„Jahweh ist mit euch, wenn ihr mit ihm seid. Und wenn ihr ihn sucht, wird er sich finden lassen. Wenn ihr ihn aber verlasst, wird er euch auch verlassen“ 2 Chron 15,2.

Glaubensimpuls 122

Vor einiger Zeit erhielt ich einen langen Brief von einer lieben Glaubensschwester, die ich seit vielen Jahren kenne, die aber den Kontakt mit mir abgebrochen hatte, weil sie durch mein Glaubenswachstum schockiert und irritiert war, was ich nachvollziehen und verstehen konnte. Wie aber konnte es soweit kommen? Unvoreingenommen las sie meine Glaubensimpulse (Gim) und forschte eifrig in der Bibel nach. Sie prüfte den Inhalt meiner Gim und suchte nach den biblischen Zusammenhängen. Doch dann schienen Ihr meine Darlegungen doch zu weit zu gehen. Sie geriet in tiefe innere Nöte und verwarf die erkannten biblischen Zusammenhänge wieder. Sie wollte in ihre alte „Geborgenheit“ zurück flüchten. Vor einiger Zeit nun erhielt ich einen bewegenden Brief von ihr. Mit ihrer Erlaubnis, unter Wahrung ihrer persönlichen Daten, möchte ich die Leser meiner Gim an diesem Zeugnis teilhaben lasen – als Ermutigung.

Sie schrieb: „Über 50 Jahre habe ich Jesus als den wahren Gott angebetet, weil ich glaubte, dass in Jesus von Nazareth, einem Juden, Gott Mensch geworden war. In all den Jahren habe ich bei der Anbetung Jesu das feste Bild eines schönen, weiss gekleideten und verklärten orientalischen jungen Mannes vor mir gehabt. In meiner Vorstellung betete ich seit meiner „Bekehrung“ diesen verherrlichten Mann als Gott und Mensch an, weil ich so gelehrt worden war. Ich sah ihn im Geiste immer als Menschengestalt vor mir. Darum war er ja Gott und Mensch. Anders konnte ich mir meinen Gott nicht vorstellen. Nicht nur in unserer Freikirche ist dieses Glaubensbekenntnis Tradition, auch überall dort wo der Mensch Jesus von Nazareth als ein Fleisch gewordene Gott angebetet wird, stellen sich die Menschen den Schöpfer Himmels und der Erde, als realen oder verklärten Menschen vor. Zusammen mit dem Prediger und den Ältesten feierten und beteten wir diesen Jesus-Gott als unseren persönlichen Erlöser an und das Sonntag für Sonntag, auch bei jeder Bibelstunde und wann immer wir uns zum Gebet versammelten.

Als junges Mädchen, ich war 14 Jahre alt, übergab ich mich bei einer Evangelisation diesem Mann, dem Jesus-Gott, nachdem ich ihn mir, durch die ergreifende Predigt, vorstellen konnte und ihn in mein Herz aufgenommen hatte. In den folgenden Versammlungen übergab ich diesem wunderbaren jungen Mann, den ich nun als den wahren Gott und den wahren Menschen immer tiefer und inniger kennen lernen durfte, mein ganzes Leben. Es war eine echte Begegnung und in meinem Innern tat sich Einiges. Ich vereinigte mich mit ihm, so wie das im Neuen Testament gelehrt wird. Er war nun allezeit bei mir, er sah mich Tag und Nacht an, sah alles.., und liebte mich und ich liebte ihn. Ich war überglücklich, obwohl mir seine Anwesenheit machmal etwas peinlich war. Er war der einzige Mann in meinem bisherigen Leben, dem ich so alles sagen konnte und der mich auch immer verstand. Er war mein persönlicher Erlöser, der mir auch fortwährend Vergebung meiner Sünden schenkte und mich auf Händen trug. Ich hatte den Frieden.

