„Diese Gesinnung (Gestalt) sei in euch, die auch in dem Gesalbten Jahshua war. In ihm war die Gestalt Jahwehs (sichtbar) und er empfand es, in der Gestalt Jahwehs zu sein, nicht als Verlust (Raub)“ (Phil 2,5).

Glaubensimpuls 113

Nachdem ich in Erinnerung an die Reichspogromnacht von 1938 das Thema „Dreieinigkeit“ (Drei Gott-Personen) unterbrochen habe, möchte ich auf weitere Bibelstellen eingehen, die angeblich eine Dreigötterlehre in der Bibel belegen sollen. Wir wollen uns schlicht und einfach daran erinnern und  im Klaren darüber bleiben, dass weder in der Thora noch in den Propheten und Psalmen, weder in der Lehre Jahshuas noch der Apostel von dieser, für die meisten Kirchen so fundamental wichtigen Lehre, etwas in der Bibel steht. Ausgerechnet die Bibel spricht durchgehend gegen den Polytheismus, also gegen eine Vielgötterei. Gerade die Vielgötterei ist die erste Frucht der Ersatztheologie, der Kern der totalen Abwendung von Jahweh und seinem Wort, eine radikale Ablehnung der Lehre des Juden Jahshuas und der Apostel, die alle ebenfalls Juden waren!

Zu Phil 2,5-11: Diese Verse sind ebenfalls aus dem bereits in Gim 110 u. 111 genannten Zusammenhang zu verstehen. Allgemein bezeichnen wir uns als Kinder Gottes. Wir glauben, dass wir Söhne Jahwehs sind und damit zu dem auserwählten Volk gehören. Bemühen wir uns als Söhne Jahwehs den Willen Jahwehs nach der Thora und den Propheten wie Jahshua zu suchen und zu leben, also im Alltag umzusetzen, dann haben auch wir hier auf Erden wie Jahshua die Gestalt Jahwehs in uns (V6). Jeder aus dem Zwölfstämmevolk, ob Mann oder Frau, wird in der Thora als vom Vater im Himmel gezeugter und geborener Sohn bezeichnet (vgl. 5Mo 32,18; 2Mo 4,22-23; vgl. Gim 109). Darum soll der Betreffende nach dem Willen Jahwehs das Wesen, den Geist und die Absichten Jahwehs, d.h. die Gestalt Jahwehs, in sich tragen und leben. Er soll Jahweh und sein Wort in der Thora ungeteilt lieben und Jahweh einzig und allein anbeten und ihm dienen (vgl.Mt 4,10; 5Mo 6,13; 10,20; 1Sam 7,3). In der Gestalt Jahwehs zu sein, zu leben,  kann Ablehnung und Verachtung zur Folge haben. Doch Jahshua betrachtete die Folgen aus dem Leben mit Jahweh, in der Gestalt Jahwehs zu sein, nicht als Verlust, nicht als einen Raub seiner Eigenständigkeit, seines Lebens (V6).

Damit ist auch der Ausdruck „Knechtsgestalt“ verständlich. Wurde damals ein Mensch Knecht (Sklave) eines Herrn, dann konnte er sich seinem Herrn gehorsam unterwerfen und ihm und sich selbst zum Segen werden. Er machte sich mit seinem Herrn eins – in allem. Er hatte damit die Gestalt des Herrn. Er freute sich in allem mit seinem Herrn. Er litt in allem mit seinem Herrn und wenn es sein musste starb er für seinen Herrn. Lehnte er seine Stellung als Knecht ab, dann konnte er seinem Herrn zum Schaden werden. Er konnte ihn laufend betrügen, heimlich hintergehen und verleugnen.

Wie gesagt, der gute Knecht war seinem Herrn vollkommen ergeben und tat alles zu dessen Ehre und Segen. Alle Mitmenschen konnten die Gesinnung des guten Knechtes erkennen und im Alltag erfahren. Mit dieser Haltung war er selbst reich gesegnet. Darum sagt Shaul: „Diese Gesinnung sei in euch, die auch in dem Mashiach war“ (V5). Die Gesinnung des Jahshua zum Abba Jahweh wurde im Umgang mit den Mitmenschen sichtbar.

