".. und er selbst fing an, Mangel zu leiden" Lk 15,14b

Glaubensimpuls 52

Die meisten von uns wissen, was uns das Gleichnis vom “verlorenen” Sohn, besser vom barmherzigen Vater, sagen will. Das Gleichnis wird zwar unterschiedlich gedeutet, aber die Aussagen Jahushuas lassen eigentlich kein Zweifel über die Absicht aufkommen. Er sagt: “Ich bin nur gesandt zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel." (Mt 15,24). Er spricht hier von den “verlorenen” Schafen des Hauses Israel. Das Haus Israel setzte sich aus den zehn Stämmen des Nordreiches zusammen. Die Assyrer deportierten die Oberschicht Israels und pflanzten fremde Völker in Israel ein. Als die Assyrer gegen die zehn Stämme in den Krieg zogen sind viele in den Süden geflohen, nach Juda und Benjamin. Der ältere Sohn im Gleichnis stellt Juda und Benjamin dar. Das Südreich (Juda und Benjamin), ist JaHuWaH grundsätzlich immer treu geblieben. Das bezeugt Jahushua in seinem Gleichnis: “Er (JaHuWaH) aber sprach zu ihm (zu Juda, den Juden): Kind, du bist allezeit bei mir, und alles, was mein ist, ist dein. Aber man muss doch jetzt fröhlich sein und sich freuen; denn dieser dein Bruder war tot und ist wieder lebendig geworden und verloren und ist gefunden worden” (Lk 15,31-32).

Juda, so sagt Jahushua in seinem Gleichnis, ist also immer beim Vater JaHuWaH geblieben. Alles was dem Vater JaHuWaH gehört, gehört auch immer den Juden: “und alles, was mein ist, ist dein”. Jahushua will die gläubigen Juden daran erinnern sich ihrer Berufung durch JaHuWaH neu bewusst zu werden, indem sie allem Verlorenen nachgehen, es suchen und zurück zu JaHuWaH, zu seiner Herde bringen. Offenbar haben sich viele nicht mehr darum bemüht, ihren Auftrag vergessen. Offenbar haben sich viele nur noch mit sich selbst beschäftigt, entweder mit ihrer eigenen Frömmigkeit oder auch mit einer frommen Genügsamkeit. Jahushua aber sagte: “Und ich muss noch andere Schafe suchen, die nicht in diesem Hof sind; auch diese muss ich bringen, und sie werden meine Stimme hören, und es wird eine Herde, ein Hirte sein” (Joh 10,16; vgl. dazu Mk 2,17; Mt 10,5-6; 9,13; 18,11; Lk 5,32; 15,1-10; 19,10).

Was soll in Johannes 11,47-53 den Lesern vermittelt werden? Der Auftrag des Jahushua von Nazareth bestand nicht darin die verlorenen Schafe nach Hause, in die Herde JaHuWaHs (zum Judentum) zurückzuführen. **Nein, in der Gottheit Jesu Christi selbst sollen alle Juden, alle zerstreuten Juden “in eins versammelt” werden. Mit anderen Worten: im Christentum. Im Glauben an Christus allein ist Errettung, im Glauben an sein blutiges Opfer werden wir mit Christus eins gemacht. In der Taufe werden wir ihm gleichgestaltet und vor Tod und Hölle gerettet. Hier will der Schreiber des “Johannesevageliums” uns die paulinische Erlösungslehre überstülpen. Die echten Absichten, Tätigkeiten und Aussagen des Jahushua von Nazareth sind in den Evangelien durchsäuert von der Theologie der Gründer des Christentum. Sie haben nicht mehr JaHuWaH im Blickfeld, sondern die Gottheit Jesus Christus. Im Zuge des Antijudaismus mussten JaHuWaH, die Lehre der Propheten, der Dienst des Jahushua umgedeutet werden, damit bekam die christliche Ersatztheologie ihren festen Platz in dieser Welt – die Folgen machen viele Menschen bis heute fassungslos!!

