Gesetz und Beschneidung! „Denn alle, die aus Gesetzeswerken sind, die sind unter dem Fluch.. Dass aber durch Gesetz niemand vor JaHuWaH gerechtfertigt wird, ist offenbar, denn der Gerechte wird aus Glauben leben.. Der Mashiach hat uns losgekauft von dem Fluch des Gesetztes“ (Gal 3,10 -11.13).

Glaubensimpuls 128

(Aktualisiert: 26.01.2015). Die Botschaft Shauls lautet: „Der Mashiach hat uns losgekauft von dem Fluch des Gesetzes, indem er ein Fluch für uns geworden ist“ (Gal 3,13). „Dass aber durch Gesetz (die Kraft von Werken) vor JaHuWaH niemand gerechtfertigt wird, ist offenbar“ (Gal 3,11a). In der zweiten Hälfte dieses Satzes zitiert er den Propheten Habakuk mit der zentralen Botschaft aus der Thora (Hab 2,4): „Der Gerechte wird aus Glauben (durch seine Beziehung aus und mit JaHuWaH) leben“ (Gal 3,11b).

Bevor ich auf dieses Thema eingehe, möchte ich zuerst festhalten, dass Jahushua, gemäss dem Zeugnis der Thora und der Propheten seinen Dienst zu seiner Zeit an Israel erfüllte. Damit war sein Dienst zu seiner Zeit erfüllt. Er hatte und wird darum niemanden durch sein Blut und seinen Tod am Marterpfahl der Römer von einem Fluch oder von sonst etwas erlösen (loslösen) oder loskaufen.

Im Lichte der Thora und der Propheten JaHuWaHs, des Tanach, muss diese Bluttheologie konsequent abgelehnt werden. Sie entstand als Kirchenväter aus Jahushua von Nazareth nach heidnischem Muster einen Gott machten, der sein Blut am Kreuze für alle Menschen vergossen hatte. Die Kirchenväter entwickelten diese Ideologie nach dem Tod der Apostel schrittweise. Zuerst waren es Einzelne, dann wurden es immer mehr. Schliesslich wurde sie zu ihrer zentralen Lehre, zur Jesus-Gott-Philosophie erhoben. Im 4. Jahrhundert machten sie auf den Konzilien von Nizäa (325) und Kostantinopel (381) diese Ideologie zum offiziellen heilsnotwendigen Dogma für alle Menschen. Auf diesen Konzilien wurde aus Jahushua von Nazareth, der ein gesalbter Rabbi war (HaMashiach), nach heidnischem Muster ein wahrer Gott und ein wahrer Mensch gemacht, ohne dessen Blut niemand errettet werden kann. Diese Lehre ist der gravierende Irrtum der die Christen beherrscht und im absoluten Widerspruch zum Zeugnis des Glaubens Abrahams und der gesamten Bibel (dem Tanach) steht. Der Tanach (Thora, Propheten und Schriften) spricht nirgends davon.

Weil ich aber mit Menschen in Kontakt stehe, die wie die meisten von uns vom „Neuen Testament“ („NT“) her geprägt worden sind, – in Ablehnung und Abgrenzung zur Bibel, dem Tanach – die sich aber ernsthaft mit diesen Dingen auseinandersetzen, möchte ich mich gerne, mit grosser Dankbarkeit und Freude dieser Thematik annehmen. Dabei müssen wir Folgendes sehr beachten:

Lesen oder diskutieren wir über Dinge aus dem sogenannten „NT“, dann wollen wir uns immer wieder an Folgendes erinnern: Die Kirchenväter hatten Jahushua nicht selbst gekannt und erlebt. Was sie über ihn und über sein Leben in die Hände bekamen waren nur bruchstückhafte schriftliche Aussagen. Diese aber waren nicht in hebräischer, sondern nur in der griechischen Sprache vorhanden.