Wer diese Gesinnung in sich trägt ist mit Jahweh eins, d.h. Jahweh gleich, d.h. der Betreffende ist in der Gestalt Jahwehs, Gott gleich. Ein solcher Mensch geht mit den geoffenbarten Gedanken Jahwehs in der Thora und in den Propheten einig. Er lebt und verwaltet diese Beziehung mit ganzer Hingabe. Diese Haltung führt zu einem segensreichen Leben. Damit ist auch die viel zitierte Stelle aus Jo 17,21 beantwortet, die gerne als Beleg für die Trinitätslehre herangezogen wird: „.. damit sie alle eins seien, wie du, Vater, in mir und ich in dir, damit auch sie in uns eins seien..“. Jahshua bittet, dass auch wir den Vater so lieben, ihm so gehorchen und so mit ihm leben mögen wie er, damit auch wir vollkommen mit dem Vater eins seien wie der Vater in ihm und er mit dem Vater eins ist.

Wäre etwas anderes damit gemeint dann hätten wir doch keine Chance mit dem Vater völlig eins sein zu können, weder Jahshua noch wir. Seine Bitte wäre sinn- und zwecklos, für uns ganz einfach unerreichbar. Nun aber können wir, aus Gnade (durch die Begnadigung) errettet, im Gehorsam die gleiche Beziehung zum Abba Jahweh aufbauen, haben und pflegen wie Jahshua. Wie jeder gerechtfertigte Jude und alle Propheten (vgl. Jes 50,5-6) musste auch Jahshua lernen Jahweh gehorsam zu werden (vgl. Hebr 5,8), so auch du und ich. Daran führt kein Weg vorbei.

In den Versen 7-8 wird uns gesagt: Selbst als Gesalbter Jahwehs, Jahweh gleich, war er kein überhimmlischer Mensch und benahm sich nicht wie ein überhimmlischer Mensch. Er hob sich nicht von seiner Stellung als Gesalbter (Mashiach) ab, indem er sie missbraucht hätte. Nein, er wurde selbst in der Gestalt Jahwehs, in seiner Erscheinung, wie ein Mensch Jahwehs erfunden, der Knechtsgestalt angenommen hat, der Jahweh völlig unterworfen bleibt, d.h. der sich selbst als Gesalbter unter Jahweh erniedrigte und Jahweh gehorsam blieb bis zum Tod, ja zum Tod am römischen Folterpfahl. Jahshua hätte seine Stellung als Sohn, seine Stellung als Gesalbter, missbrauchen können. Etwa so wie Salomon in seinen späteren Jahren, was schreckliche Konsequenzen für zehn Stämme zur Folge hatte (vgl. 1Kö 11 u. 12).

Wir denken an die schweren Versuchungen Jahshuas, die uns im Bericht von Matthäus 4,1-11 und an vielen andern Stellen überliefert sind. Er wies sie in Gleichgestalt mit Jahweh ab. Shaul will uns sagen, so war und ist der Mensch der mit Jahweh wandelt seit Urzeiten. Er unterwirft sich Jahweh. In seiner ungeteilten Haltung und in Demut unterwirft er sich seinen Weisungen und Ordnungen. Er schöpft daraus eine Fülle von Segen. Er bleibt Jahweh gehorsam und treu, selbst bis zum Tod und selbst dann wenn der grausame Foltertod der Römer, der Folterpfahl, auf ihn wartet. Er lässt sich durch nichts von seiner Knechtsgestalt, seiner Treue zu Jahweh, abbringen!

Jahshua hat wie alle gerechtfertigten und treuen Propheten seinen Auftrag erfüllt. Entsprechend seinem aussergewöhnlichen Auftrag, nämlich das Gericht über  die „verlorenen“ Schafe (zehn Stämme) des Hauses Israel für vollendet zu erklären und eine Auswahl von ihnen zum Vater zurückzuführen (vgl. Mt 15,24; Apg 15,13-17). Darum hatte Jahweh ihm einen Ehrennamen gegeben über jeden Namen (Vers 9). Wie werden doch die treuen und gerechten Freunde Jahwehs von Jahweh selbst geehrt. Ehrennamen bekommen alle Propheten und alle gerechtfertigten und treuen Söhne aus dem israelitisch-jüdischen Volk.

