„… freut euch mit mir, denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren (verschleppt) war“ (Lukas 15,6b)

Glaubensimpuls 15

Vor wenigen Tagen nahm ich an einem gemütlichen Treffen von Menschen teil, die äusserlich zur katholischen Kirche gehören, in ihrer Lebensweise aber mehrheitlich ihre eigenen Wege gehen. Wie durch „Zufall“ kamen wir auf Israel zu sprechen. Wer kennt den Namen Gilad Shalit nicht? Irgendwie kamen wir auf ihn zu sprechen. Als 19-jähriger wurde er 2006 an der Grenze zum Gaza-Streifen von Hamasbrigaden verschleppt. Nach 5 Jahren in palästinensischer Gewalt wurde Shalit am 18. Oktober 2011 von seinem Geiseldasein erlöst. Er durfte buchstäblich erlöst in seine Heimat zurückkehren.

Was ist aber das Aussergewöhnliche im Fall Shalit? Er wurde mit einem sehr hohen Preis aus seiner Pein freigekauft und das nicht „mit vergänglichen Dingen, mit Silber und Gold“ (1. Petr 1,18), also nicht mit Geld! Nein, Israel gab gleichsam sich selbst. Mit seinem Handeln löste Israel in aller Welt Staunen und Bewunderung aus, selbst bei vielen Aarabern. Denn es gab als Gegenleistung für Shalit 1022 Terroristen, die nach wie vor als potentielle Judenschlächter gelten. Dieses Ereignis ist bei Angehörigen von Opfern palästinensischer Terroristen verständlicherweise umstritten. Was mich aber überraschte, war die Haltung aller an der Diskussion Beteiligten: Bewunderung und Staunen über diese aussergewöhnliche Haltung der Juden! So etwas hat noch keiner der am Gespräch Beteiligten jemals gehört. Die Anwesenden, die durch den Einfluss der Medien Israel gegenüber eher feindlich eingestellt sind, hüllten sich tiefsinnig in Schweigen. Ich gab in die Runde hinein: „Wie sollte es für Juden in Israel anders sein. Die Juden sind geprägt vom Geist und dem Wesen Jahwehs, im Ernstfall selbst die säkularen Juden!“

Nun, die bleibende Erwählung, Treue und Bindung Jahwehs an sein Zwölfstämmevolk und dessen Nachkommen ist aussergewöhnlich, einzigartig und beispielhaft in der Menschheitsgeschichte. Die ganze Bibel spricht von dieser bleibenden Treue und Bindung Jahwehs mit den Seinigen und zwar zu jedem Einzelnen von ihnen. Er holt sie aus allen Himmelsrichtungen zurück. Er erlöst sie aus jeder Art von Verschleppung: „So spricht Jahweh der Heerscharen: Siehe, ich werde mein Volk retten aus dem Land des Aufgangs und aus dem Land des Untergangs der Sonne; und ich werde es zurückbringen, und sie werden mitten in Jerusalem wohnen. Und sie werden mein Volk und ich werde ihr Gott sein in Treue und in Gerechtigkeit“ (Sach 8,7-8).

Bedenken wir, selbst die Toten holt Jahweh aus dem Tode und aus den Gräbern zurück: „Und er sprach zu mir: Menschensohn, diese Gebeine, sie sind das ganze Haus Israel (Juda und Ephraim). Siehe, sie sagen: Unsere Gebeine sind vertrocknet, und unsere Hoffnung ist verloren; es ist aus mit uns. Darum weissage und sprich zu ihnen: So spricht Jahweh: Siehe, ich öffne eure Gräber und lasse euch aus euren Gräbern heraufkommen, als mein Volk und bringe euch ins Land Israel. Und ihr werdet erkennen, dass ich Jahweh bin, wenn ich eure Gräber öffne und euch aus euren Gräbern heraufkommen lasse, als mein Volk. Und ich gebe meinen Geist in euch, und werde euch in euer Land setzen. Und ihr werdet erkennen, dass ich, Jahweh, geredet und es getan habe, spricht Jahweh“ (Hes 37,11-12, vgl. Hebr 8,8ff; Jer 31,31-34).

Nicht einer aus dem Zwölfstämmevolk wird irgendwann und irgendwo zurückgelassen oder vergessen bleiben. Mag es kosten was es will! Jeder Einzelne wird zur Herde zurückgebracht werden. Warum wohl? Im Bündnis mit Abraham hat Gott Jahweh sich dazu verpflichtet. Er hat bei sich selbst geschworen: „Gedenket des Früheren, von der Urzeit her, dass ich Gott Jahweh bin. Es gibt keinen sonst, keinen Gott gleich mir, der ich von Anfang an den Ausgang verkünde und von alters her, was noch nicht geschehen ist – der ich spreche: Mein Ratschluss soll zustande kommen, und alles, was mir gefällt, führe ich aus…“ (Jes 46,9-10). Dieser Aussage geht folgender Ausspruch Jahwehs voraus, der die vollkommene Befreiung und Erlösung seines Zwölfstämmevolkes bezeugt: „Ja, jedes Knie wird sich vor mir beugen, jede Zunge mir schwören und sagen: Nur in Jahweh ist Gerechtigkeit und Stärke. Zu ihm wird man kommen, und es werden alle beschämt werden, die gegen ihn entbrannt waren. In Jahweh werden gerecht sein (zu ihrem Recht kommen) und sich rühmen alle Nachkommen Israels“ (Jes 45,23-25; Phil 2,10).

