Aus dem Glauben des Jahushua von Nazareth. Teil 1

Glaubensimpuls 477

Wir nehmen unsere Verantwortung wahr! Über den Glauben des Jahushua von Nazareth haben wir uns in den letzten Jahren immer wieder intensiv auseinandergesetzt. Das war nicht immer einfach. Es ist gerade so wie bei der Besteigung des Matterhorns. Die ersten Etappen des Aufstiegs können recht mühsam sein, doch je näher sich jemand dem Ziel nähert desto intensiver wird er mit neuen Kräften beflügelt und die letzten Etappen werden mit einer ungeahnten Freude bewältigt. Ja, warum befassen wir uns denn so intensiv mit dem Glauben den Jahushua von Nazareth lebte? Wir kommen fast ausnahmslos alle aus einem christlichen Hintergrund. Das Christentum behauptet von sich im Glauben und in der Lehre des Jahushua von Nazareth zu leben. Dieser Glaubenshintergrund vermittelt den Christen die Vorstellung, dass der Jude Jahushua von Nazareth eine Mensch gewordene Gottheit war und durch die angebliche Auferstehung zu dem Jesus Christus gemacht worden sei, zu der zweiten Gottheit (2. Gott-Person) innerhalb der christlichen Lehre. Er sei damit der Begründer des Christentums.

Ein engagierter Christ wird diese Lehre wohl kaum jemals von sich aus in Frage stellen. Das wäre für ihn ein Sakrileg, einfach undenkbar. Das wäre für ihn ein Missbrauch, ein Angriff auf sein Allerheiligstes und die geweihten Personen, eine Blasphemie, eine Gotteslästerung, im Sinne von Moslems, wenn Mohammed in Frage gestellt wird. Wer von uns sollte dieses Verhalten nicht verstehen können, ist es manchem von uns doch ähnlich ergangen. Im Leben des Juden Jahushua von Nazareth (Jahushua BarJosef) stand aber der TaNaCH (“AT”) einwandfrei im Mittelpunkt. Daraus formte er seinen Glauben, seine Beziehung zu JaHuWaH. Er richtete sein Leben entsprechend aus. In diesem Glauben wurde er von den Römern exekutiert. Wie gesagt, dieser Tatsache wollen sich Christen im Allgemeinen nicht stellen. Ängstlich, kategorisch und hartnäckig stellen sie sich dagegen. Es sind wenige, die sich diesem Faktum ehrlich und redlich stellen und längst fällige Schritte folgen lassen. Die Angst vor den Konsequenzen innerhalb der engagierten christlichen Kreise sitzt tief. Nun, über all das habe ich in früheren Gims viel geschrieben.

Was fasziniert uns an Jahushua von Nazareth denn so sehr? Es ist einerseits sein uneingeschränktes Bekenntnis zur Thora, andererseits seine fortschrittliche Auslegung der Thora, die er – jüdischen Traditionen gemäss – in Gleichnisreden zu vermitteln verstand. Seine Auslegungsweise schien dem TaNaCH (“AT”) gelegentlich zu widersprechen, so war es aber nicht. Er vermochte den TaNaCH dem Leben und den Bedürfnissen seiner Zeit entsprechend auszulegen. Darum entsprach seine Auslegung nicht in allem der seiner pharisäischen Mitbrüder. Das war aber unter den Schriftgelehrten immer schon so. Niemals aber hätte oder hat Jahushua von Nazareth die umfassende unausschöpfbare Lebensfülle des “TaNaCH” verlassen oder verworfen, oder jemals seine pharisäischen Mitgelehrten verworfen. Seine Gesinnung entsprach der seines früheren jüdischen Lehrers Rabbi Hillel.