Unter diesen bekam Jahshua einen spezielle Ehrennamen, nicht etwa weil Jahshua besser als die andern war. Jahshua bezeichnet sich selbst im Lichte des Vaters als nicht gut. Er bezeichnet allein den himmlischen Vater als gut (vgl. Mk 10,18; Mt 19,17; Lk 18,19. Er zitiert aus Ps 86,5; 100,5 u.a.). Er musste seinen Auftrag unter dem aussergewöhnlich brutalen und grausamen römischen System erfüllen, welches das auserwählte Volk zermalmte, zerschmetterte und zertrümmerte wie kein Reich zuvor (vgl. Dan 2,40; 7,23-27). Übrigens wurde Jahsuas Dienst nicht von solchen gewaltigen Wundern des Vaters begleitet wie der Dienst des Mose, der eine Herrschaft, ein Reich, zu Fall brachte.

Im aussergewöhnlichen Schmelztiegel der römischen Herrschaft war das auserwählte Volk dezimiert und von einer noch nie da gewesenen Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit heimgesucht. Jahshua richtete unter ständiger Lebensgefahr das grausam gequälte und erniedrigte auserwählte Volk auf und predigte das Ende des Gerichtes über die „verlorenen“ zehn Stämme und die Rückkehr zu Jahweh. Eine umwerfende Botschaft in Zeiten der Verzweiflung! Darin blieb er treu bis zum letzten Blutstropfen. Darum macht der Schreiber des Briefes an die Hebräer die Bemerkung, dass Jahshua grösserer Herrlichkeit gewürdigt worden ist als Mose (vg. Hebr 3,2). Beide haben grosse Herrlichkeit, d.h. Ehre, aber Jahshua bekommt etwas mehr Ehre, so nach der Überzeugung des Schreibers im Brief an die Philipper und an die Hebräer.

Die Sendung und der Dienst Jahshuas geschah in einer aussergewöhnlich und heilsgeschichtlich fortgeschrittenen Zeit. Alle werden einmal diesen Dienst verstehen. Voll Ergriffenheit und Dank werden sich einmal alle Knie beugen, und in einer berauschenden Freude werden einmal alle Zungen an allen Orten in Lob ausbrechen „zur Ehre Jahwehs“ (vgl. Phil 2,9-11). Sie werden erkennen, dass alle Propheten, so auch Jahshua, sein Leben allein zur Ehre Jahwehs, für die „verlorenen“ Schafe des Hauses Israel und das gedemütigte Volk, dahin gegeben hat. In seinem Dienst und in seiner Treue war Jahshua Herr! Das ist mit der Formulierung gemeint „dass Jahshua HaMashiach Herr ist, zur Ehre Jahwehs“ (Vers 11).

Jahweh, der himmlische Vater, setzte seine Propheten für einen bestimmten Aufgabenbereich in einer bestimmten Zeit ein. Diesen Auftrag erfüllten sie in seinem Namen und in seinem Auftrag in absoluter und vollkommener Treue. Meistens bezahlten sie diese Treue mit vielen Leiden oder sogar mit dem Leben. Was die Propheten dabei ausstehen mussten, können wir an vielen Stellen der Bibel nachlesen. Anstelle von „dass Jahshua HaMashiach Herr ist“ könnten wir darum übersetzten „dass Jahshua Ha Mashiach, der treue Verwalter ist, zur Ehre Jahwehs“.

Lasst uns Jahshua darin gleichförmig werden (vgl. Röm 8,29-30). Die Lebensgemeinschaft mit unserem Schöpfer, dem Abba Jahweh, ist das höchste Gut, das uns hier auf Erden widerfahren kann. „Güte und Gnade werden mir folgen alle Tage meines Lebens“ (Ps 23,6). „Denn bei dir ist die Quelle des Lebens“ (Ps 36,10).

Mit einem herzlichen Shabbat Shalom und einem reichen Segensgruss

Gregor Dalliard