„Ihr irrt, weil ihr die Thora (Schrift) nicht kennt“ (Mt 22,29; Mk 12,24). „Alle Schrift (Thora) ist von Jahweh eingegeben“ (2Tim 3,16).

Glaubensimpuls 131

Zuerst ein kurzer Rückblick auf die Aussage Shauls in Gal 3,22: „Aber die Schrift hat alles unter die Sünde (d.h. unter das Gesetz, das Gesetz des Ungehorsams) eingeschlossen“. Dass Shaul mit der Aussage „die Schrift“ die Thora meint, steht ausser Frage. Doch für Mitglieder von Kirchen, Freikirchen und christlichen Gemeinschaften kann diese Feststellung einen Schock auslösen. Redliche Menschen müssen dieser Feststellung Konsequenzen folgen lassen, sofern sie behaupten Jahweh zu lieben, Jahshua und seinem Evangelium zu glauben.

Im zweiten Brief an Timotheus schreibt Shaul nämlich: „Du aber bleibe in dem, was du gelernt hast und wovon du völlig überzeugt bist, da du weisst, von wem du gelernt hast, und weil du von Kind auf die heiligen Schriften (Thora, Propheten und Schriften) kennst, die Kraft haben, dich weise zu machen zur Errettung (Heil) durch die gleiche Beziehung zu Jahweh (den Glauben), die in dem Mashiach Jahshua war. Alle Schrift ist von Jahweh eingegeben und nützlich zur Lehre (Belehrung) zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Unterweisung in der Gerechtigkeit, damit der Mensch Jahwehs vollkommen sei, zu jedem guten Werk völlig zugerüstet“ (2Tim 3,14-17).

Das sind deutliche Worte! Sie sind nicht anders zu lesen, zu verstehen und zu glauben als im klaren Angesicht der Thora. Ausserhalb dieses Zusammenhanges sind sie niemals zu verstehen, wollen wir Jahweh, die Propheten, Jahshua und die Apostel nicht missbrauchen. Shaul bestätigt diesen Zusammenhang. Im Eingang dieses Briefes an Timotheus schreibt er vom Glauben seiner Grossmutter Lois und der Mutter Eunike. „Denn ich erinnere mich der ungeheuchelten Beziehung zu Jahweh (Glauben) in dir, die zuerst in deiner Grossmutter Lois und in deiner Mutter Eunike wohnte, ich bin überzeugt, auch in dir“ (2Tim 1,5).

Beide Frauen waren fromme, von Jahweh gerechtfertigte treue jüdische Frauen. Sie lebten im Glauben Abrahams, d.h. aus der Beziehung zu Jahweh wie Abraham sie hatte. Ihre Beziehung zu Jahweh gründete allein auf der Bibel, d.h. aus der Thora, Propheten und Schriften (AT). Etwas anderes kannten diese Frauen nicht und es war auch nicht nötig! Für sie war das „Alle Schrift“, so wie Jahweh sie offenbarte und aus der auch Jahshua gelebt hatte.

Was müssen wir uns damit, zumindest um der Redlichkeit willen, beim Lesen dieser Texte demütig und beschämt eingestehen? Als Shaul diesen Brief rund 35 Jahre nach dem Tod Jahshuas schrieb gab es keine Bibel neben der Thora, den Propheten und Schriften (BuS = AT).

Sowohl die Grossmutter und Mutter von Timotheus als auch Jahsua, die Apostel, Timotheus und Shaul kannten keine andere Bibel als diese Schrift. Sie lasen nur aus dieser Bibel. Für sie waren nur diese Schriften die Schrift, d.h. von Jahweh eingegeben. Andere Schriften hätte keiner von ihnen jemals als von Jahweh eingegeben geglaubt und der Bibel für gleichwertig oder übergeordnet erachtet und akzeptiert. Das wäre ihnen nicht einmal im Traum in den Sinn gekommen! In den Versammlungen las die Gemeinde Jahwehs in der Beth HaKnesseth (Synagoge) aus diesen Schriften. Sie allein waren verbindlich.

