Aus dem Glauben des Jahushua von Nazareth. Teil 2

Glaubensimpuls 478

Jahushua sagte also: “Alles nun, was sie (die Pharisäer) euch sagen, tut und haltet.." (Mt 23,3a). Die Schriftgelehrten waren Pharisäer. Viele Pharisäer waren Schriftgelehrte, wer denn sonst? Sie führten das gläubige Volk in die Schätze des geoffenbarten Wortes hinein. Wie wir bereits sagten, gab es – und gibt es – verschiedene Schulen mit unterschiedlichen Auslegungen. Sie konnten und können voneinander abweichen, nicht aber in der grundsätzlichsten aller Fragen des Glauben, dem Vertrauen auf den EINZIG EINEN JHWH und der Beziehung zu IHM. Es gibt das orthodoxe Judentum, das Reformjudentum, das konservative Judentum und etliche andere Strömungen. Diese unterschiedlichen Prägungen innerhalb des Judentums gab es schon lange vor der Zeit des Jahushua von Nazareth. Es wäre Jahushua nie in den Sinn gekommen alle Pharisäer und Schriftgelehrten – samt und sonders – als Heuchler, als Schlangen und Otternbrut in die Hölle zu verdammen: “Schlangen! Otternbrut! Wie solltet ihr dem Gericht der Hölle entfliehen?” (Mt 23,33), und sie laufend mit den übelsten Beschimpfungen zu bewerfen – von morgens bis abends – wie uns das die christlichen Evangelien weismachen wollen. Das ist der paulinische antijüdische (antisemitische) Geist, der hier in den Evangelien weiter grassierte bis er, gezielt und definitiv zum Wesen der christlichen Kirchen und Gemeinschaften entfaltet worden war, der schliesslich über unsägliche Pogrome und Leidenswege zum Holocaust führte – und darüber hinaus. Erst Jahrzehnte nach dem Tod des Jahushua von Nazareth sind die Evangelien entstanden. Ihnen voraus gingen ja die Briefe des Paulus. Wie wir immer wieder betonen müssen, täuschen die Christenführer – seit bald 2000 Jahren – ihre Anhänger geschickt mit ihren “Evangelien”, indem sie Ereignisse, die im Leben jener Tage unter den Juden Gang und Gäbe waren mit dem heidnisch-mythologischen Gedankengut jener Tage vermischen. Das war nie der Glaube des Jahushua von Nazareth.

