„Abraham aber sprach: Kind.. und zu diesem ist zwischen euch und uns eine grosse Kluft festgelegt..“ (Lk 16,25). Teil 11b zu Offb 22,5, Thema „herrschen“

Glaubensimpuls 94

Abraham wird uns in der Bibel als der erste von Jahweh Gerechtfertigte  bezeugt. Damit ist er der erste Heilige und der erste Erbe Jahwehs und damit der erste Teilhaber an der Herrschaft, die Jahweh seinen Heiligen verheissen und übertragen hat. Wer von Jahweh gerechtfertigt ist, der wird auch Sohn genannt. Der Sohn ist Erbe Jahwehs, d.h. Erbe dessen, was Jahweh ihm als Erbe verheissen hat. Über Abraham, Isaak und Jakob ist – gemäss Bundesverheissung – die ganze israelitisch-jüdische Nachkommenschaft Sohn und zwar für immer, bleibend. Israel (zwölf Stämme) ist also der erstgeborene Sohn (vgl. 2Mo 4,22-23). Die Bezeichnung „erstgeborener Sohn“ macht nur Sinn, weil über diesen Sohn und seine Sendung alle Menschen in die Sohnschaft des Vaters zurückgeführt werden sollen, denn alle Menschen sind nach dem Ebenbild des Vaters geschaffen (1Mo 1,26) und sollen in diese Ebenbildlichkeit zurückgeführt werden, bis jedes Knie sich beugen wird und jede Zunge bekennen wird, dass der Messias Herr ist zur Ehre des Vaters (vgl. Phil 2,10-11).

Darum heisst es in Offb 22,5: „..und sie (die Heiligen) werden herrschen in die Zeitalter der Zeitalter“, was auch übersetzt werden kann „von Zeitalter zu Zeitalter“. Diese Aussage bestätigt das was Daniel sah: „Aber die Heiligen des Höchsten werden das Königtum empfangen, und sie werden das Königtum besitzen für alle Zeit, ja, bis in die Zeitalter der Zeitalter“ (Dan 7,18).

Wie schon erwähnt kann die Sohnschaft durch nichts geraubt werden. Sie kann nur zur  Freude Jahwehs gelebt werden, wenn der Sohn bemüht bleibt nach den Ordnungen Jahwehs zu suchen und nach bester Möglichkeit und Erkenntnis das in seinen Zusammenhängen Erkannte zu leben.

Die von Jahweh Gerechtfertigten, und die seit Jahshuas Sendung und Dienst bis heute wieder als Söhne Eingepfropften, werden die Herrschaft, d.h. die Gerichte der Wiederherstellung, schrittweise an allen Menschen vollziehen. Shaul bestätigt das Zeugnis der Propheten, wenn er den Hausgemeinden von Rom schreibt, dass die Sohnschaft und der damit verbundene Dienst, der die Herrschaft beinhaltet, dem israelitisch-jüdischen Volk gehört (und damit auch uns, den wieder Eingepfropften durch Jahshua) und uns dass uns niemand davon scheiden kann (vgl. Röm 9,4; 8,28-39), denn Jahweh bleibt seinen Bundesverheissungen an Abraham und seinem Bundesvolk treu.

Mit seinem Zeugnis über den reichen Prasser un dem armen Lazarus gibt uns Jahshua etwas Einblick in die Gerichte der Wiederherstellung, d.h. in die Herrschaft der Heiligen Jahwehs.  Jahshua stellt uns Abraham als Prototyp dar, stellvertretend für den Dienst aller Söhne. Lazarus und der reiche Prasser sind im Sheol, im Reich der Verstorbenen. Sie stehen unter der Führung und Verwaltung Abrahams. Warum Lazarus im irdischen Leben arm war wissen wir nicht. Im Unterschied zu den andern Völkern, mit ihren jeweils unterschiedlichen Klassensystemen, hatte –  nach den Ordnungen Jahwehs – jeder Israelit gleiche Chancen und damit auch die gleichen Existenzmöglichkeiten. Über die Besatzungsmächte, Hungersnöte, familiäre Probleme, Betrug, Rufmord, Fehlspekulationen, Schulden, Krankheit, Todesfall u.a.m. sind Mitmenschen immer wieder verarmt und das Mitgefühl und die Hilfe der Nächsten blieb gelegentlich aus. Lazarus war zudem noch sehr schwer krank und lag vor dem Tor des Reichen „und er begehrte, sich mit den Abfällen vom Tisch des Reichen zu sättigen“ (Lk 16,21).

