"Doch am Zehnten dieses siebten Monats ist Jom Kippur (der Versöhnungstag)" (3Mo 23,27). Feste, Teil 2

Glaubensimpuls 54

Millionen Juden und noch viele Menschen mehr, die bisher einer Kirche oder einer christlichen Gemeinschaft mit trinitarischen Statuten angehörten, feierten Rosh HaShana. An was erinnert uns dieses Fest? Dieses Fest ruft uns zur Selbstprüfung auf. Wie steht es mit meiner Beziehung zu JaHuWaH? Die Bundestreue zu JaHuWaH wir überprüft. Jeder gläubige Jude ist dazu aufgefordert. Wir, die wir zu den biblischen Quellen des Glaubens und des Lebens vorgestossen sind, auch wir sind dazu aufgefordert. Im bürgerlichen Kalender ist Rosh HaShana das Neujahrsfest. Zehn Tage nach Rosh HaShana wird das Fest Jom Kippur, das Fest der Versöhnung begangen. Dieses Jahr wurde Jom Kippur vom 25. Sept. abends bis zum 26. abends begangen. Es legt den Akzent auf die innere Wiederherstellung und die Erneuerung des Volkes JaHuWaH.

Was uns ausserordentlich freut, ist der nicht vorhergesehene weltweite Aufbruch von Millionen von Menschen, vor allem von bisher kirchlich geprägten Menschen, die im biblisch-geoffenbarten Wort neu die heilsgeschichtlichen Zusammenhänge entdecken. Viele forschen ernsthaft darin weiter, trotz zunehmendem Antisemitismus. **Das bisherige ersatztheologische Denken des Kirchentums wird völlig auf den Kopf gestellt. Der Übergang vom ersatztheologischen Denk- und Lehrmodell der Christen, hin zur befreienden Botschaft der Bibel, ist für viele aufrichtig suchende Christen eine echte Herausforderung. Die christliche Ersatztheologie besagt: JaHuWaH hat die Juden verworfen. Über den Glauben an das persönliches Blutopfer des Jahushua und das Ritual der Taufe hat Gott angeblich die Christen an ihre Stelle gesetzt. Die Juden sind also durch die Christen ersetzt worden! Im christlich engagierten Umfeld löst diese Erkenntnis nicht selten ein Schock aus. Warum das? Diese biblische Erkenntnis kann ja nicht ohne sichtbare Konsequenzen bleiben. Das löst oft heftige Gegenreaktionen aus. Ein Leben innerhalb dieser Spannungen ist für manchen wahrlich nicht leicht auszuhalten. Es braucht Zeit und Verständnis. Für alle ist dieser Weg gewöhnungsbedürftig.

Doch es lohnt sich den Weg zurück zu den Wurzeln unseres Glaubens zu wagen und mutig zu gehen. In den Wurzeln unseres Glaubens liegt unsere Zukunft verborgen. Aus ihnen vermögen wir ein zusammenhängendes Glaubensleben zu führen, in dem Bund und Zeugnisse übereinstimmen. Nicht umsonst schreiben die Söhne Korachs über den Segen der Begegnungen mit JaHuWaH: “Gnade und Wahrheit sind sich begegnet” (Ps 85,11). Jahushua doppelt nach, wenn er einigen Zweiflern, die von der Thora und den Propheten abgewichen sind, sagt: "..ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen" (Joh 8,32).

Was können wir zusammenfassend  über das jährlich wiederkehrende Fest Jom Kippur sagen? Es ist erstens das Fest an dem sich die gläubigen Juden an die unverdiente Gnade (Begnadigung) der Erwählung und der Berufung (vgl. 5Mo 7,6-9) erinnern, aber auch an den Auftrag des himmlischen Vaters an Abraham, Yitzchak (Isaak) und Jakob (vgl. 1Mo 11,3) erinnern. - Auch wir, die wir möglicherweise keine Juden sind, sind letztlich durch das Zeugnis des Jahushua von Nazareth in den Schoss der Herde JaHuWaHs zurückgetragen worden. Der einzelne gläubige Jude - und so auch wir heute - wird sich dieser äusserst verantwortungsvollen Stellung neu bewusst – und das mit tiefer innerer Betroffenheit. Darum wird der Tag der Versöhnung mit der inbrünstigen Bitte um Vergebung und mit der Bereitschaft der Wiedergutmachung begangen. Die Feier wird von viel Danksagung begleitet.

