Der Wille des JaHuWaH und mein freier Wille? Teil 12

Glaubensimpuls 463

In Bezug auf dieses Thema, werden die Menschen, die in der Bibel forschen und nach der Anwendung ihrer Inhalte in unseren Tagen suchen, wohl nie einen gemeinsamen Nenner finden. Eines ist gewiss: Die Schreiber der Bibel wollen uns aber JaHuWaH als beweglich vermitteln. Was will ich damit sagen? JaHuWaH hat in jede Zeit durch seine Propheten und Richter hineingesprochen. Wie wir bereits sehen konnten, sind bestimmte Regelungen und Ordnungen, die JaHuWaH gab, in späteren Zeiten wieder fallen gelassen worden, weil sie nicht mehr notwendig waren. Das, obwohl sie von JaHuWaH, zum Zeitpunkt, als ER sie verordnete, in seinem expliziten Willen, als ewige Ordnungen gegeben worden waren. Das dritte Buch des Moshe ist voller solcher Verordnungen. Von den vielen Opferverordnungen heisst es jeweils: “Eine ewige Ordnung bei euren Generationen in allen euren Wohnsitzen..” (3 Mo 3,17). Wer aber spricht im Judentum heute von all diesen Verordnungen der Opferzeremonien, obwohl sie von JaHuWaH in seinem expliziten Willen als ewige Ordnungen gegeben worden waren und obwohl sie heute praktiziert werden könnten, auch ohne Tempel? Es gibt noch andere Ordnungen, die nichts mit dem Opferkult zu tun haben, die von JaHuWaH ebenfalls als ewige Ordnungen geben worden waren, von denen aber kein Jude mehr spricht. JaHuWaH ist also kein feststehender, unbeweglicher Götze, der keine Veränderung will. Er lebt mit den Menschen.

Es ist keinesfalls so, wie Paulus das lehrt. Jesus Christus hätte mit seinem Blut das Blut der Tieropfer ersetzt und die Welt mit JaHuWaH versöhnt. Die Tieropfer haben mit keinem Christus etwas zu tun. Das ist reine Phantasie des Paulus, denn erstens hat nie ein Prophet vom Aufheben gewisser Verordnungen/Ordnungen JaHuWaHs durch das Blut eines Jesus Christus gesprochen. Und zweitens dienten viele dieser Verordnungen/Ordnungen, vor allem der Tieropferkult, als zeitbedingte Vorgaben, als helfende Übergangsmassnahmen, vom ägyptischen Menschen- und Tieropferkult, hin zum ungeteilten Vertrauen auf JaHuWaH. Darum mussten sie später wieder verschwinden. Das Ziel war ja von JaHuWaH von allem Anfang an eindeutig vorgegeben: JaHuWaH erkennen, vertrauen (vgl. Jes 2,2-5; 33,5-6; Jer 31,33-36 u.a.m.) Nun aber gibt es Ordnungen/Verodnungen, die unantastbar bleiben, weil sie für den Erhalt des menschlichen Lebens und des menschlichen Zusammenlebens notwendig sind und bleiben. An uns ist es nun beim Studium der Bibel (TaNaCH, “Altes Testament”), zu erkennen, welche von den Ordnungen/Verordnungen JaHuWaHs zeitbedingt sind und welche nicht. Wir würden den Sinn der Aussage: “Eine ewige Ordnung bei euren Generationen in allen euren Wohnsitzen..”, falsch verstehen, würden wir diese Aussage wörtlich nehmen, indem wir diese Verordnung auf unser tägliches Leben anwenden wollten. Wir kämen zu falschen eigenwilligen und verheerenden Schlüssen. Das würde unser Leben auf den Kopf stellen. Ich darf also die Bibel nicht in allem wortwörtlich nehmen, indem ich alles was darin geboten ist, ungefiltert als den von JaHuWaH auferlegten Willen für mein persönliches Leben heute umsetzen wollte. Das ergibt sich allein schon aus der langen Entwicklung Israels, von Abraham bis zur Volkswerdung in Ägypten, von Ägypten bis zur Besitznahme des verheissenen Landes, von der Landnahme bis zur Sesshaftigkeit, von der Sesshaftigkeit bis hin zu den verschiedenen Deportationen und der Rückkehr in sein Land.

