“.. und JaHuWaH hatte Abraham in allem gesegnet” (1Mo 24,1). Teil 2

Glaubensimpuls 355

Für manche Bibelleser ist die Aussage: “….und JaHuWaH hatte Abraham in allem gesegnet” (1Mo 24,1), sehr provokativ und widersprüchlich. Sie sagen, wie konnte Abraham in allem gesegnet sein, da er zuerst sehr lange darunter litt, dass er keine Nachkommen hatte. Und dann die schwere Prüfung mit der Aufforderung JaHuWaHs ihm seinen Sohn Itzak, den Sohn der Verheissung, auf Morijahu (Moria im späteren Jerushaljim) zu opfern. Jenen Sohn den er so spät gezeugt hatte und den Sara über alle Regeln des Lebens hinaus geboren hatte.

Und dann sind da seine Unvollkommenheiten. U. a. als er wegen einer Hungersnot nach Ägypten auswandern musste (1Mo12,10ff) und seine schöne Frau Sara als seine Schwester ausgab um einem möglichen Mord durch die Hand des Pharao zu entgehen. Sie war zwar seine Halbschwester (vgl. 1Mo 20,12), aber das Motiv stimmte nicht. Der Pharao hatte sie zu sich genommen und Abraham, ihren angeblichen Bruder, reich mit Menschen, Tieren und Gütern beschenkt. Als die ganze Angelegenheit dem Pharao Unheil einbrachte kam er der Sache auf die Spur. Der Pharao war über das Verhalten Abrahams empört und hielt ihm seine Lüge vor. Er gab ihm seine Frau zurück und liess ihn mit seinem ganzen Besitz ausser Landes begleiten (vgl. 1Mo 12,20). Das war kein Zeugnis für JaHuWaH, den EINZIG EINEN, der über allen Gottheiten und deren schlechten Einfluss auf die Götzendiener steht. Offenbar schien hier der Pharao gerechter und grosszügiger zu sein als Abraham.

Das sind Etappen im Leben Abrahams, die wir nicht bis in die Details beurteilen können und müssen. Sie zeigen uns aber den neuen wiedergeborenen Menschen auf, der trotz seiner Wiedergeburt in JaHuWaH, trotz seines Vertrauens auf JaHuWaH, worin er ja gerechtfertigt war in seinem Leben (vgl. 1Mo 15,6), ein Mensch bleibt. Was aber zeigt seine Wiedergeburt auf. Da sind Wesensmerkmale die wir hervorheben möchten. Abraham wurde in der Gemeinschaft mit JaHuWaH von einem neuen Umgang mit Schwächen und Versagen erfüllt. Die Ereignisse in Ägypten und anderswo können in einer anderen Weise jedem von uns widerfahren. Abraham lernte im Angesicht und im Lichte JaHuWaHs neu damit umzugehen. Als er sein Versagen einsah, erkannte, musste er sich nicht mehr fürchten, wie sich ein Mensch vor den Göttern fürchten muss. Er wurde auch nicht ein Ruchloser. Manche sensible Menschen kommen sich nach der Erkenntnis einer Schuld und nochmals einer Schuld, so sehr als Versager vor, dass sie dem Bösen Tür und Tor öffnen und immer ruchloser werden.

Abraham wurde durch die vergebende Liebe JaHuWaHs von einem solchen tiefen inneren Frieden und von einer solchen tiefen inneren Freude und Zuversicht erfüllt, dass ihn nichts mehr von JaHuWaH zu trennen vermochte. Dadurch wurde er er innerlich auferbaut, gesegnet. Seine Schwächen und seine Versagen vermochten ihn nicht mehr von der Liebe JaHuWaHs zu trennen. Das zieht sich durch sein ganzes weiteres Leben hindurch. So ergreifend und stark ist die Liebe und Freundschaft JaHuWaHs zu jedem einzelnen von uns. Diese Beziehung will aber täglich genährt und gepflegt sein, in einer stillen Zeit, im Gebet! Mit festem Herzen, vollkommen entschlossen, blieb er in seinem Leben allezeit bei JaHuWaH. Jahrhunderte später wird uns im Psalm 139,1-18 diese alles umfassende Gnade, diese Liebe, in einer ergreifenden Weise weiter bezeugt. Das tut auch Jahushua von Nazareth nochmals einige Jahrhunderte später. Wir kommen darauf zurück.

Diese Liebe JaHuWaHs nennen wir Gnade. Abraham, Sara und seine Leute sind Menschen geworden, die die Gnade, die Annahme durch JaHuWaH, in jeder Lage des Lebens kennenlernen und erfahren durften, Menschen, die von einer neuen Lebenskraft und -dynamik erfüllt wurden. Das ist eine Erfahrung die nur ausserhalb der Götzenkulte, des Götzendienstes, erfahrbar wird und von der die Juden heute noch geprägt sind, die sie stetig erneuert und erfinderisch macht, die sie unbeugsam macht vor dieser Welt – und vor einer selbstzerfleischenden, todbringenden Selbstanklage und Verzweiflung, nach Versagen und Enttäuschungen, bewahrt. Das ist tatsächlich die Erfahrung, die nur in JaHuWaH möglich ist, die allein – und das ist sehr wesentlich – nur in JaHuWaH zukünftige Wirkung haben wird (Verheissungen hat). Ist das nicht befreiend und hilfreich in jeder Lage dieses Lebens? Es ist das worauf sozusagen alle Propheten, Priester und Pharisäer allen Wert legten, weniger die Könige!