Dann kamen Sie, lieber Bruder Dalliard, und Sie sagten Jesus sei ein Prophet gewesen und kein Gott. Er selbst hätte sich als Prophet bezeichnet und nicht vergleichbar mit dem Vater im Himmel. Ebenso hätten der Vater im Himmel, Mose und die Apostel ihn eindeutig als einen Propheten gelehrt. Er hätte sich nie als der Mensch gewordene Gott ausgegeben und anbeten lassen. Sie belegten ihre Aussagen mit biblisch fundierten Zitaten und zeigten die Zusammenhänge auf, die ich nachlesen konnte. Diese Zusammenhänge sind mir bis dahin nie aufgefallen, aber sie brachten meine bisherigen Vorstellungen über Gott und Jesus, als „wahrer Gott und wahrer Mensch“, immer mehr ins Wanken. Als Sie schrieben, dass jeder der nicht dem Vater sein Leben übergibt, sondern dem Jesus-Gott und dass jeder der nicht den Vater allein anbete, sondern den Jesus-Gott, dem Geist Babels und damit dem Geist des Antichristen angehöre, da war ich völlig schockiert.

Ich war am Boden zerstört, umso mehr, da ich die Bibelstellen und die biblischen Zusammenhänge, von denen Sie immer wieder schreiben und auf die Sie immer wieder hinweisen, in der Bibel nachlesen konnte. Ich war total verunsichert und verzweifelt. Sie nahmen mir den Glaubensboden unter meinen Füssen weg, ich fiel in ein Loch. Ich wurde sehr wütend auf Sie, wollte von Ihnen nichts mehr wissen und brach den Kontakt mit Ihnen ab. Ich las auch Ihre Glaubensimpulse nicht mehr. Ich war über Ihren Abfall von den drei Gottheiten der Christenheit entsetzt und sprach in meiner Not mit unserem Prediger darüber.

Er bestätigte mir Ihren Abfall von der Trinität und sprach von Ihrer Verwerfung der Lehre über die Zeugung Jesu in Maria durch den Vater im Himmel persönlich.. Er verbot mir weiterhin etwas von Ihnen zu lesen, damit ich nicht von diesem Geist Satans mitgerissen würde. Ich betete unter Tränen für Ihre Umkehr, denn ich hatte durch Sie in den vergangenen Jahren viel Glaubensstärkung erfahren, und nun das!

Sooft ich aber seither in meiner Bibel las, stolperte ich über das Gelesene, ob ich wollte oder nicht. An biblische Zusammenhänge wurde ich automatisch erinnert, sie wurden mir erschlossen und Widersprüche im Neuen Testament wurden mir buchstäblich wie auf einem Tablett serviert. Ich erschrak und wehrte mich mit allen Kräften dagegen, denn genau das wollte ich nicht. Auf Schritt und Tritt wurden sie mir aufgetan und ich musste aus den biblischen Zusammenhängen sehen, was ich nicht zu sehen wünschte, aber ich konnte dieser Tatsache nicht mehr ausweichen, ich musste mich ihr stellen.

Ich fing an die Worte eines alten verstorbenen Bruders zu erwägen, der aus seiner Gemeinde ausgeschlossen worden war, weil er immer wieder sagte: Bibel muss sich durch Bibel auslegen, Fundament und Ausgangspunkt bilden die fünf Bücher Mose, denn das Wort Gottes bleibt bestehen. Keiner verstand ihn damals. Wir hielten ihn für verrückt, denn die fünf Bücher Mose hielten wir für überholt, weil wir gelehrt worden sind Jesus hätte sie aufgehoben.

Doch ich konnte kaum noch schlafen und weinte oft. Beten konnte ich kaum noch, denn es kam mir alles so leer vor. Mein Jesus-Gott half mir nicht, denn er erschien mir immer fader und ekelte mich, bei dem Gedanken, dass er nichts mit dem Jesus von Nazareth zu tun haben könnte, schliesslich ganz an. Mit meinem Prediger wollte ich nicht mehr darüber reden, denn ich schämte mich und wusste, dass er sich nicht in meine Lage versetzen konnte.

