo 4,34). Wer diese Haltung einnimmt, von dem kann gesagt werden: „… und wird grösser als alle Kräuter, und es treibt grosse Zweige, so dass unter seinem Schatten, die Vögel des Himmels nisten können“ (Mk 4,32).

Das Problem der Apostel und Jünger war dasselbe, das auch uns gelegentlich in die Quere kommen kann. Sie wollten ohne stetes Wachstum in der Beziehung zu Jahweh, dem himmlischen Vater, Grosses wirken und gross sein. Sie setzten sich mit den Gaben Jahwehs gerne ins Rampenlicht, wie das bei einigen führenden Sadduzäern und Pharisäern der Fall war. Wir denken an die Zebedäussöhne und ihre Mutter. Sie sagte: „Bestimme, dass diese meine zwei Söhne, einer zu deiner Rechten und einer zu deiner Linken sitzen mögen, in deinem Reich“ (Mt 20,21b). Auch an eine andere Begebenheit denken wir. Nachdem die Jünger in Kapernaum angekommen waren, fragte sie Jahshua: „Was habt ihr unterwegs besprochen? Sie aber schwiegen; denn sie hatten sich auf dem Weg untereinander besprochen (gestritten), wer der Grösste sei“ (Mk 9,34).

Als sich die Nationengemeinden (Kirche) ab dem 2. Jh. schleichend und im 4. Jh. offiziell von ihren israelitisch-jüdischen Wurzeln, d.h. von Jahwehs Wort in der Thora und in den Propheten lösten, schnitt sich die Gemeinde (Kirche) von Gott Jahweh ab (vgl. Röm 11,16-23). Die Päpste gaben sich darum den unvorstellbarsten Machtkämpfen und Gräueltaten hin. Seitdem behauptet der Papst in Rom gegenüber allen anderen Kirchen, Gemeinden und der Welt, der Grösste zu sein. Diese Machtposition haben die Päpste in unsäglichen Machtkämpfen, die im Laufe der Kirchengeschichte Millionen und aber Millionen unschuldiger Menschen das Leben kosteten und noch viele mehr in Elend und Not stürzten, ab dem 4. Jh. schrittweise ausgeweitet und laufend verankert. In ihrer blinden Bosheit und in ihrem Grössenwahn haben sie sich diese Macht unter dem Namen Jahwehs (Gottes) in unverschämter Weise bis heute dogmatisch und völkerrechtlich (Staat Vatikan) gesichert – wovon alle Welt Zeuge ist (siehe Papstbesuch in Deutschland 2011). Von Umsinnung auf die Worte Jahwehs und auf das Beispiel Jahshuas und der Apostel ist keine Rede. Im Gegenteil, mit seinen frommen Verstellungen und Liebeleien weiss der Vatikan sein inneres Wesen zu tarnen. Damit kann er eine Massegutmütiger, unwissender und ängstlicher Menschen verführen und in seinen Irrlehren gefangen halten.

Nach der Bitte der Söhne des Zebedäus (Jakob und Johannes (Jochanan)) rief Jahshua seine Jünger heran und sprach: „Ihr wisst, dass die Regenten der Nationen sie beherrschen und die Grossen Gewalt gegen sie verüben. Unter euch wird es nicht so sein; sondern, wenn jemand von euch gross werden will, wird er euer Diener sein, und wenn jemand unter euch der Erste sein will, so wird er euer Sklave sein; gleichwie der Sohn des Menschen nicht gekommen ist, um bedient zu werden, sondern um zu dienen…“ (Mt 20,25-28).

Auf das, was sich die Jünger auf dem Weg nach Kapernaum unterhielten, nämlich, wer unter ihnen der Grösste sei, antworte Jahshua: „Wenn jemand der Erste sein will, soll er der Letzte von allen und aller Diener sein“ (Mk 9,35). Der Apostel Shaul sagt es im Zusammenhang mit unserer wachstümlichen Jahwehbeziehung so: „Warum lasst ihr euch nicht lieber unrecht tun? Warum lasst ihr euch nicht lieber übervorteilen (der Ehre berauben)?“ (1. Kor 6,7). Das ist mit dem Samen des Senfkorns dargestellt. In dieser Grundhaltung, lernen wir in der Jahwehbeziehung (Glauben) wachsen. Diese wachsende Glaubensbeziehung schenkt „grosse Zweige“ und lässt die Mitmenschen die Kraft, in der wir leben, verspüren „so dass unter seinem Schatten die Vögel des Himmels nisten können“. Lasst uns darum Jahshua in seiner Beziehung zu Jahweh – aus den Schriften heraus – immer ähnlicher werden, wie dies der Vater für uns vorgesehen hat.

Gregor Dalliard