„Ehe Abraham war, bin ich“ (Jo 8,59). Teil 1

Glaubensimpuls 114

Im Kontext der gegenwärtig neu aufgeflammten Diskussionen und Fragen über die Lehre von drei Gottheiten in den Kirchen möchte ich in diesem und im nächsten Gim auf ein weiteres Zitat aus den Bekenntnisschriften (BeS = NT) eingehen, das gerne als Beleg für die drei christlichen Gottheiten zitiert wird. In Jo 8.58 lesen wir: „Ehe Abraham war, bin ich“. Man will mit diesem Zitat beweisen, dass Jahweh doch nicht nur EINER, sondern mindestens noch eine zweite Gottheit neben sich haben müsse, nämlich den Gott Jesus von Nazareth. Bei den folgenden Darlegungen im Zusammenhang von Jo 8,58 geht es um persönliche Antworten auf ganz konkrete Aussagen und Fragen suchender Mitmenschen. Darum sind Wiederholungen notwendig und sich bewährende Hinweise wichtig. Bevor wir näher auf Jo 8,58 eingehen, wollen wir noch einmal auf bedeutende Zusammenhänge hinweisen, die wichtig sind, damit wir diese Aussage korrekt einzuordnen vermögen.

Immer wieder sagen Kirchenleute Folgendes: Das auserwählte Volk hat gar nicht richtig auf Jahweh gehört, denn Jahshua würde sich doch in den BeS (NT) immer wieder – im kirchlichen Sinn – als zweite Gottheit äussern, gerade auch und besonders in Jo 8,58.  Manche gehen in ihrer Vermessenheit oder Unwissenheit einen Schritt weiter und lehren: Das Zeugnis der Bibel aus der Jahshua las, d.h. das Zeugnis der Thora, Propheten und Schriften (AT), müsse von Jahweh selbst falsch vermittelt worden sein, weil er sich in den Bundesschriften BuS (AT) durchgehend als den einzig EINEN vermitteln würde, während Aussagen in den BeS (NT) das Gegenteil aussagen würden, wie gerade in Jo 8,58. Darum sei Jahweh auch von den israelitisch-jüdischen Propheten fälschlicherweise als der einzig EINE vermittelt worden. Sowohl Jahweh als auch die Juden müssten sich der Lehre des NT und damit dem Jesus-Gott, dem Gott- Sohn und der Kirche unterwerfen und verstehen, dass sich sowohl der Gott der Juden, d. h. im Klartext, der himmlische Abba Vater, als auch alle seine Propheten geirrt hätten, denn das sehe wohl jeder, dass gerade das Thema EIN Gott oder drei Gottheiten Juden und Christen spalte.

Das eine stimmt: Juden und Christen spaltet genau dieses fundamentale Thema, das automatisch auch alle andern Lehren beeinflusst und prägt. Die Schuld der Spaltung aber Jahweh, dem Schöpfer des Lebens, seinen Propheten  und den treuen, gerechten, und von Jahweh gerechtfertigten Juden, in die Schuhe schieben zu wollen, ist absolut blasphemisch und vermessen. Es ist eine unverschämte Anmassung, zu behaupten der himmlische Vater und all die israelitisch-jüdischen Propheten hätten uns falsche Lehren vermittelt, darum seien die Kirchen mit der Lehre von drei Göttern, bzw. drei Gott-Personen, im Besitze der reinen Wahrheit. Diese Behauptung der Kirchen, die sich zu alledem auch noch auf die Bibel Jahshuas (BuS = AT) berufen und eigenmächtig deren Inhalt beurteilen und sich in niederträchtiger Weise erlauben darüber verfügen zu müssen, könnte uns sprachlos machen, wüssten wir nicht wessen Geistes Kind die Vertreter solcher und ähnlicher Organisationen und Lehren sind (vgl. Gim 112, Reichspogromnacht).