Ich konnte und wollte nicht wahrhaben, dass mein Prediger, meine Gemeinde, unser freikirchlicher Verein, die Evangelische Allianz und der ganze Protestantismus im Wesentlichen und darum in Wirklichkeit katholisch sein sollten, Opfer der Theologie und Philosophie der Kirchenväter und darum aus Unwissenheit Vertreter und Verteidiger der schlimmsten aller Irrlehren sein sollten, nämlich der Enterbungstheologie.

(Meine Anmerkung: d.h. auch Ersatztheologie und besagt, dass, nach der irrtümlichen Lehre der katholischen Kirchenväter, Jahweh die trinitarische Kirche anstelle der zwölf Stämme und ihrer Nachkommen eingesetzt habe. Bund und Verheissungen an Abraham seien darum auf die Kirche übergegangen. Abrahams Nachkommen seien für immer verflucht, es sei denn sie bekehren sich zu dem katholischen Jesus-Gott, innerhalb der drei Gott-Personen: Gott Vater, Gott Sohn und Gott heiliger Geist. Das ist die zentralste Irrlehre des Christentums, die den Bundesschriften (AT) radikal widerspricht. Ende der Anmerkung).

Ist sie doch die schlimmste aller Lehren, die Gott im Himmel und der Bibel in ihrem Gesamtkontext völlig widerspricht und entgegensteht. Das konnte ich aus Ihren Arbeiten immer mehr verstehen, denn ich las parallel zu ihren Berichten verschiedene Literatur über die Glaubensentwicklung der Institution, die wir als Kirche kennen, in ihren ersten sechs Jahrhunderten. Diese Tatsache warf mich zu Boden. Ich wusste einfach nicht mehr zu wem ich nun beten sollte und zu wem ich nun gehen konnte.

In meiner tiefen Zerrissenheit schrie ich eines Nachts: Wenn das alles wirklich so ist, dann lieber Gott, der du doch allezeit geredet hast, zeige es mir ganz einfach und verständlich, denn ich kann in dieser Zerrissenheit nicht mehr weiterleben. Du sagst in deinem Wort, dass wer dich sucht, dich auch findet. Bitte antworte mir. Ich brauche Gewissheit und Ruhe!

Gleich nach diesem Notschrei wurde mir blitzartig ins Herz gegeben was Jesus in Matthäus 6,6 und in Johannes 4,23-24 zu seinen Jüngern und zu der Frau am Jakobsbrunnen sagte: „..bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist, und dein Vater, der im Verborgenen sieht, wird dir vergelten“. Und: „..denn auch der Vater sucht solche als seine Anbeter. Gott ist Geist und die ihn anbeten, müssen in Geist und Wahrheit anbeten“. Von einer Sekunde auf die andere wurde mir klar, wenn der Jesus von Nazareth Gott gewesen wäre und wir ihn für Gott halten und anbeten sollten, dann wäre das der Wille des Vaters gewesen. Dann hätte Jesus aber seinen Jüngern geboten auch ihn anzubeten, weil dies dem Willen des Vaters entsprochen hätte und er es so haben wollte.

Er hätte ihnen bestimmt gesagt, dass jetzt nicht mehr nur der Vater angebetet werden soll, sondern auch er, weil ab jetzt mehrere Gottheiten anzubeten seien. Er hätte ihnen bestimmt gesagt, dass sie später noch einen weiteren, einen dritten Gott anbeten sollten, den die Kirchenväter erst noch theologisch und philosophisch entwickeln würden.

In Johannes 4,23 hatte Jesus aber gesagt, „dass die wahren Anbeter den Vater.. anbeten müssen..“. Wenn Jesus Gott gewesen wäre und es irgendwann drei Gottheiten anzubeten gäbe, dann hätte Gott eine so absolut wichtige Botschaft durch alle seine Propheten und zu jeder Zeit ohne Unterlass voraus verkündigen lassen. Vor allem Jesus wäre nicht müde geworden die Zuhörer aufzufordern ihn ohne Unterlass gleich dem Vater oder an dessen Stelle anzubeten. Er hätte ohne Unterlass Bibelstellen aus der Thora, den Propheten und Psalmen zitiert, die offenkundig auf seine Anbetung hingewiesen hätten oder auf die Anbetung die ihm nach seinem Tode zuteil werden müsste.

