Der Segen, sich segnen, segnen (1Mo 12,3) – Esau. Teil 2

Glaubensimpuls 225

Von den Frauen Esaus lesen wir: „Und sie waren ein Herzeleid für Itzhak und Rebekka“ (1Mo 26,35). Warum waren sie für Itzhak und Rebekka ein Herzeleid? Abraham und Itzhak lebten als Nomaden. Im Unterschied zu allen andern Stämmen und Völkern der Welt beteten sie nur einen Erlöser (Gott) an und dienten ihm allein. Er offenbarte sich als JHWH = JaHuWaH, als der einzig EINE, der Himmel und Erde geschaffen hat und der die ganze Menschheit zu sich und zu den Ordnungen des Lebens zurückführen wird. Deswegen und dazu hatte er sich später über Abraham ein Volk auserwählt.

Der Name JaHuWaH besagt, dass JaHuWaH der immer Daseiende ist, derjenige, der sein auserwähltes Volk – und jeden von uns, der in ihm wiedergeboren ist, d.h. ihm vertraut – überallhin führt, begleitet und hindurchführt und das in guten wie in schlechten Tagen. Er ist derjenige der immer und überall mit diesem Volk unterwegs ist, der mit ihm durch die Gezeiten wandert, bis das genannte Ziel erreicht sein wird. Das schliesst die Beachtung und das Suchen nach den Grundordnungen des menschlichen Zusammenlebens, die JaHuWaH gibt, mit ein. Die Grundordnungen der Bibel, wie etwa die Zeichen des bleibenden Bundesschlusses mit Abraham und die zehn Weisungen (zehn Gebote) bleiben als Orientierungspunkte allen Lebens der leuchtende und tragende Mittelpunkt. Sie sind wie ein Leuchtturm auf hoher See. Sie sind das tragende Gummiseil beim Bungeespringen. Er, JaHuWaH, ist derjenige Geist, diejenige Kraft, die mit jedem einzelnen Menschen – mitten aus seinen jeweiligen Erlebnissen und Umständen heraus – nach Lösungen sucht, wo Lösungen gefunden werden müssen und sie mit dem betreffenden Menschen lebt.

JaHuWaH bestätigt und vertieft später diese Rechtsbestimmungen und Ordnungen über Moshe: „Meine Rechtsbestimmungen sollt ihr tun, und meine Ordnungen sollt ihr halten, um in ihnen zu leben. Ich bin JaHuWaH, euer Erlöser (Gott). Und meine Ordnungen und meine Rechtsbestimmungen sollt ihr halten. Durch sie wird der Mensch, der sie tut, Leben haben. Ich bin JaHuWaH“ (3Mo 18,4-5). Das ist wunderbar und gibt den Menschen Schutz und die nötige Sicherheit hier auf Erden. Diese Worte ermutigen uns gerne nach den Rechtsbestimmungen und Ordnungen JaHuWaHs zu suchen, zu forschen und sie – so gut wie irgend möglich – umzusetzen. Das wiederum erfreut unsere Herzen und macht uns zufrieden.

Esau, der Erstgeborene, achtete diesen wunderbaren Segen der Abraham anvertraut worden war als gering. Er ignorierte diesen Segen. Damit drohte die einzigartige Beziehung zwischen JaHuWaH und den Menschen unterzugehen. Allgemein reden wir vom Monotheismus, dem Eingottglauben, wie er heute noch von bestimmten gläubigen Juden treu gelebt wird. Jahushua von Nazareth bezeichnete jene Juden als die Gerechtfertigten, die Gerechten. Er ist nicht gekommen die gerechtfertigten Juden zu rufen, sondern die verlorenen (vgl. Mk 2,17; Mt 9,13; 10,5-6; 15,24; 18,11; Lk 5,31-35; 15,6-7; 19,10 u.a.m.). Dieser Monotheismus allein birgt das Geheimnis der Lebensfülle in sich, jene Lebensfülle mit den gesunden Lebensstrukturen die jeder Einzelne, aber auch jede Gemeinschaft, zu einem gesunden und harmonischen Zusammenleben braucht.

Achten wir auf Abraham! Wie gibt er diese Beziehung mit JaHuWaH weiter? Entschieden war er darauf bedacht für Itzhak eine Frau zu finden, die fähig sein sollte die Beziehung zu JaHuWaH zu suchen, zu finden und zu festigen. Sie sollte fähig werden die Rechtsbestimmungen, Ordnungen und Verheissungen an die nächste Generation weiter zu vermitteln. Darum betraute Abraham seinen Vermögensverwalter mit einer ganz besonderen Aufgabe. Abraham war, nebenbei bemerkt, sehr wohlhabend (vgl. 1Mo 13,2). Sein Vermögensverwalter sollte im fernen Mesopotamien eine Frau für Itzhak holen. Was erstaunt uns dabei? Er sollte zu den Verwandten Abrahams gehen (vgl. 1Mo 24,4.38), also zu jenen, die Abraham damals verlassen hatte um JaHuWaH ungeteilt dienen zu können. Er sollte zu Abrahams Bruder Nahor gehen (vgl. 1Mo 11,27-32).