Solche Lehren widersprechen dem Zeugnis der Bibel (Thora, Propheten und Schriften) aus der Jahshua las. Wie alle Propheten, so erklärte auch Jahshua nur diese Schriften als verbindlich für ein Kind Jahwehs (Kind Gottes). Warum wohl? In diesen Schriften ist den Menschen das Leben mit Jahweh geschenkt, alle Lebensweisheit und jede Lebensordnung ist in ihnen enthalten und zu finden. Jahshua liess an der Bibel (Thora, Propheten und Schriften) keine, aber wirklich keine, Kritik zu (vgl. nur Mt 4,4: Zitat aus 5Mo 8,3; auch Mt 5,18: Zitate aus Jes 40,8; Ps 119,89). Es ist sehr vermessen den Spiess umzudrehen und die Juden – samt und sonder – des Abfalls zu bezichtigen, weil sie gemäss Offenbarung Jahwehs jede Form und Lehre von drei Gott-Personen und damit auch den Jesus-Gott der Christen ablehnen.

Der Jahshua der Bibel spricht in den uns bekannten Evangelienberichten von vielen gerechten und gerechtfertigten Juden, ebenso die Apostelgeschichte. Sie lehren uns genau das Gegenteil von dem was im Johannesevangelium laufend negativ über „die“ Juden ausgesagt ist. Setzen wir uns nur einmal mit einigen dieser Stellen auseinander: Mt 9,13; 18,11; Lk 15,7; Apg 2,46; 4,4; 5,14; 6,7; 21,20. Der Jahshua der Bibel zeigt uns in den Gleichnissen vom verlorenen Schaf und der verlorenen Drachme konkret und anschaulich diese Tatsache auf. Er spricht von einem verlorenen Schaf (1 Jude) im Verhältnis zu neunundneunzig Gerechten (99 Juden), die der Umkehr nicht bedürfen!! Ein verlorener Jude zu neunundneunzig gerechtfertigten Juden (Mt 18,12; Lk 15,1-10; 5,32). Warum sagt Jahshua, dass sie der Umkehr, der Umsinnung, nicht bedürfen? Weil sie wie Abraham, in der Beziehung zu Jahweh, von Jahweh selbst, gerechtfertigt sind und in seinen Wegen wandeln! Das erwähnte Gleichnis im Bericht nach Matthäus und Lukas ist ein Gleichnis mit dem Jahshua den Zuhörern seiner Zeit – was die Juden betraf – einen Vergleich der tatsächlichen, realen Wirklichkeit, vermitteln wollte. Diese Aussagen decken sich mit den Aussagen in der Apostelgeschichte (vgl. Apg 2,46-47; 4,4; 5,14; 6,7; 21,20).

In der verkehrten Denk- und Lehrweise der Abgefallenen wurden Jahweh und die Sinnzusammenhänge seines verbindlichen Wortes im Laufe der ersten Jahrhunderte bis ins Unkenntliche pervertiert. Kann es etwas Verwegeneres und Folgenschwereres geben? Geben uns die schrecklichen Entgleisungen und Verbrechen der uneinsichtigen Kirche(n) in ihrer rund 1‘7oo-jährigen Geschichte nicht eine klare Antwort? Zahllose Verbrechen, die sich bis zum Himmel auftürmen! Alles unter dem Deckmantel der Bibel und dem was man als Bibel bezeichnet! Diese belehrende, arrogante und verbissene Haltung Jahweh und den Propheten gegenüber nehmen im Prinzip alle jene Kirchenführer ein, die eine Lehre von drei Gottheiten, bzw. von drei Gott-Personen, vertreten. Diese Lehre stellt die unverschämte und niederträchtige Rebellion der christlichen Führer gegen Jahweh dar, eine Anmassung die alles andere vergiftet. Darum ist die Kirche der Inbegriff  von Babel (vgl. 1Mo 11, 1-9), die Fortführung des alten Babel, die Rebellin gegen Jahweh und seine Heiligen. Vor ihr haben die Propheten immer sehr eindringlich gewarnt (vgl. Jer 51,6-10; Jes 48,20 u.a.m.). Darum ist es wichtig, dass wir uns nicht mundtot machen lassen: „Geht aus ihr hinaus, mein Volk, damit ihr nicht an ihren Sünden teilhabt und damit ihr nicht von ihren Plagen empfangt, denn ihre Sünden sind aufgehäuft bis zum Himmel“ (Offb 18,5). Wir können uns nicht achtlos über diese Appelle und Aufrufe der treuen Zeugen Jahwehs hinwegsetzen. Alles ist nur eine Frage der Zeit.