Was sie in die Hände bekamen überarbeiteten sie in wesentlichen Punkten und passten es ihren heidnischen Gottesbildern an. Dabei floss der abgrundtiefe Judenhass jener Zeit in die „neue Bibel“, das „NT“ ein. Darum sind auch in den uns noch verbliebenen Briefen Shauls, die wir im „NT“ vorfinden, zentrale Aussagen überarbeitet, umgeändert, umgedeutet, eingefügt und ihrer Philosophie angepasst worden. Vieles das Shaul zugeschrieben wird ist also nicht von ihm geschrieben worden. Darum haben wir im sogenannten „NT“ so viele Widersprüche zur Bibel, zum Tanach (Thora, Propheten und Schriften). Es ist darum nicht immer leicht das von Shaul Geschriebene von dem was die katholischen Kirchenväter (Paulus) veränderten zu unterscheiden und auseinanderzuhalten.

Nun sind die christlichen Kirchen und Gemeinschaften fast durchgehend der Auffassung, Shaul hätte mit „Gesetz“ die Thora und Propheten gemeint. Er hätte gelehrt, wer die Thora ernst nimmt und die darin enthaltenen Weisungen JaHuWaHs befolgt, wie etwa die zehn Worte (zehn Gebote), die Feste, die JaHuWaH für immer gab, die Beschneidung als Bundeszeichen und Ausdruck der unverdienten Gnade, die jedem Werk vorausgeht und anderes mehr, der stehe unter dem Fluch des Gesetzes. Darum würden die wie Abraham gerechtfertigten gläubigen Juden, die treu zur Thora halten, d.h. zur unverdienten Gnade, wie sie vielfältig in der Thora bezeugt ist (vgl. 1Mo 12,1-3; 15,5-6; 17,1ff; 5Mo 7,6-8 u.a.m.), bis heute unter dem Fluch JaHuWaHs stehen.

Shaul hätte die Galater darum von einem Leben aus der Thora, von diesem Fluch, befreit. Shaul sei entsetzt gewesen als er feststellen musste, dass die Galater, die im Geist Jahushuas gerade erst begonnen hätten sich von der Thora zu befreien nun wieder zurück zur Thora gehen wollten (vgl. Gal. 3,1-4; 4,9-11).

Inzwischen haben wir erkennen dürfen, dass eine solche Lehre dem Gesamten der Bibel völlig widerspricht. Wie kaum sonst etwas beherrschen diese Sätze aus dem Brief an die Galater das Denken der christlichen Kirchen. Wollen wir das Hauptthema des Briefes aus seinem damaligen Zusammenhang heraus verstehen, dann müssen wir folgende zwei Tatsachen beachten:

Erstens bestand die Sendung Jahushuas – wie wir bereits ausführlich wissen – allein darin, die verirrten „verlorenen“ Schafe aus den zehn Stämmen und die verirrten „verlorenen“ Schafe aus Juda und Benjamin (Juden) zu JaHuWah zurückzubringen. Sie zurück zu der Fülle der Lebens (der Thora) in JaHuWaH, zu seiner Anbetung und zu einem gehorsamen und treuen Leben nach seinen Weisungen zu führen (vgl. Mt 9,13; 15,24; 18,11; Lk 15; Jo 10,17; 11,51-52; u.a.m.), die Thora zu bestätigen (vgl. Mt 5,17-19; 5Mo 8,3; 4,4) und sein Leben dafür zu lassen (vgl. Joh 10,17).

Zweitens waren die Galater kurz vorher noch gefangen im Gesetz heidnischer Philosophien und Theologien und damit gefangen in den schwachen und armseligen Elementen dieser Welt (vgl. Gal 4,8). Sie hatten soeben erst begonnen sich davon zu lösen. In den letzten beiden Gim 126 und 127 bin ich darauf eingegangen.

Sie kannten also die Thora mit den Weisungen des Lebens nur oberflächlich oder überhaupt nicht. Sie hatten durch den Dienst Shauls gerade erst begonnen sich mit der Thora, dem Wesen JaHuWaHs, seinen Ordnungen, den Konsequenzen und deren Anwendung im Alltag auseinanderzusetzen. Also konnte Shaul gar nicht von der Thora gesprochen haben, die es abzulegen galt. Was hätten sie dann als Orientierung auf dem neuen Weg gehabt, wenn nicht das ganz Neue, die Thora? Warum hätte Shaul z.B. das Zehnwort (die zehn Gebote, Weisungen) in der Thora, das überhaupt zur Grundlage des menschlichen Zusammenlebens gehört, ablehnen sollen? Das ergibt gar keinen Sinn.

