Der Shomer – der Wächter. Teil 1

Glaubensimpuls 469

Sind wir nicht alle irgendwie Wächter? Wir wachen über unser Leben – jeder über sein Leben. Vielleicht müssten wir besser sagen: Wir sorgen uns. Wo ist die Schnittstelle zwischen Wächter sein und sich sorgen? Neben dem täglichen Sorgen ist uns von der Bibel her das Amt des Wächters aufgetragen, zu unserem eigenen Segen und Nutzen. Es ist doch so: Wo Menschen über das eigene Wohlergehen und das der Mitmenschen ein offenes Auge haben und sich engagieren, dort lässt sich anbahnendes Unheil frühzeitig oder rechtzeitig erkennen und möglicherweise abwenden. Wie aber ist das mit unserem Glauben? Sprechen wir vom biblisch-prophetischen Wächter-Dienst, gemeint ist damit das “AT”, dann sprechen wir zuallererst vom besonderen Dienst, den JaHuWaH seinen Propheten und Prophetinnen auferlegt hatte. Dazu wussten sie ich berufen, dazu wurden sie berufen, nämlich Wächter des Glaubens zu sein. Wir müssen hier eine tiefgreifende Unterscheidung anbringen. Erstens, zwischen dem was JHWH und mit IHM das israelitisch-jüdische Volk, unter Glauben verstand und dem was die Religionen dieser Welt darunter verstehen. Zweitens, zwischen dem, worüber israelitisch-jüdische Wächter wachten und dem, worüber die Wächter der Religionen wachen. Zuerst einmal sei dies gesagt: Im biblischen Sinn (gemeint ist das “AT”) ist der Wächter des Glaubens nicht zu verwechseln mit einem Religions-Hüter, der über eine Theologie wacht, über irgendwelche Irrlehren oder Glaubensdogmen, die einer Religion heilig geworden sind. Der Religions-Hüter soll nämlich darüber wachen, dass sich alle Anhänger der jeweiligen Religion an diese Dogmen halten und sie unverändert befolgen, damit sie nicht in die Hölle kommen und – möglicherweise – damit die Führerschaft letztlich nicht ihr Ansehen und ihre Beschäftigung (Profit) verliert! Anders ist der Dienst des Shomers im Volke JHWHs.

Wie wir schon oft sagten, gab JHWH (sprich: JaHuWaH) den Israeliten die gesunden Regeln des Zusammenlebens, Gesetze und Ordnungen für das Leben, für das Zusammenleben. Beim Auszug aus Ägypten war diese Situation gegeben. Jeder von uns weiss, ohne diese Ordnungen ist kein befreites, gesundes und menschliches Zusammenleben möglich – auch heute nicht. In den letzten Gims haben wir über die unterschiedliche Bedeutung der Ordnungen JaHuWaHs gesprochen, über ihre Bedeutung für eine bestimmte, begrenzte Zeit, oder als bindende Ordnungen, die allezeit gelten müssen, weil sonst kein verantwortungsvolles menschliches Zusammenleben möglich ist – auch heute nicht. Viele Menschen dieser Welt leben diese Ordnungen mehr oder weniger, manche sogar weitgehend und vorbildlich. Das ist doch schon mal wunderbar und lässt in uns doch täglich Freude und Dank aufkommen. Sie sind sich aber nicht bewusst, dass sie von JHWH – über die Israeliten, bzw. die Juden – zu ihnen, in ihr Leben, gekommen sind.
Wie uns die Geschichte mehr als genug belegt, ist der Mensch beeinflussbar, zum Guten oder zum Bösen hin. Trotz seiner guten Absichten und Handlungen kann der Mensch schnell unberechenbar böse werden. Was dann folgt, kann uns sprachlos machen. Die Menschen der Bibel haben diese Tatsache frühzeitig erkannt. Der Mensch ist nach dem Bilde JHWHs geschaffen – sehr gut, denn er besitzt die Erkenntnis von gut und böse. D. h. der Mensch hat die Möglichkeit das Gute zu wollen, es immer wieder anzustreben und zu tun, eben, weil er im Bilde JHWHs geschaffen ist. Das meint die Bibel mit der Aussage: sehr gut. Diese Möglichkeit ist im Menschen hineingelegt, eben sehr gut. Da der Mensch aber – im Bilde JHWHs geschaffen – keine Marionette ist, und diese Erkenntnis besitzt, kann er sich dem Bilde JHWHs entziehen, d. h. das Zusammenleben mit JHWH verweigern, seine eigenen Wege gehen oder die anderer Menschen. Der Mensch aber braucht eine Führung, die über ihn hinausgeht. Ohne diese Regeln/Ordnungen ist auf die Dauer kein menschliches und gerechtes Zusammenleben, und kein Aufbau dieses Lebens, möglich. Wie gesagt: Beim Auszug aus Ägypten war diese Situation gegeben. Ein neues Leben eröffnete sich den Israeliten.

