“....und JaHuWaH hatte Abraham in allem gesegnet” (1Mo 24,1). Teil 8

Glaubensimpuls 361

Eine Leserin schreibt: “Wie hatte Abraham Zugang zu Gott? Wie soll ich das verstehen? Ich kann damit einfach nicht umgehen. Mit Jesus als Gott war das so einfach, weil er nach der christlichen Lehre zugleich Gott und Mensch ist und zwar Mensch wie ich und du und jeder andere auch. Ich konnte mir den Gott Jesus immer als einen Menschen vorstellen. Anders habe ich ihn mir nie vorgestellt, weil ja der Gott Himmels und der Erde, nach der Lehre des Paulus, in Jesus Christus Mensch geworden ist. Da ist es einfach eine Beziehung zu Gott zu haben. Die Beziehung war wie von Mensch zu Mensch, nur dass er zugleich als Mensch auch mein Gott war. Ich hatte eine rein menschliche Vorstellung und Beziehung zu ihm, anders ist das ja gar nicht möglich, oder? Das geht doch allen Christen so. Das machte es so einfach mit diesem Gott Jesus in einer Beziehung zu leben und diese Beziehung täglich zu pflegen. Wenn ich nun zurückdenke wird mir bewusst, dass ich mir den Gott Jesus nie als Gott, als Geist, vorstellen konnte so wie das Abraham und Sara taten. Darüber habe ich mir früher überhaupt keine Gedanken gemacht. Seitdem ich mir Gott nur als Gott vorstelle, ohne mir dabei einen Menschen vorstellen zu können, der auf dieser Erde gelebt hat, habe ich grosse Probleme. Können sie mir weiterhelfen?

Mit dem Einverständnis der Mail-Schreiberin darf ich ihre Not hier zum Thema machen. In diesem Gim werde ich es nicht schaffen erschöpfend auf dieses Thema einzugehen, also gehe ich zuerst auf Folgendes ein: Wir wollen uns in Erinnerung rufen, dass Jahushua von Nazareth kein Gott (bzw. Gottheit) war, der auf dieser Erde Mensch wurde. Aus den ursprünglich gesammelten Texten über seine Reden und sein Wirken innerhalb seines jüdischen Umfeldes geht unmissverständlich hervor, dass er sich niemals als Gott ausgab, der Anbetung für sich forderte. Er betete allein JaHuWaH an und forderte die Mitmenschen auf ungeteilt JaHuWaH zu dienen und anzubeten. Wenn er von sich sagte ich bin das Licht der Welt, das Brot des Lebens, Wasser des Lebens u.a.m., dann sprach er aus dem jüdischen Verständnis heraus, aus der reichen jüdischen Bildsprache, denn jeder Prophet und Rabbi, jeder lehrende Pharisäer war für seine Zuhörer Brot des Lebens, Licht der Welt, Wasser des Lebens usw. Die Zuhörer verstanden diese Bildsprache, während die Christen vom griechischen Denken her geprägt nur einen geringen bis keinen Zugang zu diesen jüdischen Schätzen haben. Das war für die jüdischen Zuhörer absolut kein Problem.

In diesen ursprünglich gesammelten Texten, die innerhalb der Bibel der Kirchengründer (NT) aufleuchten wird Jahushua von Nazareth als Rabbi erkannt und auch so genannt. Als Rabbi lehrte er innerhalb der Juden und zwar nur den TaNaCH, allezeit berief er sich darauf, denn er war ja zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt, wie viele andere Rabbis auch. Er bezeichnete JaHuWaH als Geist, nicht als Gespenst, vor dem man sich fürchten muss. Ihm allein galt – wie für Abraham und Sara – alle Anbetung. Das ist der Weg der zu dem inneren Frieden und damit zum Segen führt. Jahushua lehrte, dass der Vater solche Anbeter sucht, die ihn (den Vater) in Geist und Wahrheit anbeten. Das heisst, solche die im geoffenbarten Wort nach dem Willen des Vaters suchen und entsprechend zu handeln versuchen, trotz aller Rückfälle und Versagen, mit denen wir bis zum Ende dieses irdischen Lebens behaftet bleiben.

Erst mit Paulus, wer auch immer unter diesem Namen verstanden wird, wird Jahushua von Nazareth schrittweise entjudaisiert und zu einer griechischen Erlöser-Gottheit entwickelt. Im 4. Jh. ist diese Gottheit geschaffen, definiert. Seitdem ist er der Gott der rettet, dem nach katholischer Lehre der Kirchenväter jeder Mensch angehören muss, will er das ewige Leben haben. Das aber hat weder JaHuWaH noch irgendein Prophet, Rabbi oder Pharisäer jemals gelehrt. Das ist allein heidnische Tradition, die aus aus den vielen Götterkulten der damaligen Zeit heraus erwachsen ist. Abraham wurde aus diesem Sammelsurium von Göttervorstellungen -lehren und -forderungen herausgerufen. Im nächsten Gim wollen wir weiter auf dieses Thema eingehen.

Wir werfen den Blick in die Zukunft: “JaHuWaH (Gott) ist emporgestiegen unter Jauchzen, JaHuWaH unter Posaunenschall. Singt JaHuWaH, singet, singt unserem König, singet! Denn JaHuWaH ist König der ganzen Erde; singt einen Psalm! JaHuWaH ist König geworden über die Nationen; JaHuWaH hat sich auf seinen heiligen Thron gesetzt. Die Edlen der Völker haben sich versammelt mit dem Volk des Erlösers (Gottes) Abrahams; denn die Könige der Erde gehören JaHuWaH (Gott); er ist sehr erhaben” (Ps 47,6-10).

Shalom und herzliche Grüsse mit einem gesegneten Shabbat!

Gregor Dalliard