Unbefleckte Empfängnis, Jungfrauengeburt und Weihnachten. Teil 1

Glaubensimpuls 273

Diese kirchlichen Feste gehören für die Mehrheit der 2,26 Milliarden Christen zum festen, alljährlich wiederkehrenden Glaubenskult. Diese Feste gehören zum Rhythmus des Lebens wie essen und trinken. Über 1‘600 Jahre lang war es unter Höllenstrafe verboten, solche Glaubensdogmen zu hinterfragen. Der Heilige Geist, die dritte Gottheit der Trinität, hatte sie den Schülern des Paulus, den Gründern der christlichen Kirche geoffenbart, also waren sie in sich unantastbar. Sie entwickelten diese Lehren weiter, ebenso die Schüler dieser Schüler! Entsprechend wurden sie von den späteren Schülern, den Päpsten und ihren Beratern, zu nicht diskutierbaren und heilsnotwendigen Lehren erklärt.

Ein Wildwuchs an christlichen Evangelien überschwemmte das aufkommende Christentum im 4.Jh. im ganzen römischen Reich. Mit Hilfe seines einflussreichen Sekretärs, dem skrupellosen Kirchenvater Hieronymus, setzte Papst Damasus I. dem ein Ende. Er reduzierte die vielen Schriften, die hier und dort als “Evangelien” galten und herumgereicht wurden, auf vier. Ebenso reduzierte alle übrigen Schriften, die angeblich von Paulus, Petrus oder von sonst einem der “Apostel” geschrieben sein sollten. Eine Vielfalt von Irrtümern wurden damit im 4.Jh. mit den echten hebräischen Zeugnissen vermischt. Hieronymus nahm rund 3‘500 Änderungen, Einschübe und Anpassungen an den hebräischen Urquellen vor. Daraus schufen diese skrupellosen Männer das sogenannte “Neue Testament”, so wie wir es heute in Händen halten. Zuerst wurde das “Neue Testament” der Bibel, dem TaNaCH (“AT”), gleichgesetzt, dann wurde das “NT” als die neue Bibel dem TaNaCH (“AT”) übergeordnet. Schliesslich hatte sich jede Auslegung des TaNaCH (“AT”) nach der neu erstellten “neutestamentlichen” Bibel zu richten. Die Dogmen der Kirchenväter flossen auf diese Weise in die hebräischen Urzeugnisse ein.

Über Mobbing, Verbannung, Verfolgung, Inquisition, brennende Scheiterhaufen, Kreuzzüge, Hexenverbrennungen und Pogrome verteidigten die Kirchenherrscher diese verdummenden Irrtümer des “Neuen Testamentes” und brachten alle zum Schweigen, die versuchten über diese folgenschweren Irrtümer aufzuklären. Alles das geschah mit Hilfe der staatlichen Gewalt. Nach vielen gescheiterten Versuchen in der langen Kirchengeschichte, gelang es schliesslich den Reformatoren – nur haarscharf – den Papst, und damit einen Teil dieser gravierenden Irrtümer, zu verwerfen. Der Vatikan reagierte mit allen Mitteln gegen die Befreiung der Menschheit von seinen zahllosen und qualvollen Lasten und Abhängigkeiten. Er verschärfte seine Irrtümer gegenüber den Protestanten und stürzte seine Anhänger in noch tiefere religiöse Finsternisse und Verworrenheiten. Damit wurde der Gründer des Jesuitenordens, der Spanier Ignatius von Loyola, in besonderer Weise beauftragt. Der Orden wurde 1534 zur Vernichtung des Protestantismus gegründet. Grundbedingung: der absolute und uneingeschränkte Gehorsam (Kadavergehorsam) gegenüber dem Papst und allen seinen Entscheidungen. Eine spätere Frucht davon ist das Dogma der Unfehlbarkeit des Papstes in Glaubens- und Sittenfragen von 1870. Maria Himmelfahrt 1950 usw.).

Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965), ignorierte Papst Paul VI. stillschweigend die angedrohte Höllenstrafe über alle “Ketzer”. Er sprach nicht mehr davon. Für viele Katholiken war die Zeit gekommen die Lehren Roms zu hinterfragen. Offen wurde über Glaubensfragen diskutiert – Höllenstrafe hin oder her. Dieser aufbrechenden Flut von Aufklärung in allen Medien in den 1960er Jahren vermochte der Vatikan nichts mehr entgegenzusetzen. Stillschweigend suchte der Vatikan nach neuen Taktiken. Der Erhalt seines Einflusses in der Welt musste um jeden diplomatischen Preis erhalten bleiben. Der erfolgreichste Weg zu diesem Ziel führte über ökumenische Bündnisse (Diese Aufgabe obliegt vor allem den Jesuiten), und den Einsatz von mächtigen finanziellen Mitteln (s. Kuba).

Nach wie vor behalten die Dogmen der Höllenstrafe ihre Gültigkeit, sie sind bis heute nicht aufgehoben. Der Vatikan ist nicht blauäugig, er könnte irgendwann wieder zu seiner mittelalterlichen Macht aufsteigen, das besagen seine Dogmen. Hätte er heute die Möglichkeit dazu, würde er davon sofort wieder Gebrauch machen. Das ist der Grund warum kein einziges Dogma jemals aufgehoben wurde und wird, schon gar nicht gegenüber den Protestanten, die heute, durch selbstzufriedene Gutmenschen in Kirche und Politik, naiv ihren Untergang besiegeln!! Diese Tatsachen sollten wir im Auge behalten!

Die meisten Christen durchlaufen den alljährlichen Weihnachtstrott in gewohnter Manier. Sie sind entweder zu fromm, in Kuschelszenen eingelullt, zu angepasst, zu gerührt oder zu gestresst, oder zu sehr auf das Geschäft fixiert, als dass sie sich Gedanken über die Entstehung und den Sinn von Weihnachten machen könnten. Das ist ja ein gutes Stück weit auch verständlich. Trotz dieser Hektik und Ablenkung, gibt es Menschen die sich mit den erwähnten heilsnotwendigen Dogmen auseinandersetzen wollen. Das ist in unseren Tagen erstaunlich und freut uns sehr.

Fangen wir mit der Jungfrauengeburt an. Sie gehört zu den Grunddogmen der christlichen Theologie. Weihnachten ist auf der Theologie der Jungfrauengeburt aufgebaut. Sie bezeichnet die Empfängnis und Geburt des Jesus-Gottes. Der Erzeuger soll JaHuWaH sein, der Erlöser Israels, allerdings unter dem Deckmantel eines heilige Geistes, der als die dritte Gott-Person angebetet wird. Nach der Lehre der Gründer der christlichen Kirche ist das also die dritte Gottheit innerhalb der Trinität. Sie ist weder Gott der Vater, noch Gott der Sohn, keiner weiss so genau wer diese Gottheit in Wirklichkeit ist. Sie steht den andern zwei Gottheiten aber in nichts nach. Sie ist ihnen ebenbürtig, so belehrt uns das christliche Dogma über die Trinität. Die Frau in die der Gott der Christen diesen Jesus Christus hinein zeugte ist offenbar eine jüdische Jungfrau in Nazareth. Zur Jungfrauengeburt gehört selbstverständlich die Geburt Jesu von der Jungfrau Maria. Das ist die Lehre der Kirchenväter wie wir sie von Mt 1,18-25 und Lk 1,26-35 her kennen. Ab dem vierten Jahrhundert wurde diese Lehre fester Bestandteil des christlichen Glaubens. Im Zentrum stehen eine Gottheit und eine Jungfrau.

