Warum klaffen Judentum und Christentum in den zentralen Lehren über das Leben, den Glauben und den Segen so sehr auseinander?

Glaubensimpuls 201

Oberflächlich betrachtet herrscht in den Lehren zwischen dem Judentum und dem Christentum weitgehend Übereinstimmung. So wird jedenfalls heute von den Kirchen nach aussen hin argumentiert. Der Schein trügt. Gerade das prophetische Wort in der Bibel zeigt uns das Gegenteil auf. Judentum und Christentum stehen in den wesentlichen Fragen über das Leben, die Schöpfung, die Erlösung, den Glauben, den Segen und in vielen anderen Lehren in einem völligen Widerspruch zueinander. Übereinstimmung herrscht lediglich in einer ganzen Reihe von ethisch-moralischen Fragen die das Christentum über Jahushua von Nazareth vom Judentum übernommen hat und heute als Lehre Jesu proklamiert.

In den vergangenen Jahren konnten wir in unseren Kreisen viel darüber austauschen und lernen. Bei einer gründlichen Analyse stellt sich das Christentum als ein Sammelsurium aus den heidnischen Grossreligionen dar, das mit den verschiedenen Strömungen der griechischen Philosophie (Aristoteles, Platon, Stoizismus, Epikureismus etc.) vermischt worden ist. Hinzu kamen wesentliche ethisch-moralische Lebenswerte aus dem Judentum.

Die Philosophie des Christentums ist durchzogen von einer tiefen Verachtung und Feindlichkeit gegenüber der Schöpfung und damit auch von einer schizophrenen Leibfeindlichkeit, die vor allem im Zölibat, im Mönchs- und Nonnenkult ihren Niederschlag fand. Die Leibfeindlichkeit einflussreicher griechischer Denker (Stoizismus, Epikureismus u.a.m.) prägte die damalige Kultur und damit auch die Gründer des Christentums wesentlich. Die Kirchenväter kamen vorwiegend aus dieser Kultur. Sie behielten dieses griechische Denken bei, was unweigerlich zum Konflikt mit den biblischen Inhalten führen musste und damit mit dem auserwählten Volk JaHuWaHs. Diese Philosophie steht im Gegensatz zur biblischen Einheit aller geschaffenen Dinge.

Die Zerstörung des schöpferischen Einheitszyklus, wie er uns in der Schöpfungsgeschichte auf den ersten Seiten der Bibel dargestellt ist, kann nur Widersprüche im Leben hervorrufen. Es gibt von der Bibel her keine Teilung zwischen dem Schöpfer und seinen Geschöpfen, zwischen ihm und den Menschen und allem Geschaffenen, zwischen Leib bzw. Seele und Geist. Alles gehört ihm alles lebt aus ihm und nichts kann vor ihm entschwinden (vgl. Ps 136).

Im Glaubensimpuls (Gim) vom 2. Juli 2015 schrieb ich etwas zu den Worten die JaHuWaH durch seinen Propheten Jirmejahu (Jeremia) sprach: „Ich werde meine Thora (Weisungen) in ihr Inneres legen und werde es auf ihr Herz schreiben“ (Jer 31,33b). Wie immer gibt es Reaktionen auf den jeweiligen Gim. Das ist sehr gut so! Ein überzeugter Christ schrieb, dass ihn diese Aussage in Jirmejahu das erste Mal schockierte, obwohl er diese Aussage oft in seinem Leben gelesen oder gehört habe, umso mehr da diese Aussage im Brief an die Hebräer ebenfalls erwähnt sei (vgl. Hebr 8,10. In diesem Kontext wird die Aussage des Propheten Jirmejahu allerdings missbraucht)!

Der Leser schrieb: „Wie kann der himmlische Vater am Ende dieses Zeitalters die Thora in die Herzen aller Juden und Menschen legen? Das kann doch nicht stimmen. Wir Christen glauben und lehren doch, dass Jesus die Thora aufgehoben hat und nur wer Jesus annimmt und sich auf den Dreieinigen Gott taufen lässt gerettet werden wird. Warum hat der Prophet nicht von der Wiederkunft und der Errettung durch Jesus geschrieben? Warum hat er die Rettung durch Jesus und die Taufe auf den Dreieinigen Gott gar nicht erwähnt? So wird es doch am Ende dieses Zeitalters sein? Warum hat Gott durch ihn nicht gesagt, ich werde Jesus und das Neue Testament in die Herzen der Juden und der Menschen legen? Wie kann Gott für die Zukunft das Gegenteil von dem sagen was wir Christen lehren? Ich bin echt verwirrt und schockiert. Was soll ich noch glauben!?“

Solche und ähnliche Aussagen in der Bibel schaffen bei ernsthaften Christen offenbar grosse Verwirrung. Das ist nur verständlich. Doch es ist eine Verwirrung, die Licht ins Dunkel der Lehren wirft. Das Christentum ist gefangen in der Lehre über die Erbsünde. Seit Paulus und der frühen Kirchenväter ist diese Lehre zur Grundlehre des Christentums geworden. Der Mensch muss von ihr befreit werden. Doch niemand kann ihn davon befreien, nicht einmal der Schöpfer selbst kann nach dieser Lehre seine Geschöpfe davon befreien.

