„..meine Feste sind diese“ (3Mo 23,2). Feste, Teil 1

Glaubensimpuls 53

In den nächsten Glaubensimpulsen (Gim) möchte ich etwas über die Feste Jahwehs schreiben. In diesem Gim gehe ich auf einige wichtige Voraussetzungen ein, die für den Umgang mit den Festen Jahwehs von Bedeutung sind. Mit einem kurzen Hinweis auf die Verbindung der Feste Jahwehs mit Menschen- und Tieropfern möchte ich zur Lösung einiger Missverständnisse beitragen.

Von den Festen Jahwehs ist uns vor allem in der Thora berichtet (3Mo 23). Nach der Ordnung unseres Schöpfers Jahweh, der Himmel und Erde geschaffen hat, ist der siebte Monat ein Monat der Fest- und Feiertage. Nach unserem päpstlichen heidnisch-christlichen Kalender fällt der siebte Monat Tischri auf die Monate September/Oktober.

Da wir uns alle auf die Bibel als Fundament und Hort unseres Glaubens berufen, wollen wir uns mit grosser Freude und tiefem Verantwotungsbewusstsein mit dem heilsamen Willen unseres Schöpfers Jahweh auseiandersetzen – auch was seine Feste betrifft. Den meisten Kirchenmenschen ist gar nicht bewusst, dass der Schöpfer uns Menschen Feste und Feiern mit auf den Weg gegeben hat und zwar zu unserem Besten. Das Aussergewöhnliche an diesen Festen sind die prallvollen zusammenhängenden heilsgeschichtlichen Inhalte, auch im wöchentlichen Shabbat. Das unterscheidet sie von allen heidnischen und christlich-heidnischen Festen. Sie sind eine wahre Augenweide, sowohl für den inneren als auch für den äusseren Menschen. Sie erquicken das moderne, geplagte Menschenherz.

Doch auch hier hat die Kirche Zerstörung und Verwüstung hinterlassen. Seit dem

  1. Jh. plagt sie die Menschen mit ihren eigenwilligsten und widersprüchlichsten Festtagen und Festzeiten, die sie geschickt mit etwas biblischen Beigaben vermittelt – bis auf den heutigen Tag! Nachapostolische Kirchenväter und das später aufkommende Papsttum im 4. Jh. liessen auch hier ihrem ungerechtfertigten abgrundtiefen Judenhass freien Lauf, nachdem sie sich mit der römischen Regentschaft arrangiert hatten. Dabei machten sie selbst vor Jahweh und seinem befreienden Wort nicht halt. Der für den Menschen so heilsame, hilfreiche und notwendige Festrhythmus unseres Schöpfers Jahweh, mit seinen tiefen heilsgeschichtlichen Inhalten und Zusammenhängen wurde kurzerhand entleert und ausser Kraft gesetzt.

Im Zuge der Loslösung schufen Kirchenväter und das aufkommende Papsttum erstens einen von Jahweh nirgends in der Schrift verordneten neuen Kanon und stellten diesen als bewusste Abgrenzung dem Tenach (Thora, Mose, Propheten und Schriften) gegenüber (näheres darüber s.“Redet die Wahrheit“, Nr 4 ). Nicht dass diese Schriften etwa bedeutungslos wären, das auf keinen Fall. Doch verstanden Jahshua, die Apostel, Evangelisten und Shaul ihre Worte, ihre Verkündigung und ihre Lehre, nur als Bestätigung dessen was im Tenach verheissen und gelehrt wird. Der Tenach allein galt für sie als das von Jahweh inspirierte Wort. Er allein war für sie massgebend und unantastbar (vgl Joh 7, 16b – 18; 2Tim 3, 14b – 4,5 u.a.m.). So hielten es auch die Mahshiachgläubigen (Christusgläubigen)  der ersten drei Jahrhunderte. Bis ins

  1. Jh. hinein hielten sich Mahshiachgläubige, unter schwersten Verfolgungen von seiten der Kirche, an dieses Verständnis von Kanon und an die Festordnungen Jahwehs.

