„Lasst los, und ihr werdet losgelassen werden.“ (Lukas 6,37)

Glaubensimpuls 038

Eine Betrachtung über einen tiefen Wesenszug des himmlischen Vaters Jahweh, des Erlösers der Juden, des Erlösers Jahshuas (Jesus) und unseres Erlösers.

Jahshua spricht in Lukas 6,37 eine tiefe Wahrheit aus, die den meisten Menschen verhüllt bleibt. So mancher weiss mit diesem Gebot und dieser Aufforderung Jahshuas, die auch Shaul immer wieder in seinen Briefen erwähnt, nichts anzufangen. Wer kann Demütigungen, Enttäuschungen, Missverständnisse, Feindschaften, Hader, Eifersucht, Neid, Zornausbrüche, Selbstsüchteleien, Zwistigkeiten, Intrigen und Parteiungen so leicht wegstecken, loslassen? Selbst in den Kreisen, die an den jüdischen Gesalbten Jahshua (Christus Jesus) glauben, wird eine so tiefsinnige Weisung, mit ihren heilvollen Wirkungen und Verheissungen im praktischen Alltag kaum umgesetzt. Sie ist selten erfahrbar.

Jahshua sagt: „Der, den Jahweh gesandt hat, redet die Worte Jahwehs“(Jo 3,34). Was ich von ihm (vom Vater) gehört habe, das rede ich zur Welt“ (Jo 8,26). „Ich suche nicht meinen Willen, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat“ (Jo 5,30).

Also sind die Worte die Jahshua über das Loslassen an das auserwählte Bundesvolk gerichtet hat, Worte des lebendigen Erlösers Jahweh, des Abba im Himmel. Nach dem Willen des Vaters werden wir „Söhne des lebendigen Erlösers Jahweh genannt“(vgl. Röm 9,26). Dies auch gemäss der Aussage des Profeten Hosea, den Shaul im Römerbrief erwähnt (Hose 2,1; Röm 9,24-26). Das heisst, wir sind nach dem Willen des himmlischen Vaters in die Jahwehbeziehung Israels eingepfropft und zum geoffenbarten Glaubensgehorsam eingeladen und verpflichtet. Wir sind eingeladen und aufgefordert die Worte Jahshuas in Lukas 6,37 im alltäglichen Leben umzusetzen, damit wir den Erlöser Israels, den Erlöser und Vater Jahshuas, der durch Jahshua auch unser Vater geworden ist, allezeit entsprechend verherrlichen und anbeten.

Nun, wie könnte der himmlische Vater von seinem erwählten Bundesvolk und deren Nachkommen (von solchen, die in der Sohnschaft stehen) etwas fordern, das er selbst nicht ausleben würde? Es lohnt sich in einer stillen Zeit alle Aussagen in der Bibel nachzulesen, die Jahshua im Zusammenhang von  dem „Loslassen“ vom Vater gehört hat. Jahshua schöpft aus dem gesamten Kontext der Bibel, in der Thora, in den Psalmen und Profeten, denn dort spricht der himmlische Vater von dem Loslassen mit heilvollen Wirkungen und Verheissungen, sowohl für das persönliche alltägliche Leben, als auch für das Leben nach dem Tod. In manchen Uebersetzungen steht: „Sprecht frei, und ihr seid freigesprochen“ (oder werdet freigesprochen werden). Andere: „Vergebt und euch ist vergeben“ (oder wird vergeben werden).

Nutzniesser eines solchen Handelns sind wir selbst. Solche bewussten Freisprüche jenen gegenüber, die uns ein Unrecht zugefügt haben, das nicht mehr überschaut und in Griff genommen werden kann, wirken Wunder an uns!

Der himmlische Vater, der Vater aller Vaterschaften, der Vater allen Lebens (1. Mo 1,31; 5. Mo 32,4; Eph 3,14-15), von dem alles ist und auf den hin alles geschaffen ist (Röm 11,32-36; 1. Kor 8,4b-6; Eph 1,9+10 u.a.m.) erinnerte und ermahnte sein auserwähltes Volk, das er für alle Völker zum Segen und zur Wiederherstellung bestimmt und gesetzt hat (1. Mo 12,2+3; 18,18; 22,18; 26,4; Jes 19,24; 1. Kor 15,28), vollkommen zu sein, wie er vollkommen ist. „Ihr nun sollt vollkommen sein, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist“ (Mt 5,48).  Mose bezeugt uns im sogenannten Lied des Mose: „Der Fels: vollkommen ist sein Tun“ (5. Mo 32,4). Solche Aussagen haben schon viele Bibelleser in die Mutlosigkei und in die Verzweiflung getrieben. Betrachten sie ihr bisheriges Leben im Lichte dieses Verses können sie nur resignieren oder sich erneut durch einen mühseligen Ruck in ein aussichtsloses Vollkommenheitsstreben verennen. So mancher gibt sich aber schliesslich in dieser Ohnmacht dem Selbstbetrug und der Heuchelei hin. Welcher Mensch kann sich denn mit der Vollkommenheit des himmlischen Vaters vergleichen oder messen? Was ist denn aber mit dieser Aussage gemeint?