Darum musste er einen zweiten Gott schaffen, den „Jesus-Logos“, (typisch griechische Philosophie), der auf die Erde kommen musste um die Menschen und die ganze Welt von der Erbsünde zu erlösen. Die Erlösung aber vollzog sich nur durch Qualen und Blut am römischen Folterpfahl. Ohne diese – von den Römern ausgedachten – Qualen und dieses Blut hätte sich der Schöpfer allen Lebens nicht versöhnen lassen. Er hätte die Menschen nicht von der Erbsünde befreit (Blutrünstigkeit der Götter ist typisch heidnisches Gedankengut).

Wer nun den blutrünstigen qualvollen Weg des Todes Jesu wie der Vater im Himmel – sowohl als persönlichen Weg der Erlösung, aber auch als den einzigen Weg der Welterlösung – annimmt und glaubt darin Vergebung seiner Erbsünde und seiner späteren Sünden zu erhalten, der ist errettet. Dazu gehört natürlich die Taufe. Diese muss von jemandem vollzogen werden, d.h. die Erlösung wird gemacht. Die Taufe vollzieht sich auf die drei Gott-Personen oder auf den Namen Jesus, sonst ist sie nicht wirksam. Eigentlich müssten die Christen die Römer und den römischen Prokurator Pontius Pilatus für die erfinderische Weiterentwicklung und Vertiefung der Folterqualen am Holz heiligsprechen!! Das wäre die konsequente und ehrliche Logik. In der christlichen Kirche Äthiopiens ist Pilatus tatsächlich heilig gesprochen worden. Ist das nicht zu makaber?

Im Judentum ist das – gemäss Tanach, d.h. gemäss der Lehre in der Thora, Propheten und Schriften – ganz anders. Reden wir hier vom Judentum, dann reden wir von der Bibel aus der das in JaHuWaH gerechtfertigte und wiedergeborene Judentum sein Leben ordnet, führt und richtet, ebenso wie das Jahushua von Nazareth tat. Er wurde in dieser Bibel erzogen, wurde darin gross, lebte und starb im Geiste dieser Bibel. Eine andere Bibel kannte er nicht. Der Tanach, die Bibel Jahushuas, kennt die Lehre von der Erbsünde und die Befreiung der persönlichen Schuld durch einen anderen überhaupt nicht. Ich trage persönlich Verantwortung für mein Leben.

JaHuWaH offenbarte seinem auserwählten Volk die Entstehung seiner Schöpfung auf eine wunderbare Art und Weise. Was den Propheten geoffenbart wurde, das bestätigt heute die Wissenschaft. Auf den ersten Seiten der Bibel können wir den Entstehungszyklus nachlesen. Der Entstehungszyklus der modernen Evolutionslehre deckt sich mit den Aussagen der Bibel. Nur dass die Bibel die Zeitdimensionen in Metaphern darstellt, im Rhythmus von sechs Tagen, sechs Einheiten. Der Mensch ist am Ende aller Dinge, aller Pflanzen und Wesen, geschaffen worden. „Und es geschah so. Und JaHuWaH sah alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut“ (1Mo 1,31). Er schuf den Menschen rein und gut, denn alles was er schuf war und ist sehr gut!

Der Schöpfer JaHuWaH gab dem Menschen eine unfassbar hohe Stellung. Damit übertrug JaHuWaH dem Menschen einen solch hohen Verwaltungs- und Verantwortungsdienst, der nur in der engen Gemeinschaft mit JaHuWaH und seinen Ordnungen voll und segensreich ausgelebt werden kann. Nur in dieser Beziehung bleibt der Mensch rein und gut. Dieser hohe Verwaltungs- und Verantwortungsdienst über sich und über die ganze Schöpfung schliesst die Möglichkeit mit ein JaHuWaH gegenüber ungehorsam zu werden, also zu sündigen.

Doch JaHuWaH gab dem Menschen, die Möglichkeit von seinem Ungehorsam, seiner Sünde wieder loszukommen, frei zu werden, umzukehren, d.h. erlöst zu werden. Ohne Philosophie und Theologie wird uns im vierten Kapitel der Bibel dargestellt wie das geschieht, wenn der Mensch will. „Da wurde Kain sehr zornig, und sein Gesicht senkte sich. Und JaHuWaH sprach zu Kain: Warum bist du zornig, und warum hat sich dein Gesicht gesenkt? Ist es nicht so, wenn du recht tust, erhebt es sich? Wenn du aber nicht recht tust, lagert die Sünde vor der Tür. Und nach dir wird ihr Verlangen sein, du aber sollst über sie herrschen“ (1Mo 4,5b-7). Da ist keine Rede von einer Erbsünde. „Man hat dir mitgeteilt, o Mensch, was gut ist. Und was fordert JaHuWaH von dir, als Recht zu üben und Güte zu lieben und demütig zu gehen mit deinem Erlöser (Gott)? (Mi 6,8).

