Juden sind Zionisten und Geldmenschen. Teil 3

Glaubensimpuls 336

Der Vorwurf, dass Juden Zionisten und Geldmenschen sind gehört zum Standarddenken der christlichen Welt. Dieses Denken hat sich im Laufe der Zeit auch auf die anderen Religionen übertragen. Es ist tatsächlich so, dass Juden heute zu den reichsten und intelligentesten Menschen dieser Welt gehören. Wie kam es dazu? Das wollen wir im Teil 4, d.h. im nächsten Gim, erörtern.

Zuerst möchte ich aber auf die Aussage “Juden sind Zionisten” eingehen. Warum werden Juden Zionisten genannt? Hier zwei Antworten. Erstens weil JaHuWaH Abraham die Verheissung gab: “.. und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter der Erde” (1Mo 12,3). Zweitens weil dieser Segen immer schon von Zion ausgegangen ist und während des Messianischen Reiches alle Völker erfassen wird: „Von Zion wird Weisung ausgehen“ (Jes 2,3; Mi 4,2).

Seit König David ist Jerushalajim das Zentrum der 12 Stämme Israels. König Shlomo erbaute den Tempel. Bei der Einweihung sprach Shlomo: “Ja, sollte JaHuWaH wirklich auf der Erde wohnen? Siehe, die Himmel und die Himmel der Himmel können dich nicht fassen; wieviel weniger dieses Haus, das ich gebaut habe!” (1Kö 8,27). Diese Aussage sollten wir keinesfalls überlesen. Es ist damit klar gesagt, nicht der Tempel ist der Grund, warum JaHuWaH die Söhne Jakobs und deren Nachkommen zum auserwählten Volk machte. Ein Tempel kann JaHuWaH und seine Heilswege nicht fassen, wohl aber offenbarte er seine Heilswege und seine lebenswichtigen Weisungen und Ordnungen, die ein gesundes, menschliches und friedliches Zusammenleben ermöglichen, seinem auserwählten Volk. Alle Menschen dieser Welt leben in äusserlichen Strukturen, mit einem Zentrum, einer Mitte. Ebenso erbat sich auch das auserwählte Volk ein Zentrum. So gab JaHuWaH diesem Volk Jerushalajim und den Tempel als sichtbares Zentrum seiner Gegenwart.

Als Shlomo bei der Tempelweihe zu Ende gebetet hatte, wies er auf die Weisungen, Rechtsbestimmungen und Ordnungen JaHuWaHs hin und betete: “.. damit alle Völker der Erde erkennen, dass JaHuWaH Erlöser (Gott) ist und sonst keiner! Und euer Herz sei ungeteilt mit JaHuWaH, unserem Erlöser (Gott), in seinen Ordnungen zu leben und seine Gebote zu halten, wie es am heutigen Tag ist!” (1Kö 8,60-61). Dieser Ort und dieser Tempel wurde zum Zentrum von dem aus die ganze Welt zu JaHuWaH geführt werden soll und der Friede unter den Menschen möglich werden wird.

Als dieser Tempel zerstört worden war und ein Grossteil der Bevölkerung im Babylonischen Exil (586-539) leben musste war der Schmerz und die Trauer unter den Juden enorm. Zion war die Bezeichnung für die Tempelstadt, der einzige Ort auf dieser Welt, wo JaHuWaH allein angebetet worden war, wo der Glaube Abrahams, als zukünftiger Segen für alle Welt, gepflegt wurde. Nun war alles zerstört, von den Heiden zertreten. Die Sehnsucht nach Zion erfüllte viele Juden Tag und Nacht, im Schlafe und im Wachzustand: “Wenn ich dich vergesse, Jerushalajim, so werde vergessen meine Rechte! Es klebe meine Zunge an meinem Gaumen, wenn ich deiner nicht gedenke, wenn ich Jerushalajim nicht zu meiner höchsten Freude erhebe!” (Ps 137,5-6). Damit ist und war natürlich nicht einfach nur das Gemäuer der Stadt und des Tempels gemeint, sondern, und das allem voran, der Glaube an den Einzig EINEN JaHuWaH und die Realisierung seiner Verheissungen unter allen Völkern.

