Ersatztheologie – Gedanken dazu. Teil 2

Glaubensimpuls 507

Abraham lebte in der Gemeinschaft mit JaHuWaH. Er bewies die Echtheit seiner Beziehung mit JaHuWaH durch sichtbar gemachte Vertrauensschritte. Selbst dann, wenn ihn JaHuWaH Wege führte, die jeder Logik zu widersprechen schienen, er blieb JaHuWaH treu. Er vertraute JaHuWaH und ging. Er vertraute JaHuWaH und tat. Er vertraute JaHuWaH sein ganzes Leben lang.

Wir sagten: Anders ist das im Denken und Vollkommenheitsstreben der heidnischen Welt, die von den Göttern abhängig war, aber kein persönliches Verhältnis zu den Göttern aufrichten konnte. Das war schlicht und einfach gar nicht möglich. “Denn alle Götter der Völker sind Götzen (Nichtse, der Phantasie der Menschen entsprungen), aber JaHuWaH hat den Himmel (Gestirne) gemacht” (1Chron 16,26). Der Heide bleibt auf sich selbst bezogen. Er kann machen was er will, er bleibt auf sich selbst gestellt. Die einflussreichen assyrisch-persischen und griechischen Religionsführer und Philosophen (Stoiker, Epikuräer etc.) täuschten Beziehungen zu Göttern vor. Was sie taten war ein enormer geistiger und physischer Kraftaufwand. Sie mussten sich selbst gefallen, sich selbst eine Beziehung sein, sich selbst darstellen. Aus eigener Kraft, durch äusserst strenge religiöse Kraftanstrengungen, durch Verzicht und Kasteiung demonstrierten sie ihre erreichten Ziele, ihre Nähe zu den Göttern. Dabei fühlten sie sich wohl. Aber ein solches Wohlgefühl verfliegt beim ersten Lebenssturm, weil da keine Beziehung existiert. In ihrem Umfeld aber lösten sie Bewunderung und Respekt aus. Darum blieben ihre Aktionen auf der Ebene der Selbsttäuschung und der Täuschung ihrer Bewunderer stecken. In Wirklichkeit drehten sie sich nur um sich selbst.
Damit aber wurden sie in der Gesellschaft nicht nur als etwas Besseres und Besonderes wahrgenommen, ihnen würde einmal der Kult der Anbetung zustehen, wie er den Göttern zusteht. Das Volk würde ihnen diese Anbetung entgegenbringen. (vgl. Heiligsprechungen und Heilige in der katholischen Kirche und die ihnen geweihten Kirchen und Wallfahrtsorte). Also drehten sie sich nur noch um sich selbst und um ihre Gottheiten, die ihnen als Muster dienten. Da war aber rein gar nichts von persönlicher Beziehung zu finden, wie das zwischen JaHuWaH und Abraham war. Die Ähnlichkeit mit den meisten christlichen Richtungen ist nicht zu übersehen. Da die Gottheit Jesus Christus, als ein wahrer Gott und ein wahrer Mensch nicht existiert, also ein Götze des Paulus ist (vgl. 2Ko 5,16), kann zwischen einem Christen und der Gottheit Jesus Christus keine lebensbezogene, tragfähige Beziehung zustande kommen, wie sie uns vom TaNaCH her, von der Bibel des Jahushua von Nazareth, dem “AT”, gelehrt wird. Ausserhalb der Beziehung zu JaHuWaH muss alles künstlich aufgebaut werden. Dass dem so ist, das zeigt uns die Beziehungslosigkeit engagierter Christen zur Wirklichkeit des Lebens auf. Dieses Verhalten drückt sich in der Verachtung jener Menschen aus, die glaubensmässig nicht so spuren, wie das der einzelne Gläubige will und erwartet. Paulus führte diese Geisteshaltung an, indem er alle verfluchte, die nicht so glaubten und dachten wie er (vgl. Gal 1,8-9; 1Kor 16,22). Dieses Verhaltensmuster durchzieht die ganze Geschichte der Christenheit. Das ist der eindeutige Beweis von Beziehungslosigkeit zu JaHuWaH.

