„Wie wendet ihr euch wieder zu den schwachen und armseligen Elementen zurück, denen ihr wieder von neuem dienen wollt? Ihr beobachtet Tage und Monate und bestimmte Zeiten und Jahre. Ich fürchte um euch, ob ich nicht etwa vergeblich im Blick auf euch gearbeitet habe“ (Gal 4,9-10).

Glaubensimpuls 127

Mit grosser Dankbarkeit und Freude wollen wir danach trachten diese wichtigen zentralen Aussagen im Brief an die Galater zur grossen Ehre Jahwehs in das Ganze der damaligen Umstände einzuordnen. Vergessen wir dabei nicht, wir tun es als solche, die durch die Sendung Jahshuas „unter sie (die Juden) eingepfropft und der Wurzel und der Fettigkeit des Ölbaumes (des auserwählten Volkes) mit teilhaftig geworden sind“ (Röm 11,17). „So rühme (kämpfe) dich nicht gegen die Zweige (gegen die Juden und das ihnen Geoffenbarte und Anvertraute)“ (Röm 11,18). Das wollen wir auf keinen Fall tun. Das taten wir, als wir noch den Elementen der Welt, d.h. der Theologie und Philosophie der Kirchenväter dienten und huldigten. Das ist nun endgültig vorbei!

Im Kern dieses Briefes geht es um die Gefahr eines Rückfalls in „die Elemente der Welt“ (Gal 4,3.9; Kol 2,8.20). Was sind „die Elemente der Welt?“ Im Brief an die Kolosser sagt uns Shaul was er darunter versteht: „Seht zu, dass euch niemand einfange durch die Philosophie und den leeren Betrug nach der Überlieferung der Menschen, nach den Elementen der Welt und nicht nach dem (jüdischen) Glauben wie er in dem Mashiach (Christus) war. Denn er gehorchte Jahweh mit seinem ganzen Wesen, so dass Jahweh vollkommen in ihm wirksam sein konnte; und ihr seid durch seinen Dienst und Auftrag zu Jahweh zurückgekommen. Jahweh ist das Haupt jeder Gewalt und jeder Macht“ (Kol 2,8-9).

Es bestand also die Gefahr der Galater, nicht nur der Galater sondern auch der Gläubigen in Kolossä und anderswo, wieder von Jahweh, dem Schöpfer und Haupt des Lebens, seinen heilsamen Ordnungen und prophetisch-heilsgeschichtlichen Festen abzufallen und in die heidnischen Philosophien und Festtraditionen der Götter zurückzufallen. Das meint Shaul mit „Elemente der Welt“.

Diese heidnischen Festtraditionen mit ihren Philosophien füllten das ganze Jahr aus. Tage, Wochen und Monate waren nach ihren zahllosen Gottheiten benannt und mussten ihnen zu Ehren eingehalten werden. Vergleiche den katholischen oder orthodoxen liturgischen Jahreskalender mit all den Heiligen (Göttern) und Lehren, aber auch den der Freikirchen mit den heidnisch-christlichen Festfeiern und Lehren, die sie beibehalten haben.

Denken wir nur an die Namen unserer Wochentage. Jeder einzelne Tag der Woche war und ist einer oder mehreren Gottheiten (falschen Erlöser) gewidmet. So kommt die Bezeichnung Sonntag vom Tag der einem Gott der Sonne geweiht war, wie z.B. dem Sol Invictus, dem Gott der unbesiegbaren Sonne. Darum durfte in Rom und anderswo am Sonntag zur Ehre des Gottes der Sonne nicht oder nur eingeschränkt gearbeitet werden. Die christlichen Kirchen befolgen dieses Gesetz der Sonnengötter bis zu dieser Stunde.

Ebenso wurden und werden Wochen, Monate, bestimmte Zeiten und Jahre den Gottheiten geweiht. Diese Zeiten, die von den Dienern der Gottheiten festgelegt waren und sind, mussten und müssen von den jeweiligen Völkern zur Ehre dieser Gottheiten eingehalten und durch zahllose Auflagen erfüllt werden. Nur dadurch dürfen die Menschen von den Gottheiten „Hilfe“ erwarten. Zuerst müssen zum Teil schwerste Auflagen erfüllt werden, bis hin zu Menschenopfern, die heute wieder vielerorts durch Säuglingsopfer im Geheimen praktiziert werden, erst dann kann der Götzendiener hoffen, dass er vorübergehend genug geleistet hat und leistet, um von Katastrophen bewahrt und mit der Erfüllung seiner Wünsche rechnen. Durch falsche Versprechungen und Erwartungen aber stürzen sie ihre Anhänger von einem Elend ins andere. Das Ganze stellt eine Verzerrung des Wesens von Jahweh dar. Übrigens vollzogen auf den Konzilien von 325 in Nizäa und 381 in Konstantinopel die römischen Kaiser, zusammen mit einigen führenden Kirchenvätern, den definitiven Schritt in „die Elemente der Welt“.

Darum sollten wir uns zwei wichtige Tatsachen merken! Erstens: Anders als die Gottheiten (falschen Erlöser) offenbart sich Jahweh, der Schöpfer des Lebens. Er nimmt Abraham und das Volk Israel unvoreingenommen, aus reiner Liebe, an. Er erwählt und beruft ohne Bedingungen und ohne Auflagen. Das nennen wir die bedingungslose Gnade, Annahme durch Gnade allein (vgl. 5Mo 7,6-7). Ebenso offenbart er Abraham auch seine heilbringenden Ziele (vgl. 1Mo 12,1-3), bevor er ihn auffordert untadelig vor ihm zu leben (vgl. 1Mo 17,1).

