„Ist denn das Gesetz gegen die Verheissungen Jahwehs? Das ist ausgeschlossen“ (Gal 3,21a-b).

Glaubensimpuls 133

Dieser Teil aus Gal 3,21a muss wie alle Kommentare zur Bibel (Bundesschriften = BuS, AT), in einem grösseren Kontext verstanden werden. Das NT, das wir als die Bekenntnisschriften (BeS) verstehen, darf ja nie losgelöst von der Thora verstanden und ausgelegt werden, wollen wir dem bleibenden Wort und Werk Jahwehs, der Propheten, Jahshuas und der Apostel gerecht bleiben. Das soll mehr und mehr unser respektvolles Bemühen bleiben.

So soll auch der zitierte Versteil aus Gal 3,21a nur im Lichte der Thora ausgelegt werden. Wir können nie genug auf die Übersetzungsfehler oder -ungenauigkeiten, aufmerksam machen wenn das Wort „Gesetz“ in den BeS = NT erscheint. Vor allem in den BeS = NT ist dies der Fall. Die BeS wurden uns in griechischer Sprache übermittelt. Jahshua und die Apostel aber sprachen und schrieben nie in Griechisch.

Die griechische Sprache war die Sprache der Heiden. Sie hätten die heiligen Dinge und Namen durch Übersetzungen in die Hochsprache der Götzendiener, die sich alles erlaubten, verunreinigt und entwürdigt. Sie hätten sich selbst verunreinigt. Darum wäre es keinem verantwortungsbewussten Eiferer für Jahwehs Wort und Werk jemals in den Sinn gekommen die heiligsten Dinge und Namen in der Fremdsprache der damaligen Welt auszudrücken. Die Gefahr vor einem Fehler und dessen Folgen war zu gross. Jahshua und die Apostel waren wie die Propheten und gerechten Israeliten und Juden Eiferer für die Sache Jahwehs, immer auf dem Fundament der unverdient geschenkten Sohnschaft.

Anders war das bei den griechisch gebildeten Menschen. Es gab die unterschiedlichsten Denkrichtungen, doch waren sie alle von ihren dramatischen Götterwelten durchdrungen, die nach immer neuen Götterdarbietungen lechzten. Darum begegnen wir in den sogenannten neutestamentlichen Texten, die aus dem Griechischen in die vielen modernen Sprachen übersetzt worden sind, laufend grossen Widersprüchen zu den Inhalten der Thora und der Propheten.

Diese Widersprüche führten ganze Völker in eine falsche, jahwehlose und antijüdische Gesellschaft. Unsägliches Leid ist dadurch an der Menschheit geschehen, vor allem an den Juden. Oft sind Aussagen zusammenhanglos übermittelt. Denken wir nur an den schrecklichen Missbrauch der vielen aramäisch-hebräischen Namen bis hin zum Namen des himmlischen Vaters. Jeder Name sagt in der israelitisch-jüdischen Sprache etwas Genaues und Zusammenhängendes aus. Wird der Name verstümmelt sind wir eines tiefen biblischen Zusammenhanges beraubt und werden vom Fluch der Unwissenheit geschlagen. Das wird ein eigenes Thema wert sein! Ich bin gespannt!

So ist auch der Vers in Gal 3,21a nur in einem grösseren Kontext verständlich und zwar aus dem Kontext der aramäisch-hebräischen Thora. Gerne spricht man von dem griechischen „Urtext“ der Bibel. Doch weder die Bibel, die Thora, noch die Propheten, Jahshua, die gerechten Juden und Apostel kennen einen griechischen Urtext. Es gab und gibt keine griechische Thora und keine griechischen Schriften der Propheten die als Urtext bezeichnet werden dürfen. Es sind Übersetzungen, die später entstanden sind und die mit dem aramäisch-hebräischen Urtext oft im Widerspruch liegen. Dies gilt vor allem für die Zeugnis-Berichte, die uns als sogenannte Evangelien in den BeS = NT überliefert sind.

Die griechischen Schreiber der BeS = NT, waren keine israelitisch-jüdischen Denker. Sie kannten Jahweh und sein Wort, die Thora, schlecht oder nicht. Sie waren neben der griechischen Denkweise auch noch von der einflussreichen und hoch stehenden orientalisch-römischen Sonnenreligion geformt und von einem starken Antijudaismus geprägt. Die meisten Begriffe der Thora waren ihnen fremd.

Sie haben sie meistens ihrem heidnischen Denken und Empfinden gemäss übersetzt. Wegen ihres Antijudaismus haben sie vieles willkürlich ins Gegenteil verkehrt. Dies beweist die Übersetzung von einer ganzen Reihe von Ausdrücken und Zusammenhängen in der Thora, die ganz einfach und wie selbstverständlich mit dem griechischen Wort „nomos“, was Gesetz heisst, überliefert wurden.

So wissen wir in den BeS = NT nie genau was gemeint ist, wenn wir das Wort „Gesetz“ lesen. Es wird sehr willkürlich benutzt. Es wird nicht unterschieden was das israelitisch-jüdische Denken gerade ausdrücken will. Sind damit nur die guten Werke gemeint, die der Gnade folgen müssen? Ist die reine Werkgerechtigkeit gemeint, also die Erfüllung der Werke, welche die Thora zwar vorgibt, aber ohne dass der Einzelne eine persönliche Beziehung zu Jahweh pflegt? Sind Menschengebote gemeint, vermischt mit der Thora? Geht es um das Gesetz der Sünde, der Trennung von Jahweh? Geht es um Gericht als Folge des Ungehorsams Jahweh gegenüber? Ist das Zeremonialgesetz (Priester- und Opferkult) gemeint oder die Weisungen Jahwehs zum Leben?