Von welchem Gesetz spricht Shaul dann und von welchem Gesetz „kaufte“ Jahushua nach der Lehre Shauls Menschen los, wenn er sie nicht von der Thora loskaufte? Das war die Frage von etlichen Lesern meiner Gim. Es sollte uns in Fleisch und Blut übergehen, dass Jahushua, wie oben erwähnt, niemals jemanden von der Thora loskaufte. Er konnte niemanden der in JaHuWaH das Leben hatte vom Leben loskaufen. Das ergibt ganz einfach keinen Sinn, denn die Thora ist das Leben und die Weisung zum Leben. Sie wird es einmal für jeden Menschen im Himmel und auf Erden sein, wenn JaHuWaH einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen wird und alle seine Ordnungen alles Leben bestimmen werden.

Sein Wille wird dann nicht nur im Himmel, sondern auch auf Erden gelebt werden (müssen!), (vgl. die Bitte im „Unser Vater“ Mt 6,10). Kein Knie wird davon ausgenommen bleiben, sein Wille wird sich schrittweise durchsetzen (vgl. Jes 66,22-24; Sach 14,16-19 u.a.m)!, denn JaHuWaH weicht nicht von seinem Wort, sagt er doch: „Ich bin, der da ist, ich der Erste, ich auch der Letzte“ (Jes 48,12), und: „Ja, jedes Knie wird sich vor mir beugen, jede Zunge mir schwören (mit ganzer freudiger Kraft bekennen) und sagen: Nur in JaHuWaH ist Gerechtigkeit und Stärke. Zu ihm wird man kommen, und es werden alle beschämt werden, die gegen ihn entbrannt waren“ (Jes 45,22-24).

Die Thora enthält auch zeitbedingte Vorschriften, bzw. Gesetze, wie z.B. die Zeremonial- und Opfergesetze für den Kult in der Stiftshütte und im Tempel, in Bezug auf die Opfer, die Priester und alles was damit zusammenhing. Mit der Zerstörung des Tempels im Jahre 70 n.u.Z. fanden diese Gesetze ihr Ende. Die Stiftshütte existierte schon lange vorher nicht mehr. Auch die Vorschriften, bzw. die Ordnungen für den König, gehören dazu, die mit den letzten Königen zu Ende gegangen waren. Ebenso auch bestimmte Reinheitsvorschriften u.a.m.

Die Thora selbst aber wurde von Jahushua nie als das Gesetz verstanden und bezeichnet, das abgetan werden muss. Das wäre für ihn als Jude, als ein gläubiger, eifriger und gesalbter Pharisäer und Rabbi, unvorstellbar gewesen. Die Thora war für ihn JaHuWaH in der Vergangenheit, in der Gegenwart und in der Zukunft, das Zentrum des Lebens (s. Gim 37). Sie baut auf der JaHuWaH- (Gottes-) und Nächstenliebe auf (vgl. 5Mo 6,4-5; 3Mo 19,18; Mk 12,29-34). Jahushua lehrte: „An diesen zwei Geboten hängt die ganze Thora und die Propheten“ (Mt 22,40). Das sind die Grundpfeiler der Thora. Von daher beziehen alle Aussagen in der Thora Leben und Kraft. Auf der Thora ist alles aufgebaut. Wie wir bereits oben erwähnten, stellte Jahushua sie auf den Leuchter.

Wenn nun also Jahushua jemanden vom Gesetz (Joch) loskaufte, dann kaufte er ihn los vom Gesetz der Trennung von JaHuWaH, vom Gesetz des Verlorenseins von JaHuWah, vom Gesetz (Joch) des Ungehorsams JaHuWaH und seinen Weisungen gegenüber, vom Gesetz der Unwissenheit über die Begnadigung, über seine Pläne des Heils, vom Gesetz der Unwissenheit über den Glauben Abrahams und der Unwissenheit über die wunderbaren Bundesverheissungen, vom Gesetz der Unwissenheit über das irdische und himmlische Erbe. Er kaufte ihn los von der Vorstellung, dass man durch Werke bei JaHuWaH Begnadigung erwirken und sich den Himmel verdienen kann usw. Er führte die „verlorenen“ Schafe heim zum Vater, heim ins Vaterhaus.