Nun ja, solche Menschen hatten sich damals wie heute den Nimbus (d. h. Heiligenschein) einer aussergewöhnlichen Heiligkeit erworben. Alle anderen Menschen blieben zurück. Sie mussten zu ihnen aufsehen. Aus diesen verschiedenen Philosophien entstanden und entwickelten sich die unterschiedlichen Formen des Zölibats, als Zeichen der besonderen Heiligkeit. Die Forderung des paulinischen Zölibats war von den Kirchenvätern in diesem Geist weiter entwickelt und vertieft worden, nachdem die umgehend erwartete Wiederkunft ihrer Gottheit Jesus Christus ausgeblieben war.
Paulus forderte für die Christen die Ehelosigkeit. Warum? Die Gottheit Jesus Christus würde gleich zurückkommen, so schrieb er, später auch Johannes in der sogenannten “Geheimen Offenbarung des Johannes”. Paulus schrieb: “Dies aber sage ich, Brüder: Die Zeit ist begrenzt: dass künftig die, die Frauen haben, seien, als hätten sie keine” (1Ko3 7,29). “Ich wünsche aber, alle Menschen wären wie ich (nicht verheiratet)" (1Kor 7,7). Stellen wir uns das einmal konkret vor! Und zudem, die unverheiratete Frau und die Jungfrau ist für die Sache der Gottheit Jesus Christus besorgt. Sie hat es geschafft, sie ist zu den Göttern aufgestiegen. Die Verheiratete erreicht dieses Vollkommenheitsideal der Selbstheiligung nicht, sie ist weltlich gesinnt (vgl. 1Kor 7,34). Damit wird der gesunde Auftrag JaHuWaHs, das Zusammengehen von Mann und Frau, das Leben in einer Familie, von Paulus und seinen Nachfolgern völlig ersetzt, entwertet, in ein falsches Licht gestellt. Die Ehe wird als ein minderwertiges, irdisch orientiertes Leben vermittelt, das dem Gott der Christen nicht gefallen kann. Das Zweiklassensystem unter Christen war damit geboren: Hier die Kleriker, die auserwählt Reinen, die Hohen, die Geistigen, dort die Laien, die dummen, die irdisch Gesinnten, dem Fleisch verfallenen. Wenn dann der Gott der Christen als JaHuWaH bezeichnet wird, dann ist dem schrecklichen Missbrauch der Weisungen JaHuWaHs Tür und Tor geöffnet. Die Eheleute wurden fortan von den Zölibatären als nicht geheiligte, fleischliche Menschen diskriminiert. Sie lebten von da an in anhaltenden Schuldgefühle.
Als frisch geweihter Priester, als Vikar von Zermatt, wurde ich in aller Härte mit diesem frommen Auswuchs konfrontiert. Auf der einen Seite waren die Priester, die als Kleriker mit dem Zölibat nicht umzugehen wussten. Auf der anderen Seite lebten die Verheirateten, die ewig Beichtenden. Mit hunderten von Verhaltensregeln verteufelten die Priester den Eheleuten den sexuellen Umgang in der Ehe. Sie waren laufend hinter den Ehepaaren her, um sie diesbezüglich zu massregeln, um ihnen die Freude am Eheleben auszutreiben. Die Heiligkeit eines Ehepaares wird heute noch in vielen katholischen Gegenden anhand der stoisch-paulinischen Zölibatsphilosophie beurteilt und entsprechend als christlich oder nicht christlich bewertet.
Die Kirchenväter haben die 2. Weisung (2. Gebot) des TaNaCH aufgehoben. Damit aber nach aussen hin der Eindruck bestehen bleibt, dass sich die Kirche an die 10 Weisungen (10 Gebote), wie sie im TaNaCH überliefert sind, halten würde, haben sie die zehnte Weisung (10. Gebot) zweigeteilt und die 9 Weisungen (9 Gebote) zählweise nach vorne verschoben. Dadurch ist in der katholischen Lehre aus der 7. Weisung (dem 7. Gebot) die 6. Weisung (das 6. Gebot) geworden. Selbstherrlich wurde hier ersetzt. Der Hauptakzent im Beichtstuhl lag meistens auf dem 6. Gebot, nach katholischer Zählweise: Thema Sexualität. Die Priester interessierten sich meistens nur für dieses Gebot. Was wollen wir da noch sagen? Die Menschen waren von Schuldgefühlen zerfressen, die ihnen von den ehelosen Männern eingetrichtert worden waren. In ihrer Gegenwart, in der Gegenwart dieser Vollkommenen (Kleriker, Mönche, Nonnen) zergingen die Menschen vor Selbstanklage. Ebenso auch alle unverheirateten Menschen, die nicht zum Klerikerstand gehörten (vgl. Beichtstuhl, Beichte, Absolution, Bussauflage, vgl. die vielen paulinischen Gesetze zur Erreichung dieses Vollkommenheitsideals, innerhalb der Freikirchen, um zu sein wie die Gottheit Jesus ist, um bei Jesus sein zu können). Seit der stoisch-paulinischen Zölibatslehre und ihrer Weiterentwicklung durch die “grossen” Kirchenväter, wie dem hl. Augustinus, legen ehelose Männer (Kleriker und Mönche) heute noch den Ehepaaren die grundlegenden Weisungen über ihr sexuelles Verhalten in der Ehe vor. Das ist mehr als makaber, das ist schlicht pervers. Aus Angst und Unbeholfenheit unterwarfen sich die meisten Katholiken diesen Vorgaben.