Was ist mit den gerechtfertigten treuen Juden? Sie werden mit den ungehorsamen Juden unter Gesetz gestellt? Wird ganz allgemein die Thora als das Gesetz bezeichnet? Wir könnten die Fragen fortsetzen.

Aus dem Kontext der vielen zusammenhanglosen und widersprüchlichen Aussagen in den BeS = NT zur Thora und den Propheten, meinen die griechisch geprägten Übersetzer, dass mit Gesetz ganz allgemein die Thora und die Juden gemeint sind. So lehren es durchwegs die christlichen Kirchen und Gemeinschaften. Jahshua, so meinen und lehren sie, hat die Thora als Gesetz samt und sonder verworfen. An uns ist es jetzt, so lehren die Kirchen, das Gesetz, die Thora, die angeblich keine Gnade kennt, weil es sie in den BuS = AT angeblich nicht gibt und nicht geben darf, zu überwinden.

Ebenso sollen wir, gemäss Kirchen und christlichen Gemeinschaften, die gerechtfertigten und treuen Juden seit zweitausend Jahren ablehnen und überwinden lernen! Die Folgen dieser gewaltigen Irrtümer sind erschreckend und ein Ende ist nicht abzusehen! Es scheint kaum möglich zu sein fromme Opfer der Kirchenväter von diesem Teufelspuck zu überzeugen, so tief sitzt diese Blindheit.

Wären sich die Kirchen, Freikirchen und christlichen Gemeinschaften ihrer frommen Geisteshaltung bewusst mit der sie täglich die Verhöhnung Jahwehs, der Propheten, Jahshuas und der Apostel vorantreiben, sie würden vor Fassungslosigkeit erstarren. Aber was nicht sein darf, darf nicht sein. So denken und argumentieren sie, obwohl viele von ihnen um diesen Teufelspuck wissen. Der Preis ist ihnen schlichtweg zu hoch!

Der oben zitierte Vers müsste darum korrekt lauten: Sind den die Zeremonialgesetze oder die reine Erfüllung von religiösen Werken (Werkgerechtigkeit) ohne Beziehung zu Jahweh gegen die Verheissungen Jahwehs“. D.h. vermag ein solches Verhalten die Verheissungen Jahwehs aufzuheben, zu ersetzen? „Das ist ausgeschlossen“ (Gal 3,21b). Im gleichen Vers fragt Shaul: „Denn wenn ein Gesetz gegeben worden wäre, das lebendig machen könnte, dann wäre wirklich die Gerechtigkeit aus Gesetz“ (Gal 3,21c). Nun meint der gängige Bibelleser mit Gesetz die BuS = AT. Wie im oben zitierten ersten Teil (Vers 21a-b) ist auch hier im zweiten Teil nicht klar übersetzt, ob es sich bei dem Ausdruck „Gesetz“ um die bleibenden guten Werke als Weisungen Jahwehs handelt wie z.B. die Jahweh- und Nächstenliebe, die Forderung nicht zu morden u.a.m. oder um die Erfüllung von diesen Werken, aber ohne eine persönliche Beziehung zu Jahweh zu haben oder um das Zeremonialgesetz? Der griechisch geprägte Christ folgert demnach, dass es aus der BuS = AT keine Rechtfertigung vor Jahweh geben kann.

Shaul aber spricht von der angeblichen Rechtfertigung durch irgend ein gutes Werk oder ein Menschengebot oder ein Zeremonialgesetz, das ohne persönliche Beziehung zu Jahweh und ohne Beachtung seiner Weisungen in der Thora anscheinend Rettung bewirken kann. Dass heisst unmissverständlich, dass kein Werk um seiner selbst willen oder der Vollzug eines Rituals, einer Liturgie, das Leben aus Jahweh und mit Jahweh, bewirken kann. Das wäre die reinste Zauberei! Die Sakramente der Kirche, die nach den Lehrdogmen der Kirche durch den Vollzug der Amtsperson automatisch das Heil wirken, sind nichts anderes als heidnischer Zauber, eine Verdummung der Mitglieder!

Ja, wenn dem so wäre, dann würde unsere Beziehung zu Jahweh, unser Leben aus Jahweh, ohne die Gnade, ohne die Erwählung und Berufung Jahwehs erfolgen. Ja dann müssten wir nur religiöse Regeln beachten und erfüllen und wir hätten das Leben aus Jahweh selbst erwirkt. Die Sohnschaft würde uns durch die Erfüllung religiöser Gesetze, Vorschriften, automatisch zufallen. „Denn wenn ein zu erfüllendes Werk (Gesetz) gegeben worden wäre, das lebendig machen könnte (die Beziehung zu Jahweh ersetzen könnte), dann wäre die Sohnschaft (Gerechtigkeit) durch Werke machbar“ (Gal 3,21c).

Nun sind wir äusserst dankbar, dass dem nicht so ist! Jahweh lässt keine Käuflichkeit des Heils, keine Machbarkeit des Heils, zu. All unser tägliches Schaffen und Wirken, Mühen und Schwitzen ist allein gehalten und getragen von der unverdienten Gnade der Sohnschaft, die aus dem Herzen Jahwehs kommt. Dafür sei er allezeit gepriesen.

Mit einem herzlichen Shalom und einem gesegneten Shabbat

Gregor Dalliard