Was aber führte zu der folgenschweren Trennung zwischen den Juden und den Anhängern Jahushuas, die aus der griechischen Umwelt kamen, und später Christen genannt wurden? Während Jahushua von Nazareth für die meisten Juden ein eifriger und hingebungsvoller Thora-treuer Rabbi, Pharisäer und Schriftgelehrter war und es in seinem kurzen Leben auch immer geblieben war, d. h. auf dem Boden des jüdischen Glaubens, wurde er später von seinen griechischen Anhängern aus dem Judentum herausgerissen und zu einer griechischen Gottheit entwickelt, zur Gottheit Jesus Christus. Das aber taten seine jüdischen Anhängern nicht. Viele Juden hielten Jahushua anfänglich für den jüdischen Messias, niemals aber für eine Gottheit, als wahrer Mensch und wahrer Gott, wie das die griechischen Anhänger taten.
Als er aber von den Römern hingerichtet worden war, erkannten seine jüdischen Anhänger, dass er nicht der Messias sein konnte, denn aus den Schriften der Thora und der Propheten geht klar hervor, dass der Messias, wenn er einmal gekommen ist, nicht wieder sterben kann, d. h., wenn das Messianische Reich einmal angebrochen ist, dann kann es nicht wieder untergehen. Das ist die zentralste Lehre der Propheten.
Die frühchristlichen griechischen Theologen hatten aus ihm nicht nur eine Gottheit gemacht, sie interpretierten seine Gleichnisreden systematisch um, und fügten später ihre antijüdischen Deutungen hinzu, die sie dem Jahushua von Nazareth, als der Gottheit Jesus Christus, in den Mund legten. Damit entstanden völlig neue Situationen und Geschichten, die dem jüdisch-prophetischen Denken widersprechen und grundsätzlich entgegengesetzt sind. Wir finden sie in den Paulusbriefen, aber auch in den späteren Evangelien und Schriften des “Neuen Testamentes”.

Wir wollen uns heute eines solchen Ausschnittes annehmen: Mt 23, 1-12. Aus Platzgründen belasse ich es mit der Angabe der Bibelstelle. In diesem Abschnitt begegnen wir einer durchaus heftigen innerjüdischen Auseinandersetzung. Für Jahushua wäre dieses Problem aber niemals ein Grund gewesen, sich von seinem jüdischen Glauben und seinen jüdischen Brüdern zu trennen und eine “christliche” Kirche zu gründen – sich von der Thora und den Juden abzusetzen. Im Gegenteil, gerade weil ihm der jüdische Glaube, die jüdische Beziehung zu dem El Eljon, dem Elohim, dem höchsten “Gott”, dessen Name JaHuWaH ist, ein und alles in seinem Leben bedeutete, versuchte er jene Mitbrüder, jene Pharisäer, deren praktisches Leben nicht immer mit der Lehre der Thora übereinstimmte und die in Gefahr standen den rechten Umgang mit der Thora im praktischen Alltag zu verlieren, zur Vernunft zu bringen. Solche harte, aber notwendige Ermahnungen, waren im innerjüdischen Alltagsleben nichts Ungewöhnliches.
Die griechischen Deuter aber nutzten solche Auseinandersetzungen als Beweis für die JHWH-losigkeit und Verlogenheit aller Pharisäer und Schriftgelehrter. Darum lesen wir im “NT” immer wieder: die Pharisäer. Das ist ein schändlicher Missbrauch der Fakten. Das “NT” ist voll davon. Seht mal her, so sind sie, die Pharisäer. Die Christen schlucken und verteidigen diesen Rufmord bis zu dieser Stunde, ohne sich jemals nur im geringsten ihrer Verantwortung über die Folgen dieser schrecklichen Verirrung/Theologie bewusst zu werden. Schon allein die Aussage in Vers 3a, beweist, dass den meisten Pharisäern – und so auch Jahushua – die Thora als absolut unantastbare Grundweisung des Glaubens galt, die aber allezeit aus den zeitbedingten Zusammenhängen heraus ausgelegt werden musste – und muss: “Alles nun, was sie (die Pharisäer) euch sagen, tut und haltet.." Wenn die Pharisäer alle doch so falsch lagen, wie das die späteren griechischen Deuter, die christlichen Deuter, ihrem Jesus in den Mund legen und die Christen entsprechend lehren, wie nur hätte dann Jahushua seinem Schülerkreis auftragen können alles was die Pharisäer lehren zu tun und zu halten? Wie kommt es, dass sich die Christen bis heute weigern dem Befehl und dem Auftrag des Jahushua von Nazareth nachzukommen? Sie weigern sich kategorisch Jahushua Folge zu leisten. Sie widerstehen ihm rundum: “Alles nun, was sie (die Pharisäer) euch sagen, tut und haltet..”? Hier werden wir zur Verantwortung gezogen, denn: “Er verkündete Ja’akov (dt: Jakob) sein Wort, Israel seine Ordnungen und seine Rechtsbestimmungen. So handelte er an keiner Nation” Ps 147, 19-20). Allen wünsche ich eine besinnliche Shabbatzeit. Shalom und herzliche Grüsse

Gregor Dalliard

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