„Habt die Beziehung (zu) Jahwehs“ (Mk 11,22)

Glaubensimpuls 69

Schauen wir in die gängigen Bibelübersetzungen hinein dann lesen wir Mk 11,22 so: „Habt Glauben an Gott“, andere: „Habt Gottes Glauben“. Selbst wenn wir die bessere Übersetzung nehmen: „Habt Gottes Glauben“, weil sie dem prophetischen Zusammenhang und Sinn näher kommt, so hört sich diese Formulierung doch seltsam an! Wir würden uns wohl eher für die schlechtere Übersetzung entscheiden: „Habt Glauben an Gott“, denn sie entspricht der kirchlichen und damit auch unserer traditionellen Vorstellung von dem was Glaube ist, von dem was wir unter Glaube verstehen und wie er allgemein in den Kirchen und Religionen praktiziert wird.

Nach dem allgemeinen Verständnis der Kirchen, Freikirchen und christlichen Gemeinschaften heisst den Glauben an Gott haben, sich festhalten am Glauben, bzw. an der Glaubenserkenntnis und damit an dem Glaubensbekenntnis der jeweiligen Gründerperson oder Gründungsmitgliedern. Glaube haben heisst also nach dieser Tradition sich ausrichten und festhalten an allem, was diese Auoritäten dogmatisch, als zum Heile notwendig, entschieden und verankert haben und dementsprechend lehrten oder lehren. Die Predigt, der  Religionsunterricht, die Sonntagsschule, die Hauskreise u.a.m. dienen dazu diesen Stand der Erkenntnis zu lehren und damit zu erhalten. In allen Kirchen und kirchlich strukturierten Gemeinschaften gibt es darum auch die entsprechenden Aufpasser und das entsprechende Mobbing mit den entsprechenden Konsequenzen jenen gegenüber die aus der Reihe tanzen.

Sie alle meinen – jeder in seiner Überzeugung und Lehre – dem Wort Jahwehs, der Propheten, Jahshuas und der Apostel vollständig zu entsprechen, d.h. sie meinen sie hätten die vollkommene Erkenntnis über das Wesen und den Heilswillen Jahwehs in allen Dingen erlangt, sie besässen den vollständigen wahren Glauben, dem nichts mehr hinzuzufügen sei und den es nun auf Biegen und Brechen zu erhalten und weiter zu geben gilt. So lehrt z.B. die katholische Kirche bis zu dieser Stunde, weil sie sich nicht von päpstlich verankerten Glaubensdogmen lösen kann und will, dass nur die Zugehörigkeit zu ihr, der allein selig machenden katholischen Kirche und nur der Glaube an ihre Heilsökonomie (Ämter, Titel, Rang und Namen, Kulte, Zölibat, Jungfrauenkult, Liturgie Sakramente, Rituale, liturgische Kleider, Heiligen- und Totenkult, Messablässe, Lehrdogmen u.a.m.) selig machen kann. Darum müssen alle Mittel und Möglichkeiten (Politik, Wirtschaft, Ökumene, interreligiöse Gespräche) eines jeden Katholiken eingesetzt werden, um schrittweise alle Menschen zum katholischen Glauben führen zu können, damit sie sich dem Kirchenmodell der Päpste unterwerfen, weil es nach ihrem Dogmenkomplex das einzige von Gott gewollte Modell ist – um eben selig werden zu können (vgl. gültiges Kanonisches Kirchenrecht CIC 1983; gültige Texte des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-64); der Glaube der Kirche in den Urkunden der Lehrverkündigung Neuner-Roos, 8. Auflage u.a.m.)

Diesen Anspruch erheben mehr oder weniger alle Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften, nur ist ihr Anspruch weniger hör- und sichtbar, weil sie nicht so präsent sind wie der Staat Vatikan mit seinem Einfluss, weil die Kirche eben Staat ist und der Papst ein Staatsoberhaupt.  Diesen Anspruch erheben auch andere Religionen wie etwa die Moslems.

Die treibende Kraft ist bei diesem Anspruch immer die Rückbindung der Menschen an Menschen, d.h. die Bindung an die entsprechende Glaubenserkenntnis und das Glaubensbekenntnis bestimmter Führer. Damit vollzieht sich ein von Jahweh verwerflicher Prozess, der der biblisch zusammenhängenden prophetischen Offenbarung widerspricht. Denn der Mensch wird in seinem Denken entmündigt und muss sich dem Denken anderer blind unterwerfen. Es darf nichts hinterfragt werden. Der Mensch wird unfähig gemacht nach Jahweh, seinem Wesen und seinem Heilswillen zu suchen und zu fragen. Er verliert schliesslich das Interesse daran. Das ist ja auch die Absicht mancher Vorsteher von Kirchen, selbst wenn lange nicht alle so denken. Er wird um die persönliche, innige und so lebensnotwendige und immer wieder heilschaffende Gemeinschaft mit seinem Schöpfer und Erlöser Jahweh gebracht. Er wird der Glaubensfreude und des  Glaubenswachstums beraubt. Er geht entweder einfach nur noch mit oder will überhaupt nichts mehr von Jahweh und der Bibel wissen und wirft schliesslich das Kind mit dem Bade aus.