Auf dieser Lehre bauten die zölibatären Kirchenväter und Päpste laufend neue Irrtümer auf. Sie waren der keuschen Jungfrau Maria verpflichtet. Darum kamen sie, “geführt” vom heiligen Geist, zu einer weiteren Erkenntnis, nämlich zur Erkenntnis der immerwährenden Jungfräulichkeit Marias. Sie wurde für die Rettung eines jeden Christen zum heilsnotwendigen Dogma erhoben: Maria war vor, während und nach der Geburt Jesu Jungfrau geblieben. Konkret heisst das, ihr Jungfernhäutchen wurde durch die Geburt Jesu nicht tangiert. Jesus war so überaus rein und sündenlos, dass er unmöglich über die verunreinigte Scheide einer Frau, die doch in sich schmutzig ist, wie sie lehrten, hätte geboren werden wollen. Er wollte ja auch nicht von einem normalen Mann gezeugt werden, weil auch das eine schmutzige Angelegenheit ist. Nun, die Frau ist in sich schmutzig, ein dekadenter Mann, wie Kirchenväter in ihrer Hingabe und Liebe zur Jungfrau Maria überschäumend und euphorisch bekennen und damit auch verbindlich lehren:

„Die Frau muss das Haupt verhüllen, weil sie nicht das Ebenbild Gottes ist.“ (Lehre des hl. Ambrosius, Kirchenlehrer, 339-397). Der bedeutendste Kirchenvater, der hl. Augustinus, war nach seinen wilden Erfahrungen mit Frauen und seiner “Bekehrung”, besessen von der göttlichen, reinen, keuschen – und trotz Geburt – immer jungfräulich gebliebenen Phantasiegestalt Mariens. Ihr hatte er sich ganz hingegeben, für immer. Er lehrt: „Die Jungfrau empfing; staunt: die Jungfrau gebar; staunt noch mehr: auch nach der Geburt blieb sie Jungfrau.“ Darum kam er zum Schluss, dass alle andern Frauen böse und schlecht sein müssen, nicht von JaHuWaH geschaffen sein können, sondern vom Teufel: “Das Weib ist ein minderwertiges Wesen, das von Gott nicht nach seinem Ebenbilde geschaffen wurde”. Aber gerade die Thora lehrt uns schon auf ihren ersten Seiten das genaue Gegenteil : “Und JaHuWaH schuf den Menschen nach seinem Bild, nach dem Bild JaHuWaHs schuf er ihn; als Mann und Frau schuf er sie” (1Mo 1,27). “JaHuWaH sah alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut” (1Mo 1,31).

Diese verkommenen Männer hatten sich abgrundtief in ein keusches weibliches Phantasiewesen verrannt, das sie Maria nannten. Warum? Sie konnten die gesunde, vom Schöpfer geschenkte Sexualität, nicht als Gabe annehmen. Sie waren von der stoischen und epikureischen Denkweise berühmter griechischer Philosophen unumkehrbar beeinflusst und beherrscht. Die Sexualität war für sie ein Pfuschwerk des Teufels. Nun, weil sie selbst Pfuscher waren, realisierten sie nicht, dass sie selbst Opfer frommer Pfuschers geworden waren. Sie bauten auf dem Fundament des grossen Irrlehrers Paulus auf, der in der stoischen und epikureischen Philosophie ausgebildet worden war. Er verband diese griechische Philosophie mit einer verkehrten Messiaserwartung, die an das gleich bevorstehende Kommen des Messias glaubte. Als Folge davon lehrte er seine Anhänger: “..bist du frei von einer Frau, so suche keine Frau. Wenn du aber doch heiratest, so sündigst du nicht; und wenn die Jungfrau heiratet, so sündigt sie nicht; aber solche werden Trübsal für das Fleisch haben; ich aber schone euch. Dies aber sage ich, Brüder: Die Zeit ist begrenzt: dass künftig die, die Frauen haben, seien, als hätten sie keine.." (1Kor 7,27-29).
Das ist schlimmer als jede andere Art von Psychoterror. Eine zahllose Masse von Frauen und Mädchen litt Unermessliches unter den Lehren dieser Männer, die vor allem von den Katholiken und Katholikinnen bereitwillig durch die Jahrhunderte getragen wurden und werden. Bald sind es zweitausend Jahre her, seit diese folgenschweren Irrtümer von irregeführten Klerikern und Mönchen aufrecht erhalten werden. Die Kirche sprach diese Verirrten laufend heilig. Sie stellte sie als ausserordentliche Gestalten dar, die den Willen JaHuWaHs in aussergewöhnlicher Weise gelebt hätten und darum angerufen (angebetet) werden sollen. Das macht bei den unwissenden Frommen gehörig Eindruck. Über den Heiligenkalender werden sie alljährlich als die grossen Heiligen neu in Erinnerung gerufen und bei den Gottesdiensten und an Wallfahrtsorten gefeiert, damit die frommen Irrtümer nicht in Vergessenheit geraten. Das ist Kitt für den Erhalt des klerikale Machtsystem. Mit den Weihnachts- und Osterfeiern wird dieses todbringende Gedankengut von Jahr zu Jahr, von einer Generation zur nächsten, weiter kolportiert. Auch das ist Kitt!

