“....und JaHuWaH hatte Abraham in allem gesegnet” (1Mo 24,1). Teil 14

Glaubensimpuls 367

Die wundebaren, tiefsinnigen und unser Leben aufbauenden sieben freudigen Tage von Sukkot gehen langsam ihrem Ende entgegen (Abschluss: am Sonntagabend, 30. Oktober). Auch dieses Fest ist aus dem Glauben Abrahams erwachsen, der auszog und wie später seine Nachkommen, unter der Führung des Moshe, beim Auszug aus der ägyptischen Götzenkultur, in Zelten oder provisorischen Behausungen, in Hütten, Laubhütten (Sukkas/Sukkes), lebte. Warum ist Abraham ausgezogen und warum lebte er in Zelten und Laubhütten: Sukkas/Sukkes? Was heisst das? Er durchbrach die religiöse Finsternis der Welt, zog aus jeder Form der religiösen Erniedrigung heraus, entledigte sich schrittweise der Bevormundung fester alter traditioneller religiöser Vorstellungen und Praktiken was ihn, in der damaligen Zeit, zwang seine in Götzentraditionen festgefahrene Familie, die Stadt und das Land zu verlassen. Er übernahm persönliche Verantwortung für sein eigenes Leben, für das der ihm unterstellten oder schutzbefohlenen Mitmenschen und der Schöpfung – im Dialog und unter der Führung des Schöpfers Himmels und der Erde.

Seine Nachkommen empfingen schrittweise das Wort des Lebens, die Weisungen JaHuWaHs, die sie mehr und mehr verinnerlichten und damit von Götterkulten und -forderungen befreiten. Die Würde des einzelnen Menschen erfuhr schrittweise Beachtung. Schrittweise wurde sie auf den Leuchter des Lebens gesetzt. Die Menschwerdung Gottes auf Erden nahm damit auf Erden immer mehr Gestalt an. Es braucht also keine Menschwerdung Gottes in einem griechisch-hellenistischen Göttersohn namens Jesus Christus, der nichts mit dem Juden Jahushua von Nazareth zu tun hat.

In der Gemeinschaft und im Umgang Abrahams mit JaHuWaH wurde Abraham immer menschlicher. Das ist es was den herzlichen Umgang Abrahams mit JaHuWaH ausmacht. Dieser herzliche und unkomplizierte Umgang JaHuWaHs mit Abraham und dieser ebenso herzlicher Umgang Abrahams mit JaHuWaH. Es ist das was jeder Mensch in seinem ganz persönlichen Leben haben müsste, haben sollte, um den inneren Frieden zu finden. Das ist die Menschwerdung JaHuWaHs in meinem Leben. Daraus wächst ein Potential an Menschlichkeit, wie wir es gar nicht zu erfassen vermögen. Dabei achten wir darauf, dass es nicht darum gehen kann sich auf Abraham berufen und darauf ausruhen zu wollen. Vielmehr geht es darum sein Leben auf diese persönliche freundschaftliche Begegnung zu bringen und aufzubauen. Das ist eine sehr spannende Angelegenheit.

Es ist kein Zufall, dass Abraham von den israelitisch-jüdischen Propheten Freund JaHuWaHs genannt wird! Das sollten wir eingehend überdenken! “Hast du, unser Erlöser (Gott), nicht die (unmenschlichen) Bewohner dieses Landes vor deinem Volk Israel vertrieben und es den Nachkommen Abrahams, deines Freundes, gegeben für ewig?” (2 Chron 20,7). “Du aber, Israel, mein Knecht, Jakob, den ich erwählt habe, Nachkomme Abrahams, meines Freundes, du, den ich ergriffen von den Enden der Erde und von ihren fernsten Gegenden her gerufen habe, zu dem ich sprach: Mein Knecht bist du, ich habe dich erwählt und nicht verworfen..” (Jes 41,8-9).

Die Bibel vermittelt uns dieses herzliche und warme Verhältnis Abrahams mit JaHuWaH u.a. durch ein ganz einfaches Geschehen, wie es damals in Israel und bei allen umliegenden Völkern Sitte war. Während der brennenden Mittagshitze und im frühen Nachmittag ruhen die Menschen auf der Nordseite ihres Zeltes, im Schatten aus, so auch Abraham. Das war so ähnlich in meiner Kinder- und Jugendzeit. Wir waren mit den verwandten Nachbarn um die 15-20 Leute die jeweils morgens rechtzeitig zur Arbeit in die Weinberge aufgebrochen waren. Als die Mittagshitze fast unerträglich wurde kehrten wir nach Hause zurück. Die Frauen hatten die gröbsten Dinge für das Mittagessen schon vorbereitet und so lief die frohe Essenszeit relativ schnell vorüber. Anschliessend setzten oder legten sich die meisten von uns auf der Nordseite des Hauses in den Schatten bis sich die Hitze des frühen Nachmittags etwas gelegt hatte. Während dieser Mittagsruhe kam es nicht selten vor, dass der eine oder andere interessante Träume oder Visionen hatte, die natürlich die Runde machten.