Ebenfalls vermessen ist es den trinitarischen Jesus, den Gott- Sohn der Kirche, mit dem Jahshua der Bibel, dem Jahshua von Nazareth, gleichzusetzen. Die zwei haben miteinander überhaupt nichts gemein. Der Jesus der Kirchen stellt eine altorientalische, griechisch-römische Gottheit dar, während der Jahshua von Nazareth sich selbst als einen Propheten Jahwehs bezeichnete, der auch seine Fehler hatte (vgl. Lk 18,20; Mk 10,18; Mt 19,17, Jahshua zitiert hier aus der Thora und den Psalmen).

Nehmen wir also ein Zitat aus den Bekenntnisschriften (BeS = NT), wie Jo 8,58, dann müssen wir mit grösster Vorsicht damit umgehen. Viele von uns unterscheiden heute zwischen der Bibel, d.h. der Thora, den Propheten und Schriften, die wir als die Bundesschriften (BuS = AT) bezeichnen und den Schriften, die nach dem Tod Jahshuas erst allmählich entstanden sind (BeS = NT), bevor sie im 4. Jh. von der abtrünnigen Kirche zu einer Bibel (NT) gemacht worden sind. Gerade das Johannesevangelium ist ein stark überarbeitetes Evangelium. Die ersten Textsammlungen dieses Evangeliums geschahen um 100/110 n.u.Z., also mehr als siebzig Jahre nach dem Tod Jahshuas.  Die Überarbeitungen sind im 4. Jh. n.u.Z. abgeschlossen worden!

Jeder kann sich vorstellen wie viel daran „gearbeitet“ worden ist bis es von der Kirche als abgeschlossenes Evangelium, als Teil der Bibel, kanonisiert und damit der Thora, nicht nur gleichgesetzt, sondern übergeordnet worden ist. Zu jener Zeit war der Judenhass (Antisemitismus) schon fester Bestandteil  der Kirche. Die Absonderung der Kirche von der Jahshua-Gemeinde, der Gemeinde Jahwehs, kam im 4. Jh. offiziell zum Abschluss. Auf dem Konzil von Nizäa 325 n.u.Z. wurde die definitive Trennung, mit der Verfluchung der Juden, für alle Christen zum verbindlichen, unveräusserlichen und heilsnotwendigen Glaubensgut erklärt. Darum sagte ich vorher, dass das Johannesevangelium in weiten Teilen im Widerspruch zu dem Zeugnis der früheren Evangelienberichten und der Apostelgeschichte steht.

Wir halten Folgendes fest: Jahweh hat nie von einer präexistenten zweiten oder dritten Gottheit gesprochen, die irgendwann im Himmel existiert hätte, auch kein Prophet hat jemals von solchen Dingen geredet. Auch von dem Jahshua von Nazareth wird nirgends gelehrt, dass er eine zweite Gottheit sei und vor seiner Geburt als Gottheit schon existiert hätte. Im Gegenteil, er und seine Propheten haben immer und immer wieder gelehrt, dass er, Jahweh, einzig EINER ist (vgl. 5Mo 6,4-5; Jes 42,8; 43,11.14; Jes 46,9 u. a. m.). Bis heute stirbt ein gerechtfertigter, gerechter Jude mit dem „Shma Israel“ auf den Lippen (vgl. 5Mo 6,4-5. Es war auch in dem kurzen Leben Jahshuas das Bekenntnis seines Herzens (vgl. Mk 12,29-33).