Wie oben erwähnt, als Jahushua von den Kirchenvätern zu einem zeitlosen trinitarischen Gott gemacht worden war, änderten sie auch die Stellung Jahushuas in Bezug auf seine Sendung und überarbeiteten die Briefe Shauls. Darum legten sie wohl Shaul in den Mund, dass Jahushua auch nach seinem irdischen Leben Menschen vom Gesetz der Thora befreien würde, wenn sie Jesus als Jesus-Gott annehmen und damit der christlichen Kirche beitreten, was von der Thora her als äusserst absurder Unsinn abgelehnt werden muss. Die Propheten haben nämlich einen solchen Unsinn nie vorhergesagt!

Es geht JaHuWaH um zwei bestimmte Verhaltensmuster, Strömungen im Menschen, die dem Lebensprinzip der Thora widersprechen und unter Gesetz fallen. Beide kennzeichnen die Beziehungslosigkeit zu JaHuWaH. Es ist von fundamentaler Wichtigkeit sie zu kennen und nicht mehr zu vergessen, sooft wir in der Bibel lesen:

Erstens sind jene Auserwählten JaHuWaHs und deren Nachkommen aus dem Samen Abrahams unter Gesetz, die durch ihren Ungehorsam von JaHuWaH abgefallen sind und von Götzendienern und ihren religiösen Philosophien gefangen gehalten werden. Sie stehen damit unter Gesetz, unter einem Gericht.

Zweitens fällt unter Gesetz jene kleine aber einflussreiche Gruppe ultraextremer Juden, die ebenfalls von JaHuWaH und seinen Ordnungen in der Thora abgefallen sind (vgl. Gim 37). Mit ihnen legte sich Shaul an, denn er gehörte einst zu ihnen. Wie für die Propheten und Jahushua so gehörten sicher auch für den jüdischen Shaul die Überlieferungen und Lehrtraditionen dieser Gruppe, die sich zwar auf die Thora beriefen, aber ihre Lehren nicht auf der Liebe zu JaHuWaH aufbauten und nicht das Wohl des Nächsten im Auge hatten, zu den Elementen der Welt. Durch ihre übereifrige Frömmigkeit schufen sie neben der Thora eine Reihe von Gesetzen und Gesetzlichkeiten (Menschengebote). Damit hoben sie die Thora schrittweise auf und begaben sich unter Gesetz.

Sie luden den Menschen ihre Gesetze auf. Sie machten den Alltag zur Qual. Dies führte unweigerlich zu einem verstellten und heuchlerischen Leben, dem alle Propheten und worttreuen Rabbiner, auch Jahushua, in aller Schärfe entgegentraten. Jahushua nannte sie übertünchte Gräber. Sie standen unter Gericht. Jahushua bemühte sich auch sie von diesem Gesetz zu befreien.

Shaul machte immer wieder klar, dass solche Juden Diener des Gesetzes (Menschengebote) sind. Es machte sie zu Heuchlern, zu Menschen, die nach aussen hin den Schein wahren, gerade so als wären sie Diener der Thora, sie aber in Wirklichkeit zerstören, wie reissende Wölfe. Sie haben die persönliche Beziehung zu JaHuWaH, wie Abraham sie hatte, verloren. Sie hoben sie auf und fixierten sich nur noch auf das exakte Einhalten bestimmter Lehren von bestimmten Lehrern. Sie glaubten durch das Erfüllen ihrer religiösen Vorschriften (Menschengebote) vor JaHuWaH besonders gerecht dazustehen (gerechtfertigt), darin hätten sie ihr Heil gesichert, sie dürften sich also auf diesem Weg ihres Heiles vollkommen gewiss sein. Sie sahen sich als die Besseren, die Frömmeren, an. Damit kommen wir zum zentralen Thema des Briefes an die Galater.

