„Glückselig die Armen im Geist, denn ihrer ist das Reich der Himmel“ (Mt 5,3).

Glaubensimpuls 219

In der Bekenntnisschrift (BeS) „nach Lukas“ ist ganz einfach die Rede von den allgemein Armen: „Glückselig ihr Armen, denn euer ist das Reich JaHuWaHs“ (Lk 6,20). Den Armen ist grundsätzlich die Teilhabe an den Reichtümern und Schätzen JaHuWaHs verheissen. Das ist kein billiges Trostpflästerchen, für Menschen die arm sind. Nach unserem menschlichen Gerechtigkeitsempfinden könnte das unsere Überzeugung sein. In der BeS „nach Matthäus“ hingegen ist die Rede von den „Armen im Geist“: „Glückselig die Armen im Geist, denn ihrer ist das Reich der Himmel“ (Mt 5,3). Beides gab es, gibt es und wird es zu jeder Zeit geben bis das prophetische Wort in diesem Zeitalter seine Erfüllung finden wird. Wir kommen darauf zurück.

Wen bezeichnet die Bibel als „die Armen im Geist“? Wir haben schon oft darauf hingewiesen, dass zur Zeit Jahushuas die Römer das auserwählte Volk grausam unterdrückten, ausbeuteten und bewusst der Vernichtung zuführen wollten, was später beinahe fast gelungen wäre! In jener Zeit gaben viele in ihrer Verzweiflung die Beziehung zu JaHuWaH auf und suchten sich durch Anpassung Erleichterung im Leben, andere traten zum Römertum (Schweinen) über, fielen also von JaHuWaH ab. Jahushua von Nazareth nun, der nur für die verlorenen Schafe des Hauses Israel gesandt war (vgl. Mt 15,24), setzte sich mit Haut, Haar und Knochen für jeden Einzelnen dieser Verlorenen ein: „Denn der Sohn des Menschen ist gekommen, das Verlorene zu retten“ (Mt 18,11). Wohin zu retten? Zurück zur Herde, zur Gemeinde, die im Glauben Abrahams ist, im Glauben der Thora und der Propheten (vgl. Mt 5,17-19).

Lesen wir dazu das Gleichnis von den hundert Schafen, den gläubigen, gerechten Juden. Eines von ihnen hat sich von der Thora und den Propheten, d.h. von der Gemeinde JaHuWaHs, entfernt!! Er lässt die neunundneunzig in JaHuWaH Wiedergeborenen stehen und sucht das verlorene Schaf (vgl. Mt 18,12-13). Alle, die sich jemals von JaHuWaH gelöst hatten, ihnen galt der ganze Einsatz seines Lebens. Sie sollten zur Gemeinde, die aus der Thora und den Propheten ihr tägliches Brot isst und das frisch sprudelnde Wasser des Lebens trinkt, zurückgebracht werden. Sie sollten die Freude und die Kraft des Lebens haben und nicht elendlich verdursten, verhungern und sterben – und das selbst unter den schlimmsten Umständen des Lebens. Das wussten wir früher nicht. Unsere kirchliche Erziehung verweigerte uns den Zugang zu diesem Zusammenhang. Wir konnten diese Wahrheit durch die Hirnwäsche der christlichen Ersatz-Theologie nicht erkennen. Umso mehr freuen wir uns heute über die Kenntnis dieses wunderbaren Heilszusammenhanges.

Die Armen im Geist sind zunächst jene, die sich von JaHuWaH und seinen Lebens- und Heilsreichtümern gelöst haben. Sie sollen, wie das verlorene Schaf, das sich von den neunundneunzig gläubigen Juden löste, wieder zur Herde der Gemeinde JaHuWaHs zurückgebracht werden. Dort ist der Reichtum des Lebens. Dort ist Nahrung in Fülle, dort sprudeln die frischen Wasserquellen des Lebens. Jahushua zitiert nicht von ungefähr: „Es steht geschrieben: Nicht von Brot allein soll der Mensch leben, sondern von jedem Wort, das durch den Mund des JaHuWaH ausgeht“ (Mt 4,4). Wo steht das in der Thora geschrieben? In 5Mo 8,3! Jahushua lebte aus den Lebens- und Heilsreichtümern der Thora. Jahushua von Nazareth war tief, tief verwurzelt in der Thora und in den Propheten. Er konnte die Zusammenhänge des Heils in seiner Zeit bestens umsetzen und vermitteln, so dass ihn viele hören wollten und aufgerichtet wurden. Darum hielten ihm die Pharisäer den Tempel frei, damit er dort täglich lehren konnte. „Und er lehrte täglich im Tempel“ (Lk 19,47). Die Sadduzäer, die Tempelherren, mussten das wohl oder übel akzeptieren.

