Der Wille des JaHuWaH und mein freier Wille? Teil 13

Glaubensimpuls 464

Im letzten Gim schrieb ich: “Wie wir bereits sehen konnten, sind bestimmte Regelungen und Ordnungen, die JaHuWaH gab, in späteren Zeiten wieder fallen gelassen worden, weil sie nicht mehr notwendig waren. Das, obwohl sie von JaHuWaH, zum Zeitpunkt, als ER sie verordnete, in seinem expliziten Willen, als ewige Ordnungen gegeben worden waren”. Damit meinte ich nicht, dass das israelitisch-jüdische Volk sie eigenwillig, je nach Lust und Laune, hatte fallen lassen. In jenen Tagen, als die Israeliten aus Ägypten herausgeführt wurden, waren die Völker dieser Welt gefangen und gequält in den dunkelsten und grausamsten Formen der Götzendienerei. Es gab keine Hoffnung, kein Licht, kein Entrinnen aus dieser zerstörerischen Spirale des Bösen. Im Gegenteil, die Menschen verstrickten sich immer tiefer in ihren eigenwilligen frommen Bosheiten und zogen sich gegenseitig in den Untergang. Es war jene todbringende Haltung, die später auch in Israel immer wieder die Oberhand zu gewinnen drohte, wenn da nicht die Propheten und die pharisäischen Schriftgelehrten gewesen wären. Mit aller Deutlichkeit warnten sie das auserwählte Volk vor solch schwerwiegenden Einbrüchen. Über den Götzendienst der umliegenden Völker wurde das auserwählte Volk immer wieder versucht seine einzigartige Berufung, seine Beziehung und Stellung zu JaHuWaH, dem einzig EINEN, zu verlassen. Wir kennen ja die Verheissungen, die JaHuWaH dem Abraham mit auf den Weg gab: und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter der Erde! (1Mo 12,3b). Abraham hatte erkannt, dass allein die Zuwendung JaHuWaHs zum Menschen und die Hinwendung des Menschen zu JaHuWaH, d. h. die Gnade allein, einen Menschen seine segensvolle Eigenverantwortung wahrnehmen und ausleben lässt.

In dieser Haltung halfen die Pharisäer und Propheten dem Volk in Zeiten, in denen viele von diesem Weg abzudriften drohten und dem Willen der Götzendiener zu verfallen: “Wehe denen, die das Böse gut nennen und das Gute böse; die Finsternis zu Licht machen und Licht zu Finsternis; die Bitteres zu Süssem machen und Süsses zu Bitterem! Wehe denen, die in ihren eigenen Augen weise sind und sich selbst für verständig halten! Wehe denen, die Helden sind im Weintrinken und tapfere Männer im Mischen von Rauschtrank; die den Ungerechten wegen eines Bestechungsgeschenkes gerecht sprechen, den Gerechten aber ihre Gerechtigkeit absprechen! (Jes 5, 20-23). Finsternis beherrschte die Welt. Es war nicht irgendeine Finsternis. Es gibt nur eine Finsternis, die dann wirksam wird, wenn die Menschen sich eigenwillig von einer Ordnung JaHuWaHs lösen. Wie sollte das israelitische Volk von den zahllosen lebensfeindlichen und zerstörerischen Prägungen – nach rund 400 Jahren ägyptischer Götzenkultur – daraus herausfinden und sich zu einem mündigen Volk entwickeln? Das war ja und ist der bleibende Wille JaHuWaHs. Zum Wachstumsprozess aus den quälenden und oft so grausamen Götzenkulturen bedurfte es einer Zeit ganz strenger Regeln, die in der Anfangszeit bei Nichteinhaltung mit der Todesstrafe geahndet worden waren. Diese Notwendigkeit der Todesstrafe – auf dem Weg hin zur wachsenden Mündigkeit – können die meisten von uns heute schlecht oder nicht mehr nachvollziehen. Uns fehlt weitgehend das Wissen über die Veränderungsprozesse des menschlichen Lebens, innerhalb des auserwählten Volkes. Das interessiert die breite Masse überhaupt nicht, schon gar nicht die Christen. Das beweist ihre verfahrene Ersatztheologie, an der sie sich krampfhaft, in religiöser Sturheit, festklammern. Für viele liegt es einfach nicht drin, der christlichen Lehre auf den Grund zu gehen. Das moderne Leben treibt die Menschen ja nur so vor sich her. Sie leben weitgehend gefangen in ihrer hochtechnisierten Lebensweise. Sie sind damit mehr als genug beschäftigt und gestresst. Für alles reicht es einfach nicht. Das heutige Denken, Verstehen und Urteilen der Christen über die Bibel (TaNaCH, das “Alte Testament”) ist in weitesten Kreisen immer noch nicht weiter gekommen, als bis zur Erkenntnis der Kirchengründer: Die Bibel (das “Alte Testament”) ist ein Mörderbuch, das der Jesus-Gott mit dem “Neuen Testament” ersetzen musste. Nicht nur das, er hat im gleichen Atemzug auch grad die störrischen Juden durch die Christen ersetzt (Ersatztheologie). Sie, die Christen, so lehren sie, tun immer – in allem – den Willen JaHuWaHs, jenen Willen, den die Propheten und Schriftgelehrten von Anfang an lehrten! Das ist natürlich ein vollkommener Unsinn, eine Gehirnwäsche, die bis zu dieser Stunde funktioniert.