Für beide erwähnten Gruppen zählte letztlich nur die Erfüllung des Beschneidungsrituals. Es zählte mehr als die Beziehung zu JaHuWaH. So hatten es die Galater bisher in ihren heidnischen Kulten erfahren. Im Heidentum gibt es keine persönliche Liebesbeziehung, weder von den Götzen zu den Menschen noch umgekehrt. Alles läuft allein auf der Ebene vorgeschriebener Gesetze ab, nach Ritualen, die zu vollziehen, die zu erfüllen sind, nach einer streng genormten Liturgie. Der Götzendiener fühlt sich dann beruhigt, weil er seine Götzen entsprechend ihrer religiösen Forderungen besänftigte und ihm wohlgesinnt stimmte.

Dabei sollte die Beschneidung erst aus dem Glauben, aus der Beziehung zu JaHuWaH heraus, aus dieser Umsinnung heraus, erfolgen. Das aber konnten die Galater noch nicht verstehen. Darum klammerten sie das Erste aus, das Wichtigste, nämlich die so lebenswichtige persönliche Beziehung JaHuWahs zu ihnen und umgekehrt. Sie muss der Beschneidung vorausgehen, und zwar in dem Sinne wie sie uns in 5Mo 6,4-5; Mk 12,29-34 dargestellt ist.

Shaul war nie gegen die Beschneidung, wenn sie auf die Beziehung zu JaHuWaH, auf die totale Umkehr zu JaHuWaH und das Verständnis seines Willens, erfolgte. Er hätte sich nie angemasst, sich über das von JaHuWaH für alle Generationen gegebene bleibende Bundeszeichen (vgl. 5Mo 17,9-14) als Bekenntnis seiner Gnade, das auf den Glauben folgt, anzukämpfen oder sich darüber hinwegzusetzen.

Er war aber radikal gegen die Beschneidung wie sie von diesen ultraextremen Pharisäern gefordert und praktiziert wurde. Sie schufen im Wirkungsfeld Shauls grosse Unruhe, indem sie von den Galatern, die in der Beziehung zu JaHuWaH noch gar nicht gereift und gefestigt waren, die sofortige Beschneidung forderten.

Shaul sah darin aus berechtigten Gründen eine grosse Gefahr. Jene Kreise verlangten von den Galatern die sofortige Beschneidung, obwohl sie erst gerade aus dem Götzendienst geführt werden mussten, gerade erst begonnen hatten zu lernen und zu verstehen wer JaHuWaH ist, was Gnade ist, was die in der Thora enthaltenen Verheissungen enthalten und für sie bedeuten, wie sie zu verstehen sind und vieles mehr. Die Beschneidung war ganz einfach noch nicht dran.

Die Galater waren noch nicht soweit. Die Galater wurden offenbar von diesen Leuten auf ihrem Weg in die Tiefen der Thora gehindert und verführt. Sie konnten die Tiefe und die Weite der Gnade, bzw. der Begnadigung und ihre Auswirkungen noch nicht umfassend verstehen und schon kamen diese Leute mit der Beschneidung.

Shaul nahm das Bundeszeichen der Beschneidung sehr ernst, darum kämpfte er wie ein Löwe gegen diese ultraextremen Juden. Dann lieber keine Beschneidung, wenn sie nicht in ihrem tiefen Sinn, aus der Gnade heraus, verstanden wird und nur einfach so billig und respektlos, als zu erfüllendes Ritual, vollzogen wird. Dieser Weg führt direkt unter Gesetz. Zuerst müssen die Herzen sonnenklar vom Götzendienst beschnitten werden und ein umfassendes Verständnis der Stellung in JaHuWaH erkannt und erfasst sein und zwar vor der Beschneidung.

So wie bei Abraham: „Und er empfing das Zeichen der Beschneidung als Siegel der Gerechtigkeit des Glaubens, den er hatte, als er unbeschnitten war, damit er der Vater aller sei, die im Unbeschnittensein glauben, damit ihnen die Gerechtigkeit zugerechnet werde; und Vater der Beschneidung, nicht allein derer, die aus der Beschneidung sind, sondern auch derer, die in den Fussspuren des Glaubens wandeln, den unser Vater Abraham hatte, als er unbeschnitten war“ (Röm 4,11-12).

