„Aber auf den will ich blicken: auf den Elenden und den, der zerschlagenen Geistes ist und der da zittert (erfasst ist) vor meinem Wort“ (Jes 66,2).

Glaubensimpuls 123

Wie ich im letzten Gim 122 andeutete möchte ich auf den Brief einer Glaubensschwester eingehen (s. Gim 122). In diesem Gim gehe ich auf das Thema Einsamkeit ein, die, als Folge des Glaubenswachstums und -gehorsams, Menschen heimsuchen kann. Der Abba Vater selbst sagt: „In der Höhe und im Heiligen (d.h. im Ausgesonderten für Jahweh) wohne ich und bei dem, der zerschlagenen (demütigen) Herzens ist“ (Jes 57,15). Wer jede religiöse Voreingenommenheit ablegt und sich demütig – eben unvoreingenommen – dem Wort Jahwehs öffnet wird davon erfasst werden. Die Bibel nennt das „zittern vor seinem Wort“.

Der Ausdruck „zerschlagenen Geistes vor Jahweh sein“ heisst „demütig“ und „unvoreingenommen“ vor Jahweh sein. Jahweh sagt „auf den will ich blicken“, d.h. bei dem will ich wohnen. Ist das etwa nicht umwerfend und Grund zur Freude an jedem neuen Tag und tragende Kraft in den schweren Augenblicken des Lebens, in Zeiten der Einsamkeit? Einen solchen Menschen nennt Jahweh einen Heiligen. Heilig heisst: für Jahweh und sein Wort ausgesondert sein. Ein Heiliger ist nach dem biblischen Zeugnis einer (Nachkomme Abrahams, dem alle Verheissungen zugesprochen sind) aus den zwölf Stämmen, der für Jahweh und sein Wort unvoreingenommen offen ist. Darum öffnet ihm Jahweh sowohl den Wert und die Bedeutung seines Wortes als auch die Zusammenhänge des biblischen Wortes, das keine Deutung ausserhalb der Thora, Propheten, Psalmen und Schriften, unter Einbezug des historischen Umfelds, zulässt.

Das wiederum heisst: Vieles von dem, das ich bisher als „Wahrheit“ geglaubt und verteidigt habe entpuppt sich durch Jahwehs Geist und Wort, durch sein Wohnen in mir, schrittweise als zusammengebastelte kirchliche „Wahrheit“, als Luftblase, als verworrene Philosophie von Menschen. Über sein Wort entlarvt der Geist Jahwehs das Widersprüchliche, das Verkehrte. Diese Erfahrung kann jemanden vorübergehend durch einen sehr schmerzlichen Prozess führen. Diese Erfahrung aber machten schon alle Menschen des auserwählten Volkes vor uns, die das Wort Jahwehs ernst nahmen und in seinen Weisungen den inneren Frieden suchten und fanden. Daran hat sich bis heute nichts geändert.

Je tiefer wir zu den biblischen Zusammenhängen vorstossen, desto feindseliger kann sich unser nächstes Umfeld verhalten. Vor allen andern reagieren unsere religiös engagierten, irregeleiteten und festgefahrenen Mitmenschen und Freunde entrüstet und abweisend. Eines dürfen wir dabei nie vergessen: Die meisten dieser Menschen sind Opfer der christlichen Ideologie. Sie können nichts dafür. Das erfuhr ich an mir selbst. Doch wer aus dieser christlichen Ideologie heraus wachsen und aus dem Reichtum der biblischen Offenbarung leben will, wird wohl ein ganzes Leben lang in Zuversicht und froher Erwartung daran arbeiten müssen, bzw. dürfen.

Das erfahre ich an mir selbst. Das gehört zum Leben eines Menschen, der von dem Wort Jahwehs erfasst wird (davor zittert). Aber das ist gut so. Dieser Prozess gehört wesentlich zu den Anordnungen Jahwehs. Erst in diesem Prozess kann unsere Liebes- und Lebensbeziehung zu unserem Schöpfer Jahweh gesund wachsen und uns zur Kraft werden. Darum ist in der Bibel laufend vom Glaubens- und Erkenntniswachstum die Rede, ebenso von Umkehr und Treue.