Der Kirchenvater Thomas von Aquin (1224-1274), der zum Kirchenlehrer erhoben wurde und zum Patron der katholischen Schulen aufgestiegen ist, lehrt: „Das Weib verhält sich zum Mann wie das Unvollkommene und Defekte (imperfectum, deficiens) zum Vollkommenen (perfectum).“ Weiter: „Die Frau ist ein Missgriff der Natur ..mit ihrem Feuchtigkeits-Überschuss und ihrer Untertemperatur körperlich und geistig minderwertiger ..eine Art verstümmelter, verfehlter, misslungener Mann ..die volle Verwirklichung der menschlichen Art ist nur der Mann.“ Papst Pius II. (1405-1464) lehrte: “Wenn du eine Frau siehst, denke, es sei der Teufel! Sie ist eine Art Hölle!“

Das Kirchenfest Unbefleckte Empfängnis (d.h. die Mutter von Maria empfing Maria ohne Befleckung, d.h. ohne den Samen des Mannes, weil Gott den Einfluss des Samens vorher durch ein Preservativ auffing. Das ist die Vision des heiligen Johannes Duns Scotus, Franziskaner und Gelehrter der Kirche. Unbefleckte Empfängnis und Weihnachten sind die Frucht dieser Theologie. Es ist die Theologie niederträchtiger Gründer des Christentums. Kaum ein Christ ist sich dessen bewusst! Mit andern Worten: Wer Weihnachten feiert bekennt sich bewusst oder unbewusst zu diesen schändlichen, entwürdigenden Lehren der Kirchenväter. Respektlos, ja würdelos äussern sie sich in ihren verbindlichen Dogmen über ihre Mütter, die sie geboren und über alle übrigen Frauen. Weihnachten feiern heisst: ich bekenne mich zur frauenverachtenden Theologie der Kirchengründer – und das in unserer offenbar aufgeklärten Zeit. Es erstaunt uns, dass sogar in feministischen Kreisen Weihnachten hoch ergriffen zelebriert wird.

Wir wollen uns im nächsten Gim weiter Gedanken machen über die betörende Weihnachtszeit. Wir können diesen Tagen nicht ausweichen. Das müssen wir auch nicht. Wir werden eingeladen und geniessen die familiären oder freundschaftlichen Gemeinschaften. Wir sitzen mitten unter Menschen die unwissend und unbekümmert diese Tage nach ihrer gewohnten Art feiern. Wir können diesen Tagen ein anderes Gewicht beimessen. Jeder wird das Beste aus diesen Tagen machen und das ist gut so.

Von Herzen wünsche ich allen einen gesegneten Shabbat. Shabbat Shalom?

Gregor Dalliard

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