Abraham musste im Unbeschnittensein, als noch Unbeschnittener, JaHuWaH bedingungslos vertrauen und gehorchen lernen, damit er späte vermochte in diesem Vertrauen, aus dieser Beziehung mit JaHuWaH heraus, dem Götzendienst zu widerstehen und JaHuWaH bei allen Widerständen die Treue zu halten, ihn zu lieben, zu ehren und zu verherrlichen.

Genauso wie Abraham sollten die Galater noch in ihrem Unbeschnittensein den ganzen Reichtum und die Tiefen ihrer Erwählung, Berufung, Stellung, Verantwortung und die Treue JaHuWaHs zu ihnen und umgekehrt kennen lernen. Im jetzigen Zustand durften die Galater nicht beschnitten werden, denn ihre Herzen waren noch nicht beschnitten: „Denn nicht der ist ein Jude, der es äusserlich ist, noch ist die äusserliche Beschneidung im Fleisch Beschneidung; sondern der ist ein Jude, der es innerlich ist, und Beschneidung ist die des Herzens, im Geist, nicht im Buchstaben (nicht einfach als Erfüllung eines Rituals) (Röm 2,28-29).

Die Galater waren erst gerade aufgebrochen in den Fussspuren Abrahams zu gehen, bzw. glauben zu lernen, vertrauen zu lernen, „als er noch unbeschnitten war“. Alles was Shaul bis dahin in den Herzen der Galater aufgebaut hatte, wäre damit umsonst gewesen. Sie wären damit von einem Gesetz in das andere gestolpert, vom Götzendienst in das Gesetz der frommen Werkgerechtigkeit, in eine von Menschen gemachte Selbsterlösung. Sie ist eine verlogene, von Menschen gewirkte Heilsgewissheit und Heilssicherheit, die es verhindert JaHuWaH kennenzulernen und aus dieser Gemeinschaft heraus sein Leben verantwortungsvoll zu führen.

Die ultraextremen Pharisäer versuchten alle Nichtbeschnittenen unter die Beschneidung zu bringen, ohne sie vorher zu JaHuWaH und seiner Gnade geführt zu haben. Sie konnten es auch nicht mehr, so sehr waren sie beschäftigt, gefangen und blind gemacht von ihrer religiösen Werkgerechtigkeit. Werkgerechtigkeit heisst: die Erfüllung religiöser Rituale durch religiöse Amtspersonen vollzogen, verbunden mit der Lehre, dass durch das Einhalten und Erfüllen ihrer Vorschriften die Gunst JaHuWaHs und die ewige Seligkeit erlangt wird! Damit erübrigt sich jede persönliche Beziehung zu JaHuWaH und jede persönliche Verantwortung für die Handlungen seines Lebens. Das ist der Weg ins Gesetz, das ist Gesetz.

Kaum fanden die ultraextremen Juden jemanden, der Interesse für sie zeigte, beschnitten sie ihn gleich. Damit vermittelten sie dem Kandidaten den falschen Eindruck, von JaHuWah durch das Werk der Beschneidung angenommen zu sein, ohne JaHuWaH überhaupt kennen gelernt zu haben wie Abraham. Damit raubten sie den Galatern jene so wichtige Zeit die Abraham im Unbeschnittensein gegeben war um JaHuWaH und seine Heilspläne im Vertrauen aufnehmen zu können. Diese äusserst wichtige Zeit darf bei Menschen, die nicht als Säuglinge beschnitten worden sind, nie übergangen werden. Auch der als Säugling Beschnittene wird später verstehen dürfen, dass die Gnade JaHuWaHs seiner Beschneidung vorausgeht und er täglich aus dieser Gnade leben darf.

Shaul war so aufgebracht gegen seine ehemalige Mitgenossen, dass er den Galatern schrieb: „Meinetwegen können sie, die euch beunruhigen, sich auch verschneiden (vor Gesetzeslust kastrieren) lassen“ (Gal 5,12). Überall wo diese Leute mit ihrem Gesetzesdenken hinkamen predigten sie nur die Beschneidung, auf der ihre übrigen Gesetze aufgebaut waren. Wie gesagt, Shaul gehörte als junger Mann zu diesen Kreisen. Früher predigte er nur Beschneidung und wollte, wie seine ehemaligen Glaubensgenossen, alle unter diese Art der Beschneidung bringen.

