JaHuWaH an deiner Seite – wie ein Joch! "Nehmt auf euch mein Joch" ( Mt 11,29).

Glaubensimpuls 250

JaHuWaH an meiner Seite – wie unter einem gemeinsamen Joch? Im ersten Augenblick finden wir an diesem Vergleich überhaupt nichts Erfreuliches. Ein Joch ist doch etwas Schweres, Unbequemes. Wir denken an Hitze und Schweiss. Was ein Joch ist wissen wir in unseren Breitengraden aus der fernen Welt oder aus Erzählungen und Museen. Das Joch ist ein Holzbalken der zwei Zugtiere miteinander verbindet, z.B. ein Ochsen- Kuh- oder Pferdegespann. Die Tiere werden vor den Pflug gespannt. Für die Tiere steht eine harte gemeinsame Arbeit bevor.

Das Zweigespann, die Zugtiere, pflügen die harte Erde auf. Die gute Saat wird in die aufgelockerte Erde gelegt. Eine reiche Ernte steht bevor. Die Aufgabe des Zweigespannes ist nicht der Genuss der Ernte, sondern die harte Erde für die Aufnahme des Samens aufzubrechen, bereitzumachen. Diese Arbeit ist ausgesprochen hart. Wenn wir nun mit JaHuWaH ein Zweigespann bilden, dann wird der Akzent auf eine Jahrtausende alte Tradition gelegt, die bei einem Zweigespann nicht ausser Acht gelassen werden darf. Meistens wurde einem jungen Ochsen ein erfahrenes Leittier zur Seite gestellt. So war es damals, so ist es auch heute noch in vielen Teilen der Welt. Wie die Sonne für die Menschen von damals täglich auf- und unterging, so geht sie auch für die Menschen von heute täglich auf und wieder unter. Da hat sich bis heute nichts verändert. Wie sich JaHuWaH und seine geoffenbarten Ordnungen zwischen damals und heute nicht verändern, so unterscheidet sich die Absicht seines Zieles heute nicht von demjenigen damals, als er es Abraham kundtat (vgl. 1Mo 12,1ff).

Der Prophet Jirmejahu (Jeremia) bekam von JaHuWaH einen interessanten Auftrag. Er sollte die Juden auffordern sich Nebukadnezar zu unterwerfen: “Und zu Zedekia, dem König von Juda, redete ich nach all diesen Worten: Steckt eure Hälse in das Joch des Königs von Babel und dient ihm und seinem Volk, dann werdet ihr am Leben bleiben! Warum wollt ihr, du und dein Volk, durch das Schwert, durch den Hunger und durch die Pest sterben, wie JaHuWaH über die Nation geredet hat, die dem König von Babel nicht dient? Und hört nicht auf die Worte der Propheten (vgl. den falschen Propheten Hananijahu in Jer 28,10ff), die zu euch sagen: Ihr werdet dem König von Babel nicht dienen! Denn sie weissagen euch Lüge. Denn ich habe sie nicht gesandt, spricht der JaHuWaH, sondern sie weissagen in meinem Namen Lüge, damit ich euch vertreibe und ihr umkommt, ihr und die Propheten, die euch weissagen” (Jer 27,12-15).

Das Joch hat im israelitisch-jüdischen Leben und Denken eine sehr tiefe Bedeutung, und zwar in verschiedenen Weisen und das seit Menschengedenken. Vor allem aber wird mit einem Joch das Schwere, die Last des Lebens, in Verbindung gebracht. Das auserwählte Volk sollte sich nicht gegen das Unausweichliche stellen, was es immer wieder versucht war zu tun und auch recht oft tat. Das birgt allerdings die grosse Gefahr der Anpassung in sich, den schleichenden Verlust des Inhaltes. Darum sollte es lernen in dieser aussergewöhnlich harten Zeit, unter dem Joch Nebukadnezars, erst recht mit JaHuWaH zusammengejocht zu bleiben.

