“....und JaHuWaH hatte Abraham in allem gesegnet” (1Mo 24,1). Teil 9

Glaubensimpuls 362

Als ich mich vor einigen Jahren voller Begeisterung intensiver mit dem prophetischen Wort befasste, ahnte ich noch nicht auf was für einen zusammenhängenden Lebens-Schatz ich in der Bibel stossen würde. Doch gleich zu Beginn meiner Schatzsuche ahnte ich, dass sich mein Glaube dadurch eventuell auf den Kopf stellen würde, was dann im Laufe der Zeit auch tatsächlich geschah – Schritt für Schritt! Doch dazwischen verleitete mich mein traditioneller hellenistisch-christlicher Glaube immer wieder dazu dem biblischen Prophetenschatz mit “neutestamentlichen” paulinischen Argumenten zu widersprechen, was ich heute, in der Blindheit meiner frommen Unwissenheit, als arrogante Anmassung sehe. Wie aber hätte ich damals anders urteilen können? Dass die griechische Gottheit Jesous Christos (griechisch) oder Jesus Christus (lateinisch) des Paulus nicht der Jude Jahushua von Nazareth, nicht wahrer Gott und wahrer Mensch, nicht der fleischgewordene Gott Himmels und der Erde sein sollte, durfte unter keinen Umständen wahr sein. Dass das prophetische Wort diese Lehren als Perversion des geoffenbarten Wortes entlarven würde, davor graute mir. Doch der gefundene Schatz spricht die Wahrheit. Ihm zu widersprechen ist zweck- und sinnlos.

Meine Vorbehalte gegen JaHuWaH, dem Erlöser (Gott) der Juden, waren von meinem kirchlichen, hellenistisch-katholischen Umfeld her, in keiner Weise diskutierbar, schon gar nicht mit Juden und ihrer Bibel. E sollte und musste anders werden. Ein Christ kennt JaHuWaH und sein prophetisches Wort als Gesamtoffenbarung JaHuWaHs nicht. Es gibt nur die pervertierte paulinisch-hellenistische Bibelauslegung des TaNaCH, die in den unterschiedlichen Kirchen und Gemeinschaften festgelegt ist, aber etwas voneinander abweichen kann. Allen aber liegt die hellenistisch-paulinische Denkweise zugrunde. Diese Denkweise ist aber nichts anderes als ein schändlicher Missbrauch des prophetischen Gesamtwortes. Auf die Auswirkungen dieses schändlichen Missbrauchs mit den schrecklichen und unsäglichen Folgen für die Juden und die gesamte Menschheit, durch all die Jahrhunderte (s. vor allem das finstere Mittelalter) hindurch, machen wir immer wieder aufmerksam und werden es auch immer wieder beharrlich tun.

Mir ging es anfänglich sehr ähnlich wie unserer Schreiberin. Wie sollte ich JaHuWaH anbeten, wie in eine Beziehung mit IHM treten? Mir half die Begebenheit von Jakobs Flucht vor seinem Schwiegervater Laban und die Umstände die ihn und seine Leute dabei begleiteten. Rachel hatte anfänglich das gleiche Problem wie viele von uns auch, wenn sie den hellenistischen Christuskult verlassen wollen. Als Jakob vor der Ausbeutung seines Schwiegervaters mit seinen Frauen vor Laban floh, stahl Rachel den Teraphim, den Hausgott ihres Vaters Laban. Der Teraphim war eine Gottheit in Menschengestalt. Er war eine kleine transportable Figur wie etwa eine kleine Christusfigur. Der Besitzer oder Träger einer solchen Figur war an sie gebunden, er betete seine Gottheit als etwas Konkretes an. Er konnte sie anschauen. Sie verhiess ihm Glück, Wohlergehen und ein ewiges Leben. Der Gläubige war ohne sie aufgeschmissen, verwirrt, kraftlos, verloren, geistig heimatlos und der Sinnlosigkeit verfallen. Er sah das Glück schwinden. Wir sehen das am Verhalten Labans. “Warum hast du meinen Gott gestohlen” (1Mo 31,30b)? Rachel war fromm und ganz tief an ihren Teraphim, “Christus”, gebunden. Sie hatte noch kein Vertrauen zu JaHuWaH, dem Erlösers Jakobs, gefunden. Bei Lea verlief das anders.