Wie ist die Aussage in Jo 8,58 im Lichte des geoffenbarten heilsgeschichtlichen Zusammenhanges zu verstehen? Jahweh hat alles in seiner Hand. Er hat seine Schöpfung in all ihren Abläufen voller Weisheit geplant, vorausgeplant, selbst wenn wir nicht alles einzuordnen vermögen. Er sagt von sich: „Gedenket des Früheren von der Urzeit her, dass ich Gott (Erlöser) bin. Es gibt keinen sonst, keinen Gott (Erlöser) gleich mir, der ich von Anfang an den Ausgang verkünde und von alters her, was noch nicht geschehen ist, – der ich spreche: Mein Ratschluss soll zustande kommen, und alles, was mit gefällt, führe ich aus..“ (Jes 46, 9-10; Hes 39,8).

Wie alle thoratreuen Juden lebte auch Jahshua aus diesem geoffenbarten Wissen. In Jahwehs Heilsplan ist die ganze Menschheit im voraus eingeplant und geliebt. Er wusste, dass auch er vor Grundlegung der Welt an vom Vater geliebt und eingeplant war, als noch nichts da war. Jahshua will mit dieser Aussage in Jo 8,58 seine Legitimation als Prophet unter Beweis stellen. Bevor Abraham von Jahweh aus dem Götzendienst gerufen worden ist, war er, Jahshua, in Jahwehs Heilsplan konkret eingeteilt, eingeplant als Prophet. Gemäss dem Bericht des Johannes (vgl. Jo 5,39-47) berief sich Jahshua zuerst auf die Worte Jahwehs, die uns Mose überliefert. Sie sprechen von einem kommenden Propheten gleich Mose (vgl. 5Mo 18,15.18). Auch Kepha bezeugte später Jahshua als diesen Propheten von dem Mose gesprochen hatte (Apg 3,21-23).

Abraham sah schon die Tage jener Propheten Jahwehs, d.h. die Tage jener, die den ungeteilten Monotheismus weitertragen würden. Diesen wunderbaren, einzigartigen und kostbaren Schatz der rechtfertigenden Gnade allein, der allein im Vertrauen (Glauben) auf den einzig EINEN Gott (Erlöser) Jahweh empfangen und gelebt werden kann. Ihm, dem Abraham, ist dieser Schatz von Jahweh selbst geoffenbart worden. Aus diesem Schatz würden einmal alle Menschen leben und sich gegenseitig segnen (vgl. 1Mo 18,18). Träger dieses Schatzes würden mit ganzer Hingabe treu bleiben, selbst unter den schlimmsten Umständen und Bedingungen. Sie würden dafür Folter und Tod auf sich nehmen, denn im Monotheismus sind alle Elemente des Segens, der Entfaltung, des Wohlergehens und der kommenden Herrlichkeit enthalten.

Jahshua konnte darum sagen: „Abraham, euer Vater, frohlockte, dass er meinen Tag sehen sollte, und er sah ihn und freute sich“ (Jo 8,56). All das durfte Abraham im Glauben, im Vertrauen auf Jahweh, kraft der Verheissungen von Jahweh, „sehen“. Sie „sahen diese Verheissung von fern und begrüssten sie (frohlockten in ihr)“ (Hebr 11,13). Auch wir wollen uns von diesem Vertrauen und diesen Verheissungen ermutigen und reichlich segnen und motivieren lassen. Lasst uns wie alle gerechten und gerechtfertigten Juden aus der Gnade allein leben, die uns immer wieder bewegt und treibt, zum Wohlgefallen Jahwehs und zum Wohlergehen der Menschen, nach Werken der Nächstenliebe Ausschau zu halten. Wenn wir dabei auch immer wieder an unsere menschlichen Grenzen stossen und immer neu der Weisheit bedürfen, soll uns das – wegen unsere Zugehörigkeit zu Jahweh, aus der unverdienten Gnade heraus – nicht entmutigen!

Von Herzen wünsche ich allen Teilhabern dieser Gnade ein kraftvolles Shabath Shalom!

Gregor Dalliard