Als er aber die Gnade JaHuWaHs in der Thora erkannte, verwarf er diesen Weg und konnte in diesem Zusammenhang sagen: „Ich aber Brüder, wenn ich noch (wie früher diese) Beschneidung predige, warum werde ich noch (von meinen ehemaligen Glaubensgenossen) verfolgt?“ (Gal 5,11). Er wurde von seinen ehemaligen Mitgenossen überall verfolgt. Jetzt predigte er gemäss Thora, zuerst die totale Umkehr zu JaHuWaH und seinem Geist der Begnadigung, dann die Beschneidung. „Die Beschneidung (allein, ohne vorherige Beziehung zu JaHuWaH) ist nichts, und das Unbeschnittensein (ohne Beziehung zu JaHuWaH) ist nichts, sondern das Halten, (das Verinnerlichen) der Weisungen JaHuWaHs“ (1Kor 7,19).

Darauf folgt erst die Beschneidung. Übrigens übernahmen später die Christen die Gesetzespraxis dieser Sekte. Im Verständnis und Vollzug des Taufrituals – und vielem mehr – wird dies sichtbar! Die Menschen werden damit nicht zur Thora, zum Herzen JaHuWaHs, geführt, sondern lediglich nur zu einer ständig sich wiederholenden Erfüllung von Ritualen und Vorschriften.

Wie Shaul selbst bezeugt, gehörte er früher zu dieser radikalen ultraextremen Gruppe (Apg 26,5). Darum verfolgte er früher die Juden, die sich durch den Dienst Jahushuas von diesem Gesetz, ihrem Gesetz, (ihren Menschengeboten) lossagten und sich wieder allein der Thora zuwandten. (Im Gim 40 habe ich etwas davon geschrieben). Mit dieser Gruppe, seinen ehemaligen Glaubensgenossen und ihren Vertretern in der ganzen damaligen Welt, stand Shaul sein ganzes späteres Leben lang auf Kriegsfuss, während er nun mit der grösseren Zahl der Pharisäer, die allein Eiferer für die Thora waren, ein sehr gutes Einvernehmen pflegte (vgl. Apg 15; Apg 21).

Wie schon gesagt stand auch Jahushua mit dieser Gruppe der ultraextremen Pharisäer, wegen ihres Gesetzes, ihrer Lehren ausserhalb der Thora und den Umgang damit, auf Kriegsfuss. Mit seinem ganzen Einsatz warnte er vor dieser Sekte.

Jahushua warf dieser Sekte vor: „Warum übertretet ihr die Thora (das Gebot JaHuWaHs) um eurer Gesetze (Überlieferung) willen“ ..und ihr habt so die Thora ungültig gemacht um eurer Überlieferung willen. Heuchler! Trefflich hat Jesaja über euch geweissagt.. Vergeblich aber verehren sie mich, indem sie als Lehren Menschengebote lehren.. Lasst sie! Sie sind blinde Leiter der Blinden. Wenn aber ein Blinder einen Blinden leitet, so werden beide in eine Grube fallen“ (Mt 15,3.6-9.14).

Jahushua bezeichnet also alle, die die Thora zugunsten irgendwelcher Lehren und Satzungen von Menschen ignorieren, blinde Führer, die sich und andere in eine Grube stürzen. Harte aber ehrliche Worte, die sich jeder Prediger zu Herzen nehmen müsste! Doch glücklich werden alle jene von JaHuWaH gepriesen die bekennen: „Eine Leuchte für meinen Fuss ist dein Wort, ein Licht für meinen Pfad“ (Ps 119,105).

Im nächsten Gim wollen wir dieses Thema noch etwas weiter vertiefen.

Allen wünsche ich von Herzen einen gesegneten Shabbat und viel Freude und Danksagung beim Erforschen und Entdecken SEINES Willens.

Gregor Dalliard