Uns begegnet ein junger Mann, der von der Lebensfülle des Vaterhauses weggeht (zum Götzendienst, Mehrgötter). Er ist überzeugt, anderswo mehr Lebensfülle und -sinn zu finden. Das mit JaHuWaH nicht Kompatible (was JaHuWaH widerspricht) reizt ihn, fasziniert ihn. Er kann mit der Segensfülle im Hause des Vaters nicht umgehen, er nimmt sie nicht wahr. Er zieht jedenfalls keinen Nutzen daraus. Es ist das was der Vater eigentlich will, nämlich, dass der Sohn Nutzen aus der Gemeinschaft mit dem Vater zieht und aus diesem Lebensreichtum lebt, den Vater ehrt, Aussenstehende anzieht und daran teilnehmen lässt. Der Sohn gehört zwar zur Familie, ist Hausgenosse, aber er verwaltet den Lebensreichtum, den der Vater mit ihm teilen will nicht verantwortungsvoll. Im Gegenteil, er fordert sogar diesen Lebensreichtum von seinem Vater, er reisst ihn an sich, gerade so als wäre er sein Eigentum. Er nimmt ihn mit und meint aus dem Sichtfeld des Vaters verschwunden zu sein. Schliesslich missbraucht er ihn (treibt damit Götzendienst) .

Vielleicht hat sich dieser Sohn überhaupt nie die Mühe gemacht über das ernsthaft nachzudenken, was ihm im Hause des Vaters alles geschenkt ist, was ihm hier zur Verfügung steht, woran er unverdienterweise teilhat und wie er damit umgehen sollte, wie er darin glücklich sein könnte. Vielleicht war es ihm zu anstrengend, aber ohne Fleiss kein Preis! Aus dem Kontext dieses Gleichnisses können wir wohl den Schluss ziehen, dass es ihm an Verinnerlichung, Vertiefung und Dankbarkeit seinem Vater gegenüber fehlt. Er sucht anderswo, was er Daheim zu entbehren meint. Mehr noch, er verhöhnt letztlich mit dem was er vom Vater an sich gerissen hat, den Vater vor den Götzendienern.  Er „endet“ im Mangel, im äussersten Elend. Der Vater aber hat ihn nie aus den Augen verloren! Dafür sei er gepriesen.

Manchen von uns geht es sehr ähnlich. Wie schnell gewöhnen wir uns an die Gemeinschaft mit dem himmlischen Vater JaHuWaH und an die unverdiente Gnade, gerade so als wäre sie uns nicht geschenkt worden. Wie schnell verkommt unser Bibellesen zu einer Formsache, die keine Umsetzung in die kleinen Dinge des Alltags bringt. Wie schnell verrennen wir uns vom sorgfältigen Prüfen der biblischen Zusammenhänge in ein kirchliches Theologisieren, in religiöse Phantasien, Phrasen und Rechthabereien und vieles mehr. Dabei verlieren wir die Beziehung zu unserem himmlischen Vater und zu all seinem Lebensreichtum, den er uns in seinem Wort in einer Fülle zur rechten Zeit für jede Situation anbietet und auslegt. Wir fangen an Mangel zu leiden. Wir führen damit uns und unseren Mitmenschen viel Elend zu und geben ein schlechtes Beispiel ab, weil wir ja vorgeben aus dem Geist (Reichtum) der Bibel zu leben.

Unseren Mangel erkennen vor allem unsere nächsten Mitmenschen. Selber realisieren wir unseren Mangel wohl kaum und wenn, dann ziehen wir nicht die notwendigen Konsequenzen daraus. Nicht, dass wir etwa keine normalen Menschen sein dürften, denen auch ab und zu der Kragen platzt, die auch ihre Meinung, ihre Rechte und ihre berechtigten Anliegen und Wünsche einfordern und diese auch vertreten dürfen und sollten. Es ist vielmehr die Art und Weise wie wir mit unseren Nächsten umgehen, die auf einen Mangel in unserer Beziehung zu JaHuWaH schliessen lässt. Wir besitzen nämlich nichts an geistig-geistlichen Gütern. Alle Erkenntnisse aus der Bibel, aus dem Glaubensangebot JaHuWaHs, alles ist uns geschenkt, damit wir persönlich erquickt werden und das Erkannte aus dem Reichtum JaHuWaHs gewissenhaft und überzeugend verwalten und mit Respekt und Aufrichtigkeit vertreten – eben als Geschenk zum verwalten.