Der Reiche, ebenso wie Lazarus ein Sohn, dh. ein Kind (Gottes) Jahwehs,  setzte sich über die Ordnungen Jahwehs, die in der Thora und in den Schriften der Propheten verankert sind, hinweg. Jahweh gab sie über Mose und die Propheten als bleibende und heilsame Ordnungen. Sie sind und bleiben für die Söhne unabdingbare und bleibende Basis und Richtschnur für ein gesundes, menschenwürdiges und Jahweh wohlgefälliges Zusammenleben. Aufgrund dieser Basis und Richtschnur werden die Kinder (Gottes) Jahwehs, die Söhne, die Heiligen Jahwehs, urteilen (herrschen).

Doch vorher sollen sie sich in diesem irdischen Leben selbst beurteilen (richten) und zwar anhand dieser Ordnungen Jahwehs. Ein anderer Massstab zählt bei den Kindern (Gottes) Jahwehs nicht. So war es bei Abraham, dem auserwählten Volk, bei Jahshua und den Aposteln – so wird es auch bleiben. Die Gnade allein hat sie dahin gebracht. Gerade weil sie allein durch die Gnade Söhne geworden sind, sollen und müssen sie sich selbst auch beurteilen.

Nun beurteilt und begleitet (herrscht) Abraham die beiden nach den bleibenden Ordnungen Jahwehs. Der Ort der Beurteilung ist der Sheol, was in den Kirchen fälschlicherweise und irreführend mit immerwährender Hölle übersetzt wird. Das ist eine der schlimmsten Fehlübersetzungen der katholischen Kirchenväter mit katastrophalen Folgen – bis zum heutigen Tag. Wie könnte Lazarus in der immerwährenden Hölle sitzen und dabei getröstet werden?

Der Reiche muss durch ein schweres Gericht der Wiederherstellung. Abraham ist bei ihm. Die Bibel bezeichnet dieses Gericht als Herrschaft der Heiligen. Der Reiche  sieht seine Fehler ein. Doch der Weg hin zur vollkommenen Erkenntnis des Vaters, seines Willens, seiner bleibenden bestehenden Ordnungen und der völligen Hingabe an den Vater ist für ihn kein leichter Weg. Gerade diese Wegstrecke bezeichnet die Bibel als Gerichtsweg, als Weg der Wiederherstellung in die Ordnungen und Gegenwart Jahwehs, d.h. richten, auf das Vollkommene hinführen (herrschen).

Während dieses Gerichtsweges lernt der Reiche von Abraham, dem Heiligen. Gerade deswegen lernt er seine Schuld überhaupt zu erkennen und kann einsichtig werden. Dass er aber das Ziel noch nicht erreicht hat und noch nicht verstanden hat worauf es letztlich ankommt, zeigt sich in seiner verzweifelten Aussage um die Sorge seiner noch in dieser Welt lebenden Brüder. Er bittet Abraham jemanden zu seinen fünf Brüdern (wahrscheinlich fünf Familien) zu senden „damit sie nicht an diesen Ort der Qual kommen“ (Lk 16,28). Der Reiche leidet die äussersten Qualen. Jahshua benutzt dabei Bilder, mit denen er den jahwehfernen Zustand des reichen Prassers vergleicht: mit einem brennendem Ort, mit Feuer und dem Verlangen nach Kühlung seiner Zunge (Lk 16,24b). Diese Bilder waren und sind den Juden geläufig. An anderer Stelle bezeichnet er die Beziehungslosigkeit zu Jahweh und zu seinem Wort, das er durch Mose und die Propheten gesprochen hat, mit der „äusserster Finsternis, wo Weinen und das Zähneknirschen“ sein wird (vgl. Mt 8,12; 13,42; 24,51; Lk 13,28).

Wie schon gesagt, der Reiche ist ja ein Israelit, ein Kind (Gottes) Jahwehs, ein Sohn. Damit steht er unter der Bundesverheissung. Der Gerichtsweg, der Weg der Wiederherstellung ist darum auch entsprechend hart. Er hätte in seinem irdischen Leben verstehen müssen, dass Jahweh durch Mose und die Propheten geredet hat. Doch er hatte sich zeitlebens wohl seinen eigenen religiösen Vorstellungen hingegeben.

