Ersatztheologie – Gedanken dazu. Teil 3

Glaubensimpuls 508

Wer sich mit dem TaNaCH, der Bibel des Jahushua von Nazareth (“AT”), auseinandersetzt, sich ernsthaft damit beschäftigten will, muss seine Grundeinstellung zum TaNaCH gewissenhaft überprüfen. Er sollte die Thora so verstehen wollen, wie sie von den Propheten verstanden worden ist: Kurz und bündig gesagt heisst das, die Thora lässt keine Ersatztheologie zu. Die Schriftgelehrten standen zu allen Zeiten im ständigen Austausch untereinander. Die Suche nach dem richtigen Verständnis dessen, was unantastbar bleibt und dem, was im Laufe der Generationen Veränderungen erfahren darf, ja sogar muss, hatte oberste Priorität im Leben eines Schriftgelehrten. Was nützt es einem Menschen ein grosses biblisches Wissen (das Wissen um die Schätze des TaNaCH) zu haben, wenn er aber im Leben keinen Nutzen daraus zu ziehen vermag. Alles biblische Wissen ist wie ein Samenkorn, dass in die Erde gelegt wird und zu seiner Zeit Sinn macht, d. h. Frucht bringt. Das biblische Wissen (das Wissen um die Schätze des TaNaCH)führt zu einem Leben der Geborgenheit in JaHuWaH. Diese Geborgenheit führt zum inneren Frieden. Dieser innere Frieden ist es, der unser Leben wertvoll und genugsam macht. Das heisst bei weitem nicht, dass alles in unserem Leben so verläuft, wie wir uns das vorgenommen haben oder vorstellen.
Trotz des ständigen Dialogs innerhalb der Schriftgelehrten gab es und gibt es immer wieder bestimmte unterschiedliche Überzeugungen. Das gehört zum Leben. Wir haben schon öfters auf die unterschiedlichen Lebensweisheiten und Richtlinien der beiden einflussreichen Schriftgelehrten Shammai und Hillel hingewiesen. Sie lebten vor rund 2000 Jahren und prägen den Umgang mit der Thora bis zu dieser Stunde. In den unantastbaren Grundlehren des Lebens waren sie aber nie gegenteiliger Meinung. Das ist aussergewöhnlich. Nie hat jemals ein Schriftgelehrter JaHuWaH durch eine Gottheit ersetzt, wie das Paulus und die Kirchengründer getan haben. Also bleiben auch wir mit grosser Dankbarkeit und Freude im Austausch untereinander. Der Jubelruf des Propheten Zephania möge uns dabei begleiten: “JaHuWaH, dein Helfer, ist in deiner Mitte, ein Held, der rettet; er freut sich über dich in Fröhlichkeit, er schweigt in seiner Liebe, er jauchzt über dich mit Jubel” (Zeph 3,17). Diese lebenswichtige Aussage könnte zu unserem täglichen Gebet werden!
Zwar sprach der Prophet Zephania diese Worte damals zu seinem jüdischen Volk, das kurz vor der unausweichlichen babylonischen Katastrophe stand, die dem Volk Schrecken über Schrecken einbrachte. Er aber lässt die unbesiegbare liebende Zuwendung JaHuWaHs und SEINE Gegenwart in die Herzen der Menschen fliessen, die viel weiter als jede Katastrophe reicht. Die Gegenwart JaHuWaHs durchbricht jede Katastrophe, reicht weiter als jede noch so bittere Enttäuschung in unserem Leben. Dieses Wissen ist unsagbar erbauend.

