„Ihr habt gehört, dass gesagt ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch..“ Mt 5,43-44. Teil 4

Glaubensimpuls 216

Lasst uns im Zusammenhang der letzten Glaubensimpulse noch etwas verweilen. Wir lernten im Theologiestudium, dass Moshe eigentlich den Gesetzeskodex, d.h. die Weisungen des Rechts von Hammurapi weitgehend übernommen habe. Das aber stimmt nicht. Hammurapi war der sechste König der 1. Dynastie von Babylon. Zu seiner Zeit wurde der Ausspruch: „Zahn um Zahn, Aug um Aug“ im wörtlichen Sinn umgesetzt. Die israelitisch-jüdische Rechtsbestimmung unterscheidet sich gerade darin, dass sie „Zahn um Zahn, Aug um Aug“ nicht im wörtlichen Sinn gestattete. Es soll ein gleichwertiger Ersatz als Wiedergutmachung entrichtet oder geleistet werden. Das wollen die folgenden Lehren besagen: „Falls aber ein weiterer Schaden entsteht, so sollst du geben Leben um Leben, Auge um Auge, Zahn um Zahn, Hand um Hand, Fuss um Fuss, Brandmal um Brandmal, Wunde um Wunde, Strieme um Strieme“ (2Mo 21,23-25). Das belegt die Aussage: „Wenn jemand in das Auge seines Sklaven oder in das Auge seiner Sklavin schlägt und es zerstört, soll er ihn zur Entschädigung für sein Auge als Freien entlassen. Auch falls er den Zahn seines Sklaven oder den Zahn seiner Sklavin ausschlägt, soll er ihn zur Entschädigung für seinen Zahn als Freien entlassen“ (2Mo 21,26-27).

In vielen Fällen wurde die Sache nach dem Ermessen der Schiedsrichter beurteilt. Nach dem entsprechend Urteil wurde die Wiedergutmachung geleistet. Hier ein Beispiel: „Wenn Männer sich raufen und dabei eine schwangere Frau stossen, so dass ihr die Leibesfrucht abgeht, aber kein weiterer Schaden entsteht, so muss dem Schuldigen eine Geldbusse auferlegt werden, je nachdem, wieviel ihm der Eheherr der Frau auferlegt, und er soll nach dem Ermessen von Schiedsrichtern geben“. (2Mo 21,22). Wie hätte hier „Zahn um Zahn, Aug um Aug“ als gerechtes Gericht vollzogen werden müssen? Wer wusste wann die Frau des Schuldigen schwanger werden würde und ob sie überhaupt jemals schwanger werden würde, damit man auch der Frau des Täters das Kind hätte abtöten können? Bei den Sumerern wurden solche Männer getötet. Doch gibt es klare Situationen, bei denen die Gegenleistung klar war, ohne das Ermessen der Richter. Das meint Moshe mit den Formulierungen in 2Mo 21,23-25.

Das Rechtssystem das JaHuWaH seinem auserwählten Volk über Moshe vermittelte unterschied sich völlig von dem der alten Weltreiche. Nach den heidnischen Rechtssystemen folgte auf die Verletzung des allgemeinen Rechts fast immer eine Verstümmelung des Körpers. Stahl jemand Saatkorn mussten ihm beide Hände abgehackt werden. Allgemein wurde der Dieb einfach hingerichtet. Einer untreuen Frau wurden Nase und Ohren abgeschnitten. Zerstörte jemand das Auge eines Menschen musste sein Auge zerstört werden. Einige Rechtsbestimmungen der heidnischen Antike werden nach dem Gesetz der Sharia heute noch im Islam praktiziert.