Jahshua selbst sagte darum: „Ich bin nur gesandt zu den verlorenen (verschleppten) Schafen des Hauses Israel“ (Mt 15,24). Der Befehl und Auftrag an seine Apostel und Jünger lautete: „…Geht aber vielmehr zu den verlorenen (verschleppten) Schafen des Hauses Israel“ (Mt 10,6). Zu den gottesfürchtigen Juden sagte er folgerichtig: „Und ich habe andere Schafe, die nicht von diesem Hof (Juden) sind, auch diese muss ich bringen“ (Joh 10,14). Es sind solche aus den verschleppten zehn Stämmen, die er bringen muss.

Um seine Sendung den Zuhörern verständlich zu machen, bringt Jahshua das Gleichnis vom verlorenen Schaf: „Welcher Mensch unter euch, der hundert Schafe hat und eins von ihnen verloren hat, lässt nicht die neunundneunzig in der Wüste und geht dem verlorenen nach, bis er es findet? Und wenn er es gefunden hat, so legt er es mit Freuden auf seine Schultern; und wenn er nach Hause kommt, ruft er die Freunde und Nachbarn zusammen und spricht zu ihnen: freut euch mit mir, denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren (verschleppt) war“ (Lk 15,4-7). Warum?: „Denn der Sohn des Menschen ist gekommen, das Verlorene (das vom Bösen Verschleppte) zu retten…“ (Mt 18,11). Deshalb sagte Jahshua zu den gottesfürchtigen Juden: „Ich bin nicht gekommen, Gerechte (gottesfürchtige Juden) zu rufen, sondern Sünder (Verschleppte) zur Busse (zurück ins Vatershaus) zu bringen“ (Lk 5,32). Mit „Sünder“ sind hier die total verheideten, götzendienerischen „verlorenen“ zehn Stämme gemeint.

Jahshua hatte vom himmlischen Vater Jahweh einen klaren Auftrag, eine klare Sendung und eine ebenso klare Zielsetzung empfangen. Alles setzte der Sohn daran, den Willen des Vaters zu erfüllen (Joh 4,34; 5,30, vgl. auch Jesajahtexte). Und so sagte er zu seinen Zuhörern: „Alles, was mir der Vater gibt, wird zu mir kommen, und wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstossen; denn ich bin vom Himmel herabgekommen (d.h. den Geist und die Autorität des Vaters vom Himmel empfangen), nicht dass ich meinen Willen tue, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat. Dies ist aber der Wille dessen, der mich gesandt hat, dass ich von allem, was er mir gegeben hat, nichts verliere…“ (Joh 6,37).

Alles bot Jahshua auf, um die Verschleppten aus den „verlorenen“ zehn Stämmen, die der Vater ihm zeigte und anvertraute zurück zur Familie des himmlischen Vaters bringen zu können. Er gab nicht auf bis in den Tod: „Ich bin der gute Hirte, der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe“ (Joh 10,11). Darum kann er sagen: „Grössere Liebe hat niemand als die, dass er sein Leben hingibt für seine Freunde“ (Joh 15,13). Was für eine Liebe hatte Jahshua für die „verschleppten“ Teilhaber des Bundes und der Verheissungen, die der Vater ihm als Erstlinge und als Brüder zugeordnet und verordnet hatte!

Die Liebe des Vaters geht aber noch weiter. Er will auch die Zweitlinge, Drittlinge etc. und alle Menschen über den Bundesschluss mit Abraham in seinen Segen bringen: „Und mit deinem Samen (Nachkommenschaft) werden sich segnen alle Völker der Erde, dafür, dass du meiner Stimme gehorcht hast“ (1. Mo 22,18). Wie sollte uns die Übereinstimmung der Apostel und Jünger auf der ersten Brüderversammlung im Jahre 49 in Jerusalem nicht zu Herzen gehen: „Als sie aber schwiegen, antwortete aber Jakob und sprach: Ihr Brüder, hört mich! Simon hat erzählt, wie Jahweh zuerst darauf gesehen hat, aus den (Israel-)Nationen ein Volk zu nehmen für seinen Namen. Und hiermit stimmen die Worte der Propheten überein, wie geschrieben steht: ‚Nach diesem will ich zurückkehren und wieder aufbauen die Hütte Davids, die verfallen ist und ihre Trümmer will ich wieder bauen und sie wieder aufrichten (Wiederherstellung aller Juden im Land Israel); damit die übrigen der Menschen Jahweh suchen (alle Heiden) und alle (Israel-)Nationen (die Restlichen aus den „verlorenen“ zehn Stämmen), über die mein Name angerufen ist, spricht Jahweh, der dies tut‘, was von jeher bekannt ist“ (Apg 15,13-17; vgl. Am 9,11-12). Also, wie Shaul bestätigt: „Jeder aber in seiner eigenen Ordnung (Abteilung, militärischer Ausdruck)…“ (1. Kor 15,23).

In der Fülle dieses trostreichen Evangeliums, wünsche ich allen Lesern Tage des Segens und der Zuversicht.

Gregor Dalliard