Erst etwas später, als gewisse Kirchenväter eine Abspaltung von der Gemeinde Jahwehs, den Juden, propagierten und vollzogen, wurde die Bibel (BuS = AT) in den abgespaltenen Versammlungen bewusst durch Zeugnisberichte (NT = BeS) ersetzt. Diese wurden gesammelt und einzelne davon sind 382, rund ein Jahr nach dem kaiserlichen Konzil von Konstantinopel, von Papst Damasus als NT (Kanon) zur Bibel erhoben worden. Das ist buchstäblich ein Sakrileg, denn Jahshuas heiligste Sendung und Auftrag war es die Wiedervereinigung der Gemeinde Jahwehs unter Jahweh einzuleiten und zwar im Geist der Thora und auf die Thora und die Propheten hin. Doch Papst Damasus vollzog mit der Schaffung seiner neuen „Bibel“, dem „NT“ (BeS) den Abfall von der Gemeinde Jahwehs, den Abfall von der Thora und den Propheten.

Shaul wäre bei dem Gedanken, dass einige seiner Briefe 382, also einige Jahrhunderte später, zu einer neuen Bibel, zu einem neuen Testament (NT), erhoben und der Thora nicht nur gleichgesetzt sondern übergeordnet würden, zu Tode erschrocken. Könnte er sich uns offenbaren, er würde sein Entsetzen und seine Fassungslosigkeit offen bekunden! Ebenso wären wohl auch Jahshua und die Schreiber von Berichten über das was man aus ihnen und aus ihren Berichten machte entsetzt und fassungslos. Sie wären vom Missbrauch, der Schande, dem Hohn und der Entwürdigung die damit Jahweh, seiner Thora und dem auserwählten Volk angetan worden ist und wird abgrundtief erschüttert, abgesehen von den schrecklichen Kriegen und Verbrechen die aus diesem Abfall hervorgegangen sind.

Jahsua kannte die tiefen Zusammenhänge der Thora durch und durch. Ultraextremen Pharisäern und den Sadduzäern bot er allein aus der Fülle der Thora die Stirn und konnte sie widerlegen. Wahrscheinlich musste er ihnen recht oft den Satz entgegenhalten: „Ihr irrt, weil ihr die Schrift (Thora) nicht kennt“ (Mt 22,29, Mk 12,24, vgl. Mt 15).

Jeder Einzelne von uns muss sich diesen Satz immer wieder neu gefallen lassen! Wir wollen uns diesem Ausspruch und Anspruch Jahshuas in aller Ernsthaftigkeit stellen und mit tiefster Dankbarkeit zu Herzen nehmen. Gerne wollen wir immer wieder alles – wie Jahshua – im Lichte und in den Zusammenhängen der Thora prüfen und überdenken, ohne in eine ultraextreme Richtung zu fallen.

Die Konsequenzen die wir daraus ziehen müssen, sollten uns nicht verwirren. Jeder Garten muss umgestochen werden und vom Unkraut befreit werden, soll er zur Freude aller reiche Ernte hervorbringen. Sind wir nicht gleichsam der Garten Jahwehs unseres Schöpfers?

„Du Jahweh kennst die Gedanken des Menschen, dass sie ein Hauch (Nichtigkeit) sind. Glücklich der Mensch, den du erziehst, Jah, den du belehrst aus deiner Thora, um ihm Ruhe zu geben vor den bösen Tagen“ (Ps 94,11-12). So ist es wohl! Darum freue ich mich mit all den Glücklichen, die sich aus aller Schrift (Thora, Propheten, Psalmen und Schriften) von Jahweh erziehen lassen und aus der darin geschenkten Ruhe den Frieden haben.

Mit einem herzlichen Shabbat Shalom!

Gregor Dalliard