Ebenso forderten Priester die Verstümmelung des Körpers zu Ehren ihrer Gottheiten. Wir lesen im ersten Buch der Könige: „Da riefen sie (die Baalspriester) mit lauter Stimme und ritzten sich, wie es bei ihnen Brauch (Lehre) war, mit Messern und mit Spiessen, bis das Blut an ihnen herabfloss“ (1Kö 12,28). Diese religiöse Verstümmelungen fanden gelegentlich in Opferungen ihren Höhepunkt, wo ein Glied nach dem andern, ein Körperteil nach dem andern, als Opfer dem Feuer übergeben wurde. JaHuWaH verbietet in der Thora solche Rituale: „Und einen Einschnitt wegen eines Toten (um die Seelenruhe oder Wiedergeburt des Toten zu erwirken) sollt ihr an eurem Fleisch nicht machen; und geätzte Schrift (Tätowierungen) sollt ihr an euch nicht machen. Ich bin der JaHuWaH“ (3Mo 19,28). „Ihr seid Kinder für JaHuWaH, euren Erlöser (Gott). Ihr dürft euch nicht wegen eines Toten Schnittwunden beibringen und euch nicht zwischen euren Augen kahlscheren. Denn ein heiliges Volk bist du JaHuWaH, deinem Erlöser (Gott). Und dich hat der JaHuWaH erwählt, ihm ein Eigentumsvolk zu sein aus allen Völkern, die auf dem Erdboden sind“ 5Mo 14,1-2).

Diese heidnische Haltung der Körperverletzung und -verstümmelung und Formen der Kasteiung und des ungebührlichen Fastens haben die Kirchenväter übernommen. Jene, die ihnen folgten haben sie eifrig darin unterwiesen. Diese Einflüsse wurden in die Briefe Shauls hineingeflochten. Der Jude Shaul ist von dem Kirchenvater „Paulus“ zu unterscheiden. Denn Shaul lehrte nach jüdischer Lehre: „Der Geist aber sagt ausdrücklich, dass in späteren Zeiten manche vom Glauben (Thora und Propheten) abfallen werden, indem sie auf betrügerische Geister und Lehren von Dämonen achten, durch die Heuchelei von Lügenrednern, die in ihrem eigenen Gewissen gebrandmarkt sind, die verbieten, zu heiraten..“ (1Tim 4,1-3).

Viele Mönche der Frühzeit und auch einige Kirchenväter verstümmelten ihren Körper, indem sie sich zu Ehren der keuschen katholischen „Jungfrau“ Maria (Kybele, Astarte, Isis etc.), der angeblichen Muttergottes, die Hoden abschnitten und sich ihr opferten. Manche sind an solchen Verletzungen allzu früh verstorben. Die Kirche sprach und spricht solche gerne heilig, obwohl sie später die Entmannung verbot wird sie in streng traditionellen Klöstern bis heute gelegentlich heimlich praktiziert. Als Heilige werden sie zur Nachahmung empfohlen. Von ihnen habe ich in meiner Jugendzeit gelernt, die Praxis der Ehelosigkeit, der Körperverletzung durch Geisselung und des strengen Fastens anzuwenden. Dadurch sollte ich meine Sexualität abtöten und über diese Stufen der Heiligkeit, sichere Gewissheit über den Segen der Gottesmutter Maria und des Himmels erlangen. Es hätte nicht viel gefehlt und hätte mich selbst entmannt!!

Nach den Ordnungen der Thora wird jede Art von Verstümmelung des Körpers und die Ehelosigkeit konsequent abgelehnt. Ebenso wird die körperliche Verstümmelung als Weg eines gerechten Urteils und zu Ehren JaHuWaHs abgelehnt. Zu gewissen Zeiten stand der Tod auf bestimmte Vergehen, aber die Verstümmelung des Körpers, wie das bei andern Völkern üblich war, wurde nicht übernommen. Das war streng verboten. Darum ist es eine boshafte Unterstellung zu behaupten die Juden würden die Gesetze „Zahn um Zahn, Aug um Aug“ im praktischen Alltag anwenden.

JaHuWaH hat uns Geist und Verstand gegeben. Beides geht ineinander über. Es kann keines vom andern getrennt werden, denn es ist seine Gabe. Heisst es doch über das Ende unseres irdischen Lebens: „..und der Geist kehrt zu JaHuWaH zurück, der ihn gegeben hat“ (Pred 12,7). Er schuf uns in seiner Ebenbildlichkeit damit wir in diesem Geist unser Leben und die Schöpfung mitgestalten. Der Psalmist jubelt nicht umsonst: „Wenn ich anschaue deine Himmel, deiner Finger Werk, den Mond und die Sterne, die du bereitet hast: Was ist der Mensch, dass du sein gedenkst, und des Menschen Sohn, dass du dich um ihn kümmerst? Denn du hast ihn wenig geringer gemacht als Engel, mit Herrlichkeit und Pracht krönst du ihn. Du machst ihn zum Mitgestalter über die Werke deiner Hände; alles hast du unter seine Füsse gestellt..“ (Ps 8,4-7).

