JaHuWaH ist in seinen Propheten Mensch geworden.

Glaubensimpuls 196

Diese Aussage mag für viele anstössig sein. Gehen wir aber durch das Thor des Tanach (Thora, Propheten und Schriften) hinein in das Schatzhaus JaHuWaHs, dann finden wir vor allem im Wirken der Propheten das „Angesicht“ des Abba JaHuWaH. Das heisst wir finden darin den Willen JaHuWaHs und die Wege seines Segens und seiner Gerichte (auch Fluch genannt), d.h. die Wege der Wiederherstellung für sein auserwähltes Volk, für uns und für die ganze Menschheit. Wir verweilen darum sehr gerne im Schatzhaus unseres Schöpfers, des Abba JaHuWaH. Diesen unerschöpflichen Reichtum des Lebens hat uns JaHuWaH durch sein auserwähltes Volk, besonders aber durch seine Propheten, geschenkt.

Nun ist es aber nicht so, dass JaHuWaH uns sein Wort, seinen Willen, stereotyp offenbarte, als wären die Propheten Marionetten gewesen. Wir alle wissen was eine Rohrleitung ist. Sie leitet z.B. Wasser von hier nach dort. Eine Rohrleitung kennt keine persönliche Beziehung zum Wasser das sie vermittelt und ebenso das Wasser keine zur Rohrleitung. Anders ist das mit den Propheten unseres Schöpfers JaHuWaH. Wir können sagen, JaHuWaH wurde in seinen Propheten Mensch. Was heisst das und woran können wir das erkennen?

Erstens handelt ein Mensch grundsätzlich anders als JaHuWaH. Wie handelt JaHuWaH? Er erträgt sein auserwähltes Volk jeden Tag, wieder und wieder. Er macht das Gegenüber wieder und wieder auf den Segen seiner Lebensordnungen aufmerksam, ebenso auf die Folgen der Untreue. Auf die Untreue folgt wieder und wieder die Katastrophe, das Gericht. Inmitten des Feuers des Gerichtes (auch Fluch genannt) – Wiederherstellung – umfängt JaHuWaH sein auserwähltes Volk wieder und wieder mit ganzer Hingabe. Er führt die Überlebenden, Gedemütigten und Geläuterten wieder und wieder aus dem Elend heraus und umgibt sie wieder und wieder mit seiner vollkommenen Liebe. Er gibt ihnen wieder und wieder den Zugang zu seinem Herzen und damit zu seinen Ordnungen.

Das läuft schon seit Adam und Chawa (Eva) so. Vor allem aber seit den Zeiten Abrahams bis heute. Das ist einzigartig in der Geschichte der Menschheit. Das vermag kein Mensch von sich aus, das vermag auch keine Religion oder noch so gut gemeinte menschliche Ideologien. In der Bekenntnisschrift nach Lukas fasst Jahushua von Nazareth das Wesen des Abba JaHuWaH wunderbar zusammen (vgl. Lk 15,11-32). JaHuWaH hat ein Ziel. Bis dieses Ziel der vollkommenen Wiederherstellung aller Dinge erreicht ist wird er diesen Weg fortsetzen (vgl. Mt 5,18). Umwerfend, einfach wunderbar!

Zweitens wirkte und wirkt JaHuWaH alles das in, mit und durch seine Propheten und mit den Treuen des auserwählten Volkes. Woher sonst sollten wir davon wissen und wie sonst davon erfasst und begeistert sein, und zwar so, dass sich unser Leben in eine JaHuWaH gemässe Richtung veränderte? JaHuWaH hat sie dazu erwählt berufen und gesandt. Er hat sich und wird sich in ihnen verwirklichen. Sie sind der Spiegel, der JaHuWaH heisst.