Wie sollen wir aber dieses Verhalten Abrahams einordnen? Folgendes müssen wir beachten: Neben Abraham und Sara gab es weit und breit keine Menschen, die dem einzig EINEN JaHuWaH vertrauten, an ihn glaubten und sich bemühten seine Rechtsbestimmungen und Ordnungen zu halten und an seine Verheissungen zu glauben. Die Völker, die vor dem israelitisch-jüdischen Volk in Kanaan lebten waren verdorbener als alle andern Völker der Erde. In ihrer Verdorbenheit führten sie die Menschheit systematisch dem moralischen Untergang entgegen. Diesen Völkern war deswegen der Untergang prophezeit (vgl. 3Mo 18,6-30; 5Mo 7,1ff). Zu ihnen gehörte auch ein Hetiterstamm im Land Kanaan. Darum verbot JaHuWaH über Abraham, und später auch über Moshe und die Propheten, sich mit den Völkern die in Kanaan ansässig waren zu verschwägern (vgl. 5Mo 7,3-4). Eine Frau aus dem ehemaligen Umfeld Abrahams war das kleinere Übel!

Was uns sehr berührt ist die Frage des Vermögensverwalters. „Vielleicht wird die Frau mir nicht in dieses Land folgen wollen. Soll ich dann deinen Sohn in das Land zurückbringen, aus dem du ausgezogen bist? Da sagte Abraham zu ihm: Hüte dich wohl, meinen Sohn dorthin zurückzubringen! JaHuWaH, der Schöpfer (Gott) des Himmels, der mich aus dem Haus meines Vaters und aus dem Land meiner Verwandtschaft genommen und der zu mir geredet und der mir dies geschworen hat: Deinen Nachkommen will ich dieses Land geben, der wird seinen Engel vor dir hersenden, dass du eine Frau für meinen Sohn von dort holen kannst. Wenn aber die Frau dir nicht folgen will, so bist du frei von diesem Schwur. Nur sollst du meinen Sohn nicht dorthin zurückbringen! Und der Knecht legte seine Hand unter die Hüfte Abrahams, seines Herrn, und schwor ihm in Hinsicht auf dieses Wort“ (1Mo 24,5-9).

Diese verdorbenen Völker wollten sich nicht von ihrem lasterhaften Leben lossagen und umkehren. Wer sich von diesem lasterhaften Leben lossagte, konnte am Leben bleiben. Wir lesen später von der berühmten Busspredigt des Jona in Ninive, einer mesopotamischen Stadt im heutigen Irak. Der Prophet aus dem Nordreich Israel, Jona, soll der Stadt und ihren Bewohnern ob ihrer Bosheit das schwere Strafgericht JaHuWaHs ankündigen. Doch was gehen Jona JaHuWaH-lose (gottlose) ferne Menschen an? Er weigert sich JaHuWaH zu gehorchen und flieht vor diesem Auftrag. Zudem ist ein solcher Auftrag mit Verachtung, Entbehrungen und Leiden verbunden. Doch JaHuWaH lässt Jona keine Ruhe bis er hingeht.

Hier zeigt sich der Segen Abrahams der dem israelitisch-jüdischen Volk für die ganze Welt aufgetragen ist: „..denn mir gehört die ganze Erde. Und ihr sollt mir ein Königreich von Priestern und eine heilige Nation sein“ (2Mo 19,6). Der Ausdruck „Priester“ besagt: Allein das auserwählte Volk ist über Abraham berufen und bestimmt alle Menschen zur Umkehr zu rufen – und alle, die hinzugetan werden, denn die Gnade und Barmherzigkeit gilt allen Menschen. Israel bleibt somit der leidende Gottesknecht in dieser Welt und in allen Generationen. Es ist der Weg der in dieser Welt mit Leiden verbunden ist (vgl. Jes 53). In einer sehr engen Beziehung mit JaHuWaH und seinem prophetischen Wort wird dieser Weg der Leiden ein Weg des Segens, sonst wird er zur Qual. Das musste auch Jona verstehen lernen!