In jener Nacht erfuhr ich den Durchbruch zum Herzen des Vaters im Himmel. Ich konnte meine mystische und okkulte Beziehung zu dem angeblichen Jesus-Gott ablegen, der fälschlicherweise als der Jesus von Nazareth bezeichnet wird. Mir wurde sofort klar, dass der Jesus von Nazareth ein anderer ist als der katholische Jesus-Gott der Kirchenväter.

Ich konnte den richtigen Jesus auf der Stelle als Propheten erkennen, so, wie er uns vom Vater im Himmel, von den Propheten und den Aposteln in der Bibel bezeugt wird. Ich wusste nun, dass ich den gleichen Geist in mir trage, jenen Geist den der wahre Jesus von Nazareth, alle Propheten und die Apostel in sich trugen. Es wurde mir klar, dass die gläubigen Juden den gleichen Geist in sich tragen, ebenso jene Juden, die als die „ersten“ Gemeinden bezeichnet werden, denn diese „ersten“ Gemeinden bestanden ja nur aus gläubigen Juden, denen die Thora heilig war. Ich wusste nun, dass ich jetzt den gleichen Gott anbete wie es der wahre Jesus von Nazareth tat und wie die treuen gläubigen Juden es bis heute tun.

Ich fand zu jenem Glauben, den Sie in Ihren Arbeiten immer wieder als den biblisch bezeugten, ungeteilten Glauben bezeichnen, und in dem auch Jesus und die ersten Gemeinden lebten, die nur aus gläubigen Juden bestand. Nun weiss ich, dass ich im Hause meines Vaters angekommen bin, in dem alle Kinder Gottes leben, die den gleichen Glauben leben wie ihn der Jesus von Nazareth gelebt hat. Darin darf ich nun für immer leben. Nichts und niemand wird mich davon scheiden können.

Trotzdem bringt mir die neue Glaubens- und Lebenssituation neue Anfechtungen mit denen ich mich auseinandersetzen muss. In meiner Gemeinde will mich keiner verstehen. Sie gehen mir aus dem Weg, obwohl ich mich ruhig verhalte und meine Freude über die gefundene Ruhe und den Grund dafür unterdrücke. Die Ältesten drohen mir mit dem Ausschluss, wenn ich noch ein Wörtchen sage, aber dann wäre ich ganz allein und davor fürchtet mir. Ich weiss, in diesem Punkt bin ich noch besonders schwach..

Eine weitere Anfechtung bereiten mir die vielen Aussagen in der Bibel, die Gott als den Heiligen Geist oder Geist bezeichnen. Darüber habe ich keine Zweifel, aber ich kann mir beim Gebet unter Geist nichts vorstellen. Muss ich mir dabei etwas vorstellen oder nicht? Wie begegne und erfahre ich meinen Gott als Geist?..“

Soweit aus dem Brief. Im nächsten Gim versuche ich auf diese Fragen einzugehen. Immer wieder erhellen Lichtblicke unser Glaubensleben und wir kommen dem Ziel wieder etwas näher. Allen die nach dem Wesen des Abba Vaters in der Bibel suchen, werden fortwährend solche Lichtblicke geschenkt. Lichtblicke werden uns im Ringen nach der Wahrheit, auf der Suche nach der Wahrheit, geschenkt. Diese Zeiten des Ringens und Suchens, des inneren Glaubenswachstums, hinein in das Licht Jahwehs, werden oft als dunkle Phasen erlebt. In diesen dunklen Phasen geht uns das Licht Jahwehs auf, das Licht das uns den Weg neu erhellt. „Jahweh ist mein Licht und mein Heil“ (Ps 27,1), „..in deinem Licht sehen wir das Licht“ (Ps 36,10), d.h. in der Einheit und Gemeinschaft mit Jahweh, der das Licht ist, bekommen wir Licht (Hilfe) in jeder Lage.

Von Herzen wünsche ich allen Lesern Frieden und Segen.

Gregor Dalliard