Er schliesst mit Abraham und mit seinem Samen einen Bund, der durch nichts aufgehoben und durch niemand jemals rückgängig gemacht werden kann. Er selbst verpflichtet sich – von sich aus – zu diesem bedingungslosen nicht aufzuhebenden Gnaden-Bund. Er schenkt mit dem unwiderruflichen Zuspruch der bleibenden Annahme und Treue eine unvorstellbare Freude, Beheimatung und Geborgenheit.

Zweitens: Erst auf dem Fundament dieser unverdienten Gnade und Annahme folgen die wichtigen und lebensnotwendigen Ordnungen und prophetisch inhaltsreichen Feste Jahwehs wie wir sie in der Thora finden.

Punkt eins und zwei dürfen nie voneinander gelöst werden. Die Reihenfolge dieser zwei Punkte darf nie angetastet werden.

Das war für die Galater völlig neu. Die Grundlage ist Gnade und alles geschieht von Jahweh aus – als Gnade. Dieses Verhältnis konnten sie einfach nur schwer verstehen und nachvollziehen. Auf dieser Grundlage ist die Beziehung zu Jahweh aufgebaut. Erst auf dieser unverdienten Verschmelzung mit Jahweh folgen alle guten Werke und das Einhalten aller Ordnungen und Feste Jahwehs, nicht umgekehrt. Das war der Glaube, die Beziehung, das Verhältnis, zwischen Jahweh und Abraham und nicht umgekehrt.

Wie schwer es für ehemalige Götzendiener ist, dieses Gnadenverhältnis zu verstehen, auf dem erst ein Jahweh gefälliges gerechtes Leben folgen muss, zeigt uns das auserwählte Volk beim Auszug aus Ägypten. Kaum war Mose etwas länger auf dem Berg Horeb um Jahwehs Ordnungen (Thora) für ein gesegnetes Leben zu empfangen, viel das Volk wieder zurück in die Werkgerechtigkeit, d.h. in die Forderungen eines der ägyptischen Götzen.

Was war das Problem des ausziehenden Volkes gewesen? Nach über vierhundert Jahren Ägypten, inmitten so vieler Götter und ihrer Forderungen, hatten viele kaum noch ein Verständnis für das Bundesverhältnis und die Beziehung Abrahams zu Jahweh.

Wie einst Mose so gibt sich nun auch Shaul alle Mühe den Galatern – und damit auch uns – aufzuzeigen, worauf unser Glaube, unsere Beziehung zu Jahweh gegründet sein muss und gegründet bleiben muss und warum wir überhaupt in diese Beziehung hineingenommen worden sind.

Dabei zeigt Shaul vor allem in den Kapiteln 3 und 4 im Brief an die Galater auf, dass das Einhalten und Befolgen der Lebensordnungen in der Thora nichts nützen, wenn wir nicht zuerst in der Beziehung zu Jahweh stehen wie Abraham sie hatte: eine Beziehung die allein auf das vorbehaltlose Vertrauen gegründet ist, worauf der gesegnete Lebenswandel in den Ordnungen Jahwehs aufbaut.

Aber zu denken und zu lehren Shaul hätte die Lebens- und Heilsordnungen Jahwehs in der Thora für Gläubige als schwache und armselige Elemente der Welt aufgehoben und abgetan ist äusserst schändlich und verwerflich. Im nächsten Gim möchte ich auf die Kapitel 3 und 4 näher eingehen.

Was den Galatern drohte, kann jedem von uns widerfahren. Sind wir einmal von Jahweh erkannt (vgl. Gal 4,9), d.h. in seine begnadigenden Liebe und Vergebung hineingenommen, eingetaucht, dann fällt es uns unter Umständen sehr schwer, die Forderungen der christlich-heidnischen Traditionen und Lehren, „die Elemente der Welt“, abzulegen und aus der geschenkten Gnade heraus in die Ordnungen und Feste Jahwehs hineinzuwachsen. Es ist für keinen von uns leicht, der über Jahrzehnte in diesen verkehrten Jahweh feindlichen Ordnungen geglaubt und gelebt hat, die bald zweitausend Jahre unsere ganze Kultur durchsäuert haben.

„Erkennet daraus: die aus Glauben (aus der Beziehung wie Abraham zu Jahweh) diese sind Abrahams Söhne. Die Schrift (Thora) aber, voraussehend, dass Jahweh die (Israel-)Nationen aus Glauben (aus der Beziehung wie Abraham zu Jahweh) rechtfertigen werde, verkündet dem Abraham die gute Botschaft voraus: In dir werden gesegnet werden alle (Israel-)Nationen“ (Gal 3,8).

Damit sind die Nachkommen der zehn „verlorenen“ Stämme gemeint, zu denen wir uns zählen dürfen, weil wir durch die Gnade Jahwehs die gleiche Beziehung zu Jahweh suchen und pflegen wie Abraham sie suchte und pflegte. Aus dieser Beziehung folgt ein Leben nach den Ordnungen Jahwehs in der Thora: „Lebe vor meinem Angesicht und sei untadelig“ (1Mo 17,1).

Die Ordnungen Jahwehs, die Abraham kannte und nach denen er sich ausrichtete, mussten dem Volk Israel nach über vierhundert Jahren Leben unter den Götzendienern erst wieder neu vermittelt werden.

In diesem Reichtum seiner Gnade grüsse ich alle mit einem herzlichem Shalom und wünsche allen einen gesegneten Shabbat.

Gregor Dalliard