Durch Ungehorsam machte sich Jona das Leben zur Qual. Schert sich ein Auserwählter um JaHuWaHs Auftrag und versucht sich vor dem Angesicht JaHuWaHs zu verstecken und sich aus dem Staube zu machen, dann wird er kein gesegnetes Leben führen können. „Die Männer (auf dem Schiff) hatten nämlich erfahren, dass er vor dem Angesicht des JaHuWaH auf der Flucht war, denn er hatte es ihnen mitgeteilt“ (Jon 1,10). Sein Gewissen, seine Feinfühligkeit, liess ihm keine Ruhe. Er konnte sein verkehrtes Verhalten nicht für sich behalten. So wurde er schliesslich doch zum Gottesknecht, zum Messias, Gesalbten, für die Menschen von Ninive. „Da machte Jona sich auf und ging nach Ninive, gemäss dem Wort JaHuWaHs. Ninive aber war eine grosse Stadt vor JaHuWaH, drei Tage zu durchwandern. Und Jona begann, in die Stadt hineinzugehen, eine Tagereise weit. Und er rief und sprach:

Noch vierzig Tage und Ninive ist zerstört! Da vertrauten (glaubten) die Leute von Ninive JaHuWaH; und sie riefen ein Fasten aus und kleideten sich in Sacktuch von ihrem Grössten bis zu ihrem Kleinsten. Und das Wort erreichte den König von Ninive; und er stand von seinem Thron auf, legte seinen Mantel ab, hüllte sich in Sacktuch und setzte sich in den Staub“ (Jon 3,4-6). Das Messianische, d.h. die Salbung, die Wirkung seines Dienstes, der Segen Abrahams, war gewaltig und eindrücklich. „Und JaHuWaH sah ihre Taten, dass sie von ihrem bösen Weg umkehrten. Und JaHuWaH liess sich das Unheil gereuen, das er ihnen zu tun angesagt hatte, und er tat es nicht“ (Jon 3,10). Wirklich eindrücklich! Die Menschen erlebten eine Wiedergeburt im und aus dem Herzen JaHuWaHs heraus.

So gibt es eine ganze Reihe von Zeugnissen in der Bibel die uns an die Umkehr, die Wiedergeburt von Heiden in JaHuWaH berichten. Heiden, die aus jenen Völkern kamen, die dem Untergang geweiht waren. So z.B. der Hetiter Urijahu, der Mann Batshebas (2Sam 11-12), der nach seiner Umkehr zu JaHuWaH (Wiedergeburt in JaHuWaH) in der Armee Davids ein angesehener Mann geworden war und in Davids Nachbarschaft wohnte. Wir denken an Rahab und ihre Verwandten in Jericho (Jos 2), an die Moabiterin Ruth (Rt 1,16) und viele andere mehr.

Mit diesen Inhalten des neuen Lebens, mit diesem Segen aus und in JaHuWaH, vermochte Esau nicht umzugehen. Er lernte diesen Segen mit den Verheissungen nicht in sein Leben hineinzunehmen und daraus zu leben. Wie viel wert war Esau dieser Segen im Verhältnis zu dem Linsengericht (vgl. 1Mo 25,29-34)? Das sind entscheidende Herausforderungen, Prüfungen! Er fühlte sich möglicherweise wegen seines Andersseins als die heidnische Masse, die ihn und seine Familie zu jener Zeit in Kanaan umgab, zu sehr ausgeschlossen. Er passte sich den Heiden an. Jedenfalls verleugnete er durch sein Verhalten und seine Ehen mit Frauen der Hetiter die Segens- und Verheissungslinie. „Und Esau war vierzig Jahre alt, da nahm er Jehudit, die Tochter des Hetiters Beeri, zur Frau und Basemat, die Tochter des Hetiters Elon. Und sie waren ein Herzeleid für Itzhak und Rebekka“ (1Mo 26,34-35).

Offenbar zogen diese Frauen Esau zu den religiösen Traditionen ihres Glaubens hin. Rein äusserlich gesehen werden heidnische Kulte sehr gemütsvoll praktiziert. Die sehr mystischen Abläufe schalten Verstand und Vernunft aus und reduzieren den Teilnehmer zu einem willfährigen Objekt der handelnden Priester. Als geübte Mystagogen verfügen sie schnell über die Sinne der ahnungslosen Teilnehmer, die ihnen blind vertrauen und sich ihnen damit schutzlos ausliefern. Wie einen Süchtigen zieht es den religiös besoffenen Menschen immer wieder neu zurück in diesen religiösen Rausch, in diese Rituale, auch Liturgie genannt. Wenn solche religiöse Praktiken zusätzlich noch als der Wille der Gottheiten bezeichnet und mit inneren reinigenden Notwendigkeiten verbunden werden, dann wird eine solche Praxis schnell zur Religion, zu einem unerlässlichen und traditionellen Kult, der von Generation zu Generation weitergegeben und vertieft wird. Irgendwann gehört er zum streng gehüteten Volkstum, zur religiösen Kultur des Landes. Wer einen solchen traditionsschweren religiösen Kult kritisiert riskiert Ablehnung, Ausgrenzung und unter Umständen sein Leben.