Wie damals ein junger Ochse an der Seite eines erfahrenen Leittiers die Regeln des Zweigespannes bei der harten Arbeit erlernen musste, so ist das auch in unserem Leben, in unserem Glaubensleben. Abraham lernte erst an der Seite JaHuWaHs, als er mit JaHuWaH zusammengejocht war, wie es sich ausserhalb des Götzendienstes, dem die Masse verfallen war, lebte. Eine übergrosse Gemeinschaft mit einem ebenso übergrossen Ziel wurde ihm geoffenbart und anvertraut. Er und alle die JaHuWaH vertrauten und sich nach seinen Verheissungen und Ordnungen des Lebens ausstreckten, sollten ein Segen werden für die ganze Menschheit. Sara, Itzak, Rebekka, Jakob, Lea, Moshe und viele Millionen seither, lernten bis heute mit JaHuWaH zusammengejocht ihr irdisches Leben bewältigen, ihre Sendung verstehen und JaHuWaH treu bleiben.

Die grosse Menschenmasse lebt unter dem Joch der Glaubensunmündigkeit und der geistigen Ziellosigkeit. Das wird von vielen Menschen als Freiheit verstanden. In Wirklichkeit begeben sie sich geistig unter die vielen Jochbalken der Zeit, die von Menschen auferlegt werden. Doch manchmal geht es uns wie dem Volk Israel unter der Herrschaft Babylons. Wir alle leben im Alltag unter bestimmten Gegebenheiten und Abhängigkeiten, die wie ein Joch auf uns lasten, das wir uns nicht ausgesucht haben oder in das wir im Laufe des Lebens möglicherweise hineingeraten sind. Was ist dabei wichtig? Bleiben wir mit JaHuWaH zusammengejocht. Verlieren wir nicht das Ziel aus den Augen, und die neue Kraft, die Abraham damit gegeben worden ist. Das Ziel und die Kraft sind auch uns geschenkt, inmitten dieser Welt, in deiner und meiner Welt. JaHuWaH ist in diesem Bilde das “Leittier”, das uns zeigt wie wir unter den täglichen Lasten und Herausforderungen des irdischen Lebens das Ziel und den inneren Frieden am Besten bewahren können.

Übertragen wir den Begriff “Joch” auf JaHuWaH, dann können wir im Gesamten gesehen sagen: Das Wort Joch hat als Bild, Metapher, vor allem den gemeinsamen Weg des auserwählten Volkes – mit JaHuWaH an der Seite – vor Augen. Das Leben ist für den JaHuWaH-Gläubigen nur an der Seite JaHuWaHs begehbar und ein innerer Segen. Die Gemeinschaft mit JaHuWah ist zwar ein besonderer, aussergewöhnlicher Segen. Doch immer und immer wieder wird der JaHuWaH-Gläubige Mensch in dieser Welt als Fremdkörper empfunden, unterdrückt, ausgegrenzt. Die Botschaft des Lebens, die von JaHuWaH ausgeht, wird durch verkehrte Lehren als Beraubung der Freiheit missverstanden. Darum kennen wir die Reaktionen der Welt: “Warum toben die Nationen und sinnen Eitles die Völkerschaften? Es treten auf Könige der Erde, und Fürsten tun sich zusammen gegen JaHuWaH und seinen Mashiach (Gesalbten = das auserwählte Volk): Lasst uns zerreissen ihre Bande und von uns werfen ihre Stricke!”(Ps 2,1-3).

“Denn siehe, deine Feinde toben, und die dich hassen, erheben das Haupt. Gegen dein Volk planen sie listige Anschläge, und sie beraten sich gegen die, die bei dir geborgen sind. Sie sprechen: Kommt und lasst uns sie als Nation vertilgen, dass nicht mehr gedacht werde des Namens Israel! Denn sie haben sich beraten mit einmütigem Herzen, sie haben einen Bund gegen dich geschlossen..” (Ps 83,3-6).

“Sie sprachen in ihrem Herzen: Lasst sie uns allesamt niederzwingen! Sie haben alle Versammlungsstätten JaHuWaHs im Lande verbrannt. Zeichen für uns sehen wir nicht. Kein Prophet ist mehr da, und keiner bei uns ist da, der weiss, bis wann. Bis wann, o JaHuWaH, soll höhnen der Bedränger, soll der Feind deinen Namen verachten immerfort? Warum ziehst du deine Hand und deine Rechte zurück? Zieh sie hervor aus deinem Gewandbausch, mach ein Ende! JaHuWaH ist ja mein König von alters her, der Heilstaten vollbringt auf der Erde” (Ps 74,8-12).

