„.. und er selbst fing an, Mangel zu leiden“ Lk 15,14b

Glaubensimpuls 52

Die meisten von uns wissen, was uns das Gleichnis vom „verlorenen“ Sohn, besser vom barmherzigen Vater, sagen will. Jahshua spricht hier von  den zehn „verlorenen“ Stämmen Israels, die er uns im „verlorenen“ Sohn darstellt. Der ältere Sohn stellt die treuen Juden dar, die anfänglich z.T. Mühe mit dem Auftrag Jahshuas hatten (vgl. Apg Kap 10- Kap 11,1-18). Jahshua weist hier auf seine eigentliche Sendung hin, nämlich das „Verlorene“, die zehn „verlorenen“ Stämme Israels, vorübergehend ein Überrest (Erstlinge), heimzuholen zum Vater (vgl. Mt 15,24; Jo 10,16; 11,47-54; Mk 2,17; Mt 10,5; 13,17; 18,11; Lk 5,32; 15,7.10; 19,10; Römer- und Epheserbrief, 1.Petrusbrief u.a.m.). Ich möchte etwas auf das Verhalten des „verlorenen“ Sohnes eingehen, das zu dem Mangel führte unter dem er litt.

Uns begegnet ein junger Mann, der von der Lebensfülle des Vaterhauses weggeht (zum Götzendienst, Mehrgötter). Er ist überzeugt, anderswo mehr Lebensfülle und -sinn zu finden. Das mit Jahweh nicht Kompatible (was Jahweh widerspricht) reizt ihn, fasziniert ihn.  Er kann mit der Segensfülle im Hause des Vaters nicht umgehen, er nimmt sie nicht wahr. Er zieht jedenfalls keinen Nutzen daraus. Es ist das was der Vater eigentlich will, nämlich, dass der Sohn Nutzen aus der Gemeinschaft mit dem Vater zieht und aus diesem Lebensreichtum lebt, den Vater ehrt, Aussenstehende anzieht und daran teilnehmen lässt. Der Sohn gehört zwar zur Familie, ist Hausgenosse, aber er verwaltet den Lebensreichtum, den der Vater mit ihm teilen will nicht verantwortungsvoll. Im Gegenteil, er fordert sogar diesen Lebensreichtum von seinem Vater, er reisst ihn an sich, gerade so als wäre er sein Eigentum. Er nimmt ihn mit und meint aus dem Sichtfeld des Vaters verschwunden zu sein. Schliesslich missbraucht er ihn (treibt damit Götzendienst) .

Vielleicht hat sich dieser Sohn überhaupt nie die Mühe gemacht über das ernsthaft nachzudenken, was ihm im Hause des Vaters alles geschenkt ist, was ihm hier zur Verfügung steht, woran er unverdienterweise teilhat und wie er damit umgehen sollte, wie er darin glücklich sein könnte. Vielleicht war es ihm zu anstrengend, aber ohne Fleiss kein Preis!  Aus dem Kontext dieses Gleichnisses können wir wohl den Schluss ziehen, dass es ihm an Verinnerlichung, Vertiefung und Dankbarkeit seinem Vater gegenüber fehlt. Er sucht anderswo, was er Daheim zu entbehren meint. Mehr noch, er verhöhnt letztlich mit dem was er vom Vater an sich gerissen hat, den Vater vor den Götzendienern.  Er „endet“ im Mangel, im äussersten Elend. Der Vater aber hat ihn nie aus den Augen verloren! Dafür sei er gepriesen.