Ich möchte diese Tatsache zur Ehre JaHuWaHs sehr hervorheben. Gleichzeitig müssen wir aber auch auf die schwere Last und Verantwortung hinweisen, die damit auf die Propheten und das auserwählte Volk gelegt wurde. Eine Last unter der sowohl Propheten wie die Treuen in aller Welt im Laufe der Jahrtausenden manchmal fast zerbrochen sind. Doch JaHuWaH liess das nicht zu. Dies beweist und zeigt uns wie sehr der Geist JaHuWaHs in ihnen Mensch war und ist.

Drittens sind seine Propheten und die Treuen des Volkes (gerade darum) so sehr vom Geist JaHuWaHs erfasst, durchtränkt, erfüllt, dass sie ihm und seiner Sendung bis in den Tod die Treue hielten und halten, obwohl sie Zeiten der schieren Verzweiflung durchleben. Trotz des Geistes JaHuWaHs in ihnen lebten und leben sie durchaus auch in den menschlichen Eigenschaften. Das kommt in Zeiten der schieren Verzweiflung zum Ausdruck. Sie sind und bleiben schliesslich Menschen.

Ihr Leben aber ist vom Wesen und Auftrag JaHuWaHs durch und durch ergriffen: Ihnen stehen alle Zusammenhänge klar vor Augen. Sie werden immer von den Endzielen JaHuWaHs her beurteilt. Sie kennen die Verheissungen des JaHuWaH. Sie wissen um die Erwählung des auserwählten Volkes und dessen Sendung für die heidnischen Völker, die in unfassbaren religiösen Verirrungen und Verwirrungen versklavt und verfinstert sind. „..er (JaHuWaH) offenbart das Tiefe und das Verborgene; er weiss, was in der Finsternis ist, und bei ihm wohnt das Licht“ (Dan 2,22). Sie kennen die Folgen von Untreue. Sie warnen, ermahnen und fordern unaufhörlich zur Umkehr auf. Nehmen Gerichte und Katastrophen ihren Lauf bleiben sie bei dem Volk des Abba JaHuWaH. Sie trösten und richten es wieder auf. Nochmals: die Ziele JaHuWaHs für die gesamte Menschheit und Schöpfung sind ihnen klar.

Die Propheten werden in der Bibel als Knechte JaHuWaHs bezeichnet. So heisst es über den Propheten Jeshajahu (Jesaja): „Siehe, mein Knecht wird einsichtig handeln. Er wird erhoben und erhöht werden und sehr hoch sein. Wie sich viele über dich entsetzt haben – so entstellt war sein Aussehen, mehr als das irgendeines Mannes, und seine Gestalt mehr als die der Menschenkinder -, ebenso wird er viele Nationen besprengen; über ihn werden Könige ihren Mund schliessen. Denn sie werden sehen, was ihnen nicht erzählt worden war, und was sie nicht gehört hatten, werden sie wahrnehmen“ (Jes 52,13-15). Das macht den Dienst des Knechtes JaHuWaH, der Propheten, so gewaltig. Am Ende des Zeitalters werden Könige den Mund schliessen, wenn sie die herrliche erlösende und befreiende Macht des Wortes des Lebens aus dem Mund JaHuWaHs erleben werden.

Wenn es in Jeshajahu (Jesaja) heisst: „Siehe, mein Knecht wird einsichtig handeln. Er wird erhoben und erhöht werden und sehr hoch sein“, dann erinnern wir uns an die Worte Jahushuas in Bezug auf die Thora: „Meint nicht, dass ich gekommen sei, die Thora oder die Propheten aufzulösen; ich bin nicht gekommen, aufzulösen, sondern zu bestätigen (erfüllen). Denn wahrlich, ich sage euch: Bis der Himmel und die Erde (dieses Zeitalter) vergehen, soll auch nicht ein Jota oder ein Strichlein von der Thora vergehen, bis alles geschehen ist. Wer nun eins dieser geringsten Gebote auflöst und so die Menschen lehrt, wird der Elendeste (Geringste) aller heissen im Reich der Himmel; wer sie aber tut und lehrt, dieser wird gross heissen im Reich der Himmel“ (Mt 5,17-19). Ist das nicht gewaltig, einfach umwerfend?!