Über den Rat seines Schwiegervaters Jitro bekam Moshe eine fundamentale Weisung, aus der heraus sich der Wächterdienst der ProphetenInnen entwickelte und heute in einem gesegneten Mass unter vielen Völkern bereits wirksam ist und wird. Jitro, der seltsame Priester von (in) Midian sah, wie sich Moshe, sein Schwiegersohn, durch seinen Richterdienst völlig verausgabte, da gab er ihm den entscheidenden Rat: “Da sagte der Schwiegervater Jitro zu Moshe: Die Sache ist nicht gut, die du tust. Du reibst dich auf, sowohl du als auch dieses Volk, das bei dir ist. Die Aufgabe ist zu schwer für dich, du kannst sie nicht allein bewältigen. Höre nun auf meine Stimme, ich will dir raten, und JHWH wird mit dir sein: Vertritt du das Volk vor JHWH, und bringe du die Sachen vor JHWH. Belehre sie über die Ordnungen und Weisungen, und zeige ihnen den Weg, den sie gehen, und das Werk, das sie tun sollen. Du aber suche dir aus dem ganzen Volk tüchtige, JHWH-hörende Männer aus, zuverlässige Männer, die ungerechten Gewinn hassen, und setze sie über sie: Oberste von Tausend, Oberste von Hundert, Oberste von Fünfzig und Oberste von Zehn, damit sie dem Volk jederzeit Recht sprechen! Und es soll geschehen, dass sie jede grosse Sache vor dich bringen, jede kleine Sache aber selbst richten. Auf diese Weise entlaste dich, und sie mögen es mit dir tragen! Wenn du dies tust und JHWH es dir gebietet, dann wirst du bestehen können, und auch dieses ganze Volk wird in Frieden an seinen Ort kommen. Und Moshe hörte auf die Stimme seines Schwiegervaters und tat alles, was er gesagt hatte (2Mo 18,13-24).

Jitro, der Priester von Midian ist ein ganz spezieller Mann. Midian war der vierte Sohn Abrahams und seiner zweiten Frau Ketura. Seine Brüder waren Shimran, Jokshan, Medan, Jishbak und Shuach. Ismael war sein Halbbruder aus der Verbindung mit Hagar, Yitzchak (Isaak) war sein Halbbruder aus Abrahams erster Ehe mit Sara (vgl. 1Mo 25,2-4). Den Söhnen seiner Nebenfrauen gab Abraham Geschenke und schickte sie von seinem Sohn Yitzchak (Isaak) weg. Er wies ihnen das Land des Ostens zu (vgl. 1Mo 25,6). JHWH war Jitro jedenfalls nicht unbekannt. Darum konnte er sagen: Höre nun auf meine Stimme, ich will dir raten, und JHWH wird mit dir sein. Und, was uns sehr erstaunt, ist folgende Tatsache: “Und Moshe hörte auf die Stimme seines Schwiegervaters und tat alles, was er gesagt hatte”. Ja, das ist alles sehr erstaunlich. Damit ist ein Nachkomme Abrahams, der noch von seinen Glaubenswurzeln wusste, zum gewaltigen Träger des Segens für uns geworden, obwohl er Priester in einem heidnischen Milieu war. (Heute haben die Priester im heidnischen Milieu keine Ahnung mehr von JHWH ist)! Aus diesem Segen leben und profitieren wir heute unablässig.

Mit viel Dankbarkeit grüsse ich alle herzlich und wünsche allen einen entspannten und bereichernden Shabbat. Shalom!

Gregor Dalliard

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Neu: In unregelmässigen Abständen publiziere ich Lebensimpulse (Lims).