Als Kanon (Richtschnur) werden die vom himmlischen Vater Jahweh verordneten profetischen, heilsgeschichtlich zusammenhängenden, Schriften bezeichnet. Es sind  Schriften, die neben Erfahrungen mit Jahweh und seinen Lebensweisungen vor allem das gesprochene Wort Jahwehs innerhalb der Heils- und Menschheitsgeschichte enthalten, das sich im Laufe der Geschichte erfüllt hat, sich erfüllt und sich erfüllen wird.

Zweitens bezeichneten sie in verwegener Weise den verbindlichen Tenach (Mose, Profeten und Schriften) samt und sonder als Gesetz (griech. nomos), was eine völlige Verzerrung und Entstellung des heilsamen Wortes Jahwehs im Tenach vermittelt. Es wurde nicht Unterschieden zwischen Tenach (AT) und Gesetz (Menschengebote und Tieropfergesetze).

Mit dieser Entwertung des Tenach entwickelten sie drittens die verwerfliche Lehre von der Bedeutungslosigkeit des Tenach (AT) für solche die den Glauben des Mahshsiach (Christus) haben. Thora, Profeten und Schriften seien für das neue Volk Jahwehs, das nun die Kirche darstelle, bedeutungslos und unverbindlich. Damit wurden auch die Feste Jahwehs geschändet und durch heidnische Feste ganz fromm ersetzt.

Darum nahmen sie viertens Sinnänderungen an den ursprünglich in aramäisch, bzw. hebräisch, geschriebenen Aufzeichnungen der Bekenntnisschriften (NT-Bruchstücke) vor. So bezeugen z.B. selbst griechische Abschriften den Shabbat als Auferstehungstag Jahshuas. Wie wurde der Auferstehungstag vom Shabbat auf den Sonntag verlegt? Es ging um die Anpassung an den Sonnenkult in Rom, der seit Kaiser Aurelian 27o n.u.Z. unter dem Namen sol invictus  (der Sonnengott als unbesiegbarer Erlöser) oder als Mithras von den östlichen Religionen übernommen  und zur offiziellen Staatsreligion geworden war? Er ist übrigens zum zentralen Kult (Eucharistie als Messopfer) und zum zentralen Kennzeichen der Anbetung in der katholischen und in andern Kirchen geworden. Die Sonnenscheibe, in Form der Hostie, die meistens in einem sonnengleichen kunstbestückten Gehäuses (M0nstranz = monstrare, zeigen) zur Anbetung ausgestellt wird (vor allem an Fronleichnam) stellt unter dem irreführenden Namen Jesus die Gegenwart dieses Sonnengottes als Erlöser dar. Im Heiligenschein bei heiliggesprochenen Katholiken ist diese vermeintliche Erlösergottheit ebenso allgegenwärtig gemacht wie in der Messe.

Jahweh hatte geboten sieben (Wochen)-Shabbate nach dem Grossen Shabbat an Pessach zu zählen und dann Shawuoth (Pfingsten) zu feiern (vgl. 3Mo 23, 15 – 16). Jahshua war am ersten (Wochen)-Shabbat dieser sieben Shabbate auferstanden, was die Texte bezeugen. Die Kirche hat aber die sieben Wochen kurzerhand zu sieben Tagen zusammengefasst, was dann einer Woche entspricht. Aus dem ersten Shabbat der sieben Shabbate machte sie den ersten Tag der Woche, den Sonntag. So ist also aus dem ersten Shabbat der sieben Shabbate der erste Tag (Sonntag) einer Woche gemacht worden und als Auferstehungstag des entjudaisierten Jahshuas dogmatisiert worden.

Für so manchen, der nach den Wurzeln unseres Glaubens sucht, ist es darum sehr schwer die notwendigen Konsequenzen zu ziehen. Unsere Fest- und Feiertage sind völlig vom Geist der Kirchenväter und der römischen Kaiser beherrscht. In dieser Kultur leben wir, sind wir gross geworden.  Sie steht aber diametral gegen den Geist unseres himmlischen Vaters, gegen den Geist Jahshuas, der Apostel und der treuen Zeugen der ersten Jahrhunderte.