JaHuWaH will, dass wir jeden Tag und in allen Situationen Nutzen aus der persönlichen Gemeinschaft mit ihm und seinem Wort ziehen. Dass diese Beziehung bewusst und treu getan und  gewissenhaft gepflegt sein will, darüber sind sich die wenigsten Bibelleser im klaren. Zu leichtsinnig wird ein gepflegtes Innenleben mit JaHuWaH durch oberflächliche und nichtige Argumente (und religiöse Aktivitäten) verdrängt, abgetan. Doch der Umgang mit dem Nächsten offenbart die versteckten Tiefen eines Menschen. Oft sind es Frust, Bitterkeit und Bosheit, unbewältigte religiöse Erfahrungen, die uns in zwei Bibeldeckeln fromm getarnt begegnen! Was nun?

Wir werden zu den Hausgenossen JaHuWaHs gezählt. Jahushua und seine Schüler (fälschlicherweise Apostel genannt) waren ja vom Vater JaHuWaH gesandt “verlorene” Träger der Verheissung zu suchen und zu finden. Wir dürfen uns zu diesen Gefundenen zählen – du und ich! Wie uns die Geschichte zeigt sind viele Juden dieser Aufforderung des Jahushua von Nazareth gefolgt. Überall führten sie Menschen zurück zur Herde JaHuWaHs, vor allem Priester (Sadduzäer) (vgl. Apg 6,7) und später „Scharen von Männern und Frauen“ (vgl. Apg 5,14). Sie blieben oder wurden ihrer Sendung treu und erfüllten diese Aufgabe, wie Jahushua, bis zu ihrem letzten Blutstropfen, damit am Ende alles Fleisch kommen und JaHuWaH anbeten wird (vgl. Jes 66, 22-23; 45, 22-25.

Darum sind wir JaHuWaHs Hausgenossen. Wir sollen keinen Mangel leiden müssen, auch im Benehmen unseren Mitmenschen gegenüber. Weder Bitterkeit noch Verachtung sollte unseren Umgang bestimmen. Vielmehr sollten wir uns von dem väterlichen und mütterlichen Verhalten JaHuWaHs tragen und leiten lassen. Je nach Erfahrungen, die wir mit Menschen machen, haben Vorsicht, eine respektvolle Zurückhaltung und ein weiser Umgang wohl ihren berechtigten Platz. Wir wollen hier keinen frommen Illusionen Raum geben. Die Mitmenschen aber sollen im Laufe der Jahre erfahren und spüren mit wem wir zusammenleben, aus welchen Quellen wir uns speisen.

Damit sind wir beim tiefsten Sinn des biblischen Festes Rosh Hashana (Neujahrsfest), das JaHuWaH zu unserem Segen verordnet hat, angekommen. Es beginnt am 16. Sept. nach Sonnenuntergang. Nicht nur die Juden feiern dieses Fest des himmlischen Vaters, auch immer mehr kirchlich geprägte Menschen weltweit, die sich mit dem Christentum auseinandersetzen und nach dem zusammenhängenden Sinn und den Wurzeln unseres Glaubens suchen.

Zu diesem Fest wünsche ich allen ganz herzlich Shalom u’vracha (Frieden und Segen).

Gregor Dalliard

Ankündigungen

Voranzeige: Wir laden dich herzlich zu unserem nächsten Bibeltreffen in Finsterhennen ein, am 18. Juli 2021 um 14.00 Uhr. Martin und Kornelia Hunzinger, 2577 Finsterhennen, Allmenhag 2, 032 396 34 03, info@imkerei-hunzinger.ch. Wir freuen uns ganz fest auf die gemeinsame Zeit! Shalom!

Einladung zu den Vorträgen in D-83317 Achtal / Teisendorfer Str. 93 (kein Bahnhof).
Samstag, 24. und Sonntag, 25. Juli. Themen: “Eine neue Schöpfung” und Melchisedek. Beginn: Samstag/Sonntag 11.00, anschliessend jeweils Austausch und Mittagessen. Nachmittag Fortsetzung mit anschliessendem Austausch. Anmeldung: bitte telefonisch unter 08666 – 2174 973. Wegen Unterkunft bitte telefonisch anfragen.

In unregelmässigen Abständen publiziere ich Lebensimpulse (Lims).