Die Ehre JaHuWaHs durchdringt sie. In allem suchen sie diese Ehre. Warum? Weil sie das Leben lieben. Weil sie sich am Wohlergehen der Menschen freuen so wie sich JaHuWaH, der Schöpfer unseres Lebens, daran freut. Tag und Nacht dürsten sie danach das auserwählte Volk auf den Wegen JaHuWaHs zu führen. Sie nehmen darum unvorstellbare Leiden auf sich. Im Laufe der Geschichte haben sie Millionen und Abermillionen durch ihre Leiden zu JaHuWaH zurückgeführt (erlöst). Stellvertretend für das Volk nehmen sie harte Sühneleiden auf sich. Manchmal sind die Leiden kaum noch tragbar. Der Prophet Jirmejahu (Jeremia) verflucht sogar den Tag seiner Geburt (Jer 20,14-18), ebenso der Leidensknecht Hiob (Hi 3,1). Elijahu ist verzweifelt und will sterben (1Kö 19,4-8) usw.

Die zentrale Botschaft aller Propheten ist es die Liebe und Treue zu JaHuWaH und zu seinen Ordnungen lebendig zu haltend.h. die Liebe zum Nächsten. Es sind die Ordnungen die das Zusammenleben und das Leben überhaupt erst möglich und lebenswert machen: „..um dich erkennen zu lassen, dass der Mensch nicht von Brot allein lebt. Sondern von allem, was aus dem Mund des JaHuWaH hervorgeht, lebt der Mensch (5Mo 8,3).

Alle Ordnungen JaHuWaHs sind auf das soziale Leben und das Wohlergehen jedes Einzelnen des auserwählten Volkes ausgerichtet. Die Propheten mussten darum die sozialen Missstände unter dem Volk (Gottes) JaHuWaHs kritisieren. Sie mussten laufend auf diese Weisungen hinweisen, die dem Menschen das gesunde Zusammenleben und Wohlergehen schaffen (vgl. 3Mo 19,3.9-18; Hes 18, 7-8; Jes 58,5ff und zahllose Aussagen!).

Jeshajahu, Amos, Nehemijahu, ja alle, ohne Ausnahme, taten das. So tat es auch Jeshajahu (Jesus) unter der gräulichen Besatzungsmacht der Römer. Als die Römer ihn nach ihrem strengen Gesetz der Widerspenstigkeit und des Aufruhrs gegen den römischen Herrscher und seine Ordnungen pfählten, schrie auch er, „mit lauter Stimme auf und sagte: Eli, Eli, lema sabachthani? Das heisst: Mein Erlöser (Gott), mein Erlöser (Gott), warum hast du mich verlassen?“ (Mt 27,46). Dieser Schrei ging aus dem Munde vieler seiner Vorgänger.

Wenn die Kirchenväter lehren, dass Gott in Jesus Mensch geworden sei, dann meinen sie damit etwas ganz anderes. JaHuWaH ist aber in allen seinen Propheten Mensch geworden, ja sogar in den Treuen seines auserwählten Volkes. Darum hat er ja dieses Volk erwählt. Er wollte und will über und durch dieses Volk unter den Menschen wohnen. Über diesen Weg will er sein Angesicht, sein Wesen, sichtbar machen. Diese Tatsache wurde im Zuge des Antijudaismus von den Kirchenvätern verdrängt und schliesslich ersetzt (Ersatztheologie).

Die Menschwerdung des Abba JaHuWaH in allen seinen Propheten und in seinem auserwählten Volk wurde von den Kirchenvätern bewusst auf den Propheten Jahushua von Nazareth eingeschränkt. Warum? Sie wollten sich nicht von ihren heidnischen Traditionen, von ihren trinitarischen Gottheiten, lösen. Sie wollten aber den prophetischen Reichtum des Tanach an sich reissen. Darum versuchten sie die Juden auszuplündern. Sie widerstanden JaHuWaH ins Angesicht indem sie Jahushua von Nazareth schrittweise entjudaisierten und zu einer heidnischen Gottheit machten.