Wie wir früher, so sind also auch jene Menschen, die andere um ihrer Glaubenserkenntnis willen in die Einsamkeit treiben, in einem der kirchlichen Systeme verankert, selbst wenn sie mit keiner Kirche in Beziehung stehen und nichts mit der Kirche zu tun haben wollen. Sie lassen nichts anderes gelten als nur ihre Sicht der Dinge und vermögen es nicht mit Menschen unterschiedlicher Glaubenserkenntnisse friedlich auszukommen. Warum schaffen sie dies nicht? Das was sie als ihren Glauben bezeichnen ist weitgehend nur Angelerntes, von ihrer Gemeinschaft Übernommenes, das seinerseits wiederum von den Kirchenvätern übernommen worden ist.

Es war ihnen und uns früher verwehrt durch ein fundiertes persönliches Studium der Bibel eine persönliche Beziehung zu Jahweh und zu seinem auserwählten Volk aufbauen zu können. Die gemeinsame Grundlage aller kirchlich-christlichen Systeme ist, wie wir inzwischen bereits alle wissen, die Theologie und Philosophie einiger der frühen antisemitischen Kirchenväter, die im 4.Jh. auf den Konzilien von Nizäa und Konstantinopel, unter der Führung und Hilfe der Staatsmacht, ihre Irrtümer zum definitiven, unantastbaren und zum Heile notwendigen Glaubensbekenntnis erhoben. Nicht nur das, dieses Credo sollte für alle Hausgemeinden und Kirchen und zwar für alle Zeiten seine immer währende Gültigkeit als angebliches Wort Gottes behalten. Wer sich diesem Credo des 4.Jh. nicht unterwarf wurde verfolgt, gefoltert und umgebracht.

In diesem Glaubensbekenntnis wurden die nach der Wahrheit Suchenden und die Wahrheit Liebenden ihrer Selbständigkeit im Glauben, ihrer Beziehung zu Jahweh und zu seinem Wort beraubt und entmündigt. Die Bundesschriften (AT) sollten vom Erdboden verschwinden und wurden massenhaft vernichtet. Die Bibel wurde den Menchen entzogen. Damit verloren viele die Beziehung zu Jahweh vollkommen und damit auch die Fähigkeit die Eigenverantwortung in allen Dingen des Lebens wahrzunehmen. Sie wurden zu religiösen Marionetten und Sklaven der Kirche verdammt. Ein Missbrauch, der bis heute anhält und den die Kirchen nicht oder nur widerwillig aus der Hand geben wollen.

Die zentralen Irrtümer dieses Glaubensbekenntnisses sind bis heute Fundament der allermeisten freikirchlichen und unabhängigen christlichen Glaubensgemeinschaften geblieben, obwohl sie sich bisweilen heftig gegen diese Tatsache zur Wehr setzen.

Ebenso gehören diesem importierten Denken die allermeisten jüdisch – christlichen Gemeinden in Israel und anderswo an. Sie bezeichnen sich als messianische Christen. Dieser Begriff ist irreführend und falsch. Er diskriminiert die gerechtfertigten gläubigen Juden, die wahre Leibesgemeinde Jahwehs, denn die gläubigen Juden sind alle messianisch. Gemäss dem Wort Jahwehs in der Thora, den Propheten, Psalmen und Schriften kann sich ein Christ niemals als ein messianischer Jude ausgeben. Tut er das dennoch, dann ist er ein Verführer an vorderster Front.

Jahweh hat sich trotz der grässlichen Verfolgungen, Verbrechen und Mordtaten der Kirche, in der Zeitspanne von 1‘700 Jahren, unzählige treue Juden und vereinzelt Kirchenmenschen, die sich nach der Wahrheit ausstreckten bewahrt, die uns die Bibel erhalten sollten. Die Kirche hatte diese Menschen in die Einsamkeit getrieben, doch sie waren nicht wirklich einsam, denn Jahweh lebte mit ihnen und rüstete sie fortlaufend mit neuen Kräften aus.

Die in der Beziehung zu Jahweh gereiften Menschen, die sich des unterschiedlichen Glaubens- und Erkenntniswachstum des Mitmenschen bewusst bleiben, verfügen über den Respekt, die Fähigkeit und die Bereitschaft die von Jahweh anders geführten Mitmenschen zu lieben, was durchaus nicht immer leicht sein kann. Jeder wird seine Standpunkte uneingeschränkt darlegen können, ohne dabei seine Beziehung zu Jahweh schmälern zu müssen.

