Die letzten Zeitzeugen des Holocaust verlassen diese Welt.

Glaubensimpuls 333

Es wird am Morgen hell, die Sonne geht auf – ein neuer Tag beginnt. Die Sonne geht unter – ein Tag ist vorbei, es wird Nacht. Ich habe wieder einen Tag gelebt. Je nach Alter müssen, können oder dürfen wir auf eine reiche Zahl an Tagen in dieser Welt zurückblicken. Je nach Erlebtem sprudelt aus unseren Herzen Dank hervor oder aber Schmerz und Trauer, vielleicht auch beides. Dass wir diese Welt bestimmt wieder verlassen, steht ausser Frage. Seltsam ist es doch, irgendwann kommt für jeden dieser letzte Tag hier auf dieser Erde. Was habe ich in diesen Erdentagen gelebt und erlebt? Die letzten Zeitzeugen von aussergewöhnlich grauenvollen Tagen verlassen bald diese Welt. Das macht uns betroffen!

In diesem Kontext kommen wir wohl nicht um die Frage: Was trage ich in meinen Lebenstagen bei, dass Missverständnisse und Bosheiten, Leiden und Schmerzen, die durch Menschen verursacht und anderen zugefügt werden, verhindert werden können? Was trage ich dazu bei, damit aufrichtig nach den Ursachen dieser Leiden gesucht wird um ihnen ein Ende zu bereiten?** Unsere Geschichte ist so abgrundtief geprägt vom Leid das Menschen verursacht und anderen zugefügt haben – vor allem gegen die Juden. Wir sind uns doch alle in einem Punkt völlig einig: Menschen, die sich gegen das von Menschen verursachte Leid stellen, es aufdecken, beim Namen nennen und es aufheben wollen, stossen auf viele Missverständnisse, auf Unverständnis und Ablehnung.

Vor allem sind es Menschen aus fest verankerten religiösen Strukturen und frommen Traditionen, die sich gegen die Aufdeckung der schlimmsten Übel, die Menschen anderen Menschen zufügen, wenden. Indoktriniert, religiös verführt, halten sie es für unmöglich, dass ihre Religion die Quelle der schlimmsten menschlichen Leiden in dieser Welt ist. In den Tagen ihres Glaubenslebens geben sie diesen Kräften – meistens ahnungslos und unwissend – immer wieder, blind gemacht, neuen Antrieb. Damit aber laden sie sich eine unermessliche Mitschuld auf, deren Ausmasse irgendwann in der Zukunft ähnliche Wirkungen wie in den Tagen des Holocaust erreichen könnten.

Das mag paradox und unmöglich erscheinen, aber leider ist das so. In unserem Falle, in Bezug auf der Suche nach den Wurzeln des Holocaust, bewegt sich das Christentum keinen Millimeter vom Fleck, und das obwohl die Verantwortlichen aller christlichen Kirchen und Gemeinschaften wissen, dass die Wurzeln und Fundamente dieser grausamen Übel in ihrer fest verankerten, nicht biblisch fundierten Erlösungslehre der Opfer-Blut Theologie und Philosophie liegen. Wir möchten immer wieder betonen: Diese Erlösungslehre ist ein absoluter Widerspruch zum biblisch-prophetischen Wort!

In den letzten Wochen und Tagen haben mich Zeugnisse jüdischer Holocaust Überlebender tief betroffen gemacht. Anlässlich des 73. Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau, durch die Rote Armee, liessen u.a. TV-Sender Deutschlands, Österreichs und der Schweiz letzte Zeitzeugen des Holocaust zu Worte kommen. Ihre Tage sind in dieser Welt gezählt, noch aber reden sie. Was sie an Leid von den Führungspersönlichkeiten aus christlich geprägten Ländern, bis hinunter zu ganz treuen, tief geprägten einfachen Christen, erleiden mussten ist nicht zu fassen. Meistens wurden alle ihre Familienangehörigen ermordet. Das muss jeder bedenken: Nach dem “Ende” der Gräuel war für viele Überlebende niemand mehr aus der Familie und der Verwandschaft am Leben. Trotz allen Suchens: Alle ermordet!! Und wie gesagt: die Geisteskräfte, die zu diesen Schrecken führten liegen in der fest verankerten und treulich gehüteten Irrlehre der christlichen Erlösungslehre, in der Opfer-Blut Theologie und Philosophie des christlichen Glaubens! So hart sich das anhören mag, wir kommen um diese Tatsache nicht herum.