Jahre später, im Jahre 70, zerstörten die Römer den Zweiten Tempel und vertrieben die Juden aus Jerushalajim. Der Grund: Die Juden weigerten sich den Göttern Roms, und damit auch dem römischen Mensch gewordenen Gott-Kaiser, Anbetung und Huldigung zu erweisen. Damit galten sie als Staatsfeinde. Sie sollten sich zu den heidnischen Reichsgöttern bekehren, sich ihnen unterwerfen oder gedemütigt, wenn nicht verfolgt oder sogar ausgerottet werden. Den überlebenden Juden wurde das Betreten der Stadt von da an unter Todesstrafe verboten. Das war das schlimmste Leid das den bibeltreuen, den JaHuWaHtreuen Juden, zugefügt werden konnte. Wie immer bei solchen Katastrophen sehnten sie sich nach Zion zurück. Von daher kommt der Name Zionisten, der im Laufe der Geschichte allerdings mit allen möglichen Verschwörungstheorien und Unterstellungen behaftet worden ist.

Kaiser Hadrian verbot den Juden Jerushalajim jemals wieder zu betreten und benannte die Stadt in Aelia Capitolina um. Damit weihte er Jerushalajim dem obersten trinitarischen Gott des römischen Pantheon, Iuppiter Optimus Maximus. Dieser Stadtgott war ein dreieiniger Gott der Stadt Roms. Er bestand aus drei Gott-Personen, nämlich aus Jupiter Optimus Maximus und Juno Regina und Minerva. Dieser dreieinige Gott wird im 4.Jh. der dreieinige Gott der Christen, allerdings unter anderen Namen: Gott Vater, Gott Sohn, Jesus Christus und Gott heiliger Geist. Für die JaHuWaHtreuen Juden war es unerträglich zu sehen wie die einzige Stadt der Welt und der einzige Tempel der Welt in dem nur der einzig EINE JaHuWaH, der Schöpfer Himmels und der Erde, der Erlöser und Erhalter der Welt, von Heiden zerstört, bewohnt und zum Tummelplatz ihrer Götter gemacht wurde.

Sie besassen aber die untrügliche Verheissung: “Und es wird geschehen am Ende der Tage, da wird der Berg des Hauses JaHuWaHs feststehen als Haupt der Berge und erhaben sein über die Hügel; und alle Nationen werden zu ihm strömen. Und viele Völker werden hingehen und sagen: Kommt, lasst uns hinaufziehen zum Berg JaHuWaHs, zum Haus des Erlösers (Gottes) Jakobs, dass er uns auf Grund seiner Wege belehre und wir auf seinen Pfaden gehen! Denn von Zion wird Weisung ausgehen und das Wort JaHuWaHs von Jerushalajim. Und er (JaHuWaH, nicht Jesus) wird richten zwischen den Nationen und für viele Völker Recht sprechen. Dann werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen umschmieden und ihre Speere zu Winzermessern. Nicht mehr wird Nation gegen Nation das Schwert erheben, und sie werden den Krieg nicht mehr lernen”. (Jes 2,2-4; Mi 4,1-5). Diese Verheissungen durchziehen die ganze Bibel. Sie knüpfen – wie immer und überall – an die Verheissung JaHuWaHs an Abraham an: “..und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter der Erde!” (1Mo12,3). Wie aber sollten diese Verheissungen in Erfüllung gehen – unter diesen katastrophalen Umständen?

Als im 5. Jh. das Papsttum den Kaiser in Rom ablöste, gehörten folgende zwei christliche Lehren bereits als feste nicht widerrufbare Bestandteile zur christlichen Lehre, zum Fundament des christlichen Glaubens. Erstens galten die Juden für immer von JaHuWaH verworfen, weil sie offenbar die zweite Gott-Person des heidnischen dreieinigen Gottes nicht als Messias erkennen wollten und ihn ermordet hatten, obwohl letzteres keineswegs stimmt. Zweitens: die Juden würden als endgültige Strafe JaHuWaHs nie mehr nach Jerushalajim und Israel zurückkehren. Diese beiden Aussagen sind dogmatisch verankert, und zwar für alle Zeiten. Sie gehören zu den verbindlichen Glaubenssätzen des offiziellen Christentums. Die griechisch-hellenistischen Kirchengründer haben die Zusammenhänge der Bibel, des TaNaCH, nicht verstanden und missbrauchten sie in schändlicher Weise für ihre Zwecke. Die Nachkommen Jakobs wurden als das Volk JaHuWaHs (Gottes) verworfen, weil sie JaHuWaH ungehorsam waren. Das Christentum, dargestellt und angeführt vom Bischof in Rom, dem späteren Papsttum, sei nun das auserwählte und vor Gott wohlgefällige Volk, das in allem den Willen Gottes tue!!