Niemand kann mir durch seinen qualvollen Tod die Vergebung meiner Sünden ermöglichen und mir dadurch stellvertretend ein Leben mit meinem Schöpfer ermöglichen. Davon habe ich nichts. Ich bin von meinem Schöpfer aufgefordert einsichtig zu werden, umzukehren, und zu handeln. Im Lichte der Weisungen JaHuWaHs weiss ich was ich zu tun habe. Mit der Lehre über eine Erbsünde und wie ich sie loswerden kann entziehen die christlichen Kirchen und Gemeinschaften den einzelnen Menschen seiner Eigenverantwortung gegenüber seinem Schöpfer.

Mit ihrer Philosophie rauben sie den Menschen das Bewusstsein der persönlichen Verantwortung für ihr Tun. Mit Sakramenten, Taufen, Vergebungsphilosophien und Absolutionen durch Amtspersonen werfen sie sich zwischen dem Sünder und dem Schöpfer. Damit wird die persönliche Beziehung des Sünders zu seinem Schöpfer unmöglich gemacht. Jahushua hat diese Praxis nicht gelehrt. (Lies dazu Lk 15,11-32).

Im Judentum wird darum niemals ein Mensch durch einen anderen getauft. Die Taufe ist im Judentum unbekannt. Wer in sich geht und zum Vater umkehrt geht selbst ins Wasser hinein, tauft sich selbst – wenn er seine persönliche Umkehr, im Zusammenhang mit dem Mikwebad zusätzlich bezeugen will. Es ist letztlich die Gnade des himmlischen Vaters selbst, die uns tauft, d.h. der uns die Sünde vergibt. Die Taufe durch einen andern Menschen stellt die Verzerrung der ursprünglichen persönlichen Umkehr dar, so wie sie uns von den Propheten gelehrt und bezeugt wird.

Als die Kirchenväter das Heil an sich gerissen hatten, schufen sie rückwirkend einen Johannes, den sie als Täufer ausgaben. Ein Mensch tritt an die Stelle der persönlichen Beziehung und Versöhnung mit JaHuWaH. Jahushua hätte sich somit die Umkehr und Erlösung von seinem sündigen Leben von Johannes durch die Taufe bestätigen lassen, weil es angeblich ohne Taufe auch keine Errettung für Jesus gegeben hätte. Damit wurde das Taufritual von den Kirchenvätern zum Eingangstor für den Himmel gemacht, mit andern Worten, zum Eingangstor zur christlichen Gemeinschaft – ohne Beachtung JaHuWaHs und seiner Forderungen in der Thora.

In 5Mo 30,15 spricht JaHuWaH unmissverständlich: „Siehe, ich habe dir heute vorgelegt das Leben und das Gute, den Tod und das Böse„. Der Mensch selbst entscheidet jeden Tag über sein Leben. Da JaHuWaH den Menschen sehr gut erschuf (vgl. 1Mo 1,31), kann der Mensch sehr gut in den Ordnungen JaHuWaHs leben. Gemeint ist damit – und das ist sehr wichtig zu verstehen – er kann umkehren, wenn er gesündigt hat. Das ist in dem „sehr gut“ mit einbegriffen. Darum ist der Mensch, der einsichtig wird und umkehrt „sehr gut“.

Darum bleiben die von Jahushua zitierten Inhalte aus der Thora die obersten Lebensprinzipien: „Das erste ist: Höre, Israel: JaHuWaH, unser Erlöser (Gott), ist Einer; und du sollst JaHuWaH, deinen Erlöser (Gott), lieben aus deinem ganzen Herzen und aus deiner ganzen Seele und aus deinem ganzen Verstand und aus deiner ganzen Kraft [vgl. 5Mo 6,4-5; 10,12]. Das zweite ist dies: Du sollst deinen Nächsten lieben denn er ist wie du [vgl. 3Mo 19,18]; Grösser als diese ist kein anderes Gebot. Und der Schriftgelehrte sprach zu ihm: Recht, Rabbi, du hast nach der Wahrheit geredet; denn er ist ein einziger, und es ist kein anderer ausser ihm [vgl. 5Mo 4,35.39; Jes 45,5-6]; und ihn zu lieben aus ganzem Herzen und aus ganzem Verständnis und aus ganzer Seele und aus ganzer Kraft und den Nächsten zu lieben weil er ist wie du, ist viel mehr als alle Brandopfer und Schlachtopfer [vgl. 1Sam 15,22; Hos 6,6; Mi 6,6-8)]“ (Mk 12,29-33).

Unsere persönliche Beziehung zu JaHuWaH wie Abraham, Rebekka, die Väter, Propheten, Prophetinnen und Rabbis (in Mk 12,32 und anderen Stellen wird Jahushua Rabbi genannt) sie hatten und pflegten ist das aussergewöhnlich Köstlichste, das uns hier auf Erden passieren kann. Sie bedurften auch immer wieder der persönlichen Umkehr, wie sollte das bei uns anders sein. Gerade das liess sie im Herzen JaHuWaHs sehr gut sein!

Shalom und einen gesegneten Shabbat. Von Herzen

Gregor Dalliard