JaHuWaH bezeugen, an seinen Rechtsordnungen, Weisungen und Shabbaten sich freuen, sich dazu bekennen, und wenn es darauf ankommt dazu stehen, zieht Ablehnung und Verfolgung auf sich. In Wirklichkeit richtet sich derjenige, der sich gegen jene stellt, die mit JaHuWaH zusammengejocht sind, gegen sich selbst (vgl. 1Mo 12,3a). (Das sehen wir wieder einmal unmissverständlich in der EU, im Zusammenhang mit dem Brexit. Aber darüber ein andermal)! Doch dies zu erkennen, zu verstehen und zu ertragen ist in einem christlich antijüdischen Umfeld, von dem unser Volk und unsere europäische Kultur vollgestopft ist, nicht leicht zu ertragen. Das meint auch der Prophet Jirmejahu. Wenn sich das Volk dem Unausweichlichen, dem Joch der Babylonier, unterwirft, wird es überleben. Dabei darf es aber seinen König JaHuWaH und seine Ordnungen nicht verleugnen. Aber gerade das war und ist der springende Punkt. Hier brauchte und braucht es mehr als nur eine gute Meinung. Der Alltag wurde und wird auf eine harte Probe gestellt, Herausforderungen mussten und müssen überwunden werden.

Genau dasselbe geschah zur Zeit Jahushuas von Nazareth. Wieder einmal waren die Juden unterdrückt. Diesmal von den Römern. Wir kennen ihre Grausamkeiten. Viele Juden verloren alle Kraft, gaben nach, warfen die Jochgemeinschaft, die sie durch die Verheissungen für alle Völker mit JaHuWaH verband, von sich. Sie verliessen JaHuWaH, lösten sich aus dem gemeinsamen Joch mit ihm. Sie traten zu den Römern über um “frei” zu sein. Jahushua von Nazareth konnte das nicht mitansehen. Was predigte er: “Kommt her zu mir, alle ihr Mühseligen und Beladenen, und ich werde euch Ruhe geben. Nehmt auf euch mein Joch, und lernt von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig, und ihr werdet Ruhe finden für eure Seelen; denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht” (Mt 11,28-30).

Jahushua drückt damit sein ganz tiefes Zusammengejochtsein mit dem Abba JaHuWaH aus. Jahushua selbst war in dieser aussergewöhnlich harten Zeit, unter der Herrschaft der Römer, festgegründet, festgejocht mit JaHuWaH und damit mit allem was JaHuWaH an Lebensessenz geoffenbart hatte. Viele Juden hatten diese Beziehung weggeschmissen und waren zu den Römern übergelaufen, so z.B. Zachäus. Nun hörten sie die Aufforderung Jahushuas: Bleibt mit JaHuWaH zusammengejocht. Kehrt zu JaHuWaH und zu seinen Rechtsbestimmungen, Weisungen und Shabbaten um. Viele seiner Zuhörer waren aber so sehr von Schuldgefühlen geplagt, dass sie nur mit äusserster Kraft ermutigt werden konnten zu JaHuWaH zurückzukehren. Zachäus wird uns als einer dieser Menschen dargestellt. Er steht für viele da. Sie dachten, mit ihrem Abfall sei ihr Schicksal besiegelt, es gebe keine Umkehr mehr. Viele dachten überhaupt nicht an Umkehr, aber die Predigt Jahushuas traf sie in ihren Herzen. Sie sollten von ihm und an ihm lernen wie die Beziehung mit JaHuWaH unglaubliche Kräfte im Menschen entfachen kann. Sie sollten verstehen lernen, dass das Joch, gemeinsam mit JaHuWaH geteilt und getragen, sanft und leicht zu tragen ist.

In Lukas 15,11-32 zeigt Jahushua diese grenzenlose Liebe des Abba JaHuWaH zu jedem seiner Mitgejochten auf, die jene erfahren dürfen, die aufrichtigen Herzens zu JaHuWaH umkehren. Mit den Schweinen sind hier die Römer gemeint. Den Römern war das Schwein heilig. Wenn der junge Mann bei den Schweinen endete, dann heisst das, dass er zu den Römern übergetreten war. Aber selbst diese Sünde verzeiht JaHuWaH, wenn der Betreffende in sich geht und zum Vater im Himmel zurückkehrt. Zehntausende erfuhren in Israel durch die Predigt Jahushuas von Nazareth eine Umkehr zu JaHuWaH, zu seinen Rechtsbestimmungen, Ordnungen und Shabbaten (vgl. Apg 21,20). Sie liessen sich wieder mit JaHuWaH zusammenjochen. Wie alle JaHuWaH treuen Propheten, Pharisäer und Rabbiner es immer schon gemacht hatten, rief Jahushua die Verlorenen zur Umkehr zu JaHuWaH auf. Er tat es aber mit einer unvorstellbaren Hingabe und Treue, sodass die Römer ihn in kürzester Zeit nach dem von Kaiser Augustus erlassenen Majestätsgesetz lex Iulia de maiestate, das zu jener Zeit seine Gültigkeit im ganzen römischen Reich besass, als Staatsfeind pfählen mussten. Unzählige in Israel durften im Laufe der Heilsgeschichte durch ihre Umkehr Vergebung ihrer Sünden erfahren, wir denken an David.