Zweitens werden sich an Jom Kippur die gläubigen Juden - und so auch wir - der in dieser Gnade enthaltenen und begründeten Abhängigkeit von JaHuWaH und der geschenkten Vergebung der Sünden bewusst. In dieser Abhängigkeit ist unsere Freiheit begründet. Diese Freiheit duldet keine heidnisch-religiöse Herrschaft über sich, weil sie als Götzendienst im Widerspruch zur Freiheit in JaHuWaH steht. Darum ist diese Freiheit nur ausserhalb des Kirchentums, bzw. des Christentums möglich, weil die nicht biblische Erlösungslehre, vom Heidentum übernommen und weiter entwickelt worden ist. Sie macht den Menschen zum frommen Sklaven von religiösen Phantasien, Ideologien, Philosophien und Götzentraditionen. Dazu gehört die Lehre der drei Gott-Personen (Trinität).
In schändlicher Weise hatte Paulus den Jahushua von Nazareth entjudaisiert und aus ihm die zweite Gott-Person der Christen gemacht, gleich einer griechischen Erlöser-Gottheit, mit Namen Jesus Christus. Er machte aus dem Juden Jahushua einen griechischen Kyrios, d. h. ein Wesen das zugleich wahrer Gott und wahrer Mensch ist. Dazu gehört die Leugnung der natürlichen Vaterschaft, die durch die Zeugung einer Gottheit ersetzt worden ist, wie das in der Lehre über die Gottheit Jesu Christi der Fall ist. Nicht nur der Jude Josef wurde entjudaisiert und zu einem mönchischen zölibatären Vater verunstaltet, auch seine jüdische Frau Mirjam wurde demselben Schicksal unterworfen und zu einer asexuellen Jungfrau degradiert. Sie soll von JaHuWaH geschwängert worden sein, soll einen Sohn geboren haben und dennoch Jungfrau geblieben sein. Mönche wie der hl. Augustinus und der Franziskaner Duns Scotus beweisen diese Tatsache. Ihr Gott liess sie in Visionen einen längeren Blick in die Scheide der Jungfrau Maria werfen. Und was sahen sie da? Den Erhalt des Jungfernhäutchen (Hymen). Der heilig gesprochene Papst Johannes-Paul II. war davon sehr angetan. Er konnte unter den Klerikern nicht genug davon sprechen. Die zölibatären Kirchenväter machten damit aus der jüdischen Mutter des Jahushua eine keusche griechische Göttin, namens Maria. Aus diesem Irrwahn heraus entsprang die Lehre von der Jungfrauengeburt und aus ihr die Lehre von der Gottesmutterschaft (d.h. korrekt übersetzt: die Mutter der Erlösung), die schliesslich, wie andere heidnische Göttinnen auch, mit Leib und Seele in den Himmel auffahren musste. Aus diesen Lehren folgte der Sonntagskult, Weihnachten, Ostern und weitere zahllose heidnische Abartigkeiten.

Drittens feiern an Jom Kippur die gläubigen Juden - und auch wir - das grösste Geschenk JaHuWaHs, seine Liebe zu uns und letztlich zu allen seinen Geschöpfen, eine Liebe, die nie widerrufen werden wird. Es ist seine Gnade, die uns an die bleibenden und unübertrefflichen Bundesverheissungen und Bundeszusprüche erinnert. Sinn und Ziel dieser Verheissungen und Zusprüche ist die Versöhnung aller Geschöpfe mit ihrem Schöpfer. Diese Verheissungen werden also die ganze Menschheit erreichen. Niemand kann sie schmälern, aufheben oder rückgängig machen. Der bisherige Verlauf der Menschheitsgeschichte belegt diese Tatsche. Das Fest Jom Kippur findet seine Erfüllung und seinen Ausklang im Fest Sukkot (Laubhüttenfest). Doch darüber am nächsten Shabbatbeginn.

Viertens wird sich das auserwählte gläubige Volk - und auch wir - des besonders intimen Verhältnisses bewusst, das JaHuWaH zu ihm, und damit auch zu uns, pflegt. Dieses äusserst intime Verhältnis erlebte das israelitisch-jüdischen Volk vor allem in der einzigartigen Befreiungsaktion JaHuWaHs aus dem Sklaven- und Götzenhaus Ägypten. JaHuWaH befreite und erlöste sein Volk in, mit und durch “Hilfe” aussergewöhnlicher Naturkatastrophen. Rückkehr (teshuwa), Versöhnung, Befreiung und Erlösung stehen im Vordergrund. Sie stehen in Verbindung mit Pessach.