Rebekka fürchtete auch Jakob könnte sich eine der Töchter Chets (Hetiter) zur Frau nehmen. „Und Rebekka sagte zu Itzhak: Ich bin des Lebens überdrüssig wegen der Töchter Hets. Wenn Jakob auch eine Frau wie diese nimmt, von den Töchtern Hets, von den Töchtern des Landes, was sollte mir dann noch das Leben?“ (1Mo 27,46). Die Eltern Itzhak und Rebekka waren sich der Verantwortung des Segens und der Verheissungen die an Abraham ergangen waren, voll bewusst. Sie lebten in den Ordnungen JaHuWaHs. Sie nahmen ihre Verantwortung sehr ernst und hatten ihre Kinder entsprechend erzogen und unterwiesen. Doch das Umfeld in dem sie lebten war tief geprägt vom Geiste Babels (vgl. 1Mo 11,1ff). Dieser Geist zog die Menschen immer weiter weg von JaHuWaH, dem Schöpfer Himmels und der Erde. Itzhak und Rebekka hingegen wuchsen immer näher zu JaHuWaH und seinen Lebensordnungen. Das sind zwei konträre Wege. Das schafft unter Menschen Distanz und innere Entfremdung. Diese inneren Entfremdungen ergeben sich, selbst dann wenn man äusserlich zusammenlebt oder -leben muss.

Rebekka erfasste die Situation. Sie musste eingreifen um den Glauben an den einzig EINEN JaHuWaH mit dem verheissenen Segen an die nächste Generation weiterzugeben. Wir können wohl nur ahnen warum Rebekka jenen Weg wählte, wie er uns in 1Mose 27 beschrieben ist und der allgemein als ein unlauterer Weg beurteilt wird. Konnte sie mit Itzhak nicht offen darüber reden? Hatte Itzhak im Alter gelegentlich, ab und zu, geistige Aussetzer, war aber dazwischen wieder voll dabei? Sie tut das, was notwendig ist, weil es offenbar anders nicht mehr ging.

Als Rebekka wegen der Frauen Esaus des Lebens überdrüssig war reagierte Itzhak: „Da rief Itzhak den Jakob und segnete ihn. Und er befahl ihm und sagte zu ihm: Nimm dir nicht eine Frau von den Töchtern Kanaans! Mache dich auf, geh nach Paddan-Aram zum Haus Betuels, des Vaters deiner Mutter, und nimm dir von dort eine Frau von den Töchtern Labans, des Bruders deiner Mutter! JaHuWaH, der Allmächtige, segne dich und mache dich fruchtbar und vermehre dich, dass du zu einer Schar von Völkern werdest; und er gebe dir den Segen Abrahams, dir und deiner Nachkommenschaft mit dir, damit du das Land deiner Fremdlingschaft, das JaHuWah dem Abraham gegeben hat, in Besitz nehmest! So entliess Itshak den Jakob, und er ging nach Paddan-Aram zu Laban, dem Sohn des Aramäers Betuel, dem Bruder Rebekkas, der Mutter Jakobs und Esaus“ (1Mo 28,1-5). Eine Frau (bzw. Frauen) aus der Verwandtschaft war auch in diesem Fall das kleinere Übel. Wir erinnern uns an die wachsende Hinwendung Leas zu JaHuWaH!

Esau schien das Verlorene wieder zu erlangen, indem er als dritte Frau die Tochter des Sohnes Abrahams, des Ismael, heiratete (vgl. 1Mo 28,6-9).

Ein Gedanke als Gruss! Da begann er (Bileam) seinen Spruch und sprach: Aus Aram hat Balak mich hergeführt, von den Bergen des Ostens der König von Moab: Komm, verfluche mir Jakob! Ja, komm und verwünsche Israel! Wie soll ich verfluchen, wen JaHuWaH nicht verflucht, und wie verwünschen, wen JaHuWaH nicht verwünscht hat?“ (4Mo 23,7-8). Darum wollen auch wir nicht verfluchen, was JaHuWaH nicht verflucht, sondern mehr und mehr in den Segen Abrahams einsteigen! Ist das nicht wunderbar? Haben wir Mut dazu! In dieser Freude grüsse ich alle herzlich und wünsche allen einen reich gesegneten Shabbat. Shalom!

Gregor Dalliard