Vollkommen sein heisst nach dem aramäisch-hebräischen Verständnis ausgesondert sein für den himmlischen Vater und sein Wiederherstellungswerk. Darum beinhaltet vollkommen sein losgelöst von jeder Form und Tradition des Götzendienstes zu leben. Der himmlische Vater zeigt uns in der Thora (Lehre und Weisungen) in den Profeten und Schriften auf, was Götzendienst ist. Jahshua und die Apostel bestätigen die Götzendienstliste des himmlischen Vaters. Wir sind aufgefordert uns von jedem Heilsvertrauen zu lösen, das sich nicht ungeteilt, wie im Leben Jahshuas, auf den himmlischen Vater ausrichtet und fixiert. Das ist Loslösung vom Götzendienst. Daraus wächst die stete Kraft des Loslassen-können, des Vergeben- können, des Freisprechen -können.

Wie Jahshua vom Vater gelernt hat, so sollen auch wir wie Jahshua das Wesen des Vaters kennen lernen und umsetzen. Darum konnte Jahshua in der vollkommenen Wesensart des Vaters beim Tode am Holz loslassen und ausrufen: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!“ (Lk 23,34).

Stephan war „ein Mann voll Glaubens (Jahwehbeziehung)… voller Gnade und Kraft“ (Apg 6,5+8). Er lebte also im Geiste Jahshuas völlig eins mit dem Vater. Darum konnte er in seinen letzten Zügen loslassen und ausrufen: „Jahweh, rechne ihnen diese Sünde nicht zu“ (Apg 7,59).

Dieses Bekenntnis des Loslassens am Ende des Lebens ist die Frucht der Verinnerlichung der Wesenart des himmlischen Vaters in all den Herausforderungen des Alltagslebens. „Schaut den Ausgang ihres Wandels an“ (Hebr 13,7b), schreibt der Autor des Hebräerbriefes. Sie alle, die Wolke von Zeugen (Hebr 12), bis hin zu Jahshua, Stephan, Shaul u.a.m. vertieften die Wesensart (die Ausgesondertsein) des himmlischen Vaters in ihrem Leben. Bei den harten Auseinandersetzungen des Lebens kam sie zum Tragen – bis zum Ausgang ihres Lebens.

Am jüdischen Fest Shawuot (Pfingsten) verkündet der jüdische Kefa (Petrus), der an die Auferweckung des jüdischen Messias Jahshua glaubte: „Und jetzt, Brüder, ich weiss, dass ihr in Unwissenheit gehandelt habt, wie auch eure Obersten. Jahweh aber hat so erfüllt, was er durch den Mund aller Profeten vorher verkündigt hat: „dass sein Gesalbter (Mashiach,Christus) leiden sollte“ (Apg 3,17+18). Kefa stellt hier das vollkommene Wesen des Vaters dar, wenn er schreibt: „dass ihr in Unwissenheit gehandelt habt“ (Apg 3,17). In dieser Predigt des Kefa ist nichts von einer Anklage und Anschuldigung des himmlischen Vaters gegen sein erwähltes Volk zu hören. Kein Vorwurf des Jahwehmordes (Gottesmordes), wie ihn etwas später die Kirchenväter erheben. Das Papsttum hält bis heute dogmatisch daran fest, trotz aller gegenteiligen Beteuerungen und aller öffentlichen ökumenischen Inszenierungen mit Juden. Diese Pfingstpredigt des Kefa müssten sich Päpste, Kirchen und Prediger endlich zu Herzen nehmen, umsinnen und entsprechend lehren!

Nun, wie gehen wir mit dem „unter sie eingepfropft und der Wurzel und der Fettigkeit des Oelbaumes mit teilhaftig geworden“ (Röm11,17) und dem Loslassen um?

Eine aufregende und herausfordernde Zeit ist uns noch geschenkt, nutzen wir sie!

Von Herzen wünsche ich allen einen gesegneten Shabbat – mit viel Shalom!

Gregor Dalliard