Es handelt sich in der Geschichte der Israeliten manchmal um Ordnungen und Verordnungen, die als Übergänge dienten, d. h. von JaHuWaH für eine bestimmte Zeit verordnet worden waren. Um ihre aktuelle Wichtigkeit hervorzuheben wurden sie aber mit der Weisung vermittelt: “Eine ewige Ordnung bei euren Generationen in allen euren Wohnsitzen..” (3 Mo 3,17). Damit sollte aber auch der Unterschied zwischen einer Weisung JaHuWaHs und den Geboten der Götter sichtbar gemacht werden. Das Volk, das aus dem ägyptischen Götzenkult kam, sollte schrittweise zu JaHuWaH hingeführt werden. **Es sollte schrittweise sein Vertrauen verstehen lernen, sich darin heimisch und geborgen, geführt und getragen wissen. Darin sollte und durfte es als Volk lernen Verantwortung für das Leben zu übernehmen. Es sollte schrittweise zum Licht für die Völker heranzuwachsen, und damit in die verantwortungsvolle Freiheit geführt werden. Was das konkret heisst, versuche ich mit den nächsten Zeilen zu verdeutlichen. Der bekannte jüdische Spitalseelsorger und Rabbi, Levi Meier, erinnert uns in seinem Buch “Vom Baum des Lebens”, an den fundamentalen Wesenszug JaHuWaHs. Im Zusammenhang mit dem Thema Asylstädte zitiert er 2Mo 25,8 und schreibt dazu: “Gott hatte nicht gesagt ‘Und baut Mir ein Heiligtum, damit Ich in ihm wohnen mag’, sondern ‘Und baut Mir ein Heiligtum, sodass Ich unter ihnen wohnen mag.’ Soweit das Zitat. Damit weist er auf das bedingungslose Mitgefühl JaHuWaHs hin, das allezeit mit den Menschen unterwegs ist und von Menschen zu Menschen weitergelebt wird, damit sie heil werden, sich wieder am Leben freuen und mit dem was sie aus der Vergangenheit, in der Gegenwart und in Zukunft plagt, versöhnt werden. Hier wird JaHuWaH mit grosser Freude und Dankbarkeit gehört, sein Wort steht im Mittelpunkt des Lebens, und dann wird unterschieden, wen was zu welcher Zeit betrifft. Das ist alles andere als das Wesen eines starren Götzen mit einem Rattenschwanz von lebensfremden Dogmen. Hier haben starre religiöse zeitbedingte Sätze, Glaubensdogmen, keinen Platz. Dem sind wir entronnen. Damit gehen wir in den Fussstapfen des Jahushua von Nazareth. Das freut uns natürlich ganz besonders. Etwas mehr zu den Übergängen im nächsten Gim.

“Freuen, ja, freuen will ich mich in JaHuWaH! Jubeln soll meine Seele in meinem Erlöser! Denn er hat mich bekleidet mit Kleidern des Heils, den Mantel der Gerechtigkeit mir umgetan, wie der Bräutigam sich nach Priesterart mit dem Kopfschmuck und wie die Braut sich mit ihrem Geschmeide schmückt. Denn wie die Erde ihr Gewächs hervorbringt und wie ein Garten seine Saat aufsprossen lässt, so wird JaHuWaH Gerechtigkeit und Ruhm aufsprossen lassen vor allen Nationen” (Jes 61,10).
Mit diesen Versen grüsse ich alle herzlich und wünsche allen einen sonnigen und warmen Shabbat. Shalom!

Gregor Dalliard

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