Was mich tief berührte war das Zeugnis einer dieser gequälten Personen. Sie sagte: Der nächste Tag beginnt für uns Juden immer schon am Vorabend. Das hat Gott (JaHuWaH) unseren Propheten und Prophetinnen geoffenbart. Wenn die Sonne untergeht und die Nacht hereinbricht, wenn die Dunkelheit, die Finsternis, die Herrschaft übernimmt, dann sammle dich, dann fasse dich. Das ist der richtige Augenblick um sich Folgendes bewusst werden zu lassen: nach dieser Nacht, nach dieser Finsternis, wird das Licht wieder aufgehen. Der Tag wird in seiner Schönheit aufleuchten – und einer dieser Tage wird kein Ende mehr haben, weil das messianische Reich angebrochen sein wird. Das ist und war immer der Glaube unserer Väter. Dieser Glaube hat mich nicht verzweifeln lassen. Dafür leben wir Juden in dieser Welt. Dafür zu leben, zu leiden und alle seine Lieben ermordet vorzufinden, das war immer schon so – um dieses Zieles Willen sind wir in der Welt und gehen durch Leiden.

Die vielen Millionen Ermordeten im Holocaust, aber ganz besonders die Überlebenden des Holocaust, deren Zahl von Tag zu Tag kleiner und immer kleiner wird, senden eine klare Botschaft an die christliche Welt aus. Sie sind das lebendige Sprachrohr JaHuWaHs an die christliche Welt. Wie gehen wir damit um! Wollen wir diese Botschaft hören? Zahllose Gedenkstätten in den christlichen Ländern erinnern uns heute an die Verbrechen des Holocaust. Endlose Pilgerströme aus christlichen Ländern, Schulen und öffentlichen Einrichtungen besuchen alljährlich diese Gedenkstätten. Alljährliche Holocaust-Gedenken gegen das Vergessen sollen an diese Gräuel erinnern. Aber was soll das alles, wenn die christlichen Führer aller christlichen Kirchen und Gemeinschaften, vom Papst bis zum einfachsten freikirchlichen Prediger, nicht bereit sind ihre dogmatisierte antiprophetische und damit antijüdische Theologie und Philosophie aufzugeben? Das religiös Böse schlummert darin, wie ein schlafender Vulkan, und kann jederzeit zu neuer unberechenbaren Gewalt gegen die Juden ausbrechen!

Allen die sich von der Theologie und Philosophie der Kirchengründer lösen wünschen wir Segen in Fülle. Eines ist gewiss: Diese Theologie und Philosophie steht weder auf dem Boden des gesamtprophetischen biblischen Wortes, noch beruht sie auf den historischen Gegebenheiten. Christen sollten mutig nach dem Kernglauben des Jahushua von Nazareth suchen und sich fragen worin denn sein Glaube verankert war und worauf er seinen Glauben aufgebaut hatte. Das Resultat hebt die Widersprüche im Glauben auf. Es verleiht unserem Leben eine neue frohmachende Dynamik, selbst wenn uns manche Mitmenschen im nächsten Umfeld nicht verstehen und uns das Leben schwer machen wollen. Das gehört einfach dazu.

“JaHuWaH ist mein Licht und mein Heil, vor wem sollte ich mich fürchten? JaHuWaH ist meines Lebens Zuflucht, vor wem sollte ich erschrecken?” (Ps 27,1). Mit diesem biblischen Zuspruch grüsse ich alle ganz herzlich und wünsche allen die innere Gewissheit der Liebe und Barmherzigkeit JaHuWaHs und einen gesegneten Shabbat. Shalom!

Gregor Dalliard