Es muss immer dem Einzelnen überlassen bleiben, ob er an gewissen Bibelstunden oder Vorträgen teilnehmen will oder nicht. Trotzdem sollte ein liebevoller Umgang auch ausserhalb der Veranstaltungen möglich bleiben, dies schon aus Respekt Jahweh gegenüber, der das Wachstum unterschiedlich zulässt oder gibt. Mir steht es nicht zu Jahweh eine Lektion erteilen müssen. Durch mein liebloses Verhalten dem anders geführten ernsthaften Bibelleser gegenüber, könnte dies aber den Anschein erwecken!

Leider ist hier von den freikirchlichen Führungskreisen wenig Echo zu erwarten. Die Gründer der Gemeinden haben längst entschieden was Jahweh zu sagen hat und was nicht. Die vielen unterschiedlichen Gemeinden und dogmatisch festgelegten Bekenntnisse und Sitten bestätigen diese Tatsache. Darum gibt es auch so viele festgefahrene religiöse Menschen, die nur unter ihresgleichen Nächstenliebe zu üben vermögen und andere davon ausschliessen, weil sie sowieso daneben glauben und es darum nicht wert sind geachtet und geliebt zu werden.

Festgefahrene religiöse Traditionen, familiäre und gesellschaftliche Verflechtungen, verbieten es sein Glaubens- und Erkenntniswachstum zu hinterfragen. Doch suchen wir die Begegnung Jahwehs mit einem zerschlagenen, selbstlosen Herzen, mit einer demütigen Haltung, wird er uns zu tieferen biblischen Einsichten und Zusammenhängen führen – um seines Namens willen!

Die Folgen daraus können uns aber anfänglich Angst und Schrecken einjagen, weil uns andere nicht mehr folgen und verstehen können. Doch jeder der stetig tiefer in den Heilsreichtum Jahwehs hineinwächst wird die Gegenwart und Führung Jahwehs immer intensiver erfahren und sehr gestärkt daraus hervorgehen. Davon legen alle Propheten, Jahshua und alle treuen Israeliten und Juden Zeugnis ab. Die Bibel ist voll davon.

Nun, wir werden an dem Fluch der religiösen Verbissenheit, die auf dem Fundament einer verkehrten Bibelauslegung verirrter Kirchenväter aufbaut, nichts ändern können und deswegen viel Schmähung und Verachtung erfahren. Wir können diesen Weg, jeder für sich und zusammen mit Gereiften oder Gleichgeführten, bis zum Ende gehen und die Gnade Jahwehs allezeit besingen: „Wie köstlich ist deine Gnade, Jahweh! und Menschenkinder bergen sich in deiner Flügel Schatten; sie laben sich an dem Fett (Heilsreichtum) deines Hauses und mit dem Strom deiner Wonnen tränkst du sie“ (Ps 36,8-9).

Auf diesem Weg ist es sehr wichtig, dass wir uns, wenn möglich, an geregelte Gebetszeiten halten. So mancher hat sich in seinem Stolz dagegen erhoben, weil ja die Gnade genügt und alles macht, aber die Frucht seiner Taten liess ihn zum Gespött werden. Denken wir an den Propheten Daniel (Dan-jah-El) in fremdem Land. Wegen seiner Beziehung zu Jahweh war er beschattet und bedrängt.

Obwohl angesehen war er unter den Gläubigen seiner Zeit in einem hohen Mass „einsam“ gemacht. Doch er tat was er immer schon gemacht hatte. Er betete dreimal am Tag und pries Jahweh (vgl. Dan 6,11). Was hat er alles durchlitten! Jahweh aber krönte ihn mit innerer Stärke und Weisheit. Er wurde vielen zum Segen. Selbst wenn wir nicht Daniel sind und in keiner hohen irdischen Position stehen, können wir unseren Angehörigen zum Segen werden, wenn wir unsere Beziehung zu Jahweh täglich bewusst pflegen – und das im unscheinbarsten Lebensstand –, denn Jahweh wohnt bei dir und mir!

Hier kann ich nur Hallelujah rufen und allen einen gesegneten und von dem innerem Frieden mit Jahweh getragenen Shabbat wünschen.

Gregor Dalliard