Jahushua sagte: “lernt von mir”. Wer soll von ihm lernen? Alle die ihm zuhören. Was sollen sie von ihm lernen? Jeder gläubige Jude ist wie er mit JaHuWaH unter einem Joch. JaHuWaH und jeder als Einzelner ist mit JaHuWaH unter einem Joch und umgekehrt: Ich und JaHuWaH unter einem Joch. Jeder, der mit JaHuWaH unter dem gleichen Joch ist, trägt “sein persönliches Joch”, das ist “mein Joch”. Der Gläubige Jude und jeder Gläubige, der mit JaHuWaH geht, soll und muss sich mit JaHuWaH identifizieren. Jahushua sprach nur in diesem Kontext: “Nehmt auf euch mein Joch”. Nie in einem andern Zusammenhang. Das geht aus dem biblischen Gesamtzusammenhang klar hervor. Das gemeinsame Joch mit JaHuWaH macht frei. Es allein hat Bestand und Zukunft. Es allein schenkt Ruhe. Jahushua zitiert hier den Propheten Jirmejahu: “So spricht JaHuWaH: Tretet auf die Wege, seht und fragt nach den Pfaden der Vorzeit, wo denn der Weg zum Guten sei (d.h. kehret zu JaHuWaH um und geht mit ihm zusammengejocht), und geht ihn! So werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen” (Jer 6,16). Die Versöhnung mit JaHuWaH macht frei, schenkt inneren Frieden und Ruhe. Das ist das Joch mit JaHuWaH, das ist sowohl mein Joch als auch sein Joch, denn ich bin mit ihm zusammengejocht Darum kann er den Sündern sagen: “mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht”. Meine Beziehung mit JaHuWaH hilft mir in allen Belangen des Lebens, besonders aber in den aussergewöhnlich schweren Zeiten. Kommt und pflegt diese Beziehung!

Wenn wir solche Aussagen lesen, müssen wir unbedingt die damalige Situation vor Augen halten. Dann können wir diese herzzerreissende Aussage Jahushuas einordnen und verstehen. Denn nur zu den gefährdeten, verlorenen Juden war er gesandt (vgl. Mt 15,24; 10,5-6). Das ist einleuchtend. Jetzt gerade, in dieser aussergewöhnlich schweren Zeit unter den Römern, brauchten sie wieder den Aufforderung, JaHuWaH, seine Rechtsbestimmungen und seine Shabbate für sich und für die gesamte Welt im Herzen zu tragen, zu bewahren – und wann immer möglich, weiter zu vermitteln.

“Wie eine Hirschkuh lechzt nach Wasserbächen, so lechzt meine Seele nach dir, o JaHuWaH! Meine Seele dürstet nach JaHuWaH, nach dem lebendigen Retter: Wann werde ich kommen und erscheinen vor JaHuWaHs Angesicht? Meine Tränen sind mein Brot geworden Tag und Nacht, da man den ganzen Tag zu mir sagt: Wo ist dein Retter? Daran will ich denken und vor mir ausschütten meine Seele, wie ich einherzog, in der Schar sie führte zum Hause JaHuWaHs, mit Klang des Jubels und Dankes - ein feierlicher Aufzug. Was bist du so aufgelöst, meine Seele, und stöhnst in mir? Harre auf JaHuWaH! - denn ich werde ihn noch preisen für das Heil seines Angesichts” (Ps 42,2-6).

Im Geiste der vorbildlichen Treue des Psalmisten grüsse ich alle herzlich und wünsche allen einen frohen und entspannten Shabbat. Shalom!

Gregor Dalliard