Aus der Gnade gefallen. Teil 31. Fünfter Teil meiner Antwort: Juden, vom Teufel gezeugt.

Glaubensimpuls 443

Seit Menschengedenken opfern Völker ihren Göttern, zusammen mit ihren Priestern, Menschen, Kriegsgefangene und Tiere. Ihren Schutz erkaufen, sich ihre Gunst sichern, das war den Menschen das Wichtigste im Leben, ist ja auch verständlich. Alles hing von den Göttern ab, auf Gedeih und Verderben, so glaubte man. Doch die Götter liessen sich nicht rühren, denn bald einmal folgten neue Leiden und Katastrophen. Also opferten sie ihr Bestes: ihre erstgeborenen Söhne, die noch in keiner sexuellen Beziehung standen und ihre schönsten Jungfrauen. Auch darauf reagierten die Götter nicht, denn bald einmal folgten weiter Leiden und Katastrophen.

Die Völker intensivierten im Laufe der Zeit ihre Gottesdienste. Ihre Treue zu ihren Gottheiten drückten sie mit immer wertvolleren Opfergaben aus. Sie brauchten den Schutz der Götter, davon waren sie überzeugt. Den wollten sie um jeden Preis haben. Ihre Existenz, ihr Glück und Wohlergehen, hing vom Ertrag der Schöpfung und vom Gelingen im Alltag ab. Das Gelingen wiederum hing von dem ab, was die Natur erbrachte. Ihr zentrales Anliegen: Die Bewahrung vor Katastrophen und Epidemien. Dafür aber, so glaubten sie, seien die vielen Götter zuständig. Das Handeln der Götter wiederum, hänge von der Art der Verehrung und der Anbetung ab, die ihnen entgegengebracht würde. Mit dem entsprechenden Opfer, drückten die Menschen ihre Wertschätzung aus. Entsprechend dieser Wertschätzung würden die Götter ihnen Zugang, und damit Schutz und Gelingen geben. Darum wollten sie – um jeden Preis – den Forderungen der Götter entsprechen.

Was die Götter nun forderten war der Göttersohn, der vom Himmel gezeugte und von der Königin geborene Sohn. In Wirklichkeit hatte der Ehemann der Königin, also der König, den Sohn gezeugt, aber man war überzeugt, dass er durch den hl. Geist, d.h. von einer Gottheit aus dem Himmel, gezeugt worden wäre. An dieser Glaubenstradition gab es in der Antike nichts zu rütteln.
Der Göttersohn, das war das Wertvollste, das die Religionsführer ihrer Gottheit opfern konnten. Wollte ein Volk weiter existieren, brauchte es den Kaiser oder den König. Er stand in der obersten Position eines Volkes. Er gab der Stadt, dem Land, dem Volk, den notwendigen Schutz. Und, was von aussergewöhnlicher Bedeutung war, ist das was wir bereits sagten: Sie galten als von einer Gottheit gezeugte Söhne – vom Himmel herab, in eine Königsfrau gezeugt. Darum wurden sie auch Gottessöhne genannt. Also vermochten sie, von ihrem Stand und ihrer Herkunft her, möglicherweise den Zorn der Götter-Väter besänftigen und damit Kriege, Epidemien, und Katastrophen jeder Art, vereiteln.

Welcher Gott-Vater, im Himmel, würde nicht weiche Knie bekommen, sich nicht umstimmen lassen, sich nicht besänftigen lassen, wenn das Volk ihm seinen, von ihm gezeugten, Sohn, als Ausdruck der totalen Unterwerfung, opfert? Was war das für eine ergreifende Liebe eines Volkes, so glaubte man? Ein Volk opfert seiner Gottheit den Königssohn? Ist nicht er es, der Königssohn, der dem Volk in Zukunft Schutz und Sicherheit garantiert? Ist er nicht dazu bestimmt? Was macht ein Volk ohne Königssohn, ohne diesen Schutz? Hat es noch eine Zukunft? Was ist mit seinem Schutz und seiner Sicherheit? Wie wir aus der Geschichte wissen, wurden die Götter auch dadurch nicht berührt. Im Gegenteil, sie forderten immer mehr, noch mehr. Die Praxis der menschlichen Blutopfer, zur Versöhnung der Götter und Gottheiten, brachte nichts als Ängste, Elend, Ausbeutung und Verzweiflung über die Völker, und das von Generationen zu Generationen.
Erst Abraham setzte diesem religiösen Terror definitiv den Anfang vom Ende. Er durchbrach diese fromme Finsternis aus der Beziehung mit JaHuWaH heraus. Im Vertrauen auf JaHuWaH wuchsen seine Nachkommen aus diesem Elend heraus. Jahrhunderte später freut sich der Psalmschreiber über diesen Segen, der ihm über den Glauben Abrahams zuteil geworden ist und bekennt: “Denn bei dir ist der Quell des Lebens; in deinem Licht sehen wir das Licht” (Ps 36,10). Dem können wir uns heute voll Dankbarkeit anschliessen, innerlich gestärkt und frei und uns des Lebens freuen.