Interessant und wichtig für uns ist das was Jahshua hier Abraham sprechen lässt: „Sie haben Mose und die Propheten; mögen sie die hören“ (Lk 16,29). Damit erklärt Jahshua die Worte des Abba Vaters, die er durch Mose und die Propheten für alle Kinder (Gottes) Jahwehs als verbindliche Weisungen gesprochen hat, anhand derer einmal ausnahmslos alle Söhne, alle Gerechtfertigten, beurteilt werden.  Die Einsicht des Reichen ist noch nicht weit, denn er bestätigt die Worte Abrahams nicht. Er meint immer noch, dass es möglich sein müsste, durch religiöses Winkelzüge den Willen und die Ordnungen des himmlischen Vaters umgehen zu können. Darum sagt er: „Nein, Vater Abraham, sondern wenn jemand von den Toten zu ihnen geht, so werden sie umsinnen (Busse tun). Die Antwort Abrahams an ihn ist die Antwort Jahshuas an uns heute: „Wenn sie Mose und die Propheten nicht hören, so werden sie auch nicht überzeugt werden, wenn jemand aus den Toten aufersteht (erscheint)“ (Lk 16,31).

Vor allem religiöse Menschen, Christen, die sich allseits auf die Bibel berufen, sind bemüht Mose und die Thora zu ignorieren, sie für erfüllt oder abgetan zu erklären. Jahshua aber lehrt genau das Gegenteil! Wie kann jemand sagen: ich folge Jahshua, ich bin durch Jahshua neu geboren, ich bin ein Kind Gottes usw. und ignoriert Mose und die Propheten? Sie fügen sowohl sich selbst als auch anderen einen unsäglichen Schaden zu, abgesehen von der Unehre, die sie Jahweh, dem Schöpfer allen Lebens und dem Schaffer aller gesunden Ordnungen, antun. Jahshua bestätigt mit dieser Darstellung unmissverständlich das nichts und niemand an dieser Ordnung Jahwehs vorbei führt: „Nur ihm werden huldigen alle in der Erde Schlafenden; vor ihm werden sich beugen alle, die in den Staub hinabfuhren, und der, der seinen Leib nicht am Leben erhalten konnte“ (Ps 22, 29-30). Während die Leiber der Verstorbenen in der Erde ruhen und zu nichts mehr tauglich sind, also schlafen, wird der Geist (bzw. die Geist-Seele), der zum Vater zurückkehrt, durch den Prozess der Wiederherstellung  gehen, den einen zum Trost, wie hier dem Lazarus, denn andern vorübergehend zum Leid, wie dem reichen Prasser. Hinter diesem schmerzlichen Prozess aber steht die erste Liebe Jahwehs.

Der reiche Prasser „muss“ übrigens noch eine weitere Schulung durchleben. Die Liebe Jahwehs ist absolut gerecht und unbestechlich. Zwischen den Jahwehtreuen und den Jahwehlosen gibt es kein Hin und Her. Während der Gerichtszeit, der Wiederherstellungsphase, ist keine Beeinflussung möglich, die Jahwehs Ordnung umgehen könnte: „Und zu diesem allen ist zwischen uns (den Jahwehtreuen) und euch (den Jahwehlosen) eine grosse Kluft festgelegt (verordnet), damit die, welche von hier zu euch hinübergehen wollen, es nicht können, noch die, welche von dort zu uns herüberkommen wollen“ (Lk 16,26). Jahshua sagte nicht umsonst: „Wahrlich, ich sage dir: Du wirst nicht von dort herauskommen, bis du den letzten Quadrans bezahlt hast“ (Mt 5,26).

Shaul griff diese Worte der Propheten und Jahshuas in einem ganz besonderen Zusammenhang den Korinthern gegenüber auf. Im letzen Gim habe ich darauf hingewiesen. Sie brachten ihre Erwählung und ihren Dienst als Heilige, die sowohl Menschen als auch himmlische Wesen richten würden, durch den Prozess der Wiederherstellung führen sollten, vor die Hunde (vgl. 1Kor 6,1-11). Dieser Dienst ist von solcher Bedeutung, dass Shaul sagen konnte: „Warum lasst ihr euch nicht lieber Unrecht tun? Warum lasst ihr euch nicht lieber übervorteilen (berauben)? (1Kor 6,7).

Lasst uns in Dankbarkeit, Demut und froher Bereitschaft die uns anvertraute Berufung, mit dem uns anvertrauten Gut, sorgfältig hegen, pflegen und vertiefen, damit wir nicht durch Anfechtungen schwach, hoffnungslos und verwirrt werden. „Alle Erziehung scheint uns zwar für die Gegenwart nicht Freude, sondern Traurigkeit zu sein; nachher aber gibt sie denen, die durch sie geübt sind, die friedsame Frucht der Gerechtigkeit“ (Hebr 12,11). Mit einem herzlichen Shalom wünsche ich allen einen gesegneten Shabbat.

Gregor Dalliard