Eine weitere markante und folgenschwere Umdeutung finden wir in Mt 23,10: “Lasst euch auch nicht Lehrer nennen; denn einer ist euer Lehrer, der Christus." Achten wir auf zwei Merkmale: Als dieser Text geschrieben worden war, wurde der Jahushua von Nazareth von den Griechen bereits als wahrer Mensch und wahrer Gott angebetet. Das ist das eine. Das andere war Folgendes: Der Bischof von Rom sah sich bereits als der angebliche Stellvertreter Christi auf Erden, der allein das Sagen hatte, der von den Getauften allein als Lehrer gehört werden musste. Nun zum Ersten: Was folgt logischerweise daraus? Für die Getauften, also für Christen, vor allem aus dem jüdischen Hintergrund, war damit klar gesagt: Die Lehrer aus dem Judentum haben euch rein gar nichts mehr zu sagen, hört nicht mehr auf sie, tut nicht mehr das, was sie euch gelehrt und befohlen haben, folgt nicht mehr den Schriften der Thora und der Propheten.
Zudem war das eine klare Ansage an alle Pharisäer und Schriftgelehrten: Euch, allen Juden, wird hiermit ein für allemal deutlich und unmissverständlich klargemacht, dass euer Lehrdienst von der Gottheit Jesu Christi – und damit von Gott persönlich – endgültig verworfen worden ist. Diese Worte werden Jahushua, als dem Gott Jesus Christus in den Mund gelegt: “Lasst euch auch nicht Lehrer nennen; denn einer ist euer Lehrer, der Christus.” Niemals hätte der Jude Jahushua von Nazareth sich über alle anderen Pharisäer und Schriftgelehrten gesetzt und von ihnen allen verlangt, dass sie ihn als den einzigen Lehrer Israels anerkennen müssten, weil das bei JaHuWaH beschlossene Sache sei. Kein Prophet sprach jemals von einer Gottheit Jesus Christus, die kommen würde und an die Stelle des Abba JaHuWaH etwas völlig Neues lehren würde, wie etwa die Erlösung durch Menschenblut. Ein schrecklicher Missbrauch, eine Schändung des JaHuWaH, eine Schändung des Jahushua und seines Glaubens. Wie gesagt, ein solcher Ausspruch wurde später dem zur Gottheit gemachten Jahushua in den Mund gelegt.
Der Bischof von Rom sah sich als der angebliche Stellvertreter Christi auf Erden befugt zu sagen, dass er der einzig wahre Lehrer auf Erden sei. Es könne keine Beziehung zu JaHuWaH geben und kein ewiges Leben, wenn sich jemand nicht bedingungslos seiner Lehre unterwerfen würde. Daraus hat sich die unfehlbare Lehrautorität des jeweiligen Papstes entwickelt, die im Dogma von 1870 Unantastbarkeit erlangte. Es besagt: der Papst ist „Lehrer aller Christen“. Er entscheidet in Glaubens- oder Sittenfragen (ex cathedra). Wenn er das tut, dann darf kein Getaufter mehr über das Thema diskutieren oder es in Frage stellen – nicht einmal im Schlaf. Die Entscheidung des obersten und einzigen Lehrers gilt endgültig und zwar für alle zukünftigen Zeiten. Der direkte Gang in die Hölle wäre dann für einen Getauften der einzige noch gangbare Weg, der ihm offen bliebe, wenn er sich einer solchen Entscheidung nicht bedingungslos unterwerfen würde. Das ist unter vielen anderen Dogmen ein Dogma das vom Vatikan bis zu dieser Stunde strengstens gehütet und gepflegt wird. Es hat bis zu dieser Stunde nichts von seiner Gültigkeit verloren. Jeder Getaufte ist daran gebunden. Denn wenn der Papst, kraft seines Amtes (d. h. ex cathedra) entscheidet, dann hat aus seinem Munde der einzig wahre Lehrer, die Gottheit Jesu Christi, gesprochen (vgl. Mt 23,10).

Und zudem, niemals hätte sich Jahushua mit dem Namen “Christos” (griechisch) oder Christus (lateinisch) bezeichnen lassen. Erst in den späteren Jahrhunderten entstanden diese Namensbezeichnungen, als aus dem Jahushua eine griechische Gottheit gemacht worden war. Damit sollte die neue Gottheit nichts mehr mit dem Juden Jahushua von Nazareth gemein haben – und mit JHWH nur noch zum Schein – als Mittel zum Zweck.
“Alles nun, was sie (die Pharisäer) euch sagen, tut und haltet..” (Mt 23,3a). Nun ja, wenn Jahushua von Nazareth seinen Schülern gebietet alles zu tun und zu halten was die Pharisäer lehren, wie sieht das mit der Anbetung des JHWH bei den Christen von heute aus? Eine entscheidende Frage, die aber alles erklärt! Das nächste Thema! Bleiben wir gewissenhaft aber mit grosser Dankbarkeit und Freude bei der Quelle des Lebens.

“Vertraue auf JaHuWaH und tue Gutes; wohne im Land und hüte Treue; und habe deine Lust an JaHuWaH, so wird er dir geben, was dein Herz begehrt. Befiehl JaHuWaH deinen Weg und vertraue auf ihn, so wird er handeln und wird deine Gerechtigkeit aufgehen lassen wie das Licht und dein Recht wie den Mittag. Sei still in JaHuWaH und harre auf ihn! Entrüste dich nicht über den, dessen Weg gelingt, über den Mann, der böse Pläne ausführt!” (Ps 37,3-7).

Einen gesegneten und friedvollen Shabbat wünsche ich allen von Herzen. Shalom und liebe Grüsse

Gregor Dalliard

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