Die christliche Welt unterscheidet nicht zwischen gläubigen und nicht gläubigen Juden. Juden sind Juden, und weil sie nach der traditionellen religiösen Überzeugung und Liturgie Gottesmörder sind und – mit den besten biblischen Argumenten – nichts mit der Erlösungslehre der Christen anfangen können, sind sie grundsätzlich abzulehnen. Im Laufe der vergangenen 2000 Jahre ist diese Irrlehre den Christen in Fleisch und Blut übergegangen. Eine sehr lange, lange Zeit der Beeinflussung! Die christliche Kultur ist davon besessen gemacht. Selbst bekennende Kommunisten, Freidenker, Atheisten u.a. die in dem christlichen Kulturraum leben, werden diese Irrtümer selten los.

Wie wir immer wieder sagen, zählen selbst jene Menschen und christliche Vereinigungen, die sich judenfreundlich geben zu den Antisemiten. Dies solange sie, am biblisch-prophetischen Wort vorbei, an der paulinischen Ersatzlehre der Kirchenväter und an deren unbiblischen, nicht dem prophetischen Wort entsprechenden Erlösungslehre festhalten, die von einem menschlichen Blutopfer abhängig gemacht ist. Merken wir uns: ob Juden gläubig sind oder nicht gläubig, verfolgt wurden sie alle, diffamiert werden sie alle nach wie vor. Was die gläubigen und nicht gläubigen Juden miteinander verbindet ist ihre Heimat: Die gläubigen Juden, weil die Propheten (die Bibel) davon sprechen, dass das Messianische Reich mit Juden, dem Überrest des auserwählten Volkes, in Jerushalajim und in Israel seinen sichtbaren Anfang nehmen wird. Und zwar, nachdem Jerushalajim zu einer Taumelschale für alle Völker ringsum und dann für alle Völker der Erde geworden ist (vgl. Sach 12,2-3). JaHuWaH, nicht Jesus (vgl. Sach 14,3-4, Joe 3,5; 4,17; Ob 17, u.a.m.) wird auf dem Ölberg erscheinen und auf dem Berg Zion wohnen: “Und ihr werdet erkennen, dass ich, JaHuWaH, euer Erlöser (Gott) bin, der auf Zion wohnt, meinem heiligen Berg. Und Jerushalajim wird heilig sein, und Fremde werden es nicht mehr durchziehen” (Joe 4,17). Von hier aus wird dann offiziell jedes gerechte Gericht in die Welt hinausgehen (vgl. Jes 2,2-4 u.a.m.).

Auch viele nicht gläubige Juden sehnten sich immer und überall nach ihrer Heimat , nach Zion, zurück. Sie bekannten sich zu ihrem Jüdischsein trotz der grausamen Schicksale die sie erlitten. Sie hätten sich, wie so viele andere Juden, assimilieren können. Sie taten es nicht. In ihnen brannte aber ein Funke, ein Feuer, das die Liebe und die tiefere Bedeutung Jerushalajims in ihren Herzen nicht erlöschen liess. Sie wurden von einem tief verwurzelten Verantwortungsbewusstsein getragen. Sie sehnten sich nach der Heimat ihrer Vorfahren. Sie sehnten sich nach dem Ende der grausamen Pogrome, die von der christlichen Welt immer und immer wieder ausgelöst worden waren. Sie werden ungerechtfertigterweise mit dem heute negativ gefüllten Begriff Zionisten beworfen. Ihnen wird alles Mögliche unterstellt.

Mit den Worten aus Jeshajahu 66,10-14 grüsse ich alle herzlich und wünsche allen einen gesegneten Shabbat: “Freut euch mit Jerushalajim und jubelt über sie, alle, die ihr sie liebt! Frohlockt mit ihr in Freude, alle, die ihr über sie getrauert habt! Damit ihr saugt und euch sättigt an der Brust ihrer Tröstungen, damit ihr schlürft und euch labt an der Fülle ihrer Herrlichkeit. Denn so spricht der JaHuWaH: Siehe, ich wende ihr Frieden zu wie einen Strom und die Herrlichkeit der Nationen wie einen überflutenden Bach. Und ihr werdet saugen. Auf den Armen werdet ihr getragen und auf den Knien geliebkost werden. Wie einen, den seine Mutter tröstet, so will ich euch trösten. An Jerushalajim sollt ihr getröstet werden. Ihr werdet es sehen, und euer Herz wird sich freuen, und eure Gebeine werden sprossen wie das junge Gras. Und die Hand JaHuWaHs wird sich an seinen Knechten zeigen, aber seine Feinde wird er bedrohen.”

Shalom! Gregor Dalliard