Achten wir einmal darauf, worauf in den Anfangszeiten, nach dem Auszug aus Ägypten, die Todesstrafe lag. Zur Zeit des grossen Pharisäers und Schriftgelehrten Hillels und des Jahushua von Nazareth, der Hillels Schüler war, gab es grosse Diskussionen unter den jüdischen Schriftgelehrten, den Pharisäern, zwecks Abschaffung einer weiteren Todesstrafe. Es ging um die Abschaffung der Steinigung von Frauen bei Ehebruch. Auch Ehebruch war von JaHuWaH als ewige Ordnung gegeben worden. Die Israeliten verstanden die Formulierung “ewige Ordnung” völlig anders als wir das von der griechisch-christlichen Kultur her verstehen. Für sie galten bestimmte Gebote nur für eine bestimmte Zeit auf dem Weg von der Loslösung eingefleischter, religiöser götzendienerischer Praktiken hin zur Mündigkeit, dann aber hatten sie ihre Bedeutung verloren. Darum durften, konnten und mussten die Schriftgelehrten über manche vorübergehende, zeitbedingte Lehre diskutieren. Es gab dabei heftige und intensive Diskussionen.Das war und ist zu jeder Zeit notwendig. Das ist der Knackpunkt mit dem die Christen nicht umzugehen wissen, darum verwerfen sie die Bibel (den TaNaCH, das “Alte Testament”) als Mörderbuch. Pro Forma aber lehren sie das “Alte Testament” als auch oder ebenso wichtig, da sie es missbräuchlich als Hinführung auf die zweite Gott-Person ihres Jesus Christus und die Erlösung durch sein Blutopfer deuten. Das ist natürlich eine Lehre, die dem zusammenhängenden prophetischen Zeugnis des TaNaCH (“Altes Testament”) widerspricht.

Die Zeit der Todesstrafe bei Ehebruch nahte sich ihrem Ende zu. Das geschah zur Zeit des grossen Gelehrten und Pharisäers Hillel und des Jahushua von Nazareth, der sein Schüler war. Das hatten viele Schriftgelehrte, die alle Pharisäer waren, wie auch Jahushua von Nazareth einer war, erkannt. Doch zum Aufgeben einer festsitzenden, für eine begrenzte Zeit gegebene Ordnung, waren nicht alle Schriftgelehrten gleich bereit. Die Schriftgelehrten, die aus der Schule des gelehrten Pharisäers Shammai kamen, brauchten dazu etwas mehr Zeit. Sie argumentierten noch eine Weile gegen die Schule Hillels, die die Steinigung für beendet erklärte. Wer von den Juden redet heute noch von der Steinigung bei Ehebruch? Wie so oft reisst das “Neue Testament” innerjüdische, innerpharisäische Zusammenhänge auseinander. Ein typisches Zeugnis eines solchen Missbrauchs, einer antijüdischen Hetze, ist uns in Joh 8, 2-11 überliefert. Es handelt sich um die Ehebrecherin und Jahushua. Der christliche Schreiber vermittelt uns diese Begebenheit bewusst als Konflikt zwischen allen Schriftgelehrten, die Pharisäer waren, und Jahushua. Auf der einen Seite ist (der Christ!!) Jahushua allein, auf der anderen Seite sind alle jüdischen Schriftgelehrten. Er schreibt in Vers 3 bewusst “Die Schriftgelehrten und die Pharisäer. Er unterschlägt die Tatsache, die wir oben genannt haben, dass die eine Schule, die Schule Hillels, aus der ein Grossteil der Schriftgelehrten kamen, wie auch Jahushua von Nazareth, für die Vollendung der Todesstrafe bei Ehebruch eintraten, während jene Schriftgelehrten, die aus der strengeren Schule, der Schule Shammais kamen, etwas mehr Zeit brauchten, bis sie das Ende der Todesstrafe bei Ehebruch erkennen und akzeptieren konnten. Die Auseinandersetzung lief nicht so ab, wie uns das die christlichen Schreiber, blindgemacht in ihrem antijüdischen Hass, einreden wollen. Jahushua war hier vom Grossteil der Pharisäer gedeckt, unterstützt. Zudem gab es keine Schriftgelehrten und Pharisäer. Es gab die Schriftgelehrten, die Pharisäer waren und nach dem aktuellen Willen JaHuWaHs suchten.

“Dein Wort ist eine Leuchte für mein Leben, es gibt mir Licht für jeden nächsten Schritt” (Ps 119,105). So ist es. Darin wünsche ich allen einen frohen Shabbat. Herzliche Grüsse

Gregor Dalliard

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