„Täglich verharrten sie einmütig im Tempel“ (Apg 3,19)

Glaubensimpuls 34

Dieses Zeugnis in den ersten Sammlungen der Bekenntnisschriften (der neutestamentlichen Schriften) ist äusserst informativ. Es vermittelt uns den tiefen wichtigen Einblick in das Zusammenleben von Juden und jenen Juden, die den Jeshua von Nazareth für den Jahshua, d.h. den Jahweh-Shua (Jahweh rettet) hielten, für den profetisch verheissenen Gesalbten ( Mashiach, Christus). „Täglich verharrten sie einmütig im Tempel“.

Welch eine Hochachtung nahm die Mehrheit der Pharisäer und der Pharisäer-Priester ihren Brüdern gegenüber ein, die an den Jahshua glaubten. Das Betreten des Tempelareals war abtrünnigen Juden unter Todesstrafe verboten. Doch die Jahshuagläbigen durften sich täglich dort versammeln. Was heisst das? Wir erkennen aus dem Bekenntnis in Apg 3,19 und aus anderen Bekenntnissen, dass die Jahshuagläubigen von  der grossen Mehrheit der Juden und den Priestern im Tempel keineswegs verachtet waren wie uns das spätere, von den Kirchenvätern überarbeitete Texte, Wortveränderungen, Weglassungnen und Einfügungen vermitteln wollen. Wie oft finden wir in den Bekenntnisschriften (NT) die Formulierungen „die Juden“, „die Pharisäer“, „die Schriftgelehrten“ u.a.m. als negative Begriffe, die alle Juden, samt und sonder, als Gegner und Feinde Jahshuas und der Jahshuagläubigen hinstellen.

Von den Pharsäer-Priestern heisst es: „..und eine grosse Menge der Priester wurde dem Glauben (dass der Jeshua von Nazareth der von Jahweh Gesalbte, der Jahshua, ist) gehorsam“ (Apg 6,7). Selbst das ganze jüdische Volk begegnete ihnen weiterhin mit Achtung und Wohlwollen. Sie waren ja schliesslich alle „Söhne der Profeten und des Bundes“ (vgl. Apg 3,25), wie Kefa (Petrus) bezeugt. Das tägliche Verharren im Tempel und die Gunst der Mashiachgläubigen bei allem Volk wird in Apg 2,47 in einem Atemzug bezeugt: „..und hatten Gunst bei allem Volk“.

Kein Jude hatte aus eigener Kraft erkannt, dass der Nazarener Jeshua von Jahweh zum Jahshua (Jahweh-Shua, Jahweh rettet), zum Gesalbten (Christus), gemacht worden war. Keiner konnte sich aus eigener Kraft zu dieser Erkenntnis, zu diesem Glauben, bekehren. Es wird uns bezeugt, dass es Jahweh selbst war (und es immer bleiben wird), der durch die Verkündigung und das Zeugnis der jüdischen Apostel, die immer wieder und ohne Abstriche auf das zusammenhängende profetische Wort hinwiesen, jene Herzen bewegte, die er über Jahshua zu einem bestimmten Dienst erwählt und berufen hatte: „Jahweh aber tat täglich hinzu, die gerettet, (d.h. die zur Körperschaft Jahshuas) hinzugetan werden sollten“ (Apg 2,47b). Bald waren es um die fünftausend Männer: „..und die Zahl der Männer kam auf etwa fünftausend“ (Apg 4,4). Wozu diese Auswahl? Zu was waren sie bestimmt, erwählt, berufen? (s. Gim 36, 42, 44). Sie sollten den verlorenen Schafen Israels (unwissende Verheissungsträger, vgl. Röm 9,4-5) das Heil verkündigen (vgl. Apg 8, 4-6). Die Shomroner (Samariter) bestanden z.T. aus einem Mischvolk. Dieses bestand aus übriggebliebenen Menschen von den zehn „verlorenen“ Stämmen, welche die  unwiderrufbare Abrahamsverheissung in sich trugen und Menschen aus dem heutigen Irak und Iran, die Nebukadnezar in Israel (im Zehnstämmeland) angesiedelt hatte.