Die Aussage Jahshuas in Mk 11,22 ist uns aber im israelitisch-jüdischen Verständnis und Kontext vermittelt, nicht im kirchlichen, d.h. im griechisch-philosophischen. Diese Aussage ist irgendwann in den ersten Jahrhunderten dem kirchlich-hellenistischen Denken und Verständnis angepasst worden, was ein Missbrauch darstellt. Jahweh lässt seiner nicht spotten, schon gar nicht durch religiöse Machthaber. Jeder religiöse Missbrauch beschwört entsetzliches Leid  herauf, das verheerende Folgen für die Menschheit nach sich zieht. Leidtragende sind vor allem die Volksmassen, die von Jahweh und seinem Wort fern gehalten werden. Die Geschichte führt uns allezeit die hohe Verantwortung von religiösen Führern eindrücklich und mahnend vor Augen. So häuft sich die Schuld der Kirchen von Jahr zu Jahr!

Führen wir die Aussage Jahshuas in Mk 11,24 zurück zu ihrer Quelle, dann sagte Jahshua: „Habt die Beziehung (zu) Jahwehs“. Damit treffen wir den Nagel auf den Kopf! Lebt mit Jahweh! Eine Beziehung haben, eine Beziehung leben ist das wahre Leben. Es ist etwas total anderes als Lehren, Dogmen, Sakramente, liturgische Zeremonien, Kulte u.v.m. für wahr halten und ständig erfüllen müssen um selig werden zu können, wie dies die heidnisch-hellenistische Kultur praktizierte. Diese Religionsmethode ist   von den Kirchen übernommen worden und wird zum Übel der Menschen ganz treu weitergeführt. Jahshua sagte seinen Zuhörern, und damit auch zu uns: „Habt die Beziehung zu Jahweh“, „lebt mit Jahweh“. Nur so wirkt sich die Weisung Jahwehs in der Thora  (5Mo 6,4ff), (wird  weiter unten gleich zitiert) segensreich aus und zwar in ihrem ganzen Ausmass und in allen Belangen unseres Lebens. Lernen wir das verstehen und umsetzen. Für Jahshua war es – wie für alle Propheten –  das Höchste, Grösste und Erste was einem Menschen von unserem Schöpfer und Erlöser her an Lebensfülle, Lebensmündigkeit, Menschenwürde und Lebensfreude geschenkt werden kann: „Die erste Weisung ist: `Höre Israel: Jahweh, unser Erlöser, ist einzig EINER, und du sollst (wirst) Jahweh, deinen Erlöser lieben aus deinem ganzen Herzen und aus deiner ganzen Seele und aus deinem ganzen Verstand und aus deiner ganzen Kraft`“ (Mk 12,29-30). Das ist also möglich! Früher meinte ich, wenn ich den Papst, die Dogmen und und.. mit ganzer Hingabe liebe, indem ich mich ihnen total unterwerfe, würde ich den befreienden und erlösenden  Jahweh lieben. Doch ich kannte ihn nicht. Ich wusste nichts von ihm. Das wusste ich nicht. Ich meinte, dass ich mit dem lebendigen und lebensspendenden Jahweh Gemeinschaft hätte. Doch er war mir fremd! Ich lebte in einer völlig verzerrten Jahwehvorstellung. Darum ist meine Freude heute gross, denn mein Jahweh und Erlöser ist derselbe den auch Jahshua und die Apostel verherrlichten, weil mit ihm allein Glaubenswachstum, Mündigkeit, Menschenwürde, Eigenverantwortung, Freude u. alles andere mehr, alles was das Leben ausmacht, gelebt werden kann, trotz aller Schwächen, denen wir – und auch ich – ausgesetzt bleiben.

Das segensreiche, kraftvolle und treue Leben der Propheten und Jahshuas und aller gerechten Juden, wie das der Apostel und vieler anderer, funktionierte einzig und allein aus dieser herzlichen, innigen und treuen Beziehung zu Jahweh. Wie gehen wir mit dieser Aufforderung Jahshuas um? Was ist sie uns wert? Sowohl die Bundesschriften (BuS = AT ) als auch die Bekenntnisschriften (BeS = NT) sind voller Zeugnisse dieser Beziehung, vor allem die Psalmen können uns helfen diese Beziehung zu Jahweh zu vertiefen. Lasst uns an dieser Beziehung gerne, mit brennender Freude und Ausdauer, immer und immer wieder, arbeiten, auch bei gemeinsamen Treffen. Eigenes Versagen, das uns immer wieder einholt, darf uns nie zum Hindernis werden. Diese Beziehung von Jahweh zu uns und von uns zu ihm wächst laufend – wir bleiben einfach dran!

In dieser Wachstumsfreude grüsse ich alle herzlich und wünsche allen Weisheit und Segen. Mit einem frohen Shabbat Shalom

Gregor Dalliard