Ich möchte mich wiederholen!! An dem jüdischen Rabbi und Propheten Jahushua von Nazareth durfte nichts Jüdisches mehr zu finden sein. Die Prophetien der Propheten über die kommende Führung der Juden in dieser Welt (vgl. Dan 7,14.18.22.27; Sach 14,5.9; Jes 2,2-5 u.a.m.) wurden darum aus dem biblischen Kontext herausgerissen und auf die neue heidnische Gottheit Jesus Christus und seine angebliche Kirche umgedeutet. Die Kirchenväter beanspruchten diese Prophetien für sich um ihren Machthunger über alle Welt biblisch zu legitimieren. Das ist mit ein Grund warum das Christentum den Tanach (Thora, Propheten und Schriften) bis heute als seine hebräische Bibel ausgibt. Das ist ein schändlicher Missbrauch, der bis heute unfassbares Leid über die Juden und die Welt brachte.

So wie JaHuWaH in jedem Propheten und in jedem Treuen seines auserwählten Volkes Mensch geworden ist, so möchte er auch in uns sein Wesen ausleben. Darum wollen wir aus der Thora, den Propheten und Schriften verstehen lernen wie JaHuWaH Mensch sein will, was das Menschsein JaHuWaHs ausmacht. Wie in jedem anderen Propheten war er auch Mensch in Jahushua von Nazareth. Wie wir bereits wissen bezeichnete Jahushua von Nazareth sich selbst als Prophet. In Nazareth selbst bestätigt er seinen Prophetendienst.

Er selbst hätte sich niemals im Sinne einer Gottheit dem Abba JaHuWaH, dem einzigen Erlöser, gleichgemacht. So etwas wäre ihm nicht im Traum in den Sinn gekommen. Das wäre für ihn die absurdeste Form von Blasphemie gewesen, unvorstellbar und entsetzlich. Wer versucht den Willen JaHuWaHs in sein Leben umzusetzen, der kann auch sagen JaHuWaH lebt in mir, das heisst sein Geist lebt in mir. Sein Reich ist bei mir angekommen.

Auch diese Tatsache haben die Kirchenväter verschoben, ersetzt (Ersatztheologie). Nachdem Jahushua (Jesus) entjudaisiert war und zu einer heidnischen Gottheit umfunktioniert worden war, wurde er als zweite Gottheit, die der ersten in nichts zurücksteht, in den Mittelpunkt der Erlösung und der Anbetung ihrer religiösen Ideologie gestellt. Nun hiess es: „..und nicht mehr lebe ich, sondern Christus lebt in mir“ (Gal2,20).

Alle prophetischen Aussagen über die Erlösung im Tanach, die sich auf JaHuWaH und sein auserwähltes Volk beziehen, wurden nun samt und sonder auf ihre zweite Gottheit Jesus und auf die Kirche übertragen, entwendet. Das ist eigentlich leicht zu erkennen wenn christliche Kirchen und Gemeinschaften beten und wenn wir heute ihren „biblischen“ Auslegungen aus dem Tanach folgen. Das aber war auch uns vor noch nicht allzu langer Zeit überhaupt nicht bewusst. Eimal beteten wir „Gott“ an, als den Vater. Im nächsten Satz aber beteten wir den zweiten Gott als den Gott „Jesus“ an und dann wieder die dritte Gottheit als den „Heiligen Geist“, der nach dem Dogma der Kirchenväter den andern zwei Gottheiten in nichts zurücksteht. Das ist ein trauriges Erbe, doch jedes Wort aus dem Munde JaHuWaHs führt uns in das wahre Leben zurück.

In der grossen Freude über diese gewaltigen biblischen und geschichtlichen Zusammenhänge grüsse ich alle ganz herzlich und wünsche allen einen Shabbat der von Zufriedenheit getragen ist.

Shalom!

Gregor Dalliard