Lassen wir diese Gnade an uns wirksam werden! Öffnen wir ihr alle Türen zu allen Bereichen unseres Lebens. Halten wir keine geschlossen, das macht uns glücklich, gesegnet, egal wie die Umstände in uns und um uns herum sein mögen. Was heisst das? Wir mögen ab und zu, oder für längere Zeiten, von negativen Ereignissen überrascht, ja überrumpelt werden und darin über längere Zeiten leben müssen. Dadurch können wir in Resignation, Mutlosigkeit und Anklage gegenüber JaHuWaH und Mitmenschen fallen. JaHuWaH aber wird eine Lösung, eine Zukunft haben, ob hier auf Erden oder weiter, das ist faszinierend. Die Erfahrung Abrahams im Umgang mit JaHuWaH, vor allem auf dem Berg Morijahu, kann durch nichts ersetzt werden. In der Erfahrung mit JaHuWaH auf dem Berg Morijahu wusste Abraham um das Wesen JaHuWaHs. Darum nannte er Morijahu, das spätere Jerushalajim, den späteren Tempelberg: “JaHuWaH-jireh: JaHuWaH wird ersehen” (1Mo 22,14a). Der Bibelschreiber kommentiert: “von dem man heute [noch] sagt: Auf dem Berg JaHuWaHs wird ersehen.” (1Mo 22,14b) . Das heisst JaHuWaH hat für alles eine gute Lösung, selbst wenn wir – vorübergehend – keine Lösung sehen sollten. Der Mensch darf lernen in dieses Denken hineinzuwachsen.

Wir verstehen darum alle Propheten und Prophetinnen, die so sehr betonen: “Und es wird geschehen am Ende der Tage, da wird der Berg des Hauses JaHuWaHs (Morijahu, d.h. der Glaube Abrahams) feststehen als Haupt der Berge und erhaben sein über die Hügel; und alle Nationen werden zu ihm strömen” (Jes 2,2). Wir können verstehen warum Jahushua von Nazareth den Glauben Abrahams gegenüber der Stellvertreterin des Christentums am Jakobsbrunnen so sehr betonte: “Die Frau spricht zu ihm: Herr, ich sehe, dass du ein Prophet bist. Unsere Väter haben auf diesem Berg (Garizim) angebetet, und ihr sagt, dass in Jerushalajim der Ort sei, wo man anbeten müsse. Jesus spricht zu ihr: Frau, glaube mir, es kommt die Stunde, da ihr weder auf diesem Berg, noch in Jerushalajim den Vater anbeten werdet. Ihr betet an, was ihr nicht kennt; wir beten an, was wir kennen, denn das Heil ist aus (bei) den Juden. Es kommt aber die Stunde und ist jetzt, da die wahren Anbeter den Vater in Geist und Wahrheit (weder durch Tieropfer noch durch Götzenkult wie im Christentum: Trinität) anbeten werden; denn auch der Vater sucht solche als seine Anbeter. JaHuWaH ist Geist, und die ihn anbeten, müssen in Geist und Wahrheit anbeten (d.h. im Glauben Abrahams)” (Joh 4,19-24). Dieser Glaube geht von Abraham aus, von Morijahu, Jerushalajim: “Denn von Zion wird Weisung ausgehen und das Wort JaHuWaHs von Jerushalajim (Morijahu)” (Jes 2,3b).

Die Versagen Abrahams sollen uns übrigens auch davor bewahren uns von JaHuWaH weg auf Menschen zu fixieren. Sicher haben sich immer wieder Juden einfach auf Abraham und die damit verbundenen Verheissungen berufen und ihn zu einem Heiligen gemacht, ohne selbst den Glauben Abrahams zu suchen und zu leben. Damit haben sie ihn gleichsam zu ihrem Götzen gemacht, m.a.W. angebetet. Abraham ist nur Wegweiser kein Heiliger der in den Mittelpunkt eines Kultes drängt und JaHuWaHs Gnade verdrängen will. Das geschieht leider in der katholischen und orthodoxen Kirche vollumfänglich. Die Heiligen sind Menschen-Götzen und wie ich schon erwähnte, ihnen zu Ehren sind massenhaft Kathedralen und Gedenkstätten erbaut worden, zu ihnen wird heute noch gewallfahrtet, massenhaft werden sie angebetet, vor allem in den sonntäglichen Kulten.

Nach dem Glaubens-Ereignis von Morijahu erhält Abraham die wunderbare Segensverheissung für alle Völker: ”Und in deinem Samen (in deinem Glauben und dem von den Juden Erreichten) werden sich segnen alle Nationen der Erde dafür, dass du meiner Stimme gehorcht hast” (1Mo 22,18, vgl.Jo 4,22). In diesen Segen sind wir hineingewachsen, wachsen weiter und freuen uns herzhaft. Gesegneten Shabbat, Shalom! Mit herzlichen Grüssen

Gregor Dalliard