Was heisst das, JaHuWaH in seinen Tiefen, in seinen tiefen Zusammenhängen verstehen wollen? Das heisst schlicht und einfach IHN verstehen wollen wie ihn die Propheten, die israelitisch-jüdischen Schriftgelehrten, und damit auch Jahushua von Nazareth verstanden hat. Das schliesst ganz selbstverständlich die Bereitschaft mit ein, seinen bisherigen christlichen Glaubensweg im Lichte der Bibel, des “AT”, hinterfragen zu lassen. Immer wieder weise ich auf die Bibel des Jahushua hin (“AT”) und auf den Glauben des Jahushua. Warum tue ich das? Das tue ich deswegen, weil die Christenheit, vor allem aber sehr engagierte Christen der festen Überzeugung sind, sie stünden, im Unterschied zu den Juden, im festen Glauben des Jahushua von Nazareth. Sie sind unerschütterlich davon überzeugt, dass sie im wahren Glauben und in der einzig rechten Lehre des Jahushua stehen. Jahushua aber wusste nichts von einem katholischen “Neuen Testament”. Er hatte nie ein “Neues Testament” in seinen Händen gehabt, hat auch nie ein solches katholisches Buch empfohlen. Vor wenigen Jahren war ich selbst auch noch der vollen Überzeugung, das “Neue Testament” sei die Bibel des Jahushua und seiner Schüler (fälschlicherweise Apostel genannt). Niemand hätte mich von dieser Überzeugung abbringen können.
So wird etwa argumentiert: Jahushua hätte das katholische “Neue Testament” aus dem TaNaCH heraus geschaffen. Man müsse die biblisch-prophetischen Quellen nur so verstehen wollen, wie Christus, Paulus und die Kirchenväter sie uns im “Neuen Testament” überliefert hätten. Aber gerade das Suchen nach den prophetischen Quellen, nach dem aufrichtigen Umgang mit den Zusammenhängen dieser Quellen, verwirft die christliche Ersatztheologie aufs Schärfste. Dieser allerschwerste Missbrauch hat gerade die christliche Menschheit zu den unberechenbarsten und verheerendsten Verbrechen geführt. Wer wollte die entsetzlichen Kriege der christianisierten Völker untereinander und ihre unfassbaren Folgen vertuschen? Keine Religion der Welt hat jemals solche Verbrechen geboren, wie die christliche Ersatztheologie. Wir sollten uns diesen Fakten stellen, uns nicht länger etwas vormachen. Wir sollten diese Sache nicht mit ökumenischem Streichkäse froh gelaunt und lustig naiv übertünchen. Damit wird alles fromme Übel, die Ersatztheologie, nicht behoben. Alles das wird lediglich fromm übertüncht, vor sich hergeschoben, bis neue Verbrechen um sich greifen werden. Hier bedarf es der konsequenten Umkehr zu JaHuWaH.

Niemand, so beteuern Christen immer wieder, würde sie jemals von ihrem Jesus trennen können. Dafür wären sie auch bereit, in den Tod zu gehen, was im Laufe der letzten 2000 Jahre viele ja auch getan haben. Wer konnte denn bis vor wenigen Jahren Einblick in die tatsächlichen Zusammenhänge der Bibel und der Geschichte bekommen? Das christliche Überwachungssystem hat jede Hinwendung zum TaNaCH, zur hebräischen Bibel des Jahushua, gleich im Keim erstickt. Die Juden wurden von den Gründern des Christentums gleich seit seiner Entstehung als Gottesmörder erledigt. Damit hatten sie für die christlichen Irrlehrer gleich jedes Existenzrecht verwirkt. Was folgte? Die entsprechende christliche Theologie, die Ersatztheologie. Sie wünschte den Juden nichts anderes als Fluch und Totschlag. So steht es, bis zu diesem Tag, in der Grundcharta des Christentums verankert.