So ähnlich etwa können wir uns Abraham und seine Leute bei der heissen Mittagszeit im Nahen Osten vorstellen. Abraham schlief ein und hatte was? In 1Mo 18 wird uns davon berichtet. War es eine reale Begegnung von drei Männern oder einen Traum, eine Vision über drei Männer und seine Sara? Das ist der Zankapfel der Theologen. Das hebräische und nahöstliche Leben vermittelt die Wahrheiten des Lebens in zahllosen Gleichnissen, Bildern, Metaphern. Der Mensch aus diesen Kulturen weiss, dass die vielen Geschichten, die erzählt werden nicht immer als reale, als wirkliche Begebenheiten zu verstehen sind. Sie wollen uns mit diesen Bildern, Vergleichen, Metaphern, Gleichnissen vielmehr zu JaHuWaH und seinem Wesen führen. So auch das was Abraham vor seinem Zelt erlebte. Er war eingeschlafen. In seiner Vision, oder in seinem Traum sah er drei Männer stehen. Wie gesagt, die Geschichte können wir in 1Mo 18 nachlesen. Sie ist zu Herzen gehend. Der Schreiber will uns mit dieser Begebenheit etwas Wesentliches mitteilen, nämlich das herzliche umgängliche Wesen von JaHuWaH mit den Menschen, die ihm vertrauen wie Abraham.

Wie wir aber immer wieder betonen, nimmt die christliche Theologie und Philosophie diese israelitisch-jüdische Vermittlung der Wesenzüge JaHuWahs in 1Mo 18 nicht wahr. Wissenschaftlich geht sie an solche nahöstlich vermittelte Wahrheiten heran, nimmt sie als tatsächliche Begebenheiten auf und verstrickt sich mit ihren Auslegungen in lauter Widersprüche. Damit wird nicht nur der Reichtum und die Tiefe der biblischen Vermittlung lächerlich gemacht, sondern auch das Wesen JaHuWaHs. Der Mensch wendet sich von der Bibel ab, denn sie erscheint ihm als ein Märchenbuch.

Die christliche Theologie ist von ihrer hellenistischen Prägung und Denkstruktur her gar nicht fähig zu verstehen, dass der Schreiber dieses Berichtes uns etwas viel Tieferes, für unser Leben Wichtigeres mitteilen will, als hohe theologische wissenschaftliche Erkenntnisse. So streiten sich die christlichen Theologen/Exegeten schon seit Jahrhunderten wer denn die drei Männer waren. Da sie als christliche Theologen wohl ausnahmslos alle vom heidnisch-hellenistischen Denken geprägt sind erkennen die meisten von ihnen darin eine prophetische Vorhersage der drei Gott-Pesonen im Christentum. Für viele ist sie darin unzweideutig bestätigt. Die Juden gelten damit als Feinde Jesu, als Feinde Gottes, weil sie ihn offenbar in ihren eigenen Schriften nicht als Gottheit erkennen. Das ist eine schändliche Anmassung. Diese und ähnliche verkehrte Auslegungen brachten unsägliches Leid über die Juden. Andere lesen wieder anderes heraus! Sie erkennen nicht die Absicht des israelitisch-jüdischen Schreibers.

Umsomehr freuen wir uns über das bevorstehende Fest am 1./2. Oktober, Shemini Azereth und Simchat Thora, den Abschluss von Sukkot und die Feier der Thora. Die Feier der Thora ist das Fest der Offenbarung der Lebensweisungen JaHuWaHs, die unser Leben reichlich segnen. “Und sie gedachten daran, dass JaHuWaH (Gott) ihr Fels sei und JaHuWaH, der Höchste, ihr Erlöser” (Ps 78,35).

In dieser Freude grüsse ich alle herzlich und wünsche allen gesegnete Zeiten des Dankes und des Lobpreises. Shalom!

Gregor Dalliard

E i n l a d u n g zu den Vorträgen in D-83317 Achtal / Teisendorfer Str. 93 (kein Bahnhof). Samstag, 06.10.2018 und Sonntag, 07.10.2018. Themen: Die Apokryphen und Leben aus dem biblischen Glauben. Beginn: Samstag, 14.30 Uhr / Sonntag, 14.30 Uhr, anschliessend Fragestunde. Anmeldung: bitte telefonisch unter 08666 – 2174 973. Wegen Unterkunft bitte telefonisch anfragen.