Die Zahl derer, die im Laufe der bald 1'600-jährigen christlichen Geschichte daran zerbrochen sind, kann niemand fassen. Was fällt uns in katholischen Gegenden immer noch auf? Werfen wir einen Blick auf die Todesanzeigen von Klerikern, Priestern, Mönchen und Nonnen, dann fällt uns unschwer auf, dass diese Anzeigen umfassender und informationsreicher daher kommen, als jene von Laien. Sie vermitteln der Welt immer noch diese paulinisch-stoische Gedanken- und Lebensphilosophie als etwas Besseres, als hätten jene Menschen, die um ihrer Gottheit willen ehelos geblieben sind, sich zeitlebens in einem höheren und vollkommeneren Lebenszustand befunden als die anderen. Sie vermitteln sich immer noch als die besonders Vollkommenen. Entsprechend werden sie in katholischen Gegenden besonders hoch gehoben und geehrt.
Das war zur Zeit Abrahams nicht anders. Was die Wenigsten wissen, Nimbus (Heiligenschein) ist ein lateinisches Wort und heisst dunkle Wolke. Begegnen wir Gestalten mit einem Heiligenschein, sollten wir gewarnt sein! Hier begegnet uns nicht das Licht, das aus der Beziehung mit JaHuWaH leuchtet und ins Leben führt, hier begegnet uns ein Ersatzlicht, ein verführerischer, täuschender Schein, der gehörig blenden und verblenden kann. Er stürzt uns ins fromme Unglück, in ein fromm getarntes Netz aus dem es kaum ein Entrinnen zu geben scheint. Ich möchte auf die rund 215 Leichenfunde von Kindern hinweisen, die vor wenigen Tagen auf dem Gelände eines von katholischen Nonnen geleiteten Internats, bzw. Klosters, in Kanada, entdeckt worden sind. Die Schule wurde von Nonnen bis 1978 geführt. Kanada steht unter Schock, heisst es in der Presse und in den Medien. Nicht nur in katholischen Gebieten Kanadas, auch in Irland und in anderen katholischen Ländern wurden in den vergangenen Jahren zahllose Säuglings- und Kinderleichen in Klostergruben entdeckt. Heute kann die Aufdeckung der Verbrechen an so vielen schutzlos ausgelieferten Ungeborenen, Säuglingen und Kindern von geschwängerten Nonnen nicht mehr verhindert werden. Die Nonnen wurden meistens von zölibatären Klerikern geschwängert. Der auffallend schnell nach seinem Tod Heilig gesprochene Papst Johannes-Paul II. wusste von vielen Verbrechen an wehrlosen Kindern und Jugendlichen, ebenso sein Nachfolger Papst Benedikt XVI. Sie taten aber nichts Erwähnenswertes. Es sollte und durfte um nichts in der Welt etwas an die Öffentlichkeit dringen.
Seit rund 1'600 Jahren wird erfolgreich vertuscht. Nichts durfte jemals an die Öffentlichkeit gelangen, denn die Kirche soll in der Öffentlichkeit ohne Runzeln erscheinen, so lehrt es der Vatikan in seiner Selbstdarstellung, so lehrt es Papst Johannes-Paul II: “Durch diese ihre kirchliche Identifizierung mit der ‚Frau, mit der Sonne bekleidet‘ (Offb 12,1), kann man sagen, dass die Kirche in der seligen Jungfrau schon zur Vollkommenheit gelangt ist, in der sie ohne Makel und Runzeln ist” (Enzyklika Redemptoris Mater, 47). Alle Kleriker haben alles daran zu setzen, damit der Vatikan mit dem Klerus in der Öffentlichkeit allezeit ohne Runzeln erscheint. Die digitalen Medien und Verfassungsregeln gehen heute der Vertuschungstaktik des Vatikans an den Kragen. Fassungslos machen uns heute die schrecklichen Funde zahlloser Kinderleichen in den Kalkgruben katholischer Klöster und Einrichtungen auf der ganzen Welt. Sie gaben vor, nach dem paulinisch-stoischen Heiligkeitsideal zu leben. Das mögen auch immer und überall etliche aufrichtig praktiziert haben, aber der grauenvolle Preis den diese fromme Abgehobenheit, diese Ersatztheologie bisher forderte und fordert, macht uns fassungslos. Der TaNaCH warnt uns vor jedem Schein, vor jedem Ersatz dessen, was JaHuWaH als die Quelle des Lebens geoffenbart hat. “Die Worte JaHuWaHs sind reine Worte – Silber, am Eingang zur Erde geläutert, siebenmal gereinigt” (Ps 12,7)

Allen wünsche ich viel Freude beim Erforschen des Wortes JaHuWaHs. Einen gesegneten Shabbat und herzliche Grüsse

Gregor Dalliard

Ankündigungen

Voranzeige: Wir laden dich herzlich zu unserem nächsten Bibeltreffen in Finsterhennen ein, am 18. Juli 2021 um 14.00 Uhr. Martin und Kornelia Hunzinger, 2577 Finsterhennen, Allmenhag 2, 032 396 34 03, info@imkerei-hunzinger.ch. Wir freuen uns ganz fest auf die gemeinsame Zeit! Shalom!

Einladung zu den Vorträgen in D-83317 Achtal / Teisendorfer Str. 93 (kein Bahnhof).
Samstag, 24. und Sonntag, 25. Juli. Themen: “Eine neue Schöpfung” und Melchisedek. Beginn: Samstag/Sonntag 11.00, anschliessend jeweils Austausch und Mittagessen. Nachmittag Fortsetzung mit anschliessendem Austausch. Anmeldung: bitte telefonisch unter 08666 – 2174 973. Wegen Unterkunft bitte telefonisch anfragen.

In unregelmässigen Abständen publiziere ich Lebensimpulse (Lims).