In seinem schrecklich frommen Irrwahn legte Paulus das folgenschwerste Glaubensfundament, das diese Welt jemals gesehen hat. Wir werden nicht müde, immer wieder daran zu erinnern: “Wenn aber auch wir oder ein Engel aus dem Himmel euch etwas als Evangelium entgegen dem verkündigten, was wir euch als Evangelium verkündigt haben: Er sei verflucht! Wie wir früher gesagt haben, so sage ich auch jetzt wieder: Wenn jemand euch etwas als Evangelium verkündigt entgegen dem, was ihr empfangen habt: Er sei verflucht!” (Gal 1,8-9). Die im prophetischen Wort Unkundigen wurden Opfer seines frommen Irrwahns, seiner wahnsinnig machenden Lehre: “Ich tue euch aber kund, Brüder, dass das von mir verkündigte Evangelium nicht von menschlicher Art ist. Ich habe es nämlich weder von einem Menschen empfangen noch erlernt, sondern durch eine Offenbarung Jesu Christi” (Gal 1,11-12).
Paulus hatte nichts vom prophetischen Wort verstanden, auch nichts gelernt. Er hätte es erlernen können, wenn er sich nicht so arrogant über das prophetische Wort, über die Propheten und die Schriftgelehrten seiner Zeit hinweggesetzt hätte. Seine Hybris lautet: “Ich habe es nämlich weder von einem Menschen empfangen noch erlernt, sondern durch eine Offenbarung Jesu Christi”. Er hätte erkennen und verstehen müssen, dass seine Lehre weder Offenbarung des Jahushua von Nazareth war noch irgendwo im prophetischen Wort angekündigt worden ist. Stattdessen rühmt er sich der finsteren Werke seiner früheren Jahre: “Denn ihr habt von meinem früheren Verhalten im Judentum gehört, dass ich die Gemeinde Gottes über die Massen verfolgte und sie zu vernichten suchte und im Judentum mehr Fortschritte machte als viele Altersgenossen in meinem Volk; ich war ja für meine überkommenen väterlichen Überlieferungen in viel höherem Masse ein Eiferer” (Gal 1,13-14). Was er während seiner kurzen Zeit im Judentum tat, ist alles andere als rühmenswert. Was schreibt er? “….ich war ja für meine überkommenen väterlichen Überlieferungen in viel höherem Masse ein Eiferer.” Das war er nicht! In seinem religiösen Fanatismus war er über alle Massen ein Eiferer, aber nicht was das prophetische Wort und die Weisungen JaHuWaHs betraf. Er ist in dieser kurzen Zeit weit über das Judentum hinausgegangen. So schnell wie er sich gegen jene gewandt hatte, die sich durch Jahushua wieder JaHuWaH zugewandt hatten, so schnell hatte er nach kurzer Zeit das ganze Judentum wieder über Bord geworfen, indem er alle verfluchte, die Eiferer für die Thora blieben, weil sie sich seiner neuen Lehre weder beugen wollten, noch konnten (vgl. Gal 1,8-9). Achten wir auf einen sehr wichtigen Hinweis eines Glaubensbruders: Sein Fluchwunsch „der sei verflucht“ war nicht mehr als heisse Luft; denn JHWH hatte ihn in 5Mose 28:15ff verflucht.
Gerade damit bestätigt er, dass er vom Judentum nichts verstanden und aufgenommen hatte. Er verfolgte Juden, die durch Jahushua eine Umkehr und Hinwendung zu JaHuWaH fanden, Juden, die von der Umkehrbotschaft Jahushuas tief betroffen und hingerissen waren. Unter ihnen gehörte der Jude Zachäus (vgl. Lk19,1-10). Er war bereits im Netz der römischen “Moral” gefangen, wie seine Namensendung belegt. Zachäus kehrte zu JaHuWaH um. Jahushua hatte ihn, als verlorenes Schaf, zu JaHuWaH zurück gebracht. In der Gemeinde des JaHuWaH wurde er wieder aufgenommen, mit den gesunden und befreienden Weisungen genährt.