Wenn ein Mensch aus dem auserwählten Volk die Weisungen JaHuWaHs gering achtet, sie vernachlässigt, sie ignoriert, sie sogar bewusst ablehnt, dann ist ein solcher Mensch arm im Geist. Mag er alle Philosophien, Ideologien und Religionen der Welt kennen, er bleibt arm im Geist. Ein solcher Mensch nimmt seine Erwählung, Berufung und sein Zeugnis für die Welt, das ihm über die Verheissungen an Abraham zugesprochen ist, nicht mehr wahr. Eine Segenskraft für die Welt geht verloren. Er durchsticht das Herz des himmlischen Vaters (vgl. Sach 12,10).

Der Jude Zakkai (Zachäus) war ein Armer im Geist. Er arbeitete mit den Römern zusammen. Als Oberster der Zöllner trieb er für die Römer die ungerechten Steuern ein, was ihn unter den Juden sehr verhasst machte. Jahushua führte ihn aus seiner Armut im Geist heraus. Er führte ihn zurück zur Fülle des Lebens, d.h. zur biblischen Gemeinde zurück, zum Hause des JaHuWaH: „Jahushua aber sprach zu ihm: Heute ist diesem Haus Heil widerfahren, weil auch er ein Sohn Abrahams ist; denn der Sohn des Menschen ist gekommen, zu suchen und zu erretten, was verloren ist“ (Lk 19,9-10). Wie alle Propheten war auch Jahushua als Gesalbter dazu beauftragt: „Der Geist JaHuWaHs ist auf mir, weil er mich gesalbt hat, Armen gute Botschaft zu verkündigen..“ (Lk 4,18).

Arm im Geist waren auch solche wie sie uns in Mt 21 geschildert werden. Menschen, die Eiferer für die Thora waren, aber die Thora nicht zum Segen der Mitmenschen auslegten. Sie waren bestrebt vor lauter Übereifer die Menschen mit Auslegungen und Lehren zu belasten, die ihnen das Leben schwer machten und die Menschen zu Heuchlern entwürdigten, weil sie all diese Lehren nicht zu erfüllen vermochten. Sie erreichten damit genau das Gegenteil von dem was sie eigentlich erreichen wollten. Statt die Menschen zu JaHuWaH zu führen, zu einem mündigen persönlichen und verantwortungsvollen Umgang mit JaHuWaH und seinem Wort, führten sie diese aber von ihm weg. Der religiöse Übereifer macht arm im Geist. Jahushua zitiert hier den grossen Propheten Jeshajahu (Jesaja): „Heuchler! Trefflich hat Jesaja über euch geweissagt, indem er spricht: ‘Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, aber ihr Herz ist weit entfernt von mir. Vergeblich aber verehren sie mich, indem sie als Lehren Menschengebote lehren‘“ (Mt 15,8-9; Jes 29,13).

Auch sie sollen in die mündige Lebensfülle und -verantwortung zurückgeführt werden. Doch wer in diesem Bereich arm im Geist geworden ist, ist sehr schwer in die Lebensfülle und Eigenständigkeit, die JaHuWaH allen schenken will, zurückzuführen. Jahushua sagt darum: „Lasst sie! Sie sind blinde Leiter der Blinden. Wenn aber ein Blinder einen Blinden leitet, so werden beide in eine Grube fallen“ (Mt 15,14).

Wollen wir die Thora und Propheten in ihrer ganzen Tiefe auf das heutige Leben übersetzen, dann heisst das dem Einzelnen viel Raum zu einer rücksichtsvollen Selbstentfaltung und Gestaltung seines Lebens im Alltag einräumen.