Manchen von uns geht es sehr ähnlich. Wie schnell gewöhnen wir uns an die Gemeinschaft mit dem himmlischen Vater Jahweh und an die unverdiente Gnade, gerade so als wäre sie uns nicht geschenkt worden. Wie schnell verkommt unser Bibellesen zu einer Formsache, die keine Umsetzung in die kleinen Dinge des Alltags bringt.  Wie schnell verrennen wir uns vom sorgfältigen Prüfen in der Bibel in ein kirchliches Theologisieren, in religiöse Phrasen und Rechthabereien und vieles mehr. Dabei verlieren wir die Beziehung zu unserem himmlischen Vater und zu all seinem Lebensreichtum, den er uns in seinem Wort in einer  Fülle zur rechten Zeit für jede Situation anbietet und auslegt. Wir fangen an Mangel zu leiden. Wir führen damit uns und unseren Mitmenschen viel Elend zu und geben ein schlechtes Beispiel ab, weil wir ja vorgeben aus dem Geist (Reichtum) der Bibel zu leben.

Unsern Mangel erkennen vor allem unsere nächsten Mitmenschen. Selber realisieren wir unsern Mangel wohl kaum und wenn, dann ziehen wir nicht die notwendigen Konsequenzen daraus. Nicht, dass wir etwa keine normalen Menschen sein dürften, denen auch ab und zu der Kragen platzt, die auch ihre Meinung, ihre Rechte und ihre berechtigten Anliegen und Wünsche haben und diese auch vertreten dürfen und sollten. Es ist vielmehr die Art und Weise wie wir mit unseren Nächsten umgehen, die auf einen Mangel in unserer Jahwehbeziehung schliessen lässt. Wir besitzen nämlich nichts an geistig-geistlichen Gütern. Alle Erkenntnisse aus der Bibel, aus dem Glaubensangebot Jahwehs, alles ist uns geschenkt, damit wir persönlich erquickt werden und das Erkannte aus dem Reichtum Jahwehs gewissenhaft und überzeugend verwalten und mit Respekt und Aufrichtigkeit vertreten – eben als Geschenk zum verwalten.

Jahweh will, dass wir jeden Tag und in allen Situationen Nutzen aus der persönlichen Gemeinschaft mit ihm und aus seinem Wort ziehen. Dass diese Beziehung bewusst und treu getan und  gewissenhaft gepflegt sein will, darüber sind sich die wenigsten Bibelleser im klaren. Zu leichtsinnig wird ein gepflegtes Innenleben mit Jahweh durch oberflächliche und nichtige Argumente (und religiöse Aktivitäten) abgetan. Doch der Umgang mit dem Nächsten offenbart die versteckten Tiefen eines Menschen. Oft sind es Frust, Bitterkeit und Bosheit, unbewältigte religiöse Erfahrungen, mit zwei Bibeldeckeln fromm getarnt, die uns begegnen! Was nun?

Wir werden zu den Hausgenossen Jahwehs gezählt. Jahshua und die Apostel waren ja vom Vater Jahweh gesandt „verlorene“ Verheissungsträger zu suchen und zu finden (vgl. Mt 15,24; Mt 9,13; Jo 1o,16 u.a.m.) Wir sind gefunden worden, du und ich! Die Juden, die berufen waren den Auftrag des Vaters an Jahshua zu beherzigen und weiterzuführen (vgl. Jo 17,2.6.20.24; 6,43 u.a.m.), vor allem die pharisäischen Priester (vgl. Apg6,7) und später „Scharen von Männern und Frauen“ (vgl Apg 5,14), alles Juden, blieben ihrer Sendung treu und erfüllten diese Aufgabe, wie Jahshua, bis zu ihrem letzten Blutstropfen, „damit er uns zu Jahweh führe“ (1 Ptr 3,18; Jo 14,6; 1. Tim 2,5 u.a.m.), damit am Ende alles Fleisch kommen und Jahweh anbeten wird (vgl. Jes 66, 22-23; 45, 22-25; Röm 14,11; Phi 2,10-11 u.a.m.).