Warum konnte Paulus nie etwas vom Zusammenhang des prophetischen Wortes verstehen? Aus Tarsus kommend, war er von der dortigen giechisch-römischen Denk- und Lebensweise geprägt. Zu Lebzeiten des Paulus war Tarsus eine bedeutende griechisch-römische Stadt gewesen. Sie war die Hauptstadt der römischen Provinz Cilicien in der heutigen Türkei und Handelszentrum im südöstlichen Kleinasien. Paulus besass das römische Bürgerrecht. Wie die meisten Bewohner war auch er griechisch geprägt. So auch der Vater von Paulus, der früher zwar Pharisäer war, später aber Römer wurde. Paulus galt damit offiziell nicht als Jude, sondern als römischer Bürger, wie sein Vater. Irgendwann erinnerte sich sein Vater oder seine Mutter, vielleicht er selbst, seiner jüdischen Herkunft. Er soll eine Zeit lang Gamaliel in Jerushalajim gehört haben, was heute von historischer Seite widerlegt ist. Wenn dem so wäre, hat dies offenbar bei Paulus nichts gefruchtet. Vom prophetischen Wort und Zusammenhang drang nichts in sein Herz, und wenn, dann völlig widersprüchlich, widersinnig. Aus diesen Widersprüchen heraus ist die Ersatztheologie geboren worden. Sie ist bis heute Kern und Inhalt des Christentums.
Paulus war ein blinder Eiferer, der mal hierhin und mal dorthin von seinem unkontrollierten religiösen Eifer gerissen worden war. Einmal verdammt er die Juden allesamt, wenn sie sich seinen Visionen nicht beugen (Gal 1,8-9), dann wieder möchte er selbst verflucht sein, von seiner Gottheit Jesus Christus weg, wenn die Juden nur Christen werden würden (Röm 9,1-3). Paulus war ein tief geplagter, innerlich zerrissener Mensch, der zwischen der griechisch-römischen Kultur und seinen jüdischen Wurzeln hin- und hergerissen war, der aber nie den Weg zum prophetischen Wort des Lebens finden konnte.

In ihrem allerheiligsten Irrwahn befolgt die Christenheit den Rat des Paulus in Galater 1,8-9 bis in unsere Tage herein. Sie tat es immer mit inbrünstiger Hingabe. Die christlichen Politiker sind, bis in ihre tiefsten Fasern, von diesem antijüdischen Geist getränkt. Bei ihren öffentlichen Auftritten im Zusammenhang mit Juden und Israel, zieren sie sich dementsprechend.
Wir dürfen den TaNaCH in allen seinen Variationen kennen lernen. Keiner der Schreiber nimmt ein Blatt vor den Mund. Sowohl den Schreibern des TaNaCH, als auch den Propheten und Schriftgelehrten war die Gemeinschaft mit JaHuWaH geschenkt. Sie haben uns aus diesem Geist heraus das Wort des Lebens geschenkt. Entsprechend wollen wir mit tiefem Respekt und Dank damit umgehen. Die Ersatztheologie hat hier keinen Platz. Wir wollen uns nicht selbst aufgeben. Wir wollen mit viel Dankbarkeit und Freude dran bleiben.
Achten wir unbedingt darauf: Der TaNaCH ist das Lebenshaus aus dem der Mensch lebt, aus dem der Mensch alles beziehen kann, was er zum Leben braucht, damit er weise und zufrieden leben kann, nach der Weisung: “Er hat dir mitgeteilt, Mensch, was gut ist. Und was fordert JaHuWaH von dir, als Recht zu üben und Güte zu lieben und einsichtig zu gehen mit deinem Erlöser JaHuWaH?” (Mi 6,8).

Allen wünsche ich einen geruhsamen Shabbat. Mit einem erquickenden Shalom grüsse ich alle herzlich

Gregor Dalliard

Ankündigungen

Voranzeige: Wir laden dich herzlich zu unserem nächsten Bibeltreffen in Finsterhennen ein, am 20. Juni 2021 um 14.00 Uhr. Martin und Kornelia Hunzinger, 2577 Finsterhennen, Allmenhag 2, 032 396 34 03, info@imkerei-hunzinger.ch. Wir freuen uns ganz fest auf die gemeinsame Zeit! Shalom!

In unregelmässigen Abständen publiziere ich Lebensimpulse (Lims).