„..ein Schild ist er allen,die sich bei ihm (Jahweh) bergen (Ps 18,31; 2Sam 22,31 u.a.m.)

Glaubensimpuls 61

Jede Generation kennt ihre speziellen und eigentümlichen Sorgen und Nöte, doch der Wunsch nach Geborgenheit ist in jeder Generation derselbe. Durch erbliche Veranlagungen, frühkindliche Erfahrungen und das soziale Umfeld  geprägt, neigen Menschen eher zu einer pessimistischen Lebenseinstellung als andere. So mancher hält sich täglich und auch nachts mit den Enttäuschungen seiner Vergangenheit auf. Er kommt bewusst oder unbewusst einfach nicht über diese Prägungen und damit über die vermeintlich verpassten Lebenschancen hinweg. Manche bleiben sehr tief im Gedächtnis verankert – einfach ist das nicht. Je älter ein solcher Mensch wird, desto mehr wird er von Unzufriedenheit, Sturheit, Rechthaberei, Bitterkeit und Rücksichtslosigkeit oder von einer totalen Resignation geprägt, geplagt und gejagt. Ein solches Leben erscheint wahrlich nicht als lebenswert.

Es ist nicht einfach mit Enttäuschungen fertig zu werden! Das weiss jeder von uns. Das menschliche Versagen bleibt ein fester Bestandteil unseres Lebens. Kein Mensch ist davon ausgenommen, aber wirklich keiner! „Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als erster einen Stein“ (Joh 8,7). Selbst unser Jahshua HaMashiach (Jesus der Christus), der von allen Propheten als Prophet und Gesalbter Jahwehs angekündigt war und sich selbst als Prophet bezeichnete und von den Aposteln als solcher verstanden war (vgl. 5Mo 18,15.18; Apg 3,22, Lk4,24 u.a.m.), bezeugt, dass ausser dem himmlischen Vater Jahweh, dem Heiligen Vater, niemand gut ist: „Niemand ist gut, als nur einer, Jahweh“ (Mk 10,18; 18,19). Auch er war in allem von der bergenden Gnade unseres himmlischen Vaters abhängig. Das bezeugen uns die prophetischen Aussagen in allen Bundesschriften (AT), das bezeugen uns die Bekenntnisschriften (NT).

Shaul bestätigt die Worte der Thora und der Propheten, indem er diese zitiert: „Vielmehr aber sei es so: Jahweh ist wahrhaftig, jeder Mensch aber ein Lügner“ (Röm 3,4; Ps 116,11; Jer 4,22; 5,21; 1Mo 6,12). Eine andere Übersetzung sagt es so: „Vielmehr soll Jahweh als wahrhaftig erwiesen werden, jeder Mensch aber als Lügner“. In Röm 3  schreibt Shaul über den Zustand eines jeden Menschen in den Augen Jahwehs. Als Wort und Vorlage diente ihm dabei Jahwehs Wort und Urteil in 1 Mo 6. In Röm 3 zitiert er beinahe in jedem seiner Aussprüche die Thora und die Propheten. Auffallend ist dabei, dass er auch hier mit keinem Satz von einer grundsätzlichen Sündenlosigkeit Jahshuas schreibt, was bei solchen Ausführungen unerlässlich wäre. Warum tut er das nicht? Weil der himmlische Vater weder durch Mose und die andern Propheten noch durch Jahshua von einer Sündenlosigkeit des kommenden Mashiach sprach. Viele Male aber ist bezeugt, dass Jahshua HaMashiach (Jesus der Christus, der Gesalbte) in allem den Willen des Vaters tun werde. Shaul hielt sich an die Offenbarung Jahwehs, die er durch die Propheten und Jahshua kundtat. Shaul wusste um die Abhängigkeit und helfende Geborgenheit Jahshuas von Jahweh.

Wenn Jahshua allerdings sagt: „Wer von euch überführt mich einer Sünde“(Joh 8,46), dann ist diese Aussage auf das Verhalten und den Umgang Jahshuas gegenüber dem Willen des himmlischen Vaters in der Thora und in den Propheten gemeint. Es ist sein ungetrübter Eifer und seine absolut hingebende Treue zu Jahweh und zu seinem Wort in der Thora und in den Propheten. Jahshua nahm als Pharisäer, Rabbi und Gesalbter (Mashiach, Christus) die Thora vollkommen ernst. Niemand konnte ihn hier einer Sünde überführen, obwohl einige ständig danach trachteten ihn einer Sünde überführen zu können. Denn allein darin fand er jene Geborgenheit, die nur der himmlische Vater bleibend geben kann.

Weil er sich so im Vater geborgen wusste, reagierte er äusserst scharf auf ultraorthodoxe Juden, nicht auf die orthodoxen Juden!, die die Thora und die Propheten zugunsten menschlich-religiöser Überlieferungen (Gesetz) ungültig machten sie aufhoben und so die ihnen Anvertrauten ausserhalb der Geborgenheit des Vaters festhielten (vgl. Mt 15). Ihre Lebenseinstellung und er Umgang mit Jahweh und den Mitmenschen bewies Jahshua, dass sie  keine Geborgenheit im Vater besassen und andere daran hinderten.

Trotz der Tragik des menschlichen Versagens ist es beruhigend zu wissen, dass kein Mensch aus sich selbst heraus gut ist und gerade Jahshua dies auch von sich behauptet. Das stellt natürlich unsere angelernte katholische, ersatztheologische Sicht, die als schwere Bibelkritik heute noch das religiöse Denken der meisten Freikirchen beherrscht, völlig auf den Kopf. Wie anders könnte Jahweh  in der Thora und in den Propheten  Jahshua  als einen aus den Brüdern bezeichnen, den die Zeugen in den Bekenntnisschriften (NT) als unseren Bruder bekennen, der uns in allem gleich ist. Shaul schreibt den Philippern: „.. indem er den Menschen gleich war“ (vgl. Phil 2,7). Fälschlicherweise wird dieser Vers aus dem prophetischen Kontext genommen und so zitiert: „..indem er den Menschen gleich wurde“, was den späteren hellenistisch-trinitarischen Einfluss bestätigt.

Wie Jahshua wollen wir uns bewusst und entschieden in allen Dingen bei unserem Abba Vater bergen. Wir haben nun die Rechte und die Hilfe wie alle gläubigen Juden. Shaul schreibt darum voll Freude, dass wir, die wir tot waren in unsere Jahwehlosigkeit, nun in das Jahwehleben – wie die gläubigen Juden – eingepfropft sind (vgl. Röm 11,16ff). Wir sind nun Miterben, Miteinverleibte und Mitteilhaber (vgl Eph 3,6, Röm 8,14-17). Darum: „Glücklich alle, die sich bei ihm bergen (Ps 12,2). Wie Jahshua beten wir: „Meine Hilfe und mein Retter bist du“ (Ps 40,18).

In dieser Gemeinschaft und Freude grüsse ich alle herzlich und wünsche allen einen gesegneten Shabbat.

Gregor Dalliard