Selbst nach dem Fest Shawuoth und bis hin zur Zerstörung des Tempels im Jahre 70 n.u.Z. waren die Mashiachgläubigen, die mit dem gleichen Geist gesalbten Menschen wie Jahshua, in unserem Sprachgebrauch Christen genannt, allezeit im Tempel: „..und sie waren allezeit im Tempel und priesen Jahweh“ (Lk 24,53b). Schliesslich glaubten in Jerusalem und in der Umgebung Scharen von jüdischen Männern und jüdischen Frauen an Jahshua (vgl. Apg 5,12-16). Die Liebe unter den jüdischen Pharisäern und jenen Juden, die an Jahshua glaubten, war tief und wohlwollend.

Wer stellte sich dann gegen das profetische Wort und Zeugnis,  und damit gegen den Glauben, dass der jüdische Jeshua von Nazareth der Jahweh-Shua, der Jahshua, der von Jahweh Gesalbte (Christus) ist? Es war dies zuerst einmal die Partei der Herodianer, die politische Anhängerschaft des Herodes des Grossen und seiner Familie unter den Juden. Sie bejahten den kulturellen und religiösen Kompromiss des Herrscherhauses mit der griechisch-römischen Kultur. Sie ordneten sich der Herrschaft der Römer unter um ihrer Privilegien willen, aber auch um die Existenz der jüdischen Nation nicht aufs Spiel zu setzten.

Daneben gab es die kleine herrschende geistliche Führung. Es waren die weitgehend verweltlichten Sadduzäer, wohlhabende einflussreiche Aristokraten, zu denen die führenden Priester am Tempel gehörten. Sie bestimmtem den Tempeldienst und den Vorsitz im Sanhedrin. Ebenso gehörte das Amt des Hohepriesters einem Sadduzäer an. Das Amt des sadduzäischen Hohepriesters hatte zur Zeit Jahshuas, zusammen mit dem Sanhedrin, sowohl religiös gsetzgebende als auch politische Funktion. Der sadduzäische Hohepriester musste deshalb als Mittelsmann zwischen Juden und den Besatzern, den Römern, fungieren (vgl. Joh 11,47-54). Die führenden Sadduzäer arbeiteten, um ihres Vorteiles willen, recht oft mit der römischen Besatzungsmacht zusammen.

Auf der andern Seite gab es die Partei der Pharisäer, die aus unterschiedlichen Gruppierungen mit unterschiedlichem Schriftverständnis nebeneinander lebten. Sie unterschieden sich von den Herodianern und Sadduzäern unter anderem durch ihre Heiligkeit (Kedusch), die in der Schriftforschung  (Schriftgelehrten) und in der Bewahrung der schriftlichen und mündlichen Tradition zum Ausdruck kam. Sie förderten das Schriftstudium unter Beteiligung des ganzen Volkes (Pharisäer von Mefarshim d.h. Schrifterklärer). Allen pharisäischen Richtungen war die strenge Gegnerschaft gegen die sadduzäische Tempelaristokratie gemeinsam. Unter ihnen nun gab es die strenge Sekte (vgl. Apg 26,5), denen auch Shaul eine Zeit lang, bis zu seiner Berufung, angehörte. Diese Sekte hatte sich des Lehrstuhls Mose bemächtigt (vgl. Mt 23,1-4). Diese Sekte schuf neben der Thora, neben den Weisungen Jahwehs, das Gesetz. Das sind Menschenlehren und -satzungen, die sie den Menschen als den angeblichen Willen Jahwehs aufluden. Mit diesem Gesetz hoben sie die Thora (Weisungen in den 5 Büchern Mose) die Profeten und die Schriften, also den Tenach, auf (vgl. Mt 15,3.6.14).