Die grosse Kirchenmasse macht sich hierüber keine Gedanken. Diese Menschen sind ja, fast ausnahmslos alle, zwangsweise durch die Säuglingstaufe zu Kirchenmitgliedern gemacht worden. Darum freut man sich auf die allgemeinen Fest- und Feiertage als freie Tage, was ja auch verständlich ist. Was sollte daran denn verkehrt sein? – so denken die meisten von ihnen. Für die meisten dieser Kirchenmenschen ist es dennoch undenkbar den Sonntag nicht mehr als Auferstehungstag der kirchlich entwickelten zweiten Gottheit Jesu zu feiern, keine Weihnachten, keine Ostern, keine unbefleckte Empfängnis..

Die Wenigsten sind sich der Tragweite, der Folgen und des Schadens bewusst, den die Kirche durch die Zerstörung der Festordnungen Jahwehs der Menschheit angetan hat. Sie sind von der lebendigen Verbindung mit Jahweh abgeschnitten worden. Sie sind damit zu willkürlichen Sklaven eines kriegslüsternen und machtbesessen Kirchentums entwürdigt worden.

In 3Mo 23, 1-2 spricht Jahweh von seinen tiefsinnigen Festen. „Und Jahweh redete zu Mose: Rede zu den Söhnen Israel und sage zu ihnen: Die Feste Jahwehs, die ihr als heilige Versammlung ausrufen sollt, meine Feste sind diese..“ Dann werden in diesem Kapitel die Feste aufgezählt. Was manch Suchenden erschreckt ist die Verbindung dieser Feste mit den Tieropfern. Dazu sollten wir wissen, dass Jahweh nie Opfer gewünscht und gewollt hat, weder Menschen- noch Tieropfer.

Ich bin gerade daran diesbezüglich einige wichtige Zusammenhänge auszuarbeiten, auf die ich dann später eingehen werde. Für heute nur ein paar Hinweise. Die Menschen fingen von sich aus an das Beste von dem was sie besassen Jahweh oder einer Gottheit zu opfern (vgl. Kain und Abel in 1Mo 4,1-4). Diesen Kult praktizierten die Menschen überall. Ein wildes ungeordnetes Schlachten von Menschen und Tieren war gang und gäbe. Jahweh kam den Menschen in ihren wildesten Opfertraditionen entgegen und führte sie schrittweise heraus. Zuest führte er Abraham aus dem  Kult von Menschenopfern heraus (vgl. 1Mo 22, 11ff). Jahweh kam den Menschen entgegen, indem er ihnen zwar diesen tiefsitzenden  Tieropferkult beliess, ihnen aber, und das ist ausserordentlich wichtig, bis ins Detail strengste Opferregeln und Opferzeiten auferlegte (Gesetz). Die wilden ungeordneten Opferkulte der Heiden sollten unter dem auserwählten Volk nicht vorkommen.

Nur noch an bestimmten Orten durfte geopfert werden, später nur noch im Tempel. Nur die Shechita (das Schächten) durfte praktiziert werden, um die Tiere vor einem qualvollen Tod zu bewahren. Bestimmte Tiere durften nicht geopfert werden. Sie wurden für nicht tauglich (fälschlich mit unrein übersetzt) erklärt, z.T. um sie vor der Ausrottung zu bewahren. Diese Gesetze mussten strengstens eingehalten werden. Auch die damit verbundenen hygienischen Opfervorschriften mussten peinlichst genau beachtet werden (Gesetz), um Krankheiten zu vermeiden. Aber dieses Gesetz sollte nur vorübergehend sein. Die tiefste Symbolik des Opferns und des Opfers lag in der Aufforderung an den Opfernden sich Jahweh durch Gehorsam Treue und Umkehrgesinnung völlig hinzugeben. Alles Opfern blieb aber allezeit weit hinter der praktischen Jahweh- und Nächstenlieb zurück.

Mit dem Opferkult ist es ähnlich wie mit dem Wunsch des Volkes Israel nach einem König (vgl. Ri 17,6; 19,1; 1Sam 8,5-22; Kap 10-12). Jahweh wollte keinen König haben, er war der König Israels. Es war für Jahweh ein beleidigendes Ansinnen (Ri 8,23; 1. Sam 8,7; 12,12). Weil sie aber unbedingt einen König haben wollten gab ihnen Jahweh schliesslich einen König, aber unter schweren Auflagen.

Von Herzen wünsche ich allen ein gesegnetes und freudiges Fest Jom Kippur, das am 25. abends beginnt und  am 26. abends zu Ende geht.

Gregor Dalliard