Im Gim 171 schrieb ich: “Lea war recht schnell zur Anerkennung und Anbetung JaHuWaHs gekommen. In der Namensgebung ihrer vier Söhne ist uns in Form von Metaphern ihr Glaubenswachstum dargestellt. Bei der Geburt des vierten Sohnes erlebte sie den Durchbruch zur Anbetung des EINZIG EINEN Erlösers JaHuWaH. Darum nannte sie ihn Juda, bzw. Judas, d.h.: „Diesmal will ich JaHuWaH preisen“ (1Mo 29,35). Was will uns das sagen? Spätestens bei der Geburt des Juda war sie im Glauben an JaHuWaH durchgebrochen. Nun konnte sie sich von den Göttern, den Hausheiligen ihres Vaters Laban, endgültig lossagen. Jetzt hatte sie das unerschütterliche Vertrauen in JaHuWaH gefunden, in den Glauben ihres Mannes Jakobs. Es heisst darum gleich: „Und sie hörte auf zu gebären“ (1Mo 29,35). Das ist auch eine fantastische Metapher, ein Bild, das uns ihren endgültigen Glaubensdurchbruch vor Augen führen will. Das ist wunderbar!”

Das Geheimnis des Durchbruchs von Lea zu JaHuWaH geschah aus den Erfahrungen heraus, die sie mit IHM machte, vor allem rund um ihre Schwangerschaften und Geburten. Sie war eine zurückgesetzte Frau mit sanften Augen. Rahel hingegen war sehr schön und von Jakob sehr begehrt, die Liebe seines Lebens, Lea war weniger begehrt (vgl. 1Mo 29,21-30). Die Namen, die Lea einem nach dem anderen ihrer Söhne gab zeigen uns auf wie ihre Beziehung zu JaHuWaH schrittweise wuchs (vgl. 1Mo 29.31ff). Sie wurde von JaHuWaH in ihrem damaligen Umfeld gesegnet. Es war dieser Segen! Sie schrieb diesen Segen nicht dem Götzen ihres Stammes, ihres Volkes zu, sondern JaHuWaH: “Ja, JaHuWaH (der HERR) hat mein Elend angesehen” (+Mo 29,32b). Bei der Geburt des zweiten Sohnes sagt sie: “Ja, JaHuWaH (der HERR) hat gehört, dass ich zurückgesetzt bin, so hat er mir auch den gegeben” (1Mo 29,33b). Beim dritten Sohn: “Diesmal endlich wird sich mein Mann an mich anschliessen” 1Mo 29,34b), und bei der Geburt des vierten Sohnes: “Diesmal will ich JaHuWaH (den HERRN) preisen!” (1Mo29,35b).

Obwohl Lea JaHuWaH nicht sah wie die Figur des Teraphim ihres Volkes, sich also nichts unter JaHuWaH vorstellen konnte, erkannte sie JaHuWaH, den Erlöser Abrahams und ihres Mannes Jakob an seinem Handeln. Über SEIN Handeln in ihrem Leben mit Jakob, konnte sie in eine Beziehung zu JaHuWaH treten, eine Beziehung die heute noch sehr lebendig von gläubigen Juden gepflegt wird. Die Beziehung zu JaHuWaH vollzog sich also nicht im Sehen, im Anschauen, sondern im Vertrauen darauf, dass er über allen Göttern steht und alles was im Leben geschieht einen tiefen zusammenhängenden Sinn hat. Darin zeigt sich die Gegenwart und Hilfe JaHuWaHs, des Schöpfers der über allem steht. Welche Erfahrungen mit JaHuWaH können wir aus unserem Leben mit Dankbarkeit nennen?

Mit einem tiefgreifenden Shalom grüsse ich alle herzlich und wünsche allen einen frohmachenden Shabbat.

Gregor Dalliard