Wenn sich auch der Hohepriester am Tempel, also ein Sadduzäer und kein Pharisäer,  gegen die Jahshuagläubigen Juden wie Jakob, Kefa (Petrus), Jochanan (Johannes) und alle andern stellte, so konnte er dennoch nichts gegen ihren Aufenthalt im Tempel ausrichten. Es waren einfach viel zu viele Juden, die zum grossen Teil selbst Pharisäer waren und  den Jeshua für den Jahshua hielten (Apg 5,17-26.42). Kefa hatte am Fest Shawuoth unter dem Segen Jahwehs nicht umsonst gepredigt: „Das gane Haus Israel wisse nun zuverlässig, dass Jahweh ihn sowohl zum Herrn (zum Jahshua) als auch zum Mashiach (Christus) gemacht hat, diesen Jeshua..“ (Apg 2,36).

Erst unter dem extrem ultraorthodoxen Shaul aus Tarsus, der in Jerusalem aufgewachsen war, „..auferzogen.. zu den Füssen Gamaliels“ (Apg 22,3), und sich später von den Thoratreuen löste und sich eine Zeit lang, bis zu seiner Berufung, der strengsten pharisäischen Richtung anschloss, nämlich der strengsten Sekte der Pharisäer (vgl. Apg 26,5), brach eine gewaltsame Verfolgung aus. Diese hatte eine teilweise Vertreibung der Jahshuagläubigen in die Nachbargebiete zur Folge (vgl. Apg 8,1ff). Doch diese Verfolgung bewirkte schliesslich das Gegenteil. Die Zahl der Juden und Jahwehfürchtigen (Gottesfürchtigen), die den Nazarener Jeshua für den Jahshua HaMashiach hielten, nahm sowohl in Jerusalem als auch in den umliegenden Gegenden rasant zu. Immer mehr Menschen wurden durch die Gnade Jahwehs, anhand des zusammenhängenden profetischen Wortes, davon überzeugt. „Die Zerstreuten nun gingen umher und verkündigten das Wort. Philipp aber ging hinab in eine Stadt Shomrons (Samarias) und predigte ihnen den Gesalbten (Mashiach, Christus). Die Volksmengen achteten einmütig auf das, was von Philipp geredet wurde..“ (Apg 8,4-6)

Schliesslich wurde Shaul selbst davon überzeugt, dass der Nazarener Jeshua, der von Jahweh gesalbte Jahshua ist, „indem er bewies, dass dieser (Jeshua) der Jahweh-Shua, der Gesalbte Jahwehs ist“ (Apg 9,22). Seine Begnadigungsberichte sind von unumstösslicher und unübersehbarer Wichtigkeit und beispielhaft für jeden, der wissen will, wie eine Wiedergeburt vor sich geht – von wem sie ausgeht! (vgl. hierzu 1.Tim 1,12-17; Gal 1,15-16; Eph 2,8-10). Der Jude Kefa hatte diese Botschaft von Anfang an verkündigt: „..Jeshua von Nazareth, wie der Erlöser ihn mit seinem Hauch, Odem und mit Kraft zum Jahshua gesalbt hat“ (Apg 10,38).

In der Stadt Jerusalem selbst gab es um 56 n.u.Z.  Zehntausende von Juden, die glaubten, dass der Jeshua von Nazareth von Jahweh zum Jahweh-Shua (Jahweh rettet) gesalbt worden war. Im Jahre 56 n.u.Z. vollende Shaul seine dritte Missionsreise. Er wollte das von Jahweh verordnete Fest Shawuoth (Pfingsten) wenn möglich mit den Brüdern, unter der Leitung des Apostels Jakob, in Jerusalem feiern. Was traf er dort an? Der Apostel Jakob bezeugt ihm, dass es in Jerusalem inzwischen Zehntausende (Myriaden) der Juden gibt, die vom profetischen Wort her überzeugt sind, dass der aus Nazareth stammende Jeshua der Jahshua, der Gesalbte Jahwehs ist: „Du siehst, Bruder, wie viele Zehntausende der Juden es gibt, die gläubig geworden sind (dass der Jeshua von Nazareth der Jahshua ist) und alle sind Eiferer für die Thora“ (Apg 21,20), d.h. sie waren Anhänger der Worte und Weisungen, die Jahweh durch die Profeten geredet hatte. Sie waren nicht Anhänger der Menschengebote, des Gesetzes, das in der strengsten Sekte der Pharisäer, als solches über der Thora stand, oder mit der Thora vermischt war. Es war das Gesetz und bestand aus den Auslegungen der Auslegungen über die Auslegungen, also Menschengebote. Wie ich bereits erwähnte gehörte Shaul eine Zeit lang dieser strengsten pharisäischen Sekte an. Jahshua widersprach dieser Sekte mit all seiner Kraft, denn die alleinige Verbindlichkeit und Reinheit   des Wortes Jahwehs in der Thora, in den Profeten und in den Schriften, sollte unangetastet bleiben (vgl. Mt 15,1-14).