Heute wie damals gibt es innerhalb des auserwählten Volkes, der Juden, die unterschiedlichsten Glaubensprägungen, doch für alle Richtungen bleiben Thora und Propheten Orientierungs- und Ausgangspunkt der Lebensgestaltung und Zielsetzung. Diese verschiedenen Richtungen sollen uns nicht weiter beschäftigen, denn wir tragen in erster Linie Verantwortung für unser persönliches Leben, darüber wie wir – innerhalb der Gemeinde des JaHuWaH – unser Leben nach der Thora und den Propheten gestalten und ausrichten.

Arm im Geiste ist aber auch jemand der überhaupt keine Beziehung zu JaHuWaH hat. Das Reich des JaHuWaH aber gehört ihnen, d.h. sie sind berufen daran teilzuhaben. Sie sollen wie das auserwählte Volk Anteil bekommen an den Reichtümern des Lebens, das JaHuWaH seinem Volk geschenkt hat, als dem erstgeborenen Sohn: „So spricht JaHuWaH: Mein erstgeborener Sohn ist Israel“ (2Mo 4,22). Der Ausdruck „erstgeborener Sohn“ deutet darauf hin, dass noch weitere Söhne hinzukommen werden, m.a.W.: es sollen noch weitere in die Sohnschaft geführt oder zurückgeführt werden. Alle Menschen sollen in die Sohnschaft geführt werden. Die Barmherzigkeit des JaHuWaH will – über die gerechten, bzw. gerechtfertigten Juden – alle Menschen erreichen.

Inzwischen kennen wir diese Ziele (vgl. Jes 45,22-24; Jer 31,33-34; Sach 14,16 u.v.m.). Alle Menschen werden das grosse Ziel ihres irdischen Lebens erreichen. Daran erinnert uns die immer wiederkehrende jährliche Zeit von Sukkot. Sie erinnert uns an die grosse Prophezeiung, deren Erfüllung vor uns liegt. Wir erinnern uns über das was nach dem gewaltigen globalen Krieg geschehen wird, der sich gegen das Weltjudentum, mit Zentrum in Jerushalajim, richten wird: „Und es wird geschehen: Alle Übriggebliebenen von allen Nationen, die gegen Jerushalajim gekommen sind, die werden Jahr für Jahr hinaufziehen, um den König, JaHuWaH der Heerscharen, anzubeten und das Laubhüttenfest (Sukkot) zu feiern“ (Sach 14,16). Es wird das sichere Wohnen im Haus JaHuWaHs (in der Sukka) sein. Psalm 23,6 ruft prophetisch aus: „..und ich kehre zurück ins Haus JaHuWaHs lebenslang“.

JaHuWaH zeigt uns auch durch den Propheten Jirmejahu auf, dass es am Ende dieses Zeitalters keine Menschen mehr geben wird, die arm im Geist sein werden. „Ich werde meine Thora in ihr Inneres legen und werde sie auf ihr Herz schreiben. Und ich werde ihr Erlöser sein, und sie werden mein Volk sein. Dann wird nicht mehr einer seinen Nächsten oder einer seinen Bruder lehren und sagen: Erkennt den JaHuWaH! Denn sie alle werden mich erkennen von ihrem Kleinsten bis zu ihrem Grössten, spricht JaHuWaH. Denn ich werde ihre Schuld vergeben und an ihre Sünde nicht mehr denken“ (Jer 31,33-34).

Über Jeshajahu (Jesaja) sagt er: „Wendet euch zu mir und lasst euch retten, alle ihr Enden der Erde! Denn ich bin Erlöser und keiner sonst. Ich habe bei mir selbst geschworen, aus meinem Mund ist Gerechtigkeit hervorgegangen, ein Wort, das nicht zurückkehrt: Ja, jedes Knie wird sich vor mir beugen, jede Zunge mir schwören und sagen: Nur in JaHuWaH ist Gerechtigkeit und Stärke. Zu ihm wird man kommen, und es werden alle beschämt werden, die gegen ihn entbrannt waren. In JaHuWaH werden gerecht sein und sich rühmen alle Nachkommen Israels“ (Jes 45,22-25).

Herzlich grüsse ich alle mit den Worten aus Jirmejahu (Jeremia): „Fanden sich Worte von dir, dann habe ich sie gegessen, und deine Worte waren mir zur Wonne und zur Freude meines Herzens; denn dein Name ist über mir ausgerufen, JaHuWaH, Erlöser der Heerscharen“ (Jer 15,16).

Shalom

Gregor Dalliard

V. 12.13: Vgl. Lk 15,4-7.