Wir Menschen können aber, von einem Jom Kippur bis zum andern, verantwortungslos mit dieser Gnadenfülle von JaHuWaH umgehen. Mit grosser Freude und Dankbarkeit, aber auch mit aller Ernsthaftigkeit, sollten wir mit den Gaben der Erwählung, der Berufung und Bestimmung umgehen, sie nicht vernachlässigen, nicht vergessen, ignorieren, uns ihrer vor andern Menschen nicht schämen u.a.m. Darum sind schon die Tage vor Jom Kippur Tage der Besinnung im Umgang mit dieser unverdienten Gnade, Erwählung, Berufung und Bestimmung.

Die Erkenntnis, dass ich in diesem Kontext gesündigt habe, gibt mir zu denken. Selbst wenn ich um die Vergebung meiner Schuld, Vergehen und Sünde weiss, will ich in diesem Stand doch immer neu bestrebt bleiben, meinen Schöpfer und Erlöser nicht zu beleidigen und ihn allezeit, wie Jahushua es tat, zu ehren. Dennoch kommen wir in dieser Gnadenfülle immer wieder zu Fall. Schnell könnte die Frage an uns herantreten: “Kann mir der himmlische Vater noch verzeihen?” Diese Frage beschäftigte alle Propheten, auch Moshe. Darum offenbarte sich ihm JaHuWaH mit den Worten: “JaHuWaH, Erlöser, JaHuWaH, barmherzig und gnädig, langsam zum Zorn (Gericht, auf dem Weg der Zurechtbringung) und reich an Gnade und Treue.., der Schuld, Vergehen und Sünde vergibt..” 2Mo 34, 6-7; Ps 145,8).

Der Prophet und König David hatte sich an seiner Nachbarin Bathshewa versündigt. In seiner Verwirrung und Verzweiflung liess er ihren Mann Urijahu umbringen. Der Prophet Natan brachte David wieder auf den guten Weg. David durchlitt ein schmerzvolles und demütigendes Gericht. Er wurde wieder aufgerichtet. Er konnte später bezeugen: “Alle Pfade JaHuWaHs sind Gnade und Treue (Wahrheit), denen, die seinen Bund und seine Zeugnisse bewahren” (Ps 25,10). Was heisst das, “denen, die seinen Bund und seine Zeugnisse bewahren?” David öffnete sein schuldbeladenes Herz JaHuWaH und war bereit JaHuWaHs Ehre in und mit seinem Leben wieder herzustellen. Er war bereit die entsprechenden Konsequenzen seines Fehlverhaltens zu tragen, auszuhalten. Diese Dinge blieben ihm sicher ein Leben lang in Erinnerung. Doch im Bund mit JaHuWaH konnte er alles loslassen, in des Vaters Hände geben und damit umgehen lernen. So bewahrte er den Bund und bestätigte die Zeugnisse JaHuWaHs. Das ist Jom Kippur! David wusste was Gnade ist. Darum konnte er bekennen: “Güte und Gnade werden mir folgen alle Tage meines Lebens” (Ps 23,6).

Lasst uns Schuld und Sünde im Geiste Jahushuas vor unserem Abba JaHuWaH bringen. Dabei müssen wir nicht mehr in einen Beichtstuhl gehen und uns einem heidnischen Absolutionsritual unterwefen, das keine Sünden und keine wirkliche Versöhnung mit JaHuWaH zu vermitteln vermag. Wir wollen uns an die wunderbaren Lehrworte Jahushuas erinnern: “Wenn du aber betest (mit JaHuWaH Gemeinschaft haben willst, beichten willst), so geh in deine Kammer, und nachdem du deine Tür geschlossen hast, bete (rede) zu deinem Vater, der im Verborgenen ist, und dein Vater, der im Verborgen sieht, wird dir vergelten (dich segnen, dir Ruhe geben)” (Mt 6,6). Das ist Jom Kippur!

In dieser Freude wünsche ich allen ein frohes Gedenken von Sukkot (Laubhüttenfest), das vom 30. Sept. abends bis zum 8. Okt. gefeiert wird (3Mo 23,33-44). Dieses Fest erinnert uns am Ende der Erntezeit prophetisch an die Sammlung und Wiederherstellung aller Mensch! Gewaltig, wunderbar! Shalom Uvrachah!

Gregor Dalliard

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