Damit gab er uns die Fähigkeit über Rechte und Gesetze nachzusinnen und Rechte und Gesetze zum Wohle der Menschen zu schaffen. Das wiederum meint die Aufforderung im Shma Israel: „Höre, Israel: JaHuWaH ist unser Erlöser (Gott), JaHuWaH allein! Und du sollst JaHuWaH, deinen Erlöser (Gott), lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deiner ganzen Kraft“ (5Mo 6,4-5; von Jahushua bestätigt, vgl. Mk 12,29-33). Viele Dinge gibt es heute, von denen die Thora nicht spricht, weil sie zu jener Zeit nicht aktuell waren. Aber der Geist JaHuWaHs – in uns – fordert uns auf über sie nachzudenken, zu entscheiden und damit gangbare Wege des Lebens zu finden und aufzuzeigen. Das gehört zum Wesen des Mitgestaltens. Das ist doch etwas ausserordentlich Grosses! Das ist unsere Gemeinschaft mit JaHuWaH. Das ist doch wunderbar. Damit sind wir aufgefordert unsere Mitverantwortung in Familie und Gesellschaft wahrzunehmen und zu handeln. Misserfolge und Fehlentscheidungen sollen uns nicht ein Leben lang plagen. Mit JaHuWaH, seinem Wort in der Thora und Propheten und unserer Mitgestaltung, gibt es immer wieder Neuanfänge.

Leider verstehen die religiös radikalisierten islamischen Kreise wie viele Palästinenser, Hamas, Hizbullah, die Emirate, die iranische geistliche Führung, der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan u.a.m. nur die Sprache „Zahn um Zahn, Aug um Aug“ im wörtlichen Sinn. Ihre religiöse Zielsetzung lässt keinen vernünftigen und fruchtbringenden Dialog zu vergiss ein friedliches Zusammenleben. Die Vernichtung der Juden gehört zu ihrem Glaubenskodex, da nützt alles nichts, ausser die Sprache „Zahn um Zahn, Aug um Aug“. Irgendwann wird Europa, das diese radikalen Gruppen finanziell und logistisch unterstützt, den Leidensweg der Juden gehen müssen. Alles deutet darauf hin. Die gegenwärtige Völkerwanderung bereitet diese Ausgangslage bestens vor. Es bleibt eine Frage der Zeit!

„Ihr habt gehört, dass gesagt ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde..“ (Mt 5,43-44). Was heisst die Feinde lieben? Dieser Ausspruch ist situationsbedingt. Was hat Israel mit seiner Feindesliebe erreicht, als es Gaza den Palästinensern schenkte? Nichts als Krieg und Verbrechen! Seine Feindesliebe zeigte sich im Sechstagekrieg 1967, als Israel von einer arabischen Übermacht angegriffen worden war. Israel besiegte die religiös-fanatischen arabischen Kriegstreiber. Worin zeigte sich seine Feindesliebe? Es hätte mit seinem Sieg 1967 den Felsendom auf dem Tempelplatz in die Luft sprengen können und sich das Tempelareal für immer aneignen können. Die Juden hätten sämtliche Palästinenser aus Jerushalajim vertreiben können, wie das damals die Römer mit ihren Vorfahren gemacht hatten. Die Juden hätten zu jener Zeit, 1967, die Macht und Mittel dazu gehabt. Doch sie taten es nicht. Sie zerstörten den Felsendom nicht. Sie vertrieben die Palästinenser nicht. Heute gehen sie deswegen fast zugrunde!

Gerne wird der Abschnitt in Matthäus 25,33-40 zitiert um zu beweisen, dass Jahushua von den Christen der Weltkirche spricht, die als die Gerechten das Gute getan haben, während die Juden aussen vor bleiben. Sie sind die Böcke zur Linken. Sie gehen der ewigen Höllenpein entgegen. Sie werden der ewigen Folterung, der immer bleibenden körperlichen Qual, ausgesetzt sein, weil sie den neu definierten „Jesus-Gott“ der Kirchenväter ablehnten. Der Kirchenvater, der die Aussage Jahushuas in Mt 25,33-40 ummodelte war sich seiner Dummheit nicht bewusst, denn der Schuss geht hinten raus.