Wir erkennen in der Erlösungslehre des Paulus die Ähnlichkeit oder Kopie der antiken heidnischen Erlösungslehren, die im ganzen römischen Reich, in irgendeiner dieser Formen, praktiziert worden sind. Mit diesen Erlösungslehren vermischte Paulus geschickt das messianische Element des jüdischen Glaubens. Wir können diese Tatsache nie genug betonen. Paulus will diese Vermischung als sein “Evangelium” den Juden mit allen Mitteln aufzwingen. Die Vermischung der heidnischen Traditionen mit dem messianischen Element aus dem jüdischen Glauben, machte dieses neue “Evangelium” für die Griechen äusserst attraktiv, vor allem innerhalb jener heidnischen Kreise, denen die Opferung des Königssohnes, von ihrer Tradition her, noch bekannt war.

Nochmals: Paulus will mit allen Mitteln den Juden diese heidnische Erlösungstradition, dieses Erlösungsverständnis, aufzwingen. Die Juden wehrten sich immer schon heftig gegen jeden Versuch der Assimilation. Die Vermischung ging immer, ohne Wenn und Aber, mit der Verleugnung des Grundbekenntnisses Shma Israel (“Höre, Israel”) einher und mit dem Rückfall in die griechisch-hellenistischen Erlösungslehren. Darum: “Höre, Israel, JaHuWaH ist unser Erlöser, JaHuWaH allein! Und du sollst JaHuWaH, deinen Erlöser, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deiner ganzen Kraft. Und diese Worte, die ich dir heute gebiete, sollen in deinem Herzen sein. Und du sollst sie deinen Kindern einschärfen, und du sollst davon reden, wenn du in deinem Hause sitzt und wenn du auf dem Weg gehst, wenn du dich hinlegst und wenn du aufstehst. Und du sollst sie als Zeichen auf deine Hand binden, und sie sollen als Merkzeichen zwischen deinen Augen sein, und du sollst sie auf die Pfosten deines Hauses und an deine Tore schreiben” (5Mo 6,4-9).
Juden haben dieses Bekenntnis unter den allerschlimmsten Umständen weitergetragen. Wie eine Leuchte haben sie das Shma Israel (Höre Israel) in dieser Welt hochgehalten. JaHuWaH hat sie zu diesem Zweck erwählt: “..ja, er spricht: Es ist zu wenig, dass du mein Knecht (mein Messias) bist, um die Stämme Jakobs aufzurichten und die Bewahrten Israels zurückzubringen. So mache ich dich auch zum Licht (Messias) der Nationen, dass mein Heil reiche bis an die Enden der Erde” (Jes 49,6). Sie waren sich dieser Sendung und Verantwortung immer bewusst geblieben. Sollten sie dieses Licht, durch Anpassung an die christliche, paulinische Theologie, erlöschen lassen, würden die Völker zurückfallen in die schlimmsten Gräuel der frommen Finsternisse und nie mehr daraus herausfinden. Dank der beharrlichen Treue eines Überrestes, durch jedes Jahrhundert hindurch, von einem Jahrhundert zum nächsten, usw. usf., und das über viele Jahrhunderte hindurch, wurde es der frommen Finsternis verunmöglicht, wieder die totale Oberhand in dieser Welt zu gewinnen. Und wenn Juden versagten, und alles am Boden zerstört schien, erzeugte die bleibende Zusage neues Leben in ihrer Mitte: “Freue dich nicht über mich, meine Feindin! Denn bin ich gefallen, stehe ich wieder auf; wenn ich auch in Finsternis sitze, ist JaHuWaH doch mein Licht” (Mi 7,8). Heute durchdringt dieses Licht, dieses Vertrauen, immer mehr Menschen: “So spricht JaHuWaH, der König Israels und sein Erlöser, der JaHuWaH der Heerscharen: Ich bin der Erste und bin der Letzte, und ausser mir gibt es keinen Erlöser” (Jes 44,6).

Allen wünsche ich den Frieden im Herzen und einen gesegneten Shabbat. Shalom!

Gregor Dalliard

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