Darum sind wir Jahwehs Hausgenossen. Wir sollen keinen Mangel leiden müssen, auch im Benehmen unseren Mitmenschen gegenüber. Weder Bitterkeit noch Verachtung sollte unseren Umgang bestimmen. Vielmehr sollten wir uns von dem väterlichen und mütterlichen Verhalten Jahwehs tragen und leiten lassen. Je nach Erfahrungen, die wir mit Menschen machen, haben Vorsicht,  eine respektvolle Zurückhaltung und ein weiser Umgang wohl ihren berechtigten Platz. Wir wollen hier keinen frommen Illusionen Raum geben. Die Mitmenschen aber sollen im Laufe der Jahre erfahren und spüren mit wem wir zusammenleben, aus welchen Quellen wir uns speisen.

Ja, wir sind zu Jahweh geführt worden. Wir sind seine Hausgenossen: „die ihr einst ’nicht sein Vok‘ wart, jetzt aber ein Volk Jahwehs seid;  die ihr ’nicht Barmherzigkeit empfangen hattet‘,  jetzt aber Barmherzigkeit empfangen habt“ (1. Ptr 2,10). Von wem spricht Kefa hier? Von Nachkommen aus den „verlorenen“ zehn Stämmen (vgl. Ho 2,1.23.25; Röm 8, 22-27), die „zu jener Zeit ohne Jahweh waren, entfremdet dem Bürgerrecht Israels und Fremdlinge hinsichtlich der Bündnisse der Verheissung; und ihr hattet keine Hoffnung, und wart ohne Jahwehbeziehung in der Welt“ ( Eph 2,12). „So seid ihr nun nicht mehr Fremde (Unwissende über Jahweh und sein Wirken) und Nichtbürger (Nichterwählte), sondern ihr seid Mitbürger der Ausgesonderten (Mitbürger des erwählten Volkes) und Jahwehs Hausgenossen“ (Eph 2,19; 3, 6).

Du als Leser/in dieses Glaubensimpulses und ich, wir dürfen alle Hilfe und alle Führung, durch jede Lebenssituation hindurch, aus der Bibel in Anspruch nehmen: „Denn wir haben nicht einen Geist der Sklaverei (ohne Führung von oben) empfangen, wieder zur Furcht (geistige Führungs- und Orientierungslosigkeit), sondern einen Geist der Sohnschaft, in dem wir rufen: Abba (d.h. Vater)“ (Röm 8, 15). Jahweh verwandelt unser Wesen. Geben wir Jahweh unsere Zeit, in der stillen Kammer. Dazu fordert uns Jahshua als erstes auf „..bete (rede, halte inne) zu deinem Vater, der im Verborgenen ist, und dein Vater, der im Verborgenen sieht, wird dir vergelten (segnen)“ (vgl.Mt 6,6). Lasst uns also nicht wie der „verlorene“ Sohn ausserhalb des Vaterhauses nach Lebenssinn, Lebensantwort, Lebenshilfe und Lösungen suchen, schade um das Elend, das wir uns und andern dabei antun. Kehren wir um zum reichem Angebot unseres Vaters, machen wir davon Gebrauch. Durchstöbern wir gerne seine Hauskammern.

Damit sind wir beim tiefsten Sinn des biblischen Festes Rosh Hashana (Neujahrsfest), das Jahweh zu unserem Segen verordnet hat, angekommen. Es beginnt am 16. Sept. nach Sonnenuntergang. Nicht nur die Juden feiern dieses Fest des himmlischen Vaters, auch immer mehr kirchlich geprägte Menschen weltweit, die sich mit dem Kirchentum auseinandersetzen und nach dem zusammenhängenden Sinn und den Wurzeln unseres Glaubens suchen.

Zu diesem Fest wünsche ich allen ganz herzlich Shalom u’vracha (Frieden und Segen).

Gregor Dalliard

Von Donnerstag, 20. 09. abends bis Sonntag 23. 09. mittags bieten wir eine Bibelfreizeit im Ferien- und Familienhotel Alpina, Flecklistr. 40  in 3715 Adelboden an.

Anmeldung: Tel.: 033 673 75 75; info@alpina-adelboden.ch