Lesen wir zuerst einmal den Text. „Und er wird die Schafe zu seiner Rechten stellen, die Böcke aber zur Linken. Dann wird der König zu denen zu seiner Rechten sagen: Kommt her, Gesegnete meines Vaters, erbt das Reich, das euch bereitet ist von Grundlegung der Welt an; denn mich hungerte, und ihr gabt mir zu essen; mich dürstete, und ihr gabt mir zu trinken; ich war Fremdling, und ihr nahmt mich auf; nackt, und ihr bekleidetet mich; ich war krank, und ihr besuchtet mich; ich war im Gefängnis, und ihr kamt zu mir. Dann werden die Gerechten ihm antworten und sagen: Herr, wann sahen wir dich hungrig und speisten dich? Oder durstig und gaben dir zu trinken? Wann aber sahen wir dich als Fremdling und nahmen dich auf? Oder nackt und bekleideten dich? Wann aber sahen wir dich krank oder im Gefängnis und kamen zu dir? Und der König wird antworten und zu ihnen sagen: Wahrlich, ich sage euch, wenn ihr es einem der geringsten dieser meiner Brüder getan habt, habt ihr es mir getan“ (Mt 25,33-40).

Nun ist das Reich von Ewigkeit her und von Grundlegung der Welt an nicht den Christen vererbt, sondern dem auserwählten Volk, den Juden. Sie sind die Gesegneten des Vaters. „Dann werden die Gerechten ihm antworten..“ Wen bezeichnet Jahushua als die Gerechten? Es sind jene Juden, die nach der Thora und den Propheten im Glauben Abrahams dem himmlischen Vater vertrauen, auf ihn hören, ihm folgen und ihn bezeugen. Darum sagte er: „Denn ich bin nicht gekommen, Gerechte (gerechte Juden) zu rufen, sondern Sünder“ (Mt 9,13). „Nicht die Starken (gerechte Juden) brauchen einen Arzt, sondern die Kranken. Ich bin nicht gekommen, Gerechte (gerechte Juden) zu rufen, sondern Sünder“ (Mk 2,17). „Denn der Sohn des Menschen ist gekommen, das Verlorene (verirrte Juden) zu retten“ (Mt 18,11).

Nichts gegen die Christen als Menschen und ihre guten Werke, die der Vater im Himmel sicher reichlich belohnen wird, aber mit den Gerechten sind tatsächlich die treuen Juden gemeint. „Ich sage euch: So wird Freude im Himmel sein über einen Sünder (wiedergefundenen Juden), der Busse tut, mehr als über neunundneunzig Gerechte (gerechte Juden), die die Busse nicht nötig haben(Lk 15,7). Gerechte, d.h. gläubige, gerechte Juden, brauchen keinen „Jesus-Gott“ als Erlöser, sie sind gerecht-fertigt im Glauben Abrahams. Ebenso wir, wenn wir in diesem Vertrauen (Glauben) leben.

Zudem spricht Jahushua in diesem Text von den Brüdern. Wer sind seine Brüder? Seine Brüder sind nicht die Menschen der ganzen Welt, wie uns das die Weltkirche einbläuen will. Jahushua unterschied ganz klar zwischen Brüdern und den übrigen Menschen: „Und er antwortete ihnen und spricht: Wer sind meine Mutter und meine Brüder? Und er blickte umher auf die um ihn im Kreise Sitzenden und spricht: Siehe, meine Mutter und meine Brüder! Wer den Willen JaHuWaHs tut, der ist mir Bruder und Schwester und Mutter“ (Mk 3,33-35).

Den Willen unseres himmlischen Vaters lasst uns immer wieder gerne suchen, indem wir uns auch gerne darüber austauschen. Wir beten nicht umsonst „dein Wille geschehe“ (Mt 6,9). In dieser Freude grüsse ich alle herzlich und wünsche allen einen gesegneten Shabbat. Shalom!

Gregor Dalliard