Für Shaul war es bis zum Ende seines Lebens kein Problem am Glaubensleben im Tempel teilzunehmen. Wo wird Shaul vom Hohepriester, dem Sadduzäer Hananias, verhaftet? Im Tempel! Wer oder was war der Auslöser dieser Verhaftung? Shaul selbst bezeugt zwölf Tage nach seiner Verhaftung vor dem römischen Statthalter Felix: „Nach mehreren Jahren aber kam ich her, um Almosen für meine Nation und Opfer darzubringen. Bei diesen fanden sie mich gereinigt im Tempel.. es waren aber einige Juden aus Asien (Kleinasien, heutigen Türkei).. (Apg 24,17-18). Diese Juden gehörten wie Shaul noch vor Jahren, der strengsten pharisäischen Sekte an.

Die Sekte der Sadduzäer, mit dem Hohepriester, und die kleine, aber gewaltbereite tiefreligöse pharisäische Sekte, legte Hand an die Apostel: „Der Hohepriester aber trat auf und alle, die mit ihm waren, nämlich die Sekte der Sadduzäer, und wurden von Eifersucht erfüllt, und sie legten Hand an die Apostel und setzten sie öffentlich in Gewahrsam“ (Apg 5,17-18). Doch diese Begebenheit hatte sich schon vor Jahren ereignet. Wie wir aber bereits gesehen haben, diente die Verfolgung schliesslich der Verbreitung der Botschaft, dass der Jeshua von Nazareth der von Jahweh gesalbte Jahshua ist.

Shaul brachte diese unheilige Allianz zwischen Sadduzäern und dieser extremen ultraorthodoxen pharisäischen Sekte, in  Anwesenheit des römischen Obersten, gegen einander auf. Es brach ein Tumult aus, der dahin führte, dass sich diese Pharisäer schliesslich zu ihm bekannten: „..und die Schriftgelehrten von der Partei der Pharisäer standen auf und stritten und sagten: Wir finden an diesem Menschen nichts Böses..“ (vgl. Apg 23,1-10).

Erst allmählich, aber mit eiserner Faust, trieben Kirchenväter, die aus den (Israel-) Nationen (verheidete Nachkommen aus den „verlorenen“ zehn Stämmen), denen auch die Erstlingsschaft, die Sohnschaft und die Bündnisse mitverheissen sind (vgl. Röm 9,4), einen todbringenden Keil zwischen Juden und den mashiachgläubigen Juden und  den Mashiachgläubigen aus den (Israel-)Nationen. Dieser Keil wurde auf den ersten christlichen Konzilien (325 Nizäa, 381 Konstantinopel, im heutigen Istanbul), die von den heidnisch-christlichen Kaisern einberufen wurden und bei denen sie den Vorsitz innehatten, für rund 1600 Jahre verankert.

Es ist darum ein kaum zu fassendes Geschenk seiner Gnade, dass wir in unseren Tagen, hier und heute, bei den Anfängen des Wiederherstellungsprozesses, der vor rund tausendsechshundert Jahren durch die Kirchenväter und die nachapostolischen Bischöfe völlig in Brüche ging, mitarbeiten dürfen! Jeder von uns ist heilsgeshichtlich direkt davon betroffen. Die gegenwärtige Lage Israels und die damit verbundene religiöse, moralische, politische, wirtschaftliche und ökonomische Lage bestätigen Jahwehs profetisches Wort.

Von Herzen wünsche ich allen einen – wenn möglich – erholsamen Shabbat. Shabbat Shalom

Gregor Dalliard