„Es ist gut, Jahweh zu preisen und deinen Namen, du Höchster, zu besingen; am Morgen zu verkünden deine Gnade, und deine Treue in den Nächten..“ (Ps 92,2-3).

Glaubensimpuls 32

Wer in einer Bibelkonkordanz (Nachschlagewerk) das Wort Gnade sucht, ist überrascht! Das Wort Gnade wird aussergewöhnlich oft im Umgang Jahwehs mit seinem auserwählten Volk genannt, sowohl in den Bundesschriften (AT) als auch in den Bekenntnisschriften (NT). Was uns noch mehr berührt sind die Zusammenhänge in denen das Wort Gnade vorkommt.

Zum Wort Gnade kommt noch  Barmherzigkeit, Güte, Milde, Annahme, Wiederherstellung  (für immer, von Ewigkeit zu Ewigkeit, d.h. von Zeitalter zu Zeitalter, griech.: eis tus aionas ton aionon; eis aionas aionon) u.v.a.m. hinzu.

Natürlich sind die gerechten Gerichte  in diesen Aussagen impliziert (eingeschlossen, enthalten). In Liebe und Gerechtigkeit, über Einsicht, Erkenntnis und Wiedergutmachung führt und begleitet uns der himmlische Vater auf den richtigen, rechten Weg (d.h. richten im aramäisch-hebräischen Verständnis). All diese Aussagen zeigen uns das wirkliche Wesen unseres lebendigen Vaters Jahweh auf. Nur bei ihm finden wir alle diese Eigenschaften. Es gibt keine Gottheit oder religiöse Orientierung, bei der wir diese Eigenschaften, diese einzigartigen Wesenszüge finden könnten. Ein demütiger Mensch wird diese Erfahrung sowohl aus den Bundesschriften (AT), als auch aus den Bekenntnisschriften (NT) erkennen und daraus schöpfen.

Der Apostel Shaul (der von Jahweh Erbetene) war in seinem früheren Leben ein temperamentvoller fanatischer religiöser Mensch, der unter die fanatischen extremen ultra-orthodoxen Juden („Talibanjuden“) geriet. Es war eine kleine unerträgliche Sekte, die zur Zeit Jahshuas mit dem sadduzäischen Hohepriester den Hohen Rat beherrschte. Religiöse Gewalt gehörte zu ihrem Eifer für ihr Gesetz (Menschengebote) im Unterschied zur Thora (Lehre und Unterweisung, fälschlicherweise mit nomos, Gesetz übersetzt) (vgl. Mt 15,3.6-9.14). Sie kannten keine Gnade, keine Barmherzigkeit und Treue im Unterschied zum Abba Jahweh, der seine Gnade und Treue durch Jahshua auch dieser Sekte gegenüber veranschaulichte. Sie übten nur an jenen Treue, die ihr Gesetz (Menschengebote) hielten. Dies kommt z.B. im Umgang mit der Ehebrecherin zum Ausdruck: „Wer von euch ohne Sünde ist, werfe zuerst den Stein auf sie“ (Joh 8,7). Dieses Ereignis mit der Aussage Jahshuas rechtfertigte zwar nicht den Ehebruch und stellte ihn damit keineswegs als nachahmenswertes Geschehen dar. Jahshua wollte den „Talibanjuden“ und damit auch uns vielmehr helfen in unser eigenes Herz hineinzuschauen. Um dessen Beschaffenheit ist es gar nicht gut bestellt.

Shaul sprach nach seiner Begnadigung und Berufung wie kaum jemand von der Gnade, Barmherzigkeit und Treue Jahwehs: „Als es aber dem, der mich von meiner Mutterleibe an ausgewählt (abgesondert) und durch seine Gnade berufen hat, gefiel, seinen Sohn in mir zu offenbaren..“ (Gal 1,15-16), „..der ich zuvor ein Lästerer und Verfolger und Gewalttäter war, aber mir ist Barmherzigkeit (Treue Jahwehs) zuteil geworden, weil ich es unwissend im Unglauben (ohne Beziehung zu Jahweh und seiner Thora und den Profeten) getan hatte; überströmend aber war die Gnade unseres Erlösers Jahweh mit Glauben ( über die Beziehung) und Liebe, die in dem Mashiach Jahshua sind“ (1. Tim 1,13-14).

Die Gnade Jahwehs hatte Shaul verändert. Er hatte dazu nichts beigetragen. Er hatte sich also nicht bekehrt. Wer sagt „ich habe mich bekehrt“, lebt noch nicht aus der Gnade. Er ist von den menschlichen Vorstellungen und Lehren der katholischen Kirchenväter über Jahweh und Jahshua nicht abgestorben, losgelöst. Ein Mensch muss nicht aus Unwissenheit über Jahweh und sein Wesen so tief fallen wie Shaul, um die unverdiente Gnade und Treue Jahwehs zu erkennen und zu erfassen. Wer demütig nach dem Erlöser Jahweh sucht, wird seinem begnadigenden Wesen begegnen. Jahshua antwortete darum jenem Mann, der ihn gut nannte, sehr demütig und realistisch: „Was nennst du mich gut? Niemand ist gut, als nur einer, Jahweh“ (Mk 10,18, vgl. Lk 18,19). Damit bekannte Jahshua, dass auch er allein von der Gnade und Treue des himmlischen Vaters abhängig war. Darum ist die Treue Jahshuas zum himmlischen Vater eine lebendige Antwort auf dessen Treue zu ihm (vgl. Hebr 3,1-6). Wie alle Profeten verkündigte er darum die heilende, wiederherstellende Gnade des himmlischen Vaters, welche das heilsame, von Jahweh begleitende wiederherstellende Gericht enthält.

Die Freude Shauls an der Thora, an der Lehre und den Weisungen Jahwehs, die uns seine unverdiente Erwählung und Berufung, und damit die unverdiente Gnade und Treue aufschliessen, ging ihm durch Mark und Bein. Er, der ehemalige religiöse Verbrecher, dem das Gesetz (Menschengebote im Unterschied zur Thora, vgl. Mt 15,3.6-9.14) wichtiger war als die Thora Jahwehs, wusste, dass ihn Jahshua zurück zu der unverdienten, nicht zu kaufenden Gnade und Treue Jahwehs geführt hatte: „Denn ich weiss, dass in mir, das ist mein Fleisch, nichts Gutes wohnt; denn das Wollen ist bei mir vorhanden, aber das Vollbringen des Guten nicht. Denn das Gute, das ich will, übe ich nicht aus, sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich“ (Röm 7,18-19).

Früher, als Diener des Gesetzes (Menschengebote), meinte er, man könnte durch Kasteiung, Selbstopferung und mit der Steigerung von  religiösen Vorschriften und deren Erfüllung sich seiner Erfolge vor dem himmlischen Vater rühmen und sich von ihm Zuwendung und Akzeptanz erkaufen. Aber er durfte durch die unverdiente Gnade Jahwehs erkennen, dass solche Lehren und Praktiken nur die Selbsttäuschung vermehren und unbarmherzig machen. Voll Freude und Danksagung kann er später den Heiligen (Ausgesonderten)  in Ephesus schreiben: „Denn aus Gnade seid ihr errettet durch Glauben (Jahwehbeziehung zu uns), und das nicht aus euch, Jahwehs Gabe ist es; nicht aus Werken, damit niemand sich rühme. Denn wir sind sein Gebilde, in dem Mashiach Jahshua geschaffen zu guten Werken, die Jahweh zuvor bereiten hat, damit wir in ihnen wandeln sollen“ (Eph 2,8-10).

Lasst uns darum, die wir der Liebe, Gnade und Treue des Abba Vaters bedürftig sind, diese Verse aus Psalm 92 zu